
Stefanie Heinzmann und die HR Bigband sind zwar eigentlich keine Musiker über die wir bei uns üblicherweise berichten, aber auf der einen Seite finde ich es immer wert von Auftritten mit Stefanie Heinzmann zu berichten, vor allem, wenn es im Rahmen von solch einem besonderen Event ist. Auf der anderen Seite kann es aber auch nicht schaden, mal einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Der Abend war auch dahingegen besonders, da viele Kameras anwesend waren um das Konzert für einen Livestream aufzunehmen, welcher auf der Website von Arte gezeigt wurde.
Pünktlich um 20 Uhr kamen die Musiker der HR Bigband auf die Bühne und fingen direkt mit On fire an. Stefanie kam dann singend auf die Bühne, in Begleitung von Eva Schröder und Leslie Jost. Beide hatten sie schon beim Konzert in der Alten Oper begleitet. Gleich beim nächsten Lied, Shadows, durfte das Publikum zeigen, wie gut es mitsingen konnte. Was, trotz des frühen Stadiums des Konzertes, auch sehr gut gelang. Wer Stefanie kennt, weiß, dass sie immer gerne eine Geschichte zum besten gibt oder auch über ernste Themen redet. So wie vor Knocking down the Wall, als sie die Geschichte zu einer kleinen Depression erzählte, welche sie sich im letzten Herbst eingefangen hatte und es aber auch zum ersten Mal in ihrem Leben geschafft hatte, sich Schritt für Schritt selbst wieder rauszuholen. Und sagte, wie geehrt sie sich fühle, mit so einer tollen Band, wie der HR Bigband, auf der Bühne zu stehen. Doch trotzdem kriege sie manchmal Zweifel, ob sie das alles wirklich schaffe und genau davon handele dann auch das Lied… und über die kleine Stimme im Kopf sagte „Die muss manchmal einfach das Maul halten“. Während dem Lied rief sie auch das Publikum dazu auf, mitzusingen, weil dies mit die beste Medizin ist. Mother’s Heart kündigte sie an mit den Worten „Der nächste Song ist ein Song der mir sehr, sehr viel bedeutet“ und dabei fing der Dirigent, Jörg Achim Keller, an den Takt vorzugeben. „und ähm .. ja und ihr werdet den jetzt hören … so nämlich .. er hat immer recht“ und zeigte dabei auf den Dirigenten und es war ihr anzumerken, dass sie eigentlich noch was sagen wollte, nahm es aber mit Humor. Was folgte, war eine richtig schöne Version des Lieds, mit einem Solo vom Keyboarder, bei dem sich Stefanie und ihre Sängerinnen extra an die Seite stellten, damit auch jeder ein Blick auf ihn hatte. Nach dem Lied griff sie aber die vorherige Situation noch mal auf und fragte den Dirigenten „Darf ich kurz was sagen?“. Sie sprach dann über Gefühle, die uns verbinden. Dass das reine Sein schon wert genug sei. Die Einzigartigkeit von jedem, welche aber in der Gesellschaft unterdrückt werde, dass aber doch jeder irgendwie dieselben Gefühle habe. Dabei fragte sie den Dirigenten, ob er Merkwürdigkeit als Kompliment annehmen würde, was er mit einem „So halb“ beantwortete. Und das sie mit dem Merkwürdig meinte, dass jemand ja würdig ist, dass sie sich die Person merkt. Und, dass sie doch lieber merkwürdig sei, als nicht sie selbst. Dies ist auch die Kernaussage vom nun folgenden Lied, Colors. Was folgte, war eine sehr schöne ruhige Version, welche von einem Posaunen-Solo eingeleitet wurde, nur begleitet von einer Akustikgitarre.
Mit Carry the world wurde es richtig funky, zum Mittanzen, eingeleitet durch ein Kontrabasssolo, einem Querflötensolo. Aber auch mit Labyrinth ging es ähnlich funky weiter, diesmal durfte ein Trompetensolo die Eröffnung musizieren. Sowohl Leslie, als auch Eva, durften zeigen, wie gut ihre Stimmen sind und sie standen Stefanie in nichts nach. Ohne Pause, mit viel rhythmischem Geklatsche vom Publikum, angeleitet durch die drei Sängerinnen, ging es nahtlos in Diggin‘ in the Dirt über. Die sonst vor dem Lied statt findende Ansage, fand dann im Lied statt, dabei erzählte Stefanie, dass wenn ihr jemand mit 17 gesagt hätte, dass sie mit 35, mit der HR Bigband in der Batschkapp in Frankfurt spielen dürfte, sie hätte wahrscheinlich gelacht und geweint, aber sie hätte es vor allem nicht geglaubt. Sie erzählt, dass es ihr damals wegen eines Bandscheibenvorfalls, sie hatte Essprobleme und war sehr selbstzerstörerisch und es ihr deswegen gar nicht gut ging. Sie ließ sich dann selbst in eine geschlossene Psychiatrie einweisen. Ihr Therapeut damals meinte, wenn sie wieder draußen sei, solle sie regelmäßig in den Wald gehen und einfach schreiben. Ja und nun macht sie das ja hauptberuflich und das Publikum war ihr Wald für den Abend. Und nun wollte sie eine kleine Heinzmänsche Schreitherapie mit dem Publikum machen. Jeder sollte eine Kugel mit seinen Händen formen, seine Probleme und Sorgen in diese Kugel stecken und sie ihr dann mit einem lauten „Ohohoh“ entgegenschreien und werfen. Da sie mit dem Auto da war, würde sie die Kugeln dann einfach einstecken und in den Thunersee werfen, welcher in der Nähe von ihrem Wohnort ist. Und die Zuschauer hatten mächtig was raus zu schreien. Nach Diggin‘ in the Dirt ging es dann erst mal leiser, mit nur sehr wenig Instrumenten, weiter mit In the End, welches dann aber doch plötzlich mit allen Musikern den bekannten Schwung des Liedes bekam und sogar noch mehr. Im Anschluss bedankte sie sich dann bei allen Beteiligten, welche diesen wirklich wundervollen Abend ermöglicht hatten. Von den Musikern, über den HR bis zu den einzelnen Mitarbeitern der Batschkapp. Zum Abschluss kamen dann noch Best Life, ein Lied von ihrem letzten Album Labyrinth, welches sehr schwungvoll war, wo sie zunächst mit dem Dirigenten tanzte und im Anschluss mit ihren Sängerinnen, wobei sie sich zwischen beide stellte und damit zeigte, dass jeder Musiker für sie gleich wichtig ist. Zum Abschluss sang sie dann noch einen, für sie, alten Klassiker, Only So Much Oil in the Ground, ein Lied, welches sie schon bei SSDSDSSWEMUGABRTLAD* erfolgreich sang und damals auf ihrem Weg zum Sieg schon zeigte, was für eine geniale soulige Stimme sie hat.
Und wer sich das ganze Konzert anschauen möchte, der kann dies noch bis zum 28.7.2025 bei arte.tv machen und selbst erleben wie herzlich, humorvoll und schön dieser Abend war.
Setlist: On Fire // Shadows // My Man Is a Mean Man // Knocking Down the Wall // Build a House // Mother’s Heart // Colors // Carry the World // Labyrinth // Diggin‘ in the Dirt // In the End // All We Need Is Love // Best Life // Only So Much Oil in the Ground
Bericht und Bilder: Thomas
Mehr von Stefanie Heinzmann bei Dark-Art findet ihr hier:
- 03.12.2023 Konzertbericht: Stefanie Heinzmann & Mikis Takeover! Ensemble in der alten Oper Frankfurt
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