Bericht: Versengold – Lautes Gedenken Open Air in Rottendorf

Eine der bekanntesten und vermutlich auch beliebtesten deutschen Folk Bands, nämlich Versengold, brachte ihre neueste Platte Lautes Gedenken auf die Bühnen Deutschlands. Unter den Auftritten fanden sich auch drei Open Air Veranstaltungen wieder, wir durften im Rahmen der Kulturtage auf dem Gut Wöllried in Rottendorf am 30.06.24 dabei sein!

Ein Sonntag, in der Nähe von Würzburg. Es regnete schon den ganzen Tag und sollte auch gegen Abend nicht so wirklich besser werden, aber das hielt etliche Versengold Fans nicht davon ab, zahlreich schon zum Einlass, also eine Stunde vor Beginn, vor Ort zu sein. Mit Regenmänteln und Ponchos ausgestattet füllte sich der Innenhof relativ schnell. Die sympathischen Nordlichter haben sich mittlerweile in ganz Deutschland einen guten Ruf erspielt, kein Wunder, bei der Energie auf der Bühne. Auch wenn die Jungs ihr norddeutsches Schietwetter ruhig für sich behalten hätten können. Wir behaupten einfach, es ihnen so heimisch wie möglich gemacht zu haben!

 

Aber einmal zurück auf Anfang, denn sie waren ja nicht alleine unterwegs. Als Unterstützung, Anheizer und Publikums-Check hatten sie das Singer-Songwriter-Comedyduo Reis Against the Spülmachine dabei! Wie? Moment? Nein, das ist kein Schreibfehler! Die beiden Herren aus Buxtehude und Oldenburg haben sich auf die Fahne geschrieben, sämtliches Copyright großer Welthits  (und auch weniger bekannter Songs) gekonnt zu ignorieren und sie komödiantisch und nach allen Regeln der Kunst (und des Trinkens) zu parodieren! Was hat Weihnachten mit Zweikomponentenkleber zu tun?! Nix, denkt ihr? Weit gefehlt! Fließ mal das Bad bedient sich eines sehr bekannten spanischen Weihnachtsliedes, in dem es dann in dieser Variante zum großzügigen Einsatzes des Klebstoffes kommt. Die skeptischen Blicke derer, die noch nie von dem Duo gehört hatten und überhaupt nicht wussten, was auf sie zukommt… Unbezahlbar!

Weiter ging es mit einer Checkliste, um das Publikum gebührend auf Versengold vorzubereiten. Diese wurde während der halben Stunde systematisch abgearbeitet und, wie von den beiden Gesamtschullehrern festgestellt, mit Fleißsternchen bestanden! Nach einem Medley über das heißeste Getränk des Sommers und des Winters (nein, kein neumodischer Schrott, aber Spoilern ist nicht;)) gings weiter zu Sport, denn Rudern war angesagt. Und wenn ihr wissen wollt, wie das auszusehen hat, stellt euch doch einfach einen T-Rex auf einem Moped vor. Ich werde dieses Bild so schnell nicht mehr aus meinem Kopf bekommen :).

Die Friese wurde mit Schweiß und Regen zur Elvis Tolle geformt (naja, das Löckchen hoch gedroppt) und mit dem nächsten Song ging es in einen Discounter. Welcher? Hört es euch an! Auch war eine Zauberflöte am Start, in Form einer Bierflasche der Würzburger Hofbräu. Auf dieser wurde eine wunderbare und wahrlich zauberhafte Melodie angestimmt, meiner Meinung nach das sinnvollste, was man mit diesem Bier anstellen kann ;). Auch gabs den passenden Erklärsong hinterher, bevor es thematisch feuchtfröhlich blieb… Immer noch auch passend zum Wetter! Saufen mal probiert? handelt genau davon, was ihr euch vermutlich auch gerade gedacht habt! Ob es wirklich zum Ballermann Hit taugt, sei dahin gestellt, aber immerhin kennen wir nun die “Secret 3th Strophe”.

Nach etwas Werbung für kommende Gigs wurde leider schon die letzte Runde eingeläutet. Fight for your Reis, Basmati zog nochmal alle Register und die Jungs wurden unter lauten Applaus verabschiedet! Das war mal ein Supportact nach meinem Geschmack! Grandios! Ich kann nur jedem empfehlen, hört und schaut es euch an! Ich ging dann erstmal den Merchstand plündern und bin nun stolzer Besitzer eines “Reis Against the Spülmachine, Ignoring Copyrights since 1981″ Shirts.

 

Nach einer kurzen Umbaupause ging es dann auch zügig mit Versengold los… und ab Minute 1 waren alle in Feierlaune. Glimmer und Gloria war der perfekte Einstieg in das Set und die Leute gingen ab. Niemals sang- und klanglos knüpfte direkt daran an und während dieser Songs wurden schon die ersten Papierschlangen und der Funkensprüher gezündet. Bei Verliebt in eine Insel erstrahlte die Bühne in Grün mit einzelnen orangenen Elementen, passend zu den irischen Landesfarben. Damit war die Party aber noch nicht zu Ende… Zu Der Tag an dem die Götter sich betranken gab das Publikum weiter Gas, und die großen blauen Bälle wurden auf die feiernde Meute losgelassen. Schöne Irish Folk Vibes gabs auch mit der Ode an ihre Heimat, Wir feiern den Norden. Passend dazu regnete es halt einfach immer noch:).

