Mit dem Sturmtief Elli dominierten am zweiten Januarwochenende Schnee und Kälte in Würzburg. Zu der gleichen Zeit, am 09. und 10. Januar 2026, fand das Baphofest Winternights in der Posthalle statt. Während draußen der Wind ungestüm durch die Straßen fegte, fand innerhalb der Halle eine ganz andere Art von Sturm statt: Schwarzer, wuchtiger Black Metal verschiedener Spielarten und aus verschiedenen Ländern wurde auf diesem Festival gespielt, welches dieses Mal erstmals an zwei Tagen stattfand. Der Freitag war dabei auch ein Zwischenstopp der Zerfall-Tour der Bands Ellende, Karg und Firtan, die Auftakt zu diesem Wochenende gestalteten. Am Samstag sollte ein vielseitiges Line-up mit Bands aus Deutschland und anderen Ländern Europas folgen.
Wir von Dark-Art waren an beiden Tagen mit Stift und Kamera vor Ort, um eines der ersten Festivals im neuen Jahr für euch festzuhalten und davon zu berichten.
Boötes Void
Den Auftakt der diesjährigen Baphofest Winternights machte die lokal sehr bekannte Band Boötes Void, die an diesem Abend vor den Bands der Zerfall Tour auf der Bühne stand.
Ein trügerisch liebliches Intro erklang aus den Lautsprechern, während die Musiker maskiert und in schwarze Gewänder gehüllt die Bühne betraten. Kaum war die Band vollständig versammelt und hatte ihre Instrumente ergriffen, explodierte die Stimmung schlagartig. Mit infernalen Schreien, dichten Riffs und knochenzermalmendem Schlagzeugspiel begann der Abend.
Innerhalb weniger Minuten sammelten sich die Besucher*innen dutzendweise vor der Bühne. Wo zu Beginn nur vereinzelt und zaghaft Fäuste gehoben wurden, formierte sich bald eine geschlossene Phalanx aus emporgereckten Fäusten und Teufelshörnern.
Die Musik der Band wechselte innerhalb der Setlist zwischen anfangs melancholischen, sehr emotionalen Liedern, deren Melodien zwischen den dichten Akkorden dahinflossen, und rasanten, aggressiven Stücken, die eine massive Klangwand aufbauten. Als kleine Überraschung erschien beim Lied Panta Rhei Lukas Gosch, Gründer und Frontmann von Ellende, auf der Bühne und übernahm einige Gesangspassagen.
Inmitten dieser Momente ereignete sich mein persönliches visuelles Highlight der Show: Der Sänger von Boötes Void lehnte sich mit dem Oberkörper in die beiden Hörner des aufgestellten Bandlogos und wirkte mit seinem langen schwarzen Mantel und dem verdeckten Gesicht wie eine unheimliche Sagengestalt. Diese kurze Performance empfand ich als äußerst stimmig.
Unter lautem Jubel endete der erste Auftritt des Abends, bevor schließlich die Bands der Zerfall Tour die Bühne übernahmen.
Setliste: Erkenntnis // Breathe // Beltane // The Anguished’s Odyssey // Woods Of Desolation // Euphoria // Panta Rhei
Firtan
Sphärische, schwer greifbare Musik und blutrotes Licht fluteten die Bühne, als die Musiker*innen erschienen und sich mit dem Rücken zum Publikum aufstellten. So verharrten sie mehrere Momente, bis sie sich auf ein unsichtbares Signal hin umdrehten und das Konzert begannen.
Genau wie Boötes Void schufen sie mit ihrer Musik einen krassen Kontrast zu ihrem Opening. Ihr musikalischer Auftakt wurde ebenfalls von einem Gastauftritt begleitet: JJ, der Sänger von Karg, erschien auf der Bühne und sang beim Lied Hrenga mit. Dies blieb jedoch nicht der einzige Gastmoment des Konzerts, denn auch Lukas Gosch trat erneut auf und unterstützte die Band gesanglich bei Wermut hoch am Horizont.
Für mich stellte die Performance von Klara Bachmair, der Geigerin der Band, das klare Highlight des Auftritts dar. In ihrem weißen Kleid schwebte sie mit eleganten Bewegungen über die Bühne, und ihr kurzes Geigensolo weit zu Beginn des Konzerts, wie auch das instrumentale Duett am Ende des Sets, wirkten wie ein musikalischer Lichtstrahl, der die finsteren Klänge der übrigen Bandmitglieder durchbrach und die Atmosphäre zumindest für einige Augenblicke auflockerte. Dieses Solo berührte mich sehr. Bachmair bildete in vielerlei Hinsicht einen weiteren starken Kontrast zum restlichen Bandgefüge, das mit dunkler, zerrissener Kleidung, insgesamt rauem und rüdem Auftreten sowie emotionsgeladenem Black Metal eine gänzlich andere Wirkung entfaltete.
