Marcels Arbeiten sind mir auf Instagram aufgefallen. Er ist Kunsthandwerker und fertigt sehr coole Repliken und 3D-Fanart.
Hi Marcel, schön, dass Du dem Dark-Art-Magazin Rede und Antwort stehen möchtest.
Bereits 2019 hast Du ja den ersten Xenomorph auf Instagram veröffentlicht. Woher kommt Deine Leidenschaft für Aliens, bzw. HR Giger?
Moin Dani, und Danke für das Interesse.
Meine Leidenschaft für H.R.GIGER kam Anfang der 90er. Gigers „Biomechanics“ stand in der Auslage eines Buchladens. Im Vorbeigehen mitgenommen, zuhause verschlungen, und schon war ich infiziert. Für mich bis heute unerreicht, was Giger erschaffen hat. Kuksi und Beksinksi sind auch stark, aber H.R.GIGER ist für mich das Maß aller Dinge.
Gemalt habe ich immer schon, Heavy Metal Motive, Portraits usw.. Durch Giger änderte sich nun mein Interessengebiet drastisch. Ich hatte schnell einige Lieblingsgemälde, die ich nachmalte. Kein Vergleich zum Original, aber das war der Beginn meiner Gigermanie.
Beschäftigt frau sich mit dem Meister, ragen seine zahlreichen Skulpturen heraus. Auch seine Alien-History ist legendär bis heute. Gigers Symbiose aus Organik und Mechanik, seine Biomechanik, ist Faszination total.
Danke für dein Schaffen großer Meister, Du fehlst.
Mit welchen Materialien arbeitest Du? Sind die einzelnen Teile gegossen oder mit Glasfaser laminiert? Wie stellst Du die Grundform her? Ist das Ton oder Schaumstoff? Was nimmst Du beispielsweise für das Finish der Figuren? Wie sieht Dein Schaffensprozess aus? Kannst Du für uns bitte das „Nähkästchen“, bzw. das „Modellbaukästchen“, öffnen?
Die Bastelbude, frei von KI, frei von 3D Drucker, reines Handwerk!
Meine ersten Skulpturen hatten als Basis oft einen Torso/Schaufensterpuppe. Das habe ich mir abgewöhnt, es schränkt mich ein.
Büsten und Reliefs haben als Träger Bauschaum. Nach Aushärtung des Schaums wird das Motiv mit einem Cutter, so gut es geht, in Form gebracht. Dann wird mit Glasfaserspachtel ein Überzug erstellt. Glasfaserspachtel wird mit Härter vermischt (2K), und man hat eine begrenzte Zeit, das Material zu verarbeiten. Der Vorteil, es härtet schnell aus und man kann weiter arbeiten. Der Nachteil, es ist nicht modellierbar, riecht streng und kann nur mechanisch bearbeitet werden. Deshalb nutzen es so wenige. Je geschickter der Umgang mit dem Material, um so weniger die Nacharbeiten. Benötige ich raue Oberflächen, belasse ich den Spachtel. Feinspachtel dient zum Glätten, alles andere wird geschliffen/gedremelt.
Ist der Rohling fertig, wird grundiert und es geht an die Farbgebung. Ich arbeite mit Acrylfarben, aber auch Lacke kommen zum Einsatz. Feinheiten und Akzente werden mit der Airbrush erledigt. Nach dem Trocknen erfolgt eine Versiegelung mit Klarlack oder Epoxidharz.
Raumhohe Skulpturen benötigen eine Trägerkonstruktion, die ich aus Aluminiumrohr erstelle. Danach die gleiche Arbeitsweise wie bei den Büsten. Da jede Skulptur ein Unikat ist, fertige ich keine Gießformen.
Fertigst Du nach Vorlage (beispielsweise den Gemälden von Hans Ruedi) oder kreierst Du auch selbst Objekte?
Die Giger Reliefs sind nach den Originalmaßen des Künstlers gefertigt. Dabei gilt es, so viel wie möglich vom Original darzustellen. Der Rest wird improvisiert. Alle Aliens von mir sind selbst kreiert. Ich wurde oft gefragt, warum Alien Female. Giger hat bevorzugt weibliche Charaktere in seinen Arbeiten einfließen lassen. Sie zählen zu meinen Favoriten. Und wenn ein Xenomorph der perfekte Organismus sein soll, dann muss er für mich weibliche Akzente setzen.
Bei den Reliefs nutze ich CD Cover als Vorlage. Alles wird ohne 3D Drucker, oder Plotter erstellt. Handarbeit.
