Konzertbericht: Sabaton – The Legendary Tour Europe 2025 – Festhalle Frankfurt

Wer kennt sie nicht, Legenden. Das sind nicht nur die Geschichten, die von Mund zu Mund weitergegeben werden, sondern auch die Persönlichkeiten, die dahinterstehen. Diesen Persönlichkeiten widmeten Sabaton ihr elftes Studioalbum, das sie auch im Herbst 2025 auf die Bühne brachten, und eine dieser Bühnen war am 24.11.2025 in Frankfurt. Der Schauplatz der Tour mit dem epischen Namen The Legendary Tour wurde die Festhalle im Herzen von Frankfurt, in der sich schon lange vor dem Konzert die Besucher sammeln konnten. Eine Besonderheit dieser Tour sollte vor allem auch The Legendary Orchestra werden, ein Projekt, das nach einer Idee des Sabaton Gitarristen Pär Sundström entstand, doch dazu gleich mehr. 

The Legendary Orchestra – Eine Vision, die Musik wurde. 

Ein wenig angeteasert habe ich das ganze ja schon, hier nochmal genauer: Das Legendary Orchestra wurde 2025 von Sabatons Bassist Pär Sundström ins Leben gerufen und verbindet die Wucht einer Rockshow mit der Eleganz eines Orchesters. Mit dabei sind Ausnahmetalente wie Mia Asano, Patty Gurdy und Noa Gruman, die zusammen mit Produzent Joost van den Broek und dem Hellscore-Chor Sabaton-Songs in völlig neuen, epischen Arrangements präsentieren. Statt einfach nur „Metal mit Streichern“ zu liefern, geht es hier also explizit darum, die Lieder in einer Version darzubieten, die sich stark unterscheidet, allerdings, ohne den Kern der Songs zu verlieren. 
Natürlich aber war das auch eine grandiose Möglichkeit mehr Sabaton Songs auf die Bühne zu bringen, ohne dass die Band selbst hätte mehr als 3 Stunden spielen müssen, man wird ja auch nicht jünger.
Kurz, bevor die Uhr 18:30 schlug, legte das Orchester auch los. Das Orchester, angeordnet in zwei Blöcken, wurde von einem enormen aufgehängten Buch über der Bühne überragt, das den Blick direkt auf sich zog. Ein grandioses Bild für die Zuschauer. Dirigentin Noa Gruman an vorderster Front bekam Unterstützung von den beiden Solistinnen Mia Asano und Patty Gurdy, die vor allem die Show aktiv vorantrieben, denn hören konnte man sie nur selten gut, mal sind sie der Soundwand zum Opfer gefallen und mal auch einfach der Technik. 

Und direkt zeigte sich, dass das The Legendary Orchestra nicht nur schmückendes Beiwerk war, sondern die Lücken im regulären Sabaton-Set füllte. Stücke, die auf dieser Tour sonst fehlen würden, fanden hier ihren Platz – sehr zur Freude der Fans. Denn typischerweise begann das Set mit Ghost Division, einem Song, der seit vielen Jahren den Beginn eines Sabaton-Sets ziert, diesmal in einem anderen Gewand. Mit Bismark folgte ein weiteres, sehr prägnantes Stück, das auch direkt vom Publikum mit Neugier aufgenommen wurde. Bei Hearts of Iron wurde die typische Bühnenaufteilung etwas aufgebrochen, als der Chor für diese Performance von ganz hinten nach vorne an die Bühne trat. 
Besonders bei Sarajevo klatschte das Publikum begeistert mit, und auch bei Resist & Bite war die Stimmung deutlich spürbar. Ein echter Höhepunkt kam mit A Lifetime of War: getragen, eindringlich und mit einer Atmosphäre, die für Gänsehaut sorgte. Je länger der Abend dauerte, desto stärker wuchs die Begeisterung für das Projekt. Das Set endete nach guten 60 Minuten mit Swedish Pagans. Auch, wenn einige Fans meinen, dass es auch mal gut wäre, wenn dieses Lied mal von der Setlist flöge, war diese orchestrale Version eine echte Abwechslung. 

Setlist: Ghost Division // Bismarck // Maid of Steel // Hearts of Iron // The Final Solution // Sarajevo // Angels Calling // The Unkillable Soldier // Resist and Bite // A Lifetime of War // Sparta // Winged Hussars // Swedish Pagans

Sabaton – Geschichte, lebendig erzählt

Circa 30 Minuten nach dem Schluss von The Legendary Orchestra wurde die Halle erneut dunkel. Auf der B-Stage, einer kleineren Bühne am FOH, erstrahlte ein Licht und es betrat diese niemand geringerer als Napoleon. Kurz darauf folgten Dschingis Khan und Cäsar – drei Gestalten, die wie aus der Geschichte selbst herausgetreten wirkten. Gemeinsam stritten sie darüber, wer von ihnen der größte Herrscher aller Zeiten sei, bis schließlich ein Fackelzug die Szene durchbrach und Kreuzritter die Bühne eroberten. Damit war klar, wo diese Diskussion endet und nachdem die Kreuzritter ihr Gesicht freigegeben hatten, auch, was nun folgen sollte, denn Sabaton waren da und begannen den Abend passend mit Templers.

