In den letzten Jahren hatte sich der b-Hof als Treffpunkt für Fans von brutalem, eisigem und melancholischem Black Metal etabliert. Doch schon viele Jahre zuvor war auch der Doom Metal in Würzburg fest verankert. Als neue Veranstaltung, die die Kultur des Hammer of Doom zurück nach Würzburg bringt, feierte das neue Konzept Chapel of Doom an diesem Abend seine Premiere. Auf der Bühne im Keller standen Sunday of the Dead, Endonomos und Urza und hüllten den Raum in eine durchweg beeindruckende und dichte Atmosphäre.
Sunday of the Dead
Den Auftakt machte die Würzburger Band Sunday of the Dead mit ihrem Death-Doom Metal. Das Publikum verteilte sich zunächst locker im Raum, ein Gedränge vor der ersten Reihe blieb aus, selbst als die Band bereits zu spielen begonnen hatte.
Schon optisch unterschieden sich die Musiker*innen deutlich von den nachfolgenden Bands. Alle Bandmitglieder, mit Ausnahme des Sängers, trugen vollständig weiße Kleidung, während dieser mit seinem schwarzen Mantel bewusst hervorstach. Zusätzlich hatten Sunday of the Dead die aufwendigste Bühnendekoration des Abends aufgebaut: Weiße Elektrokerzen in silbernen Kerzenständern sowie weiße Plastikrosen, die sich um Mikrofonständer und Kerzenhalter rankten. Das Farbkonzept fügte sich stimmig in die Bühnenoutfits der Musiker*innen ein und unterstrich die düstere Ästhetik des Auftritts.
Musikalisch präsentierte sich die Band mit schwerem, behäbigem Doom Metal, der durchgehend von einem langsamen Tempo geprägt war, jedoch immer wieder von härteren, kantigen Akkorden durchbrochen wurde. Die krächzenden Screams des Sängers wurden sparsam eingesetzt, verliehen den Songs dadurch jedoch eine besondere Gewichtung. Ergänzt und kontrastiert wurden sie vom klaren Gesang der Gitarristin. Diese stimmliche Abwechslung stellte, neben der aufwendigen Bühnenästhetik, ein zentrales Alleinstellungsmerkmal des Auftritts dar.
Ein Großteil der gespielten Trackliste stammte von der im vergangenen Jahr veröffentlichten EP Memento Moribundis. Erst im finalen Song Project Daedalus zog die Band das Tempo deutlich an und sorgte so für einen brachialen und eindrucksvollen Abschluss ihres Sets.
Das Publikum bedachte jedes Stück mit lautem Applaus, der sich nach dem letzten Song in anhaltenden Zurufen und begeisterten Reaktionen entlud.
Setliste: Thoughts Of Inevitable Annihilation // Invisible Enemy // Blindet By Noise // The Fall / Project Daedalus
Endonomos
Laute, monotone Schläge auf den Drums, wie ein dröhnender Herzschlag, leiteten den Auftritt von Endonomos ein. Die darauffolgenden Akkorde waren ähnlich behäbig wie bei Sunday of the Dead, bargen jedoch eine erstaunlich kraftvolle und mitreißende Melodie. Diese wurde innerhalb der Stücke immer wieder aufgegriffen, ohne dabei an Raffinesse einzubüßen. Der Gesang wechselte zwischen choralen, kräftigen Klargesangspassagen, die stellenweise eine erhabene Stimmung erzeugten, und tiefen Growls. Dadurch wandelte sich die Atmosphäre innerhalb desselben Liedes stetig zwischen ruhiger Melancholie und aggressiven Höhepunkten.
Währenddessen sammelte sich das Publikum in einer dichteren Traube vor der Bühne und lauschte gebannt der Musik. Die Besucher*innen wippten langsam mit den Köpfen und einige wenige schlossen dabei bedächtig die Augen. Zwischen den Liedern taute die Crowd jeweils kurz auf, um laut zu jubeln und zu applaudieren.