Labyrinth ist eines der Lieder, die bei mir auf Platte nicht so gezündet haben, aber live… feines Stück Musik. Anders, Tod und Trommeln. Dieser Track verursachte mir schon so Gänsehaut, aber diesen auf dem Open Air Gig zu hören, Wahnsinn. Die Emotionen waren eine Mischung aus Trauer und Feiern, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Diese Geigenparts in dem Stück entfalten hier auch erst richtig ihre Wirkung. Aber damit war noch nicht Schluss mit den Balladen. Der Titeltrack des Albums, Lautes Gedenken, soll an all jene erinnern, welche Versengold von den Anfängen an begleitet haben, allen Freunden und Familienmitgliedern, die leider schon von uns gegangen sind. Und wie Rottendorf ihnen gedachte! Gänsehaut! Gefühlt jeder sang mit.

Ein bisschen später wurde es dann wieder lustiger mit Hey Hanna und der Beichte, dass Malte halt einfach nicht tanzen kann und anscheinend ein Körperklaus ist. Macht nix, seine Stärken liegen halt eindeutig woanders! Auch Flaschengeist knüpfte daran an und die Menge tanzte und sprang, nachdem, passend zum Sonntag, das “Flasche Eleison” geprobt wurde. Haut mir kein’ Stein schlug aber wieder in eine andere Kerbe. Jeder, welcher schon einmal ein Versengold Konzert besucht hat, kennt die Geschichte hinter dem Song mittlerweile. Für alle anderen gab es eine kurze Erklärung, dass Malte nach einem Unglück, was ihm fast das Leben gekostet hätte, diesen Track für seine Eltern als Hinterlassenschaft schrieb. Und spätestens hier sah ich einige Tränchen in der Menge. Dieses Lied ist aber auch verdammt emotional.

Der mittlerweile aber wohl bekannteste Song der Band ist vermutlich Thekenmädchen! Der Partysong schlechthin und die Leute feierten, als ob es kein Morgen gäbe. Beim Probelauf bekamen wir auch wieder den Sonntagsbonus, welchen wir aber verfallen ließen. Das ging auch so und eigentlich sollten alle nur eine Zeile singen, das ganze nahm aber so eine Eigendynamik an, dass der komplette Refrain von der Meute gesungen wurde und seitens Versengold mit Anerkennung quittiert wurde. Im Bier sind Dinge drin ist ein nicht so ernst gemeinter Song und schöner Seitenhieb gegen die heutige Schwubbel- und Verschwörungsgesellschaft. I like! Genauso kritisch ist auch Braune Pfeifen, ein kleines F***k you an alle Rassisten und Faschisten. Ein Song und eine Botschaft, welche heutzutage wichtiger denn je ist, verpackt im typischen Versengold Style!

Auch wenn die Schreihälse auf dieser WeltDas Orchester dirigierenAuch wenn sie schief und taktlos, wie sie sindIn eure Köpfe einmarschierenLasst sie ihre falschen Lieder schreien und keifenWir tanzen nicht nach braunen Pfeifen

 

Die letzte offizielle Runde wurde mit Kobold im Kopp eingeläutet, und hier kamen auch nochmals Reis against the Spülmaschine mit auf die Bühne, im Gepäck selbstverständlich die Zauberflöte! Gefühlt wurde an Eskalation noch eine Stufe draufgelegt und die Leute tobten und tanzten! Das Shirt auszuziehen wollten sie uns des Wetters wegen nicht zumuten, aber nach einem Blick der Menschen in den ersten Reihen herum und dem stummen “Here we go!” in den Gesichtern, kreisten etliche Shirts, Ponchos und Regenjacken im Innenhof! So geht das!

Selbstverständlich war aber noch nicht Schluss und für die Zugabe ging es für Malte und Eike in die Menge auf ein Podest. Die letzte Runde, ebenfalls wieder ein sehr emotionaler Song, berührte auch wieder den Sänger und die Menschen um ihn herum. Den obligatorischen Circle Pit um Eike zu Butter bei die Fische, unter Ermahnung auf Rücksicht auf die Kinder, gabs natürlich auch wieder, obwohl nach einer Runde schon Schluss war. Das funktioniert auf Festivals natürlich deutlich besser, aber schön war es trotzdem! Nach dem Abgesang inklusive Schleichwerbung war dann aber wirklich Schluss. Was für ein Konzert, was für eine Band! Danke für diesen tollen Abend, trotz Schietwetter!

 

Über Steffi 182 Artikel
Fotografin und Schreiberling. Seit Frühjahr 2022 dabei, angeschleppt wurde ich von Roksi und Matthias, welche mein Interesse an der Konzertfotografie geweckt haben. Ich bin bevorzugt auf kleineren Festivals und Veranstaltungen im Bereich Pagan, Viking und Folkmetal, soweit atmospheric Black Metal und Melo Death unterwegs. Zu meinen Lieblingsbands zählen unter anderem Vanaheim, Cân Bardd und Dark Tranquility

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