Festivalbericht: Traffic Jam Open Air Freitag, 17.07.2026

Es war endlich wieder soweit. Ein Jahr war vergangen, in welchem man Staus gehasst hat, in dem man sich jedes Mal gewünscht hat, dass er endlich vorbeigeht. Doch jetzt endlich konnte man sich darauf freuen, dass sich das Leben mit dem Traffic Jam kreuzte. Es war angerichtet. Der Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker hatte mitten drin eine schöne Bühne aufgestellt bekommen und die ersten Bands waren schon eingetroffen. In der brütenden Hitze wurde das traditionelle „Warten 2026“ vor der Eingangstür zum Festivalgelände eingeläutet und es konnte los gehen. Der Freitag des Traffic Jam Open Airs begann.

Precipitation

Als erstes durften die Jungs von Precipitation auf die Bühne. Eine Band, die ich seit 2016 kenne und welche sich mit dem Auftritt einen lang ersehnten Wunsch erfüllen konnte. Schon immer wollten sie mal auf dem Traffic Jam spielen und nun durften sie es sogar eröffnen. Mehr Ehre gibt es nicht. Dafür, dass sie als erste Band spielten, war es aber auch schon gut gefüllt und so kam gut Stimmung auf. Das hinderte Felix (ihren Drummer) nicht daran, vor ihrem letzten Lied Cosmic aufzustehen und die Zuschauer noch mal anzuheizen. Wie gut sie ankamen, oder wie viele Fans anwesend waren, merkte man dann daran, dass es Zugaberufe gab. Dies kommentierte Til (Gitarrist) allerdings mit folgenden Worten: „Auf der Uhr haben wir zwar noch 3 Minuten, aber ich glaube, wir haben kein Lieder unter 6 Minuten“, was zu Gelächter führte.

Failed Star

Als Zweites spielte Failed Star, eine Metalcore‑Band aus Mainz. Die Musiker sind Star‑Wars‑Fans, was man direkt beim vierten Lied merkte, da Sänger Moe von der Bühne herunterkam und „Lichtschwerter“ austeilte, damit es einen Lichtschwert‑Moshpit geben konnte. Diese wurden dankend angenommen und es folgten auch direkt kleine Lichtschwertduelle während dem nächsten Lied. Aber das war nicht alles, es gab dann sogar einen Circle Pit im darauffolgenden Lied. Auch zeigten sie, auf welcher Seite sie stehen, und widmeten ein Lied dem Kampf gegen Rassismus, gegen die AfD und unseren aktuellen Kanzler, mit einem bekannten Drei‑Wort‑Satz, welcher etwas mit Eiern zu tun hat. Dass Moe keine Berührungsängste mit dem Publikum hat, zeigte er dann auch beim letzten Lied, in dem er eine Wall of Death auf dem Rasen neben der Haupttanzfläche startete und daran teilnahm. Das Abschlusslied endete mit einem Gitarrensolo vom Gitarristen Chriss, für welches sich Jessi und Moe in die erste Reihe stellten, um ihm zuzujubeln.

Bucketlist

Mit ihrem Mix aus Modern Metal und Metalcore ist Bucketlist ungefähr 5 Stunden gefahren und erst kurz vor ihrer Show angekommen, um alles rechtzeitig aufzubauen und loszulegen. Und sie hatten auch gleich etwas vor: Schon beim zweiten Lied sollten die Zuschauer „Now or never“ mitsingen, was auch sehr gut geklappt hat. Damit war aber nicht Schluss mit den Mitmachspielchen, dann war Circle‑Pit‑Zeit angesagt. Der fiel kleiner aus, als die meisten Anwesenden dachten, aber immerhin gab es einen. Das Loch füllte sich dann aber erst mal nicht, was Sänger Chris veranlasste, zu sagen: „Könnt wieder ins Infield kommen, gibt jetzt kein Circle Pit mehr.“; um dann ein Lied anzukündigen, welches direkt aus dem Proberaum kam. Monster in Me hatte damit auf dem Traffic Jam seine Weltpremiere. Während der Show deutete Chris auch immer wieder Zuschauer an, dass sie doch mal einfach nach vorn kommen sollten. Und entweder hatte er irgendwelche Magie am Start oder es war einfach sein Charme, aber meistens klappte es dann auch. Und so wurde während der Show der Bereich vor der Bühne immer voller. Was aber auch am Auftritt selbst gelegen haben könnte.