Vom ersten Lied an verhielten sich die Zuschauer*innen wie im Wahn. In der ersten Reihe standen einige äußerst enthusiastische Headbanger*innen, während sich der restliche Hallenraum in einen wilden Mob verwandelte, der lautstark schrie und immer wieder die Hände emporstreckte. Das rote Licht, das bei vielen Liedern dominierte, verwandelte das Szenario in einen brodelnden Hexenkessel – ein wahrlich beeindruckender Anblick.
Setliste: Hrenga // Nacht Verweil // Arkanum // Wermut hoch am Horizont // Amor Fati // Komm herbei, schwarze Nacht // Wenn sich mir einst alle Ringe schließen
Karg
Rosafarbenes Licht pulsierte im Takt des zu Beginn eingespielten Pianos und blieb auch bestehen, als die Musiker die Bühne betraten. Im Gegensatz zu sämtlichen anderen Bands an diesem Abend trugen die Mitglieder von Karg keine ausgefallenen Outfits und verzichteten auch vollständig auf aufwendige Bühnendekoration. Lediglich vereinzelte, sanfte Stöße aus der Nebelmaschine durchbrachen die ansonsten beinahe sterile Atmosphäre auf der Bühne und verliehen auf visueller Ebene eine dezent angedeutete Emotionalität. Der Auftritt wirkte auf den ersten Blick schnörkellos und nüchtern, verbarg jedoch eine subtil verspielte Ader.
Musikalisch präsentierte sich die Band mit glattem, rasantem und drückendem Post-Black-Metal, in dem sich einige sehr virtuose Riffs sowie versponnene, fast fragile Melodien versteckten. Oft begannen die Stücke mit einem melodischen Auftakt, bevor sie mit einem kalten Schnitt in harschen Black Metal übergingen. Dieser musikalische Kontrast entwickelte sich für mich schnell zu einem der größten musikalischen Highlights des gesamten Abends.
Die Besucher*innen verharrten während des gesamten Auftritts gespannt an ihren Plätzen und bewegten sich meist nur leicht, indem sie mit geschlossenen Augen im Takt nickten. Andächtig, ruhig und ohne jede Spur von Aggression oder ungezügeltem Bewegungsdrang nahm das Publikum die Musik in sich auf.
Auch Karg wurde an diesem Abend von Gastmusiker*innen unterstützt: Zum einen von Klara Bachmair mit ihrer Geige, zum anderen durfte natürlich auch Lukas Gosch nicht fehlen. Der Sänger von Ellende hatte an diesem Abend tatsächlich bei jedem Auftritt gesanglich mitgewirkt. Während der Auftritt von Lukas für mich keine Überraschung darstellte, war Klara Bachmairs Beteiligung unerwartet und äußerst willkommen. Ihr Geigenspiel erweiterte und bereicherte die musikalische Palette von Karg um eine zusätzliche melodische Ebene, und ich genoss jeden Moment dieses Gastspiels.
Zusammengefasst war der Auftritt von Karg für mich der stärkste des gesamten Abends.
Setliste: Findling // Ebbe//Flut // Kimm // Annapurna // Petrichor // Yügen
Ellende
Zunächst erschienen die Musiker der Band ohne ihren Sänger auf der Bühne und begannen unter nahezu stroboskopartigem, klinisch weißem Licht, die ersten Akkorde zu spielen. Dies geschah über einige spannungsgeladene Augenblicke hinweg, bis sich schließlich auch der Frontmann zu ihnen gesellte und damit den letzten Auftritt des Abends einleitete.
Die Musiker mit den schwarzen Linien in ihren Gesichtern und der Sänger, behangen mit Tierknochen, wirkten im grellen weißen Licht und auf der ansonsten leeren Bühne befremdlich und entrückt. Die Band erschien dabei beinahe deplatziert, jedoch eindeutig als bewusst gewähltes Stilmittel. Dieser künstlerisch geschaffene Eindruck der Fremdheit wurde beim Lied Zerfall noch verstärkt: Ein knallbunter Lichtsturm brach über die Bühne herein, Scheinwerfer warfen Farben in wildem Reigen durch den Raum, während die Band ihre pechschwarze Musik unerbittlich in die Ohren der Besucher*innen hämmerte.
Währenddessen taute die Crowd zunehmend auf. Aus dem entspannten Nicken während der ersten beiden Lieder entwickelte sich bald wildes Headbangen und enthusiastisch emporgestreckte Fäuste, die sich vom Wellenbrecher bis weit ans Ende der Halle fortsetzten.