Die Brücke, die weit über dem Publikum hing, setzte sich ab und gab den Weg über den Golden Circle von der B-Stage zur Bühne frei, die, ungewöhnlich für Sabaton, keine Panzer, Stacheldraht oder ähnliches schmückten, sondern Mauern und Zinnen. In Templer-Rüstung und inmitten von Pyrotechnik spielte die Band das Lied von der Legends Scheibe. Von einem anderen Album, aber mit ähnlicher zeitlicher Eingrenzung, ließ The Last Stand das Publikum weiter im Mittelalter verweilen, während es, noch immer teils unter der Brücke stehend, das Lied mit zelebrierte. 

Wer glaubte, das ganze Theater mit Napoleon, Dschingis Khan und Cäsar sei nur ein Eröffnungs-Gag, durfte wohl nicht schlecht schauen, als vor dem nächsten Song Dschingis Khan wieder das Wort übernahm, bevor es thematisch passend mit Hordes of Khan weiterging. Die Band selbst stand zu dem Zeitpunkt nun wieder in ihren eher zivilen Bühnenkleidern da, und wer seinen Augenbrauen nicht zu viel Bedeutung zuschrieb, ließ sich in den vorderen Reihen mit Freude braten. Und weil es so schön war, folgte nun ein erneuter Besuch von Napoleon, mit seinen Soldaten, die nun die Bühne entsprechend mit Anwesenheit und Kanonen zu I, Emperor ausfüllten und den Song gekonnt rhythmisch abschossen – man braucht für Feuerkraft ja nicht immer Panzer.. und weil es so schön war, ok, ok lassen wir das. Es bekam Cäsar seinen erneuten Auftritt, und auch, wenn man ihn zuvor zum Messerblock ernannt hatte, stand er recht fit auf der großen Bühne, bereit für Crossing the Rubicon, indessen auch wieder die Feuer ausgepackt wurden. 

Da es zu dem Zeitpunkt doch recht Legends-lastig war, folgte nun ein etwas älteres Stück und ein wenig Heimatsgefühl für die Gastgeber des Abends. In schönen blau-gelben Mänteln betrat die Band die Bühne, um Carolus Rex in ihrer Muttersprache zu spielen. Erstaunlich viele Fans sagen ziemlich textsicher mit. Zur Begeisterung des Publikums folgte dann im Anschluss eines der Stücke, die sich um etwas drehen, das uns zeitlich näher ist als Napoleon, Cäsar, … Karl XII, und zwar The Red Baron. Wer wie ich bei dem Namen erstmal an die niedlichen Dreidecker-Jagdflugzeuge aka Fokker Dr.I denken muss, ja, genau die. Doch eigentlich geht es da viel mehr um den Piloten Manfred von Richthofen. Kommen wir jedoch zu Musik zurück, da gab der Song ein wenig mehr Tempo ins Set, das von Stormtroopers im Anschluss nicht nur aufgegriffen, sondern auch fortgeführt wurde. Der Song wurde von einem ordentlichen Funkenregen eröffnet und zu seinem Ende folgte ein technisch beeindruckendes Drum-Solo von Hannes van Dahl; spätestens an dieser Stelle bemerkte man, dass sich sein Drumset, das prominent auf einem Turm platziert war, sich mit viel Lichteffekten erhöhen ließ. Coole Technik. 

Doch nach dem Solo ging es auch wieder zurück in die Vergangenheit; diesmal ins alte China, um die Geschichte von Lü Bu aufzugreifen. Hier änderte sich das Set ein wenig, und während die Band in asiatisch anmutenden Gewändern die Bühne wieder betrat, änderte sich auch die Instrumentalisierung: Joakim wechselte auf die Gitarre, während Chris und Thobbe auf Trommeln wechselten. Bei dem Song kam auch wieder das geliebte Feuer zum Einsatz, und das nicht zu knapp, heißt, wer da noch Augenbrauen hatte, gewann eine neue Chance, sie zu verlieren. Aber „mehr Feuer“ ist nicht automatisch „mehr besser“, zumindest merkte man das schnell, als das Publikum mit dem folgenden Song wieder nach 1914 versetzt wurde; genauer gesagt zum 24.12.1914, mit Christmas Truce. Das Publikum spendete mit Handylampen und Feuerzeugen Licht, während auf der Bühne ohne weitere große Effekte der Song die Stimmung und Emotionen trug, ein ruhiger Moment im Set kaum hätte besser passen können. Im Anschluss folgte ein weiteres, eher ruhigeres Stück, Soldier of Heaven, bei dem Joakim Unterstützung beim Gesang bekam, und das von niemanden geringeres als Noa Gruman, die bereits zuvor beim The Legendary Orchestra den Gesang beisteuerte. Die Backgroundsänger waren auch mit am Start.

