Nach zwei intensiven Tagen auf dem Festivalgelände lag am dritten Tag bereits eine besondere Stimmung in der Luft. Viele Besucher wirkten etwas müder, aber gleichzeitig wollte niemand das Ende wirklich wahrhaben. Das Festival Mediaval hatte sich längst wie ein eigenes kleines Universum angefühlt, und nun stand der letzte Tag bevor – mit weiteren Konzerten, Begegnungen und Momenten, die dieses Wochenende abrundeten.
Schon am Vormittag füllten sich die Wege zwischen den Bühnen, Marktständen und Lagern wieder, und man merkte, dass viele Besucher den Tag noch einmal bewusst nutzen wollten. Die Mischung aus Musik, Marktleben und Fantasie funktionierte auch am dritten Tag genauso selbstverständlich wie zuvor, und das Gelände wirkte trotz der vergangenen Tage noch immer lebendig und voller Geschichten.
Die Chance von kleiner zur großen Bühne
Auch am dritten Tag führte uns der Weg zunächst zur Theaterbühne, wo der Folk Award stattfand. Ähnlich wie beim Rockaward am Vortag bot sich hier die Gelegenheit, neue und noch weniger bekannte Bands zu entdecken, die ihre Musik einem neugierigen Publikum präsentierten. Die kurzen Sets gaben einen guten Einblick in die unterschiedlichen Facetten moderner Folk- und Mittelaltermusik und zeigten, wie breit die Szene inzwischen aufgestellt ist.
Die Atmosphäre war dabei entspannter als am Abend zuvor, viele Besucher nutzten den Vormittag, um in Ruhe zuzuhören, sich einen ersten Met oder Kaffee zu holen und langsam in den letzten Festivaltag zu starten. Gleichzeitig lag schon eine gewisse Spannung in der Luft, da klar war, dass am Ende eine der Bands mit dem Folk Award ausgezeichnet werden würde – auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch offen war, wer die Jury und das Publikum am meisten überzeugen konnte.
Pyrsch
Den Auftakt beim Folk Award machte Pyrsch. Die Band brachte eine ruhige, atmosphärische Stimmung auf die Theaterbühne und passte damit gut in den noch entspannten Vormittag des letzten Festivaltages. Ihre Songs wirkten bodenständig und erzählerisch, mit einem klaren Fokus auf Melodien und Stimmung statt großer Effekte. Viele Besucher blieben stehen, hörten aufmerksam zu und ließen sich auf die Musik ein, die den Tag angenehm und unaufgeregt eröffnete.
Ragnarök
Als Nächstes stand Ragnarök auf der Theaterbühne. Der Auftritt war epischer und stimmgewaltiger angelegt, mit einem deutlich dichteren und kraftvolleren Sound. Die Band setzte auf markante Vocals und eine breite Klangkulisse, die dem Set eine dramatische Note verlieh. Vor der Bühne sammelten sich weitere Besucher, die den Kontrast zum vorherigen Act nutzten, um unterschiedliche Facetten des Folk-Spektrums kennenzulernen.
Whizbow
Den Abschluss des Folk Awards bildete Whizbow, eine junge Folkband aus Norddeutschland. Ihr Auftritt wirkte frischer und moderner, mit einem Fokus auf eingängige Melodien und einer lockeren Bühnenpräsenz. Die Band zeigte, wie vielfältig das Genre inzwischen interpretiert wird, und rundete das Teilnehmerfeld mit einem zeitgemäßen Ansatz ab. Auch hier nutzten viele Besucher die Gelegenheit, neue Musik zu entdecken und die unterschiedlichen Stilrichtungen direkt miteinander zu vergleichen.
Mit kurzer Kaffeepause zur Burgbühne
Für uns waren alle Auftritte gut, allerdings hatte sich für uns ein klarer Favorit herauskristallisiert. Allerdings würden wir natürlich erst später am Nachmittag erfahren, ob diese Band den Folk Award mit nach Hause nehmen würde. Währenddessen spielten auf der Schlossbühne SPP und die 7 Generäle, welche 2024 den Folk Award für sich beanspruchen durften. Ganze 16 Personen umfasste diese Kombo.
Wir machten uns allerdings direkt auf den Weg zur Burgbühne, um uns Delva anzuschauen. Mit ein paar Minuten extra ging es kurz durch die Essensstände, und wir konnten vorher noch eine kleine Kaffeepause einschieben.
Auf der Burgbühne stand anschließend Delva auf dem Programm. Die Band bewegte sich musikalisch im Folk-Bereich mit einer eher atmosphärischen und erzählerischen Ausrichtung. Die Stücke wirkten ruhig und stimmungsvoll und setzten stärker auf Melodien und Atmosphäre als auf große Effekte. Passend dazu ließ sich zwischendurch immer wieder die Sonne blicken, was dem Auftritt eine angenehme, fast schon entspannte Stimmung verlieh. Vor der Bühne sammelten sich viele Besucher, die dem Set aufmerksam folgten und den Auftritt bewusst als Kontrast zu den lauteren Acts des Festivals wahrnahmen.
Nach der Show schlenderten wir mit kleinen Umwegen wieder den Berg hinauf, um zur nächsten Show zu gelangen. Vorbei am Living Chess und den verschiedenen wandernden Künstlern ging es dann zur Schlossbühne, um End of Green zu sehen.
Ein kleiner Regenschauer tut der Stimmung keinen Abbruch
Auf der Schlossbühne präsentierte End of Green einen starken Kontrast zur vorherigen Band. Dunklere, melancholische Klänge und tiefgründige Vocals prägten die Stimmung und hoben sich deutlich vom ruhigeren Folk von Delva ab. Schon innerhalb der ersten drei Lieder begann es zu regnen, doch das tat der Atmosphäre keinen Abbruch. Die Besucher vor der Bühne ließen sich davon nicht abschrecken, standen konzentriert und aufmerksam an ihrem Platz und ließen sich von der dichten, intensiven Performance mitreißen. Unter den Zuschauern fiel unter anderem ein Fan auf, der sich passend zur Band eine eigene Jacke gehäkelt hatte, ein kleines Detail, das die Verbundenheit zur Musik zeigte.
Folk Award Verleihung
Nun schritt Basseltan zur Folk-Award-Verleihung. Alle drei Bands versammelten sich auf der Bühne und blickten dem Ergebnis gespannt entgegen. Nach einer kurzen Vorstellung der Bands wurde, wie am Vortag, der Goldene Zwerg auf die Bühne gebracht – zunächst noch verhüllt, sodass das Publikum nur rätseln konnte. Die Spannung war spürbar, man hörte das Raunen und leise Spekulationen aus der Menge.