Auch dem „Maskottchen“ von Motörhead Snaggletooth oder Lemmy selbst hast Du schon eine „Gestalt gegeben“. Machst Du auch Auftragsarbeiten? Wenn ja, wie löst Du potentielle Probleme mit Urheberrechten?
Generell realisiere ich nur Projekte, die ich mir selbst in den Wohnraum stellen würde. Manchmal hat auch ein guter Freund Geburtstag, dann habe ich das passende Geschenk.
Es kommt natürlich vor, das ich gezielt gefragt werde. Stimmen die Eckdaten, kann ich mich damit identifizieren, dann bin ich am Start.
Probleme mit Urheberrechten hatte ich noch nicht. Ich erstelle eine Replik mit meiner persönlichen Note. Ich fertige nach einer Bildvorlage ein Relief, oder Skulptur, die es so noch nicht gegeben hat. Und es bleibt bei einem Unikat.

Ich teile mit Dir ja nicht nur die Leidenschaft der „Biomechanical Art“, sondern auch die des Modellierens. Ich finde die Detailgenauigkeit Deiner Werke (beispielsweise beim Relief Biomachanoid) sehr beeindruckend. Da benötigt man eine Menge Geduld. Wie lange arbeitest Du an solch einem Projekt – kann man das überhaupt genau sagen?
Ich habe nie die Stunden aufgeschrieben. Ich setze mir dabei kein Limit. Es ist fertig, wenn es für mich fertig ist.
Das Alien III Projekt zum Beispiel dauerte 3 Monate. In der Zeit sind 6 Wochen reine Arbeit an der Skulptur. Der Rest dann wie immer an Wochenenden.
Glücklicherweise ist meine Frau da außerordentlich tolerant.
Bin ich nicht überzeugt von dem Auftrag, oder der Idee, wird es verworfen. Letztendlich mache ich das alles für mich. Es scheint meine Berufung zu sein – äußerst befriedigend, eine andere Welt, eine Flucht aus dem Alltäglichem.

Entwirfst Du auch Wohnaccessoires? Ich denke da gerade an Deine Facehugger- oder die Rammstein-Leuchte?
Für „Die hard“ Fans ist es natürlich interessant, Sachen anzubieten, die es nirgends zu kaufen gibt. Die kleineren Projekte, kombiniert mit Lichttechnik fanden Gefallen. Angeboten auf Verkaufsportalen bestand ein Interesse.
Es wird zum Alltagsgegenstand und bleibt dennoch ein Unikat. Das schätzen diese Leute.
Ich kann einiges realisieren, zumal das Material für den Innen und Außenbereich Verwendung findet. Erlaubt ist, was gefällt.
Necronom… Alien III ist ja so ziemlich „lebensgroß“ geworden. Dieses Exemplar hätte ich auch gerne im Wohnzimmer stehen. (Mein Mann wäre wahrscheinlich dagegen. *lach) Kann man Deine Aliens irgendwo live sehen?
Gigers Vorschlag zum 3.Teil der Filmreihe, er wurde ignoriert.
Diese Skulptur ist für mich der heilige Gral. Sie hat mich bis dato am meisten gefordert. Du sagst ziemlich lebensgroß. Sie ist 10 cm höher. Länge und Breite habe ich übernommen.
Ich habe diese Figur bei einer Giger Ausstellung in Tschechien bestaunen dürfen. Ein Jahr später wurde sie von mir verlangt.
Dieses Projekt, von der Statik, Umsetzung und Ausführung ist mein persönliches Meisterstück. 13 Einzelteile, selbsttragend, jederzeit abbaubar, für Innen und Außen konzipiert. Ein 70 kg Raubtier, VOILA.
Meine Arbeiten sind in der Bundesrepublik verteilt. Im Star Wars Museum Mönchengladbach wird frau fündig. In Pasewalk sind 2 Aliens an der Hausfassade des Eigentümers. Ein Sammler hat in seiner Firma den Empfangs- und Sanitärbereich mit Skulpturen dekoriert. Ansonsten natürlich in meinem persönlichem Umfeld.
Hast Du schon Ideen für zukünftige Projekte? Ist etwas in Planung?
Viele Projekte, die ja in meiner Freizeit entstehen, erscheinen gar nicht auf meinem Account. Meine Frau (Officepredator) dokumentiert das meist auf ihrem Profil. Ideen habe ich einige. Persönlichkeiten aus dem Rock-Biz als Büste, Reliefs von Bands und H.R.GIGER werden kommen. Und wenn es gewünscht wird, mal wieder einen Xenomorph oder Predator.
Vielen Dank Marcel
Ich danke Dir.
Titelfoto:
Denise P.
Links:
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