Waves like Walls

Mit Wave like Walls kam dann die erste Hardcore‑Band. Melodic Hardcore, um genau zu sein. Auch wenn als Intro erst mal Maniac von Michael Sembello kam. Ihr wisst schon, das Lied vom Film Flashdance. Doch gleich mit der ersten Note wurde man davon direkt wieder heruntergeholt und es folgte eine energiegeladene Show mit viel Bewegung, Gespringe und Gekicke auf der Bühne. Natürlich sprang Sänger Marki von der Bühne und hielt sein Mikro ins Publikum, welches mit Freude mitbrüllte. Hardcore ist ja bekannt dafür, gegen Faschismus zu sein, Wave like Walls ist hier keine Ausnahme, was Marki noch mal betonte, als er Unite ankündigte, mit: „Der geht raus an die ganzen Faschos und der speziell von mir geht raus an die AfD.“ Woraufhin er den Mittelfinger zeigte, was einige Zuschauer ihm nachmachten. Dabei gab es dann auch spontan durch die Fans eine Wall of Death. Bei Never Enough wurden die Crowdsurfer gerufen und sie kamen, während sich gleichzeitig ein Circle Pit auftat. Als es dann anfing zu regnen, lud Marki die Zuschauer auf die Bühne ein, doch die Secus verneinten dies direkt. Also sollten doch weiter Crowdsurfer kommen. Das letzte Lied, Keep Fighting, wurde allen gewidmet, die weitermachen, auch wenn das Leben gerade scheiße ist.

Leyka

Verletzter Fuß, welcher in einem Vacoped ist? Angewiesen auf Krücken oder einen Rollstuhl? Alles kein Grund für Leyka, die Show abzusagen. Betroffen war Sänger Tom, welcher somit im Rollstuhl auf der Bühne war. Auch technische Probleme während der ersten Lieder machten dem Ganzen keinen Abbruch, Stimmung war angesagt. Auf der einen Seite Philipp, welcher mal wieder wie ein Derwisch über die Bühne sprang, Tom, der böse schauend langsam über die Bühne rollte, und das Publikum, welches abging. Verlorene Zeit durch die Technikprobleme schienen sie aufgeholt zu haben, was Tom jedoch erst mal nicht mitbekam, meinte er doch: „Heute habe ich keine Zeit für lange Ansprachen … habe ich doch?“ Und er legte los mit einem Text gegen die AfD und kündigte damit das nächste Lied an. Und Philipp passierte etwas, was sonst nie passiert: ihm riss eine Saite von seinem Bass. Was ein Glück, dass er ausnahmsweise seinen Ersatzbass dabei hatte und so fast nahtlos weiterspielen konnte. Seinen Schuh kickte er dann trotzdem, ungewollt, noch ins Publikum, traf aber niemanden damit. Natürlich durfte die gute alte Wall of Death nicht fehlen. Diese markierte dann den Abschluss des Auftritts.

