Zusammen mit meinem Mann und Fotografen Andreas hatte ich die Freude, am 21.01. Ensiferum auf ihrer Winterstorm over Europe Tour, im Berliner Festsaal Kreuzberg erleben zu dürfen. Passend dazu hatte sich Berlin sein Winterkleid angezogen und passte die Stimmung mit Schnee und kalten Temperaturen, dem Thema des Abends an.
Als wir dort 10min vor Einlass ankamen, standen erst ein paar Leute vor dem Eingang, und wir fragten uns schon, ob es denn ein familiärer Abend werden sollte. Vielleicht waren aber auch die eisigen Temperaturen Grund dafür, dass sich bis dato so wenige eingefunden hatten.
Pünktlich um 18Uhr öffneten sich dann die Türen und nach einem kurzen Abstecher zum Merchstand und der Abgabe der dicken Winterjacken an der Garderobe ging es in den Festsaal. Wir waren zum ersten Mal hier und staunten nicht schlecht: Der rechte Rand war gesäumt mit gemütlichen Sitzecken. Mehrere Tische waren umgeben von halbrunden Sofas und luden zum gemütlichen Zusammensitzen ein. Da der Festsaal für alle möglichen Veranstaltungen genutzt wird, erscheint das eigentlich logisch. Wir fanden speziell für ein Metalkonzert jedoch etwas gewöhnungsbedürftig und haben daher etwas darüber geschmunzelt.
Dragony
Um 18:30, 15 Minuten vor Start, war der Saal noch immer nur moderat gefüllt. Ein wenig tat es uns für die Vorband leid, aber was soll man machen? Den Bühnenhintergrund säumte ein großes Banner mit der lateinischen Aufschrift „Hic Sunt Dracones“, was so viel wie „Hier sind Drachen“ bedeutet und gleichzeitig der Titel des letzten Albums der österreichischen Band Dragony darstellt. Von meinem Platz rechts direkt am Bühnenrand konnte ich etwas in den Backstagebereich blicken und sah, wie sich die Band kurz vor dem Auftritt im Kreis zusammen stellte, um sich gemeinsam einzustimmen.
Pünktlich um 18:45 brachten sie diese Stimmung gleich von Anfang an mit auf die Bühne. Insbesondere betraf das Sängerin Maria Nesh, die seit diesem Januar fester Bestandteil der Band ist, nachdem sie zuvor ein paar Mal bereits Sänger Siegfried Samer unterstützt hatte. Dieser konnte leider beim aktuellen Konzert nicht dabei sein, weshalb Maria an diesem Abend als einzige Sängerin auf der Bühne stand. Und sie machte ihren Job sehr gut. Ich hatte Dragony mit Sänger Siggi vorher noch nicht gehört und konnte daher keinen Vergleich ziehen, aber Maria hat eine ordentliche Show abgeliefert. Optisch ist sie ein absoluter Hingucker – das kann ich als Frau ruhig neidlos anerkennen und auch gesanglich kann sie von hohen Noten bis zum Growl alles bieten, was das Powermetalherz begehrt.
So präsentierte die Band an diesem Abend viele Songs ihres letzten Albums, gemixt mit einigen älteren Songs aus ihrer Diskographie. Vor dem Song The Einherjar wurden alle anwesenden Frauen (was recht viele waren), mit einem High Pitch Battle Cry zu Walküren erhoben und die anwesenden Männer, natürlich mit einem tiefen Growl, zu Warriors ernannt. Während des Songs schwang Maria, in bester Sportgymnasik-Manier, zusätzlich einen Papier-Feuerdrachen durch die Luft. Showtechnisch ein absoluter Hingucker.
Vor dem letzten Song wurde sich bei der Crew bedankt und alle Anwesenden zu einem anschließenden Treffen am Merchstand eingeladen.
Die Stimmung im Publikum war hervorragend, der Saal hatte sich währenddessen überraschend gut gefüllt und alle freuten sich auf die zwei noch folgenden Bands. Wie bereits erwähnt, entdeckte ich freudigerweise viele Frauen im Publikum. Was vor ein paar Jahren noch ganz anders war. Zudem mixte sich das Alter der Anwesenden mittlerweile bunt von 20 bis ü60.
Setlist: Twilight of the Gods // Gods of War // Lords of the Hunt // The World Serpent // The Einherjar (What Dreams May Come) // Made of Metal (Cyberpunk Joseph) // Beyond the Rainbow Bridge // Wolves of the North
Freedom Call
Als zweite Band des Abends betrat Freedom Call die Bühne. Die fränkischen Frohnaturen lieferten ein wahres Happy Metal-Fest ab. Kaum verwunderlich, dass die Band von einem amerikanischen Metalmagazin zur „Happiest Metal Band of the World“ gekürt wurde. Die gute Laune der vier Musiker strömte von der Bühne und ins Publikum, welches von Anfang an in einem Stimmungshoch war. Das wurde sogar noch besser, als der Lichttechniker, nach dem ersten Song, anscheinend den Schalter für die