Review: Heretoir – Solastalgia

Release: 19.09.2025

Genre: Post-Black Metal

Spieldauer: 01:02:59

Label: AOP Records

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Tracklist:

  1. The Ashen Falls
  2. Season of Grief
  3. You Are the Night
  4. Inertia
  5. Rain
  6. Dreamgatherer
  7. The Heart of December
  8. Burial
  9. Solastalgia
  10. The Same Hell MMXXV
  11. Metaphor

 

 

Mit Solastalgia veröffentlichte die Post-Black-Metal-Band Heretoir im vergangenen Jahr ihr mittlerweile viertes Studioalbum – nur zwei Jahre nach dem Vorgänger Nightsphere. Bereits auf den ersten Blick zeigte es mir, das neue Album übertrifft den vorigen Langspieler in Spielzeit und Trackanzahl deutlich. Nachdem ich für sowohl Nightsphere als auch das dazugehörige Mini-Album Wastelands eine Kritik verfasst hatte, war meine Vorfreude auf Solastalgia entsprechend groß. Einige Monate nach der Veröffentlichung widme ich mich dem Album nun ausführlicher und versuche, mein persönliches Hörerlebnis der Stücke im Kontext des Gesamtwerks nachzuzeichnen.

Musikalisch bewegte sich Heretoir auf früheren Veröffentlichungen stets zwischen verspielten, melodischen Passagen und einer kalten, teils fast klinischen Form des Black Metal. Auf Nightsphere erweiterten sie dieses Spannungsfeld um eine dritte Facette: Atmospheric Black Metal, der viele der Songs in ausufernde, dichte Klanglandschaften verwandelte. Solastalgia schlägt nun einen leicht anderen Weg ein. Die Band entfernt sich spürbar vom atmosphärischen Ansatz und wendet sich wieder stärker dem verspielten Black Gaze zu. Dabei dominiert über weite Strecken der Black Gaze, während der Black Metal meist als Kontrastmittel fungiert, aber stückchenweise im Hintergrund verbleibt. 

Diese Ausrichtung zeigt sich besonders deutlich in Stücken wie Season of Grief, meinem ersten Favoriten auf der Platte, Dreamgatherer und The Same Hell MMXXV. Diese Songs wirken beinahe traumhaft und schwerelos. Ihnen fehlt zwar stellenweise die brutale Härte des klassischen Black Metal, doch gleichen sie dies durch intensive, emotional aufgeladene Gesangslinien mehr als aus. Gerade hier beweist Heretoir ein bemerkenswertes Gespür für Melodien, die sich langsam entfalten und dadurch sehr ausdrucksstark werden.

Als bewusster Gegenpol stehen The Ashen Falls und Burial. Ersteres eröffnet das Album mit überraschend rockigen Passagen und verleiht der Platte einen schwungvollen, beinahe treibenden Einstieg. Burial hingegen traf mich beim ersten Durchlauf nahezu unvorbereitet: Die aggressiven, nach vorn preschenden Riffs und das wuchtige Schlagzeug entfalteten sich, gemessen am bisherigen Albumverlauf, zu einem regelrechten Sturm. Diese kompromisslose Energie machte den Song zu meinem zweiten großen Favoriten und sorgte für einen dringend benötigten Bruch innerhalb der sonst sehr sanften Dramaturgie.

Spuren des Vorgängers Nightsphere lassen sich vor allem in The Heart of December und dem titelgebenden Track Solastalgia ausmachen. Beide Songs erinnern in ihrem Aufbau stark an den atmosphärisch-lastigen Ansatz früherer Werke. Besonders Solastalgia nimmt sich viel Zeit für seine Entwicklung: Der Black Metal tritt hier wieder dominanter auf, entfaltet sich jedoch langsam und wandelt sich zu einem weitreichenden Klanggemälde. Clear Vocals und Screams verweben sich zu einem intensiven Chor, der sich Schicht für Schicht aufbaut. Das ruhige, beinahe versöhnliche Ende des Songs war eine Wiederkehr zu dem Stil des aktuellen Albums.

Eine letzte, äußerst positive Überraschung stellt der Abschlusstrack Metaphor dar. Kein anderes Stück auf der Platte strahlt eine vergleichbare klangliche Leichtigkeit und Positivität aus. Ähnlich wie Burial ließ mich dieser Song aufhorchen, allerdings nicht durch Aggression, sondern durch Leichtigkeit. Selten hat mich ein Black-Metal-nahes Album mit einem derart freudigen Gefühl aus seinem Lauf entlassen.

Fazit:
Solastalgia ist ein Album mit starkem Fokus auf sanfte Passagen, gefühlvollen Gesang und verspielte Melodien, eingebettet in ein Black-Metal-Fundament. Diese Idee funktioniert über weite Strecken hervorragend und macht das Album zu einem intensiven, emotionalen Hörerlebnis. An einigen Stellen hätte ich mir jedoch stärkere Kontraste gewünscht, wie durchkantigere, brachialere Riffs oder mehr rockige Akzente. Die hätten der Dynamik des gesamten Albums gutgetan. Wer eine emotional aufgeladene Scheibe sucht und dem Black Gaze viel abgewinnen kann, dürfte von Solastalgia begeistert sein. Wer hingegen eine kalte, abweisende und kompromisslos harsche Black-Metal-Platte erwartet, wird hier vermutlich nicht vollständig glücklich.

Mich hat das Album dennoch überzeugt und ich freue mich bereits jetzt auf kommende Veröffentlichungen von Heretoir.

 

 

 

Mehr von Heretoir bei Dark-Art findet ihr hier:

 

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