Samstag, zweiter Tag des Traffic Jams. Der Tag begann mit dem Flunky‑Ball‑Turnier, welches aber so früh war, dass ich es nicht geschafft hatte, um von diesem zu berichten. Allerdings fürs Bier‑Yoga hat es gelangt, welches parallel zum Alexodus-Auftritt stattfand. In der Mitte die Yogalehrerin, um sie herum viele Yogaschüler, alle mit Bier in der Hand. Manche früh aufgebend, waren einfach nur da, um das Freibier zu trinken, andere dort, um ernsthaft Yoga zu machen; und um Freibier zu bekommen. Aber seht selbst.
Wave Off
14 Uhr, Familientag, erste Band: Wave Off aus Mannheim. Zunächst waren die Zuschauer alle quer verteilt und keiner vor der Bühne, doch die rockige Musik und der Sänger schafften es dann doch, die paar schon anwesenden Zuschauer vor die Bühne zu locken. Und ihnen wurde auch ein wirklich guter Auftritt mit guter Musik geboten. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, vor allem für die Gäste, welche zum Familientag da waren. Mit dem Familientag (oder auch Tag der offenen Tür, kurz TdoT, genannt) möchte das Traffic Jam immer Familien die Möglichkeit geben, umsonst mal zu erleben, was es bedeutet, auf einem Festival zu sein. Dabei gibt es dann auch Kinderschminken und andere Angebote für die kleinen Nachwuchsfans.
Alexodus
Danach wurde es etwas mystischer. Auf der Bühne, vor dem Mikro, ein kleines Podest. Darauf zwei betende Aliens, welche Räucherstäbchen oder Ähnliches anzündeten. Der Sänger sprach auch das parallel dazu stattfindende Bier‑Yoga an und meinte: „Ihr seht schon an den Räucherstäbchen, wir stehen auf Einklang mit uns selbst.“ Nach eigener Angabe spielten sie dann ein paar neue Lieder, ein paar alte, aber Hauptsache, sie ließen es fetzen. Und das taten sie auch, mit ihrem Emo, gemischt mit Pop‑, Rock‑ und Rap‑Einflüssen. Wegen Tonproblemen mussten sie dann zwar ein Lied streichen, aber ihr Sänger fragte noch, ob es schon zu spät für einen Kinder-Moshpit sei. Den gab es dann auch in kleiner, abgespeckter Version.
Generation.F
Die dritte Band des Tages der offenen Tür war Generation.F aus Saarbrücken. Mit ihrem Post‑Hardcore wussten auch sie zu überzeugen, die Dinos aus letztem Jahr waren auch wieder da und starteten direkt einen Circle Pit. Nachdem sie damit gezeigt hatten, dass sie sich bewegen können, wurden sie auch gefragt, ob sie springen könnten. Ja, konnten sie. Sie kamen auf jeden Fall sehr gut an, so gut, dass beim zweiten Circle Pit sogar die ganz kleinen Besucher mitmachten, natürlich dann etwas ruhiger.
Nivo
Nachdem das Festivalgelände von den TdoT‑Besuchern gecleared war, durfte mit Nivo eine Heavy‑Pop‑Band mit Metalcore‑Einflüssen auf die Bühne. Ja, das klingt komisch, klang es aber auf der Bühne gar nicht. Es war ein richtig guter Auftritt. Und deren Sänger wusste auch, wie er die Zuschauer motiviert. Auf die Frage, wie das Festival bisher so war, gab es zunächst gemäßigtes Jubeln. Das gefiel ihm aber nicht, also meinte er: „Nene, das wird dem nicht gerecht.“ Das rief dann lauteren Jubel hervor. Mit Fade Away spielten sie dann auch ihre neue Single, welche gut ankam. Im Anschluss fragte er, wie viel Bock die Zuschauer haben, sich zu bewegen, um dann festzustellen, dass er in der Setlist verrutscht war, weil es nun eine Piano‑Version von ihrem Lied Stay gab. Am Ende gab es dann noch einen Circle Pit, bei welchem der Sänger schön mitmischte, und eine Wall of Death.
Averea
Die Franken Averea kamen als Nächstes auf die Bühne. Zunächst der Drummer, bei dem sich der ein oder andere fragte, ob er überhaupt schon volljährig sei. Im Laufe der Show stellte sich dann heraus, dass dem nicht so war. Er war erst 15 und „nur“ für den eigentlichen Drummer eingesprungen. Innerhalb von zwei Wochen lernte er das ganze Set und lieferte ab. Man merkte ihm nicht an, dass es sein erster größerer Auftritt war, es war eine Freude, ihm zuzuschauen. Aber auch der Rest der Band lieferte ab und war in seinem Element. Sängerin Georgie und Sänger Tizian so sehr, dass sie aneinanderstießen und er ihr dabei fast das Kabel der In‑Ears herauszog. Aber sie schaffen es gerade noch es zu verhindern und lachten dann herzhaft. Zu Awakening gab es dann auch einen spontanen Circle Pit und vor der Bühne war es am Ende richtig gut gefüllt. Dem kleineren Andrang nach der Show vor dem Merchstand zu urteilen, hat die Band sich mit diesem Auftritt auf jeden Fall ein paar neue Fans gesichert.