Weiter mit The Attack of the Dead Men ging es zurück auf die B-Stage, ein wenig blutverschmiert, bewaffnet und ein wenig giftig wirkend. Die Leute hatten ordentlich Bock auf das Spektakel, an dessen Ende die Band durch das Publikum zur Bühne zurückkehrte. Zurück auf der Bühne wurde es auch mal Zeit für Klassiker wie Night Witches. Der Song brachte wieder Tempo zurück und damit einen tollen Übergang zu einem Stück, das nicht fehlen durfte: Primo Victoria! Wenn man auch nur irgendetwas mit Metal zu tun hat, und auch, wenn man sonst nichts von Sabaton kennt, ist es sehr wahrscheinlich, das man zumindest dieses Lied mitsingen kann, denn der vertonte Epos über die Landung der Alliierten in der Normandie 1944 ist nicht ganz unschuldig an der Bekanntheit der Band und nicht umsonst ein Publikumsliebling. Apropos Publikum, das stieg direkt ein und jubelte, als gäbe es kein Morgen mehr, nachdem der Song mit einem grandiosen Knall eröffnet wurde. Joakim und Chris lieferten sich zudem ihr traditionelles Bier-Ex-Duell – diesmal gewann Chris. Prost!

Mit Steel Commanders wurde wieder etwas Neueres ausgepackt, das sich jedoch an Epik nicht hinter dem Song zuvor verstecken braucht. Im Anschluss ging es zeitlich zurück, nicht nur in den Albumveröffentlichungen, sondern auch in der Geschichte, mit The Art of War, das die Besucher wieder zum ordentlichen Mitsingen und Feiern brachte. To Hell and Back setze das Ganze fort. Zum Ende wurde dann etwas ganz Altes ausgepackt, Masters of the World lieferte einen ordentlichen Abschluss, die Brücke zur B-Stage fuhr runter, die Band ließ sich über dem Publikum feiern, Konfetti, alles was man sich wünscht! 

Und das wars, danach war Schluss, keine Zugabe, kein „noch ein Bier“ und die Halle leerte sich um 22 Uhr. 

Setlist: Templars // The Last Stand // Hordes of Khan // I, Emperor // Crossing the Rubicon // Carolus Rex (Swedish Version) // The Red Baron // Stormtroopers // A Tiger Among Dragons (Drum Solo Intro) // Christmas Truce // Soldier of Heaven // The Attack of the Dead Men // Night Witches // Primo Victoria // Steel Commanders // The Art of War // To Hell and Back // Masters of the World 

Fazit:

Wer bis hierhin aufmerksam gelesen hat, hat wahrscheinlich gemerkt, dass so einige scherzhafte Aussagen hier gelandet sind und das war Absicht. Sabaton ist schon lange nicht nur eine Band, es ist ein Theater, es ist Show und das ist es, wofür die Leute kommen. Das Problem bei dieser Setlist, bei dieser Tour ist, dass gefühlt diese ganze Show direkt zu Beginn hinausgefeuert wurde, denn ab der Hälfte wurde es weniger, flacher. Und auch, wenn Schauspieler, die historischen Figuren spielen, eine interessante und witzige Idee waren, nahmen sie gerade zu Beginn der Show viel Platz ein. Zu sagen, Sabaton hätten 2 Stunden gespielt, stimmt daher schlicht nicht. Persönlich hätte ich mir statt 10 Minuten Exposition mit Napoleon, Cäsar und Dschingis Khan lieber 2 weitere Songs gewünscht, die die Zeit wahrscheinlich besser gefüllt hätten, sowie eine bessere Balance zwischen Songs mit und Songs ohne Show. 

Bericht: Roksana
Bilder: Matthias

 

Mehr von Sabaton bei Dark-Art findet ihr hier:

Über Roksi 645 Artikel
Roksana Helscher, Fotografin und Redakteurin. Seit 2016 bei Dark-Art dabei, ein Teil der Chefredaktion und das Mädchen für alles. Seit meinen ersten Konzertfotografie-Gehversuchen in 2011 bis heute unterwegs und versuche das Geschehen auf großen und kleinen Bühnen zu dokumentieren.

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