Wenn es im Substage in Karlsruhe schon vor der ersten Band von der Decke tropft, ist da wahrscheinlich ein ausverkauftes Haus zu erwarten. So eben auch, völlig zu Recht, wenn solche Metal-Größen, wie Testament den heiligen ehemaligen Schlachthof beehren. Mit dabei auf ihrer Tour waren in Karlsruhe Metal Church und Death Angel.
Metal Church
Bereits eine Viertelstunde vor dem offiziell anberaumten Beginn startete Metal Church direkt mit ihrer unverwechselbaren Temponummer aus 1986 Ton of Bricks in die Vollen. Das Publikum, das mitbekommen hatte, dass es früher losging, war gleich auf Betriebstemperatur im Saal. Der Rest kam nun so nach und nach dazu, gleich um die zweite, auch aus 1986 stammende Nummer Start the Fire wortwörtlich zu nehmen, eben ohne „Fire“, aber mit Fäuste recken, Mitwippen und Haare schwingen. Man fühlte sich zurückversetzt wie bei einer der früheren Rockmetal-Partys in einem alten Schuppen, bei Bierflaschen und Zigaretten auf dem Boden und alles klebt. Die Leser wissen sehr sicher, was ich meine. Direkt danach ging es weiter im 80er-Sound mit der schon balladesken Nummer Watch the Children Pray, ebenso ein Meilenstein der Metaller, die dazu ihr erstes Video gedreht hatten. Brian Allen brachte die Höhen in dem Song richtig gut raus. Hach, Erinnerungen wurden wach. Fehlten halt die obligatorischen Feuerzeuge …
Dann der Zeitsprung schlechthin, eine Nummer aus – tatsächlich 2025 erst veröffentlicht – nämlich F.A.F.O., die das Tempo wieder stark erhöhte. Ein aggressiver Thrasher, wie man es nach 45 Jahren von der Band sich gewünscht hat, diesem Stil treu geblieben zu sein, bzw. wieder dahin zurückzukommen. Zur jetzigen Formation gehören aktuell Gründungsmitglied Kurdt Vanderhoof, Gitarrist Rick Van Zandt, Bassist David Ellefson, Schlagzeuger Ken Mary sowie Sänger Brian Allen, der auch den alten Nummern den alten Glanz einhaucht … Nach Beyond the Black und der Hymne Metal Church, beide aus 1984, war dann auch schon die Zeit um. Das Publikum wollte eigentlich noch mehr, aber mindestens hatte man schon mal Stimmung für die nächsten Bands.
Setlist: Ton of Bricks // Start the Fire // Watch the Children Pray // F.A.F.O. // Beyond the Black // Metal Church
Fotostrecke Metal Church:
Death Angel
Die Thrash-Metaller von Death Angel dürfen natürlich bei einem solchen Zusammentreffen der Thrash-Ikonen nicht fehlen. Wahrscheinlich noch bekannter als Metal Church waren sie im Rahmen von Touren schon früher mit den Jungs von Testament verbandelt. Bei solch langen Bandgeschichten kennt man sich eben und hat schon vieles zusammen erlebt. Dieses Gefühl von Lebenserfahrung, das man nur haben kann, wenn man eben auch diese Erfahrungen hat, brachten sie auch direkt mit The Moth, eine „neuere“ Thrash-Tempo-Nummer aus 2016, auf die Bühne, die heftiges Kopfschütteln und Haareschwingen auslösten. Yes, sie können es noch. Dass es Passion ist und viel „Blood“ kostet, um Ziele zu erreichen, hatten sie bereits 2013 im gleichnamigen Album beschrieben, mit The Dream Calls for Blood mit entsprechend Druck dahinter. Dass sie Ziele erreicht haben und noch weiter erreichen wollen, zeigte Cult Of The Used, mit dem neuesten Song des Abends aus 2025, der beim Publikum ebenso lange natürlich schon zur Playlist gehört, oder wie früher analog eben, auf dem „Plattenteller“ sein Zuhause gefunden hat. Aber hier auch nur ein Ausflug ins „Moderne“, bevor wir endlich wieder Klassiker, die auf jedem Konzert funktionieren, um die Ohren bekamen. Seemingly Endless Time, direkt ohne weitere Ansage, die sowieso sehr spärlich gehalten wurde, über Claws in so Deep in den nächsten Klassiker Evil Priest. Atempause sollte es keine geben und es gab auch keine. Das Publikum, ordentlich schwitzend, was nicht jetzt nur an den Bands lag, gab alles, um den Jungs auf der Bühne zu zeigen, dass jede/r im Saal, wirklich jede/r, die Songs mitsingen kann. Technisch sowieso perfekt, sind Death Angel druckvolle Live-Performer, die den Thrash-Metal-Anhängern im Substage keine Ruhe ließen und umgekehrt beim absoluten Klassiker Thrown to the Wolves der Chor auch nach dem letzten Ton nicht enden wollte. Puh, und dann sollte man noch Energie für Testament haben …?
