Release: 31.01.2025
Genre: Dark-/Neo Folk
Spieldauer: 23:31
Label: Independent
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Tracklist:
- Baum
- …Wintermärchen
- Nachtmeerfahrt
- Fairy Love
Anfang 2025 veröffentlichte der Musiker Alexander Mertzdorff, den viele bereits durch die Projekte Waldtraene und Aeldergeyst kennen, mit Horda seine EP Baum – ein Werk mit nur vier Liedern, aber viel Seele. Fast wäre diese Veröffentlichung an mir vorbeigegangen, doch als ich sie schließlich entdeckte und zum ersten Mal hörte, wusste ich sofort: Diese Musik verdient eine Würdigung. In den folgenden Zeilen möchte ich meine Eindrücke zu diesem kleinen, aber feinen Werk teilen.
Bereits das Cover hat mich auf Anhieb angesprochen. Ein einzelner Baum, eine dunkle Gestalt – schlicht, in hellen Sepiatönen gehalten. Dieses minimalistische Artwork passt perfekt zum Charakter des Albums. Es spiegelt nicht nur den Titel wider, sondern auch das Wesen der Musik selbst: geerdet, ruhig, zurückgenommen, ohne überflüssige Ausschmückung. Kein aufwühlendes Inferno aus Klang und Emotion, sondern eine besonnene, natürliche Reise durch Klanglandschaften, deren Wirkung mehr über Intimität als über Bombast erzählt.
Der Auftakt gelingt mit dem titelgebenden Baum, das für mich auch das Herzstück der EP ist. Mit Akustikgitarre und Rassel erschafft Horda ein vielschichtiges, lebendiges Stück, das dem Baum – diesem uralten Symbol für Leben, Beständigkeit und Wandel – eine sanfte Liebeserklärung widmet. Was zunächst still und behutsam beginnt, steigert sich im Verlauf zu einem kleinen Neofolk-Wirbelwind, der rhythmisch und melodisch immer intensiver wird, bis er sich schließlich sanft wieder legt. Es ist eines jener Lieder, die sich unbemerkt ins Herz schleichen und dort Wurzeln schlagen.
Mit …Wintermärchen verlangsamt sich das Tempo leicht. Die Gitarrenarbeit bleibt hier das stabile Fundament des Liedes – klar und fesselnd. Doch trotz der stimmungsvollen Atmosphäre fehlt mir persönlich ein Moment des Aufbruchs, ein kleiner Ausreißer, der die Struktur durchbricht und das Lied unvergesslich machen könnte. Ähnlich verhält es sich mit Nachtmeerfahrt: ein stimmungsvolles Stück, das instrumental überzeugt, aber ebenfalls etwas zu gleichförmig bleibt. Beide Songs besitzen schöne Ideen und handwerkliche Stärke, aber sie entfalten nicht die gleiche Tiefe und Dynamik wie der eröffnende Titeltrack.
Der Abschluss mit Fairy Love, dem einzigen englischsprachigen Lied der EP, ist dagegen wieder ein echtes Highlight. Dieses Stück wirkt wie ein zarter Gegenpol zu „Baum“ – verspielt, melodisch und verträumt. Die Flöte im Hintergrund verleiht der Komposition Leichtigkeit und Magie, während die Akustikgitarre den sanften Herzschlag vorgibt. Es ist ein stilles, aber wunderschönes Finale, das die EP harmonisch abrundet.
Fazit
Baum ist eine ruhige, bodenständige und aufrichtige EP – ein Stück Neofolk mit Herz und Handwerk. Besonders der Titelsong und das abschließende Fairy Love zeigen, wie viel emotionale Tiefe und erzählerische Kraft in der Musik von Horda steckt. Die beiden mittleren Stücke wirken dagegen etwas zu gleichförmig und hätten ein paar zusätzliche Ecken und Kanten gut vertragen.
Doch trotz dieser kleinen Schwäche überzeugt Baum vor allem durch ihre Atmosphäre und starke lyrische Ausdruckskraft. Die Texte sind poetisch, naturverbunden und von einer stillen Melancholie durchzogen, die sich beim Hören unmittelbar überträgt. Für Liebhaber ruhiger, introspektiver Neofolk-Klänge ist diese EP ein wunderbarer Begleiter für besinnliche Stunden – wie ein Spaziergang durch einen winterlichen Wald, bei dem die Welt für einen Moment still zu stehen scheint.
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