Schatzkiste: Epica-The Phantom Agony

Release: 5.6.2003
Genre: Symphonic Metal
Spieldauer: 51 Minuten und 52 Sekunden
Label: Transmission Records

Links:

Tracklist:

  1. Adyta (The Neverending Embrace)
  2. Sensorium
  3. Cry for the Moon (The Embrace that Smothers – Part IV)
  4. Feint
  5. Illusive Consensus
  6. Façade of Reality (The Embrace that Smothers – Part V)
  7. Run for a Fall
  8. Seif al Din (The Embrace that Smothers – Part VI)
  9. The Phantom Agony


Einer meiner Lieblingsstücke, die ich Zuhause habe. Unterschrieben von der aktuellen Besetzung der Band.

Vorwort:
Es ist heute unvorstellbar, dass Epica, einer der Giganten des Symphonic Metals, auch mal klein angefangen hat. Wer die Band verfolgt weiß, dass die Fan-Truppe, die sich um Frontfrau Simone Simons versammelt hat, groß ist. Ob nun in Europa oder in Lateinamerika, Epica kann auf eine treue Zuhörerschaft setzen, die jedes Mal auf’s neue freudig die Ohren spitzt, wenn es etwas Frisches zum Hören gibt oder die Gruppe auf Wanderschaft geht. Doch welcher Stein hat den bis heute andauernden Erfolg ins Rollen gebracht? Kenner wissen natürlich die Antwort, es war das Debütalbum The Phantom Agony, das als Sprungbrett nach ganz oben gedient hat. Dieses Sprungbrett feiert heute seinen runden Geburtstag. 20 Jahre ist inzwischen her, dass The Phantom Agony das Licht der Welt oder besser gesagt der Bühnen erblickt hat und deswegen gibt es von uns als Geburtstagsgeschenk eine kleine Zeitreise. Kramt euren tragbaren CD-Player sowie alten Gamboy Advance aus der Mottenkiste raus und kommt mit uns zurück in das Jahr 2003!

 

Das Album:
The Phantom Agony ist noch deutlich mehr spürbar vom Gothic Metal, beziehungsweise Rock beeinflusst, als seine Nachfolger. Auch würde ich dem Erstlingswerk eine größere Neigung zum klassischen Symphonic Metal attestieren als seinen jüngeren Alben-Geschwistern. Diese bewegen sich mehr in Richtung Symphonic Power Metal, die mit einem größeren Bombastlevel, sowie einprägsameren Refrain daher kommen. Auffällig ist, dass Epica’s erstes musikalische Kind auf eine sehr hohe Klangdichte setzt, die mit einer fast durchgängigen Streichbegleitung sowie üppigen Chorgesangseinlagen bestückt ist. Alles wirkt sehr filmreif und volumenstark und man merkt, dass man auf die Erfahrungen, die Mark Jansen bei After Forever sammelte, zugreifen konnte und deswegen nicht bei null anfangen musste. Beim Schreiben der Texte wurde auf ein breites Portfolio zurückgegriffen, das von politischem Extremismus (Feint), religiösem Fundamentalismus (Seif al Din, Facade of Reality) oder sexuellem Missbrauch an Kindern (Cry to the Moon) reicht. Doch gehen wir nun etwas ins Detail und nehmen uns die Tracks etwas genauer zur Brust. Als kurzer Opener dient auf dem Album Adyta, der in den Song Sensorium gleitet. Ersterer wirkt geheimnisvoll und ist eher auf leichten Schritten unterwegs und kommt mit einem schön gemachten Chorgesang daher. Wie schon erwähnt folgt, darauf Sensorium, bei dem man dann sein ersten Vollkontakt mit der damals noch blutjungen Stimme von Simone Simons hat. Sensorium zeigt in weicher Form auf, welche Facetten wir in The Phantom Agony im späteren Verlauf zu hören bekommen. Somit ist der erste Track des Debütalbums ein Song, der eine Symbiose aus eingängigen und einprägsamen Phasen besitzt, der mit einem Chorgesang sowie kleinen Growls und glasklaren Gesang daherkommt. Erwähnenswert ist dabei, dass wir bei dem Track auch ein Klavier zu hören bekommen, das uns die ganze Zeit während des Liedes begleitet. Auf Platz Nummer 3 steht dann mit Cry for the Moon wohl der All-Time-Klassiker schlechthin von Epica an, der bei Liveauftritten der Band wie die Butter auf dem Brot nicht fehlen darf. Cry for the Moon lässt sich erstmal etwas Zeit, bevor der Song richtig in Fahrt kommt. Er steigt, nachdem der Spannungsbogen vollständig aufgeschlagen wurde, direkt in den wohl für jeden Epica-Fan wohlbekannten Refrain ein. Dazu gesellt sich dann die tiefe Stimme von Mark Jansen bei der auch nun auch härtere Drums zu hören sind. Als Nächstes steht mit Feint eine Ballade auf dem Programm. Diese ist vollkommen auf die Stimme von Simone Simons zugeschnitten. Somit ist die Hintergrundbemalung sehr klein gehalten, sodass Frontfrau Simone besonders einfühlsam ihren Gesang vortragen kann. Nachdem der letzte Ton von Feint über die Lautsprecher gewandert ist, schickt Epica Illusive Consensus ins Feld. Der Song treibt von Anfang an ordentlich nach vorne und besitzt sehr lange Passagen, bei der Simons ihren Soprangesang ausspielen kann. Auch etwas Chorgesang gesellt sich am letzten Drittel des Liedes hinzu, bevor dieser seinen Abschluss findet.

