Musik ist politisch! Musik und Politik gingen schon immer Hand in Hand. Bereits in den 70ern komponierten Black Sabbath mit War Pigs ein ausdrucksstarkes Anti-Kriegs-Lied. In den darauffolgenden Jahrzehnten änderte sich nichts an dieser Synergie: Der Punk stemmte sich in den 80ern gegen Staat und Neonazis, während der Thrash Metal die Gesellschaft mit scharfem Blick kritisierte.
Und in den 90ern entstand in Norwegen jener berüchtigte Kreis junger Bands, aus dem der damals noch wilde, rohe Black Metal hervorging. Hinter Corpsepaint und umgedrehten Kreuzen verbargen sich jedoch nicht nur jugendliche Provokateure – einige griffen offen nationalistische, rassistische oder antisemitische Ideologien auf und ließen sie teilweise in ihre Musik einfließen. Die wohl bekannteste Figur dieses Spektrums ist bis heute Varg Vikernes und dessen Projekt Burzum. Zwar ließ der Musiker keine expliziten politischen Botschaften in die Musik fließen, war aber umso offener damit in Fanzines, Zeitungen und später auf YouTube.
In diesem Text möchte ich meine persönlichen Erfahrungen als Konzertbesucher in der deutschen Black-Metal-Szene teilen – insbesondere im Hinblick auf politisch-ideologische Zeichen, die mir im Laufe der Jahre begegnet sind. Obwohl ich regelmäßig Konzertberichte schreibe, habe ich meist wenig Backstage-Kontakt und begegne den Bands selbst nur selten. Die Musiker und Künstler sind zudem nicht gerade bekannt für besonders klare politische Bekenntnisse während der Auftritte oder auf öffentlichen Plattformen, wie Social Media. Und doch hatte ich bestimmte Momente während der Veranstaltungen und sah, mit aufmerksamem Blick, immer wieder Symbole auf, die deutlich in eine politische Richtung deuten.
Manche dieser Momente geben mir Hoffnung – bei anderen läuft es immer wieder kalt den Rücken herunter. Über diese Momente, besonders die positiven, möchte ich mit euch sprechen, und ich freue mich sehr auf eure Meinungen dazu in den Kommentaren.
Ein Überblick:
Oberflächlich wirkt der Black Metal oft so, als wolle er sich vollständig von Politik distanzieren. Ein Festivalbetreiber in Bornstedt versicherte mir einmal sogar, dies sei der ausdrückliche Wille von ihm und die lauten Jubelrufe der Besucher wiesen auf Zustimmung hin. Ich habe in den Jahren aber gelernt, dass diese Szene politisch ist – bis in die Haarspitzen.
Das beginnt schon bei einem oberflächlichen Blick auf das Merchandise an den Besuchern: Burzum-Hoodies und Goatmoon-Aufnäher sind mir mehrmals begegnet, und jedes Mal zieht sich mir der Magen zusammen. Es erinnert mich schmerzhaft daran, dass die meisten Veranstaltungen eben kein linker Safespace sind. Und doch – es regt sich Widerstand in der Szene!
Ich erinnere mich mit großer Freude an den Auftritt von 1914, deren klare Ansage den Mythos des „unpolitischen“ Black Metal frontal angriff. Genau wie Dymna Lotva positionierten sie sich offen gegen Putin und dessen Invasionskrieg in der Ukraine. Mir ging das Herz auf, als Praise the Plague in Berlin dem NSBM mit knappen, unmissverständlichen Worten die Stirn boten. Und selbst kleine Gesten können viel bedeuten: Bei Haeresis lagen am Merch-Tisch Sticker mit der Aufschrift „Eat the rich“, gratis zum Mitnehmen – ein stilles, aber deutliches Statement.
Es gibt also Künstler mit klar linken Positionen. Doch wie sieht es bei Veranstaltern und dem Publikum aus?
Immer häufiger entdecke ich auf Kutten Aufnäher aus dem linken Spektrum oder klare Botschaften gegen Neonazis – ein Trend, der mich tief hoffen lässt. Auch viele Veranstalter und Locations entwickeln sich in eine Richtung, die man nur begrüßen kann: Unisex-Toiletten, Poster gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie, Hinweise auf unerwünschte Bands oder Symbole. Manchmal reichen ein paar linke Sticker an der Tür und ich weiß: Hier kann ich ohne Anspannung ein Konzert erleben, ohne mit unerwünschter rechten Politik konfrontiert zu werden.
Oft sind es Jugendclubs, die solche Safespaces bieten und besonders in Städten wie Berlin oder Leipzig haben sich feste Orte etabliert, an denen Black-Metal-Fans bewusst eine klare Grenze gegen Rechts ziehen. Diese Locations schreiben ihre antifaschistische Haltung oft direkt auf die Plakate – ein deutliches Signal, wer willkommen ist und wer nicht.
Auch außerhalb der Konzerte formiert sich Widerstand. Labels und Künstler beziehen zunehmend Stellung: Einige Labels nehmen nur Bands außerhalb des rechten Spektrums unter Vertrag. Der Künstler hinter Misanthropic Art nutzt regelmäßig seine Plattform, um NSBM abzulehnen und vor der Unterstützung solcher Bands zu warnen.
Fazit:
Der Black Metal war viele Jahre ein stiller Rückzugsort für die rechte Szene. Doch in den letzten Jahren ist ein spürbarer, linker Gegenwind entstanden – eine Bewegung, die diese Musik Stück für Stück aus den Klauen der rechten Szene zurückerobert. Ich begrüße diese Entwicklung von Herzen. Und ich werde weiterhin sehr genau beobachten, wohin sie uns führen wird.
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Bei der Aktion Adventskalender geht es dieses Jahr drum, einige Themen zu besprechen und zu diskutieren. Dinge, die bei Reviews, Konzertberichten und anderen Artikeln gerne untergehen. Persönliche Meinungen, Beobachtungen, Erlebnisse. Und auch ihr seid gefragt, antwortet gerne auf diese Themen, wir sind gespannt.
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