Konzertbericht: Eluveitie, Infected Rain, Ad Infinitum in der Posthalle Würzburg, 14.02.2025

Keine Band steht so sehr für die Mischung aus Folk- und Melodic Death-Metal wie die Schweizer von Eluveitie, die mittlerweile schon seit über 20 Jahren die europäische Metalszene bereichern. In der Würzburger Posthalle durften wir sie erneut erleben, diesmal auf der frühjährlichen Europa-Tour in Vorbereitung zum neuen Album Ànv, welches im April veröffentlicht wird. Mit dabei waren die modernen Gruppen um Infected Rain und Ad Infinitum und viele Besucher, die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollten.

Den Auftakt machten die Musiker von Ad Infinitum um die ebenfalls schweizerische Sängerin Melissa Bonny aus Montreux. Für Fans von relativ klassischem Metal, den die Hauptband nicht nur aufgrund ihres Alters vertritt, waren die Supportbands eine gewisse Überraschung, da sie doch sehr deutlich einer modernen Interpretation des Genres folgen. Schnell wurde deutlich, dass diese Truppe einiges zu bieten hat. Obwohl einiges aus der „Box im Hintergrund“ kam, konnten sie mit minimalem besetzungstechnischen Auftreten eine immense Energie auf die Besucher übertragen. Besonders auffallend war die sichtliche Hingabe dazu, jegliche Kraft auf der Bühne zu lassen, mit viel Spaß und Motivation eine Show abzuliefern, die sie nur größer machen kann. In Würzburg werden sie auf jeden Fall Sympathisanten gefunden haben, outete sich der Drummer doch als Unterfranke. Moderner Party-Pop-Metal, so könnte es ein jener beschreiben, der sich normalerweise in raueren und klassischeren Gefilden wiederfindet, was jedoch dem Erlebnis keinen Abbruch tut: Wer etwas offen für Musik ist, grade bessere Laune und etwas Ablenkung gebrauchen kann, der war bei Ad Infinitum genau richtig. Ein grandioser, energiegeladener Auftritt, der zeigt, wie viel im Genre Metal steckt.

Sagen wir es so: fast jedes Konzert hat den Grund, warum man aufkreuzt, die schöne Überraschung und die Band, mit der man kaum was anfangen kann. Letztere Position belegten Infected Rain. Die Nu-Metaller aus Chişinău, Moldawien haben musikalisch für manche nicht viel zu bieten, zu schwierig erscheint es, diese Klangwand auseinanderzubrechen, um ihr eine Originalität oder eine Atmosphäre zuzusprechen. Aber wer sich jenseits seiner musikalischen Welt auf eben jene Musik einlässt, der wird schnell merken, dass diese Musiker mit ausgesprochen großem Herz auf die Bühne treten. Mit einem durchdrehen zu drohenden Gitarristen, der an eine gewisse japanische Band ähnlichen Stils erinnert, einer großartigen Sängerin und entsprechend engagierten Musikern der Rhythmus-Fraktion haben sie die Halle sichtlich dazu gebracht, die Energie im Raum zu lassen. Das ist es, was viele Fans an eben jener modernen Interpretation des Metal zu schätzen scheinen. Daher haben Infected Rain einen großartigen Job gemacht, um die Partystimmung aufrechtzuerhalten.

Der Headliner ist eine Band, die vielen Hörern sehr viel bedeutet. Über Genregrenzen hinweg kennt jeder diese Truppe, egal welchen Alters, egal welcher musikalischen Präferenz. Das ist es, was die Auftritte von Eluveitie immer wieder besonders macht, es fühlt sich wie ein Klassentreffen an, so viele schöne Erinnerungen, eine Band, die viele zusammenbringt. Dabei haben die Schweizer, die wir in der Posthalle gesehen haben, kaum etwas von dem verloren, was die Begeisterung für sie vor knapp 20 Jahren ausgelöst hat. Obwohl es viele Besetzungswechsel gab, bleibt das Grundgefühl dieser Band immerzu auf der Bühne und das in recht „einfacher“ Weise: Sie kommen hoch, spielen ihr Set mit all ihrer musikalischen Expertise, die bei acht Menschen natürlich immens ist, und reißen die Location ab, wie wir am Engagement der Besucher sehen konnten.

Glücklicherweise bleiben einige alte Songs, besonders vom Album Slania, weiterhin fester Bestandteil der Setlist, was auch alte Fans besonders erfreut. Sichtlich kann die Band um Gründer und Multiinstrumentalist Chrigel noch heute Alt und Jung begeistern. Leider, und das ist der einzige Gegenpunkt, entfalten alte Erinnerungen bestimmte nostalgische Erlebnisse. Anna Murphy, die zehn Jahre in dieser Band nicht zuletzt als Sängerin aktiv war, wird schmerzlich vermisst und konnte in keinster Weise durch die aktuelle Positionierung ersetzt werden, auch wenn Frau Erni einen überragenden Job macht. Besonders bei Songs wie The Call of the Mountains oder A Rose for Epona werden Murphys Vocals schmerzlich vermisst, was jedoch eine subjektive Betrachtung ist. Eluveitie haben einen großen Stellenwert in der Metalszene, welchen sie auf dieser Tour wieder einmal untermauert haben, zu offensichtlich waren die positiven, kraftvollen und emotionalen Reaktionen der Besucher. Bei solchen Bands ist es immer wieder eine Freude, in ihre Musik auch live einzutauchen.

 

Bericht: Michi
Bilder: Matthias

 

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