Band der Woche: Wandar

Band der Woche KW 21/2026

Herkunft: Halle (Saale), Deutschland
Genre: Black Metal

 

Click here for the English version.

 

Die Band über sich:

 

Wandar hissten ihre Banner im Jahre 2006, um ihrem Verlangen jeglicher heiter vom Firmament herabkriechenden Strahlen eine klare Erwiderung zu bieten. Dabei stehen WANDAR nicht für plakatives Schwarzwurzel-Gebaren, sondern für atmosphärisch ungemein dichten Black Metal sehr hoher Güte. Im Grundverständnis gewachsen aus skandinavischen Wurzeln, in der Reife geformt von Vertretern des Kaskadenraums – schlussendlich veredelt durch moderne Sichtweisen und einen sehr hohen Anspruch.
Zerrissen zwischen tobender Raserei und schmerzerfülltem Klagen, wandelnd zwischen ausbrechender Wut und melancholischer Ohnmacht erzeugen WANDAR einen Zustand unheilvollen Schwebens, einen bedrohlichen Rausch, dem zu verfallen gefährlich schön werden kann.
Ihre Botschaften sind voller Wehmut, Sehnsucht und absoluter Leidenschaft. Tief aus Gruften kommend, mit vernarbend Herzen und blutigen Augen.

Wandar teilten sich bereits die Bühnen mit Bands wie Watain, Helrunar, Taake, Bethlehem, Der Weg einer Freiheit, Imperium Dekadenz, Eis, Darkened Nocturn Slaughtercult und vielen mehr.
Jede Show ist ein Ritual, jedes Ritual ein Stich, jeder Stich ein stetiges Ausbluten.

 

Kommentar der Redaktion:

Wer die musikalische Reise durch die Welt von Wandar antritt und sich dabei richtig umschaut, entdeckt neben authentischer und hingebungsvoller Naturphilosophie vor allem tiefgreifende Erzählungen über das Selbst, den Menschen, die anderen und die Welt, die uns umgibt. Mit jedem Schritt bewegt sich der geneigte Hörer tiefer in ein komplexes wie auch emotionales Atmospheric Black Metal Konstrukt, bei dem hinter jeder Ecke eine große Liebe zum Detail zum Vorschein kommt. Mal stehen wir, verwoben mit einer tiefen Metaphorik, vor finsteren Wäldern, geraten in Stürme, frieren oder erfreuen nach uns nach überstandenen Gewittern an der Wärme der Sonne, die sich im Tau der Wiese spiegelt. Aber es wird auch gerastet, in sich gegangen, Momente und Wahrnehmung werden in Verhältnisse gesetzt; wir werden traurig, wir verzweifeln, werden wütend, aber wir laufen auch immer weiter, vergraben uns irgendwann tief in die Erde und schließlich in uns selbst. Das zumindest empfinde ich, wenn ich die Band mal wieder in der Rotation habe.  

Ich selbst habe die Musik von Wandar vor einigen Jahren zu meiner Zeit als Hallunke kennengelernt. Das klingt, wenn ich das so sage, erstmal komisch, aber in Halle (an der Saale) werden gebürtige Städter als Hallenser, jene mit enger Verbindung zu der Bruderschaft der Salzwirker „Halloren“ und zugezogene eben als „Hallunken“ bezeichnet. Über den Verlauf von acht Jahren, die ich dort verbringen durfte, lernte ich selbstverständlich auch die tolle Musikszene in und um die Städte Halle und Leipzig kennen. Es hat nicht lange gedauert, bis ich ein Album namens Zyklus in der Hand hatte, das ich eine zeitlang nicht mehr aus dem Gehörgang nehmen wollte. Ein fantastisches Stück Black Metal, das mich bis heute fasziniert und immer wieder in seinen Bann zieht. Schnell wurde damals natürlich auch der erste Langspieler von Wandar, Landlose Ufer nachgeholt, der 2021 auch neu aufgenommen wurde. Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Albums Tiefe Erde (erschienen über Vendetta Records), wollte ich einfach ein paar Worte zu dieser tollen Gruppierung loswerden, die mich mit ihrem Handwerk nun schon eine ganze Weile begleitet.  

