Am Samstag ging es im Laut&Staub in Lichtenberg in die zweite Runde, und der Tag war noch etwas besser besucht als der Freitag. Bei bestem Wetter lud auch der Außenbereich zum Sitzenbleiben ein, und einige Besucher hatten ihre Kinder mitgebracht. Start war dieses Mal um 17 Uhr, wieder im Stundentakt. Metall hatten leider abgesagt, damit blieben heute sieben Bands im Programm.
Rising Alma
Rising Alma durften den Tag eröffnen und legten einen starken Start hin. Von der frühen Uhrzeit war der Band nichts anzumerken, sie waren mit sichtbarer Spielfreude dabei. Im Set steckte viel neues Material, darunter alle fünf Songs der EP Your Own Story, die im Juli erschienen ist, welches zwischendurch auch mit Keytar-Einsatz von Sängerin Alise unterstützt. Dazu kamen ältere Stücke wie I Hear Them March und The Story Is Not Over vom Debüt Awake.
Setlist: Colors Flow All Around // Innocence // Your Own Story // Underneath // The Story Is Not Over // Games // I Hear Them March // Authenticity // Closer // Endless
Kultasiipi
Weiter ging es mit der südlichsten finnischen Band der Welt, die eigentlich aus Berlin kommt. Kultasiipi singen auf Finnisch und verarbeiten alte Volkslieder zu Folk Metal, und bei der Zahl an Musikern wurde die Bühne dann ganz schnell sehr voll. Nach dem zweiten Song gab es ein Geburtstagsständchen für Kirsikka Kukka, die neben dem Gesang auch Harfe und Blockflöte spielt. Sichtlich gerührt bedankte sie sich, dass so viele Leute mit ihr ihren Geburtstag verbrachte. Neben ihr hatte auch Sänger Tillmanus die Bühne fest im Griff und ließ seinen Stab bei jedem Song quasi mitsprechen. Während des ganzen Auftritts waren vor allem viele Kinder vor der Bühne zu finden und die Stimmung war entsprechend ausgelassen.
Setlist: Taivas on Sininen ja Valkoinen // Gruhrufender Hexer (Gruhf) // Nachtfalter // Piratenkriegssong (Sotalaulu) // Windlied (Tuulen Sanat) // Obelix (Mahtaja) // De-Liebeszauber (Väliintulo) // Bärchensong
Lions Skull
Danach schaltete der Abend ein paar Gänge zurück, und es wurde düster. Lions Skull, aus dem Osten Berlins, spielen Stoner Doom, und die Sängerin beherrschte die Bühne mit ihrer Präsenz. Die Songs waren deutlich länger als bei den anderen Bands, entsprechend passten weniger davon ins Set, was der Stimmung aber keinen Abbruch gab. Bei Children of Doom schlug die Sängerin ein Buch mit Grimms Märchen auf und las quasi die Geschichte vor, welche an Hänsel und Gretel angelehnt war. Man hätte sich nicht gewundert, wenn hinter der Bühne schon der Ofen vorgeheizt worden wäre. Trotz des reduzierten Tempos war es insgesamt ein starker Auftritt.
Setlist: Big City Witch // Astrobar // Honeycomb // Children Of Doom // Warlord // Final Tide // Green Machine
Gorelem
Gorelem traten danach das Gaspedal wieder voll durch. Wegen des Soundchecks musste das Berliner Trio ein paar Minuten später anfangen, und am Ende fiel dafür der letzte Song weg. Was schade war, aber dem restlichen Set jedoch nicht anzumerken war. Das hohe Tempo brachte viel Bewegung ins Publikum und die Energie nach dem Doom wieder nach oben. Mit Too Drunk to Fuck von den Dead Kennedys und Ace of Spades von Motörhead standen zwei Cover im Set. Ace of Spades lief damit an beiden Festivaltagen, am Freitag von Dekadenza, was sich absolut positiv auf die Stimmung auswirkte.
Setlist: Erection // Rebel by Fate // I Don’t Care // Rattlesnake Blues // Desert Cruiser // Too Drunk to Fuck // Whiskey and Weed // Hexenhammer // Ace of Spades
Temper
Bei Temper machten anfangs die In-Ears von Sänger Frank beim Soundcheck Probleme. Damit sich der Zeitplan nicht noch weiter verschob, trat er einfach ohne sie auf. Dem Auftritt hat man das nicht angemerkt. Die Band war ständig in Bewegung und suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum. Mit Rock with Temper, Schicksalsbrut, Supernova und Fake my Day waren die Songs vom Debüt Echoes of Tomorrow gut vertreten, das Kollege Nori bei uns schon besprochen hatte. Dazu gab es neue Stücke, wie Bittersweet, welches an dem Abend Premiere feierte.
Setlist: Rock with Temper // Respect // Schicksalsbrut // Lost Chance // We Will Deny // Supernova // Don’t Give Up // Bittersweet // Fake my Day
Deimos Dawn
Mit Deimos Dawn stand danach eine Band auf der Bühne, die schon ganz schön rumgekommen sind. Sänger Marc Grewe war früher bei Morgoth, und die Band selbst hatte 2024 auf dem Wacken Open Air gespielt. Es gab Thrash Metal wie bestellt, mit viel Energie und dem gelegentlichen Moshpit vor der Bühne. Mit Body Count war auch ein Morgoth-Cover vertreten, das die Stimmung nochmal richtig anheizte. Ein starkes Set, bei dem man einfach die Erfahrung merkte: pur und kraftvoll.
Setlist: Intro // Walking Out On You // The Final Illusion // Over Your Dead Body // Rise Of The Mutilated // Body Count // God Of Pain // Unholy Water // Lambs To The Slaughter // Deathstar Spangled Banner // Feeding The Decline
Nox
Den Abschluss machten Nox, die durch die Verschiebungen des Tages rund 20 Minuten später anfangen mussten. Leider war da ein Teil des Publikums schon gegangen. Die Stimmung bei denen, die geblieben waren, war dennoch ungebrochen. Nox spielen Alternative Metal, und der Wechsel des Sänger zwischen klarem Gesang und verzerrter Stimme gab dem Auftritt immer wieder etwas Neues. Dadurch unterschieden sich die Songs auch deutlich voneinander und jeder bekam seine eigene Farbe.
Setlist: Disease // Out of Sight // Bones // The Wolf // Halls of Gold // My Enemy // Judas // Accelerate
Fazit
Alles in allem war es ein wieder tolles Festival mit einem sehr breiten Genre-Mix, bei dem für jeden etwas dabei war. Ebenso war es eine perfekte Gelegenheit, neue Bands aus dem Berliner Underground kennenzulernen und zu unterstützen. Man merkt jeden Moment, dass es ein Festival von Bands für Bands ist. Ja, es gab kleinere technische Probleme, gelöst wurden sie aber alle. Die Kollegen an der Bar waren sehr nett, das Merch-Team hat einen tollen Job gemacht. Und das familiäre Setting passt zum Underground. Man kommt mit den Musikern schnell ins Gespräch und es stellt sich schnell eine Verbindung her. Genau das macht die Atmosphäre aus und es bleibt nur zu sagen: Ich freue mich schon auf das nächste Jahr!
Bericht und Bilder: Andreas Sperl
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