Throatcut
Throatcut. Hardcore aus Heilbronn. Was soll man da noch groß sagen? Action, Action, Action. Keinen der Bandmitglieder hielt es still, dauernd waren sie in Bewegung. Ok, fast – der Drummer natürlich nicht, aber das liegt in der Natur der Dinge. Aber man sah ihm an, dass er am liebsten auch auf der Bühne herumgesprungen wäre. Selbiges war im Publikum zu sehen, wo viel getanzt wurde. Ein sehr intensiver Auftritt, welcher kurzzeitig durch ein Interlude unterbrochen wurde, das aus sehr sphärischer Musik bestand. Doch dann ging es unvermittelt und mit derselben Intensität weiter. Inklusive Wall of Death. Auch sie konnten die Zuschauer überzeugen und ließen einige glückliche Gesichter zurück.
Artemis Rising
Zeit für die Dauergäste Artemis Rising. Nun zum dritten Mal in Folge auf dem Traffic Jam, kann man sie schon fast zum Inventar zählen. Aber es war ihnen auch eine Freude, wieder da zu sein, und auch dieses Mal lieferten sie wieder voll ab und wurden vom Publikum jubelnd empfangen. Der Anfang der Show wurde zwar von Regen begleitet, aber das störte niemanden. Als dann die schwarzen Luftballons zum Einsatz kamen, verschwand auch der Regen und sie konnten prima durch die Luft fliegen. Auch spielten sie ein erst am Vortag veröffentlichtes Lied. Der große Circle Pit und Moshpit zeigten, wie gut sie ankamen, es war eines Headliners würdig. Die Stimmung war auf beiden Seiten blendend und so gaben sie eine Empfehlung ab, dass sie beim nächsten Mal gerne wieder dabei sein dürfen.
Howl Like Wolves
Nur noch zwei Bands auf dem Programm. Als vorletztes kamen Howl Like Wolves aus Passau auf die Bühne. Mit viel Gegenlicht und kaum Frontlicht machten sie zwar mir die Arbeit zum Fotografieren schwer, aber erzeugten damit eine richtig coole Stimmung. Dies übertrug sich auch aufs Publikum, das gut mitging. Ungefähr eine Viertelstunde ins Set hinein war plötzlich der Himmel der Meinung, einen richtig fetten Regenguss abzulassen, was aber einige nicht davon abhielt, trotzdem vor der Bühne stehenzubleiben und abzugehen. Es war zwar nass, aber trotzdem immer noch warm. Als der Regen dann aufhörte, blieb es nicht dabei, dass wenige Zuschauer vor der Bühne blieben, sondern es füllte sich schnell wieder. Als zweites Lied der Zugabe spielten sie dann das am Tag vorher erst veröffentlichte Lied Void und verließen dann die Bühne zu den Klängen von Se Bastasse Una Canzone von Eros Ramazzotti und viel Jubel und Applaus.
Ankor
Den Abschluss durfte niemand Geringeres als Ankor machen. Die Erwartungen waren groß, waren sie doch der bekannteste Act des Festivals und der einzige, welcher nicht aus Deutschland kam. Und die Erwartungen wurden erfüllt. Es war ein regelrechter Abriss mit riesigem Moshpit, einer grandiosen Show, sei es durch die Band und vor allem ihren Dauerunterhalter Fito oder durch die Fans, welche bei Oblivion eine Herzkette auspackten und hochhielten. Was die Band sichtlich rührte und Jessy mit den Worten begleitete: „This song is very special to us. It helped us heal. Thank you for everybody who is here and our loyal fans. It is ok not to be ok.“ Einer der bewegendsten Momente des Auftritts.
Aber es gab auch ein paar kleine Pannen, welche elegant umschifft wurden. Bei der ersten, nach Embers, durfte Fito seine Alleinunterhalterkünste zeigen, da Jessy plötzlich meinte, dass es einen kleinen Notfall gäbe und sie kurz von der Bühne müsse. Das nutzte Fito, um mit We Will Rock You die Stimmung der Fans zu testen. Nach der Beseitigung des Notfalls – eine Kleiderpanne – ging es mit Venom weiter. Ein bisschen war offensichtlich der Wurm in der Technik, denn ziemlich am Anfang von Madara waren plötzlich die Samples weg, was zunächst Fito und Jessy nicht merkten, aber der Rest. Problem gelöst, und sie fingen das Lied dann einfach noch einmal von vorne an. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, denn diese war grandios. Die Zuschauer durften sie dann direkt im Anschluss bei The Legend of Charles the Giant unter Beweis stellen. Jessy verlangte einen sehr großen Circle Pit und meinte dazu: „You are only allowed in the middle if you have a camera“, und meinte damit mich. Sie fügte noch hinzu: „Take care of him.“ Crowdsurfer gab es auch, und zum Abschluss gab es ein Handylichtermeer zu Prisoner.
Damit war der Auftritt vorbei, aber noch lange nicht der Spaß. Denn, wie bei Ankor‑Auftritten üblich, blieb ein Teil der Band – namentlich Jessy und Fito – noch auf der Bühne und veranstaltete einen „Welche Seite ist lauter“-Contest mit den Fans. Dabei gab es keinen klaren Sieger, beide Seiten waren, zur Freude der beiden, sehr laut, was dann endgültig das Ende des diesjährigen Traffic Jam einläutete.
Atmosphäre
Natürlich gab es auch am Samstag eine Atmosphäre vom ausverkauften Traffic Jam und dazugehörige Bilder, aber nicht nur. Vor dem ersten Auftritt wurde Bingo gespielt. Ja, das richtig klassische Bingo, wo jeder Teilnehmer eine Bingo Karte bekam. Sogar die Gans hatte eine. Aber leider gewann sie nichts.
Bericht und Bilder: Thomas
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