Setlist: The Moth // The Dream Calls for Blood // Cult Of The Used // Seemingly Endless Time // Claws in so Deep // Evil Priest // Mistress of Pain // Bored // Thrown to the Wolves
Fotostrecke Death Angel:
Testament
Aber wer ein/e gestandener Thrash-Metaller oder Thrash-Metallerin ist, hat beim Kauf der Karten schon gewusst, was auf ihn oder sie zukommt. Dazu Chuck Billy, der Frontmann, der sich sehr auf die bevorstehende Tournee freut, im Vorfeld: „Es ist immer etwas Besonderes, mit unseren Fans auf der ganzen Welt zusammenzukommen, und diese Tour wird keine Ausnahme sein. Macht euch bereit für einen unerbittlichen Ansturm von Thrash-Metal-Chaos!“ Gitarrist Eric Peterson fügt hinzu: „Die europäische Metalszene war ein wichtiger Teil unserer Reise, und wir können es kaum erwarten, die Bühne mit einigen unglaublichen Bands zu teilen und unvergessliche Erinnerungen mit unseren Fans zu schaffen.“ Das mal als Statement und zur Erzeugung einer Erwartung, die ja schon mit den ersten Bands weitestgehend erfüllt wurde.
Durch den, trotz vieler Wechsel und Pausen, steten Album-Output der Jahrzehnte wird es immer schwieriger für eine Band, für solch einen Abend eine Setlist zu spielen, die jedem so gerecht wird und auf eineinhalb Stunden reduziert ist.
Aber sie hatten eine Auswahl getroffen. Direkt und schnörkellos ging es los mit dem Song aus 1988, Into the Pit, ein Klassiker neben dem letzten Song am Abend, Over the Wall aus 1987, vom ersten Album, immer noch gerne gehört, wie das Publikum auch zeigte. Auch zu Zeiten, als 80er-Metalgrößen wie Maiden, Metallica etc. qualitativ doch ganz schön zu wünschen übrig ließen, haute Testament immer wieder ein Album raus, zwischen Thrash und mal mehr, mal weniger Death Metal und blieben sich weitestgehend treu. Wo Testament draufsteht, ist (meistens) auch Testament drin. (So many Lies / Electric Crown).
Ein Grund dürfte auch Rhythmusgitarren- und Riffgott Eric Peterson sein. Da ist kein Nachlassen an aggressiven und böse klingenden Riffs über die Jahre zu merken. Ebenso bleibt Sologitarrist Alex Skolnick weiterhin – nicht nur für mich – ein virtuoser Ausnahmekönner; mit seinen ideenreichen Soli ist er ein Gegenpart zu den powervollen Riffen von Peterson. Hört die Songs aus dem 2025er Album; hier alleine vier davon live präsentiert, und die Meute tobte. Also alles richtig gemacht.
Richtig gemacht haben die Jungs von Testament auch die Schlagzeuger-Wahl. Der nun je nach Zählweise achte Schlagzeuger, Ex-Seven-Spires‚-Mitglied Chris Dovas, bleibt hoffentlich nun ein fester Bestandteil der Thrash-Metaller, da er doch auch bei Songs von der neuen Platte Para Bellum am Abend auch als Songwriter seine Qualitäten unter Beweis gestellt hat. Er macht Testament seit 2023 „härter und präziser“ (Zitat Petersen). Sein außerordentliches Spiel zeigte er auch bei seinem Schlagzeugsolo, das mal endlich einen, der sonst auch für uns Fotografen meist recht versteckt ist, in den Vordergrund rückte. In der Fotostrecke ist das auch gebührend berücksichtigt.
Die Fans fühlten sich wohl, es gab viel Interaktion mit Händen und Haaren, der Merch war gut besucht und so manche gingen sichtbar erfüllt aus dem Substage hinaus. Es ist eine wunderbare Location für Konzerte wie dieses. Der Schweiß „tropfte von der Decke“, die Menschen sind freundlich, Metal verbindet eben.
Setlist: Into the Pit 1988 // Henchmen Ride 2008 // Practice What You Preach 1989 // For the Love of Pain 2025// Infanticide A.I. 2025// Shadow People 2025 // More Than Meets the Eye 2008 // Electric Crown 1992 // So Many Lies 1992 // The Ballad 1989 // Nature of the Beast 2025 // Schlagzeugsolo // First Strike Is Deadly 2001 // Over the Wall 1987
Fotostrecke Testament:
Bericht und Bilder: Patrick
Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:
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