Schließlich wurde der Gewinner bekanntgegeben: Ragnarök. Die Band nahm den Preis entgegen, und die anderen beiden Acts standen daneben, klatschten und gratulierten. Die Stimmung war freundlich und kollegial, es gab Applaus aus dem Publikum, Jubel und vereinzelte Zurufe. Es war ein Moment, der sowohl die Leistungen der Bands als auch die Atmosphäre des Festivals unterstrich – gegenseitiger Respekt und Freude an der Musik standen klar im Vordergrund.

Entchen für alle! Zumindest fast.
Nach der Folk-Award-Verleihung gab es noch eine kleine Kostümprämierung. Aufgrund des Gothic-Spezials hatten viele Besucher besonders aufwändige Outfits gewählt, die über das Festival hinweg immer wieder Aufmerksamkeit erregten. Nun wurden diese Looks offiziell gewürdigt. Es wurden sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen ausgezeichnet, und die Bandbreite war groß: mittelalterliche, Gothic- und Fantasy-Kostüme waren gleichermaßen vertreten. Zum Abschluss durften sich drei Teilnehmer über kleine Merch-Geschenke vom Festival freuen, und alle weiteren Teilnehmer erhielten als Erinnerung ein Festival-Mediaval-Entchen.

Stimmung im Sonnenuntergang
Als Nächstes stand Diary of Dreams auf der Burgbühne auf dem Programm, also machten wir uns wieder dorthin auf den Weg. Auf der Burgbühne präsentierte Diary of Dreams eine eindringliche, düster-melancholische Show. Die Musik war geprägt von klaren Vocals, elektronischen Elementen und atmosphärischen Arrangements, die eine intensive Stimmung erzeugten. Vor der Bühne hatte sich die Menge stark verdichtet, und die Besucher feierten ausgelassen. Der langsam aufgehende Sonnenaufgang verlieh dem Moment zusätzlich eine fast epische Atmosphäre und zog die Menschen von überall auf dem Gelände zur Show. Trotz der ernsteren und nachdenklicheren Klangwelt war die Stimmung lebendig: Die Fans reagierten auf markante Momente, manche wippten leicht mit, andere lauschten konzentriert. Es war ein Auftritt, der die dunkleren Facetten der Gothic- und Dark-Folk-Szene eindrucksvoll zeigte und einen spürbaren Kontrast zu den vorangegangenen Bands bildete.
Ein würdiger Abschluss
Zum Abschluss des Tages stand VNV Nation auf der Schlossbühne auf dem Programm. Als Headliner des Tages war die Bühne prall gefüllt, und man konnte dem Frontmann Ronan Harris deutlich ansehen, wie sehr er sich über die große Menschenmenge vor der Bühne freute. Die Besucher hatten sich fast geschlossen versammelt, viele kamen von anderen Bühnen und vom Festivalgelände, um diesen Auftritt nicht zu verpassen. Die Energie war spürbar, die Musik pulsierte durch die Menge, während die Kombination aus elektronischen Beats und atmosphärischen Melodien die Zuschauer in den Bann zog. Trotz der späten Stunde blieb die Stimmung intensiv, viele standen konzentriert bei ihrem Platz, einige bewegten sich im Rhythmus der Musik, und insgesamt erzeugte das Publikum ein gemeinsames, elektrisierendes Erlebnis.
Das Festival-Mediaval 2025 endete damit in einer schönen Runde und hinterließ einen sehr stimmungsvollen Eindruck. Die Veranstaltung bot für jeden etwas, und überall gab es etwas zu entdecken – von den Bühnen über die Marktstände bis hin zu den kleinen Aktionen auf dem Gelände. Selbst beim Verlassen des Festivals fiel noch einmal auf, wie viel Wert auf Details gelegt worden war: Das Gelände war sorgfältig gestaltet, und die Besucher wurden am Ausgang herzlich verabschiedet, sodass der Eindruck einer liebevoll organisierten Veranstaltung den gesamten Aufenthalt abrundete.
Bericht& Bilder Luna
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