Konzertbericht: Jill Yan Project – Alien Rock Tour, Colos-Saal Aschaffenburg, 16.03.26

Jill Yan's Alien Rock Tour ft. Mohini Dey & Jeremy Colson

Jill Yan Alien Rock Tour im Colos-Saal: Ein Abend der virtuosen Intimität

Jill Yan’s Alien Rock Tour gastierte am vergangenen Montag im Colos-Saal Aschaffenburg. Dieser Termin fühlte sich für die anwesenden Fans eher wie eine exklusive Masterclass an; es war kein gewöhnliches Konzert. Dennoch lockte die hochkarätige Besetzung viele Musikliebhaber vor die Bühne. Neben dem Gitarristen Jill Yan stand vor allem Bass-Shootingstar Mohini Dey im Fokus. Flankiert wurden die beiden zudem von einem gewohnt energischen Jeremy Colson am Schlagzeug.

Der Opener Angel’s Candle setzte sofort das musikalische Fundament. Dabei lieferte die Band eine Mischung aus verspielten Soli und schweren Metal-Grooves. Stilistisch bewegte sich das Trio zwischen Heavy Fusion und Stoner im Odd-Meter. Wer hier den Takt mitzählen wollte, scheiterte jedoch schnell an den komplexen Strukturen. Trotz der Komplexität flossen Technik und Groove organisch ineinander.

Bereits beim zweiten Song Might wurde die Philosophie des Trios deutlich. Ganz im Jazz-Fusion-Stil eines Stanley Clarke war das Bass-Solo von Mohini Dey keine isolierte Show. Vielmehr war es organisch in die Songstruktur eingebettet. Es war somit eine echte Erweiterung der Komposition.

Dynamik der Jill Yan Alien Rock Tour

Ein charmanter Moment der Irritation entstand, als Jill Yan die Band vorstellte und fälschlicherweise I Will als nächsten Song ankündigte. Jeremy korrigierte ihn prompt – die Setlist war erst vor wenigen Tagen umgestellt worden, was Jill in diesem Moment entfallen war. Mit einem Lächeln und der Korrektur auf She’s in Paris ging es nahtlos weiter.

Besondere Aufmerksamkeit verdiente Fuzak Foot. Hier nahm sich Jill Yan den Raum für ein ausgiebiges Solo, das sich bewusst gegen klassische Speed-Dramaturgie entschied. Es war ein sphärisches, fast schwebendes Spiel, das sich langsam verdichtete. Überhaupt lebte der Abend vom dialogischen Austausch: Drums und Bass spielten sich die Bälle in ihren Soli gegenseitig zu, ergänzten Motive und variierten Rhythmen, statt sich in starren Ego-Trips zu verlieren.

Das 20-minütige Finale von Deep Down

Den Abschluss bildete das monumentale Deep Down, das gut 20 Minuten einnahm. Eingeleitet durch ein intensives Bass-Solo von Mohini Dey, entstand eine fast meditative Stille im Saal. Ein Zuschauer setzte sich währenddessen direkt vor die Bühne auf den Boden, völlig versunken in das Spiel – ein starkes Bild für die Sogwirkung dieser Musik.

Fazit:

Die Jill Yan Alien Rock Tour im Colos-Saal war ein Pflichttermin für Liebhaber anspruchsvoller Rockmusik. Die Spielfreude und das schiere Können des Trios ließen jeden Musiker im Saal mit dem Gedanken zurück, dass das Credo „Üben, Üben, Üben“ seine absolute Berechtigung hat.

Setlist:
Angel’s Candle // Might // She’s in Paris // I Will // Fuzak Foot // A Bad Thing /// Deep Down

 

Bericht & Bilder: Clemens

 

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