Mit Façade of Reality (The Embrace That Smothers – Part V) folgt auf dem Album ein Song, der genauso lang ist, wie sein vollständiger Name. Auf mehr als acht Minuten bekommen wir die volle Breite des Albums in all seinen Facetten zu spüren. Ob Klargesang, Chor, tiefe Growls oder auch eine kleine Erzählerstimme, hier wurde alles miteinander vereint und passend dazu mit einem ausladenden und komplexen Sound hinterlegt. Nachdem das Machtwerk mit seinem sperrigen Namen beendet ist, schiebt The Phantom Agony mit Run For A Fall wieder einen Track nach, der mehr in Richtung ruhige Kugel geht. Man sollte sich aber von meiner eben genannten Wortwahl nicht täuschen. Diese eben genannte leichte Kugel, die ähnlich agiert wie der Song Feint, dauert grob über den Daumen gepeilt ungefähr den halben Song, ehe die Kugel satt Fahrt aufnimmt und kurz rasend wirkt. Mark Jansen ergreift nämlich an dieser Stelle das Mikrofon und gibt dabei Run For A Fall eine energische Würze, die durch eine harte Tonlage erbracht wird. Nachdem dieser Anfall an Stärke vollbracht ist, besinnt sich der Song wieder auf seine ruhige Ausgangslage zurück. Seif al Din (The Embrace That Smothers – Part VI) stellt sich als Nächstes vor und dient als Ablöse für seinen Song-Kollegen. Seif al Din behandelt thematisch den Missbrauch von Religionen, um daraus politische Macht sowie Kontrolle über Bevölkerungen zu erlangen. Dabei wechseln sich der Soprangesang, sowie tiefe Growls in ähnlicher Form wie wir es schon vorher auf dem Album gehört haben, ab. Hinzu kommt noch Simone Simons, die ein paar mahnende Wort spricht, die wie eine Belehrung wirken. Zum Abschluss fährt Epica auf ihrem Debütalbum noch ein ganz großes Geschütz auf. The Phantom Agony erstreckt sich auf fast neun Minuten Spiellänge und bietet dabei einen filmreifen Sound, der alles hat, was man von einem guten Symphonic-Metal-Track erwartet. Besonders der Anfang, bei der Simone fragend ihre Stimme im Flüsterton erhebt, ergibt bei mir einen kleinen Gänsehautmoment. Untermalt wird das ganze durch Streichinstrumente, die in einem Chorgesang mit Unterstützung von der niederländischen Powerfrau münden. Danach folgt eine Darbietung, die perfekt aufeinander abgestimmt ist und von treibend dynamisch bis nach meisterhaft wohlklingend alles mitnimmt, was man im Genre finden kann. Für mich ist dieser Song einer der Favoriten des ganzen Albums und kommt mir leider bei aktuellen Setlisten von Epica zu kurz. Denn wenn es nach meiner kleinen bescheidenen Meinung geht, darf dieses Lied gerne öfters Live on Stage erklingen.

 

Fazit:
Nur weil etwas einige Jahre auf dem Buckel hat, heißt es noch lange nicht, dass es automatisch zum alten Eisen gehört oder schon mächtig Staub angesetzt hat. Das Debütalbum von Epica ist nämlich das beste Beispiel dafür, dass manche Werke einfach nicht alt werden können. Klar kann man The Phantom Agony vielleicht ankreiden, dass es hier und da möglicherweise etwas zu lang oder ausufernd wirkt, aber das ist wirklich Meckern auf sehr hohen Niveau und ist gerade bei einem runden Geburtstag unpassend. Für mich bleibt zum Abschluss nur zu sagen, dass The Phantom Agony auf dem ersten Platz der Epica-Diskografie steht. Und wer weiß, vielleicht darf ich in 10 Jahren, wenn das Album seinen 30. Geburtstag feiert, wieder in irgendeiner Form zum Burzeltag gratulieren. Also ich wäre auf jeden Fall dabei und ihr?

PS.
Für alle, die jetzt etwas Blut geleckt haben, hätten noch einen kleinen Überblick zum 20. Geburtstag von Epica im Petto, bei dem wir die Geschichte der Truppe etwas genauer beleuchten. Schaut doch gerne auch da mal vorbei.

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