Wandar sind oft wechselhaft und sprunghaft, entfernen sich im Kern aber nie von einer finsteren, emotionalen und häufig auch bedrückenden Schwere, die sich in allen Tempi, die der Schwarzmetall so zu bieten hat, auf den Hörenden legt. In dieser kraftvollen Schwere liegt eine Faszination und Spannung, die durch verschiedene Elemente perfekt konstruiert wird. Da wären zum Beispiel die hingebungsvollen Vocals, die sich mal wütend, dann wieder flüsternd, hier verzweifelnd, dort klagend, in einem Moment anprangernd, aber auch huldigend und staunend, ja geradezu ehrfürchtig in die komplexen Songstrukturen einfügen und als wichtiges narratives Element durch die entfesselten Stürme aus wundervollen Riffs und Melodien führen. Lyrisch ist das Ganze häufig eingebettet in die erwähnte naturnahe Metaphorik, aber zu gegebener Zeit auch direkt und klar. Ergänzend dazu ist die beeindruckende instrumentale Arbeit in keinem Moment unbedacht oder nebensächlich. Die Band versteht sich meisterhaft darauf, angespannte und sich aufbäumende Riffs und Melodien zu konzipieren, die dann auf gekonnte Art und Weise erhaben und harmonisch aufgelöst und variiert werden. Auch finden sich auf den Alben Zwischenspiele und Ambient-Einflüsse, die passend als verbindende oder unterstützende Elemente funktionieren, dabei aber niemals aufdringlich oder unpassend aus der Musik heraus stechen. Stets zeigt sich dieses kompositorische Geschick, mit dem die Band es schafft, verschiedenste emotionale Bandbreiten und Zustände in eine komplexe, vielseitige, aber gerade deswegen funktionierende musikalische Form zu gießen und das Ergebnis zu mitreißenden Konzeptalben zu schmieden, in die ich mich immer wieder fallen lassen kann, die mich emotional aufwühlen und die auch bei wiederholtem Hören nichts von ihrer Faszination verlieren.

Während das Erstlingswerk Landlose Ufer in einer vergleichsweise raueren Form bereits den konzeptionellen Pfad einer naturverbundenen, aber dennoch eher pessimistischen Ergründung des Menschseins andeutet, festigte der erwähnte Zyklus diesen Ansatz in all seiner Schönheit und Dunkelheit. Das neue Kapitel Tiefe Erde schließt nach eigener Aussage der Band einen Kreis, der sich aus diesen drei Teilen ergibt. Ich möchte mir erst noch ein paar weitere Durchläufe des neuen Werkes zu Gemüte führen, bevor ich mir eine Meinung oder Aussage dazu erlaube. Denn schon beim ersten Hören wurde mir schnell bewusst, dass es hier wieder einiges zu entdecken gibt und sich eine gründliche Auseinandersetzung mit den Inhalten sicher sehr lohnen wird.

Daher sei euch die erste Auskopplung der Platte namens Trug verlinkt, der für mich schon jetzt zu einem der besten Songs des Jahres zählt. Allen, die sich mal wieder tiefgreifender mit einer atmosphärisch dichten wie auch aufwühlenden und spannenden Diskografie beschäftigen möchten, seien die Veröffentlichungen von Wandar ans Herz gelegt. Allen anderen auch.  

 

Die Band bei Dark-Art:

 

 

 

Live-Impressionen:

 

Musikvorschlag:

 

Kommende Live-Termine:

27.06.21026 Rotten Stones Festival

09.07-11.07.2026 In Flammen Festival

16.10.2026 Würzburg, B-Hof 

 

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Band der Woche, unter diesem Titel stellen wir euch jede Woche Dienstagabend, 20 Uhr (MEZ) eine Band vor. Dies sind jeweils Bands, die von Mitgliedern unserer Redaktion empfohlen werden, vor allem junge Nachwuchsbands, die unserer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdient haben.

Alle Bands, die wir dieses Jahr vorgestellt haben, findet ihr auch in unserer Playlist auf Spotify.

 

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