Humankind

Humankind legte erst mal los und spielte zwei Lieder, bevor es zur Begrüßung der anwesenden Zuschauer kam. Samuel kam auch immer mal wieder auf die Boxen runter und meinte, dass sie sich sehr freuen, auf dem Traffic Jam spielen zu dürfen, und er bedankte sich auch bei jedem, der dies möglich gemacht hatte. Es war eine Show mit vielen schnellen Liedern, jedoch gab es zwischendurch auch ein ruhigeres Lied, quasi als Verschnaufpause, bevor es dann wieder schneller wurde. Aber es gab auch eine kleine Überraschung: Die Band hatte das Lied Lovely von Enemy Inside gecovert und spielte es auch. Und wie der Zufall es wollte, hatte Enemy Inside den Slot danach, sodass Nastassja es sich nicht nehmen ließ, das Lied im Duett mit Samuel zu singen – ein Duett, das sehr gut ankam. Auch bei Humankind durfte die Wall of Death nicht fehlen, genau wie ein Starkmachen dafür, dass man sich um seine mentale Gesundheit kümmert. Das Lied Daybreakers wurde dem gewidmet, und es sollte jeder, der schon mentale Probleme hatte, die Hand heben und dann mit den Handytaschenlampen Licht machen. Was zu einem wundervollen Anblick und einem der Highlights der Show führte.

Enemy Inside

Vorletzte Band des Abends, Primetime und inoffizieller Headliner, kam dann Enemy Inside auf die Bühne, unter lautem Jubel vor einem sehr vollen Infield. Und sie legten auch gleich richtig los mit dem Titelsong ihres letzten Albums, Venom. Und sie hielten sich auch an die Reihenfolge des Albums, weil direkt danach Should Have Known Better und Sayonara kamen. Sayonara widmete Nastassja allen Hatern. Um dann auch gleich beim selben Thema zu bleiben, mit Dirt on My Name, welches die Menschen anprangert, die hinter dem Rücken von anderen lästern, ohne die Person selbst zu kennen. Bis dahin war das Publikum noch geschont worden, doch bei In My Blood sollten sie dann den Titel des Liedes mitsingen, was sie auch brav machten. Alles in allem eine richtig gute Show, die sehr gut ankam und mit viel Jubel bedacht wurde. Dabei gab es auch eine Premiere, da sie ihre neueste Single spielten, welche erst fünf Tage später erscheinen sollte. Die Rede ist von Dopamine, welches an dem Abend zum ersten Mal vor Publikum gespielt wurde und wir somit die Ersten waren, die das Lied hörten. Der Auftritt wurde dann mit dem Megahit Phoenix beendet und die Band wurde mit neuen Zugaberufen von der Bühne verabschiedet.

Dead Phoenix

Last but not least spielte Dead Phoenix auf der Bühne. Los ging es mit Silence Is Golden, gefolgt von Until I Die. Hierfür beauftragte Dennis das Publikum, einen Circle Pit zu machen, wofür er extra von der Bühne ins Publikum ging, um diesen zu starten. Doch damit nicht genug des Mitmachens: Die tägliche Springeinheit musste natürlich auch sein. So forderte er die Fans bei Dimensions auf zu springen. Und das taten sie. Ähnlich dynamisch ging es dann weiter, bis es mit Stellar Light etwas ruhiger wurde und alle die Handylichter herausholen sollten. Und eigentlich für eine Metalcore‑Band unüblich, aber in der Setlist ausgeschrieben als Alex-an-der Trommel, gab es ein schönes und ausgiebiges Drumsolo, welches die Zuschauer zum Klatschen animierte. Nach dem darauffolgenden Lied We Are One gab es das übliche Crowdfoto, bevor dann noch zwei Lieder plus die zwei Lieder dauernde Zugabe gespielt wurden. Und damit endete dann unter Jubel der Zuschauer der erste Tag des Traffic Jam 2026.

Atmosphäre

Ein solches Festival besteht ja nicht nur aus den Bands, sondern auch aus dem Campingplatz, dem Merchstand und vor allem den Besuchern. Einen Einblick darin will ich euch natürlich auch nicht verwehren.

Bericht und Bilder: Thomas

Mehr von dem Traffic Jam Open Air bei Dark-Art findet ihr hier:

Schreibe den ersten Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*