Die Musiker bewegten sich während des gesamten Auftritts in einer langsamen, behäbigen Eleganz, die von einer gewissen rockigen Leidenschaft getragen wurde. Es wirkte, als würden sie vollkommen in ihrer eigenen Musik versinken.
Ab diesem Zeitpunkt versanken nicht nur die Musiker, sondern auch ich und die anderen Besucher*innen immer tiefer in die Abgründe des Doom und dort, am Rand dieser Klangwelt, trafen wir schließlich auf die Headliner des Abends.
Setliste: Inversion // Atropos // Weary // Resolve // Atheon Anarkhon // Wither and Thrive
Urza
Am Abgrund des Doom begrüßten Urza das Publikum mit jaulenden Gitarrenakkorden und stampfenden Drums und leiteten damit den letzten Auftritt des Abends ein. Die Band präsentierte sich in Dekoration und Outfits ebenso spartanisch wie zuvor Endonomos. Lediglich eine einzelne rote Friedhofskerze stand beinahe versteckt zwischen den Boxen am Rand der Bühne.
Musikalisch war der Auftritt noch schwerer und dichter als alles zuvor Gehörte. Jeder einzelne Schlag auf den Drums und jeder massive Akkord von Gitarre und Bass verdichteten die ohnehin drückende Atmosphäre weiter. Die Musiker, allen voran der Sänger, verkörperten die Stimmung der Musik mit jeder schwankenden Bewegung. Zu Beginn des Konzerts stellte er einen Fuß auf den Monitor und ließ den Mikrofonständer in kreisenden Bewegungen über die Bühne gleiten. Später, zu Beginn von Monument of Hopelessness, hockte er sich auf den Bühnenboden, das Gesicht zum Boden gerichtet und die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, während der Doom Metal wie eine Welle über ihn hinwegbrandete. Die Bühnenpräsenz des Sängers empfand ich als herausragend.
Seine Growls wechselten zwischen rauen Schreien innerer Zerrissenheit und so tiefen Tönen, als würden sie direkt aus einem Brunnenschacht emporhallen. Zwar blieb das Tempo über weite Strecken konstant, doch für In the Aftermath of Dystopia steigerten Urza Tempo und Aggressivität leicht. Selbst diese kleine Variation entfaltete jedoch eine enorme emotionale Wirkung.
Zum Abschluss des Konzerts wurde das kleine rote Licht am Bühnenrand zu einem zentralen Element der Inszenierung: Der Sänger kniete sich nieder, ergriff die Kerze und hielt sie behutsam dicht vor sein Gesicht. Anschließend hob er das Licht langsam und beinahe ehrfürchtig in Richtung Decke, als handele es sich um ein heiliges Objekt. Mit dieser eindringlichen Geste beendeten Urza nicht nur ihr Set, sondern auch das Chapel of Doom.
Setliste: Maunder Minimum // In The Aftermath Of Dystopia // Monument Of Hopelessness // Demystifying The Blackness
Der erste Versuch, den Doom Metal nach einigen Jahren wieder im b-Hof zu etablieren, mündete in einem ganz besonderen Abend im Kellergewölbe. Der Ort erwies sich als ideale Kulisse für den schwermütigen Sound, und die Besucher*innen zeigten sich offen und aufgeschlossen gegenüber dieser Spielart des Metal. Besonders die Wahl der Headliner wurde durchweg positiv aufgenommen. Ob der Doom Metal erneut in Würzburg Einzug halten wird, wird die Zukunft zeigen, doch ich persönlich würde es sehr begrüßen.
Bericht: Maximilian
Bilder: Matthias
Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:
- Konzertbericht: As the Sun Falls in der Kellerperle Würzburg,16. Mai 2024
- 27.05.2023 Northern Melancholy – As The Sun Falls / Sunday of the Dead / Dark Absence @ B-Hof Würzburg
- Review: Sunday of the Dead – Disrupt the Night [EP]
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