Im Verlauf des Auftritts durfte natürlich auch ein Gastauftritt nicht fehlen: So erschien Klara Bachmair zum dritten Mal an diesem Abend auf der Bühne und war damit beinahe ebenso präsent wie Lukas Gosch. Insgesamt trat die Musikerin während des Ellende-Sets zweimal in Erscheinung. Zunächst fiel mir ihr Bühnenoutfit ins Auge: Sie trug ein schwarzes Kleid mit einem Ledergürtel, an dem die Kieferknochen eines kleineren Tieres befestigt waren, sowie ein Make-up, das deutlich an die schwarzen Gesichtslinien der Band angelehnt schien. Optisch fügte sie sich damit nahtlos in das Gesamtbild ein. Musikalisch präsentierte sie zwei kurze, aber umso betörendere Auftritte, und erneut war es das Zusammenspiel aus klaren Geigenklängen und brachialem Black Metal, das mir eine Gänsehaut bescherte.
Zum großen Abschluss beschenkten Ellende das Publikum mit zwei Zugaben: Ballade auf den Tod und Abschied, die mit freudigem Applaus quittiert wurden. Während eines dieser Stücke positionierte sich der Sänger direkt vor dem Schlagzeug unter einem Lichtkegel von der Decke, und sang in erhabener Pose. Dieser Anblick packte mich zum Schluss noch einmal vollkommen, und ich stimmte erschöpft, aber begeistert in den abschließenden Applaus ein.
Setliste: Zerfall // Hand aufs Herz // Zeitenwende I // Zeitenwende II // Meer // Wahrheit II // Ode aus Licht // Freier Fall // Der letzte Marsch // Ballade auf den Tod // Abschied
Fazit
Damit endete der Freitag der diesjährigen Baphofest Winternights, und ich empfand diesen Auftakt insgesamt als sehr gelungen. Die im Vergleich zum Samstag geringere Anzahl an Bands ermöglichte mir einen entspannten Einstieg in das Festival. So konnte ich den verschiedenen Gastauftritten sowie den Performances der Künstler*innen aufmerksam folgen und diese in Ruhe auf mich wirken lassen.
Mein persönliches Highlight war zwar Karg, doch auch die Auftritte der drei anderen Bands empfand ich durchweg als sehr stark. Besonders Boötes Void als Opener erwies sich als gute und kluge Entscheidung. Nachdem ich die Band bereits mehrfach live erlebt hatte, zählte dieser Auftritt für mich dennoch zu den stärksten, denen ich bislang beiwohnen durfte.
Ein kleiner Wehmutstropfen war jedoch die Arbeit zweier Fotografen während der ersten beiden Auftritte. Die beiden Männer arbeiteten hochprofessionell und waren offensichtlich engagiert, bewegten sich jedoch dauerhaft direkt auf der Bühne und verfolgten die einzelnen Musiker*innen mit sehr geringem Abstand. Ich verstand die Intention ihrer Arbeit und wusste auch um die Bedeutung hochwertiger Foto- und Filmaufnahmen, dennoch störte mich diese Nähe in meiner Immersion und riss mich stellenweise abrupt aus dem Konzerterlebnis heraus.
Im weiteren Verlauf des Abends änderte sich dies jedoch, als eine Fotografin ihre Arbeit übernahm und sich dabei deutlich diskreter am Bühnenrand sowie im hinteren Bühnenbereich bewegte. Dadurch konnte ich die folgenden Auftritte wieder ungestörter genießen.
Bericht: Maximilian
Bilder: Matthias
Frühere Beiträge zum Baphofest Winternights findet ihr hier:
- Festivalbericht: Baphofest Summernights
- Konzertbilder: Baphofest XI, 10.05.2025
- Konzertbericht: Baphofest X, 15.02.2025
- Konzertbericht: Baphofest IX, 11.01.2025
- Festivalbericht: Baphofest Winternights, 23.11.2024
- Konzertbericht: Baphofest VII, 13.01.2023
- Konzertbericht: Baphofest VIII, 23.03.2024
- Konzertbericht: Baphofest VI, 06.05.2023
- Konzertbericht: Baphofest V, 14.01.2023
- Konzertbilder: Baphofest IV, 05.11.2022
Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:
- Interview mit dem Künstler und Musiker Lukas Gosch (Ellende)
- Band der Woche: Firtan
- Festivalbericht: Mahlstrom Open Air 2025 – Samstag
- Festivalbericht: Ragnarök Festival 2025 – Freitag
- Festivalbericht: Baphofest Summernights
- Konzertbericht: Arkuum – Hier ist kein Licht Tour, Karlsruhe, Die Stadtmitte 21.02.25
- Konzertbericht: Baphofest IX, 11.01.2025
- Festivalbericht: Baphofest Winternights, 23.11.2024
- Festivalbericht: 20 Jahre NEW EVIL MUSIC Festival in Heidelberg
- Konzertbericht: Bucovina am 27.09.2024 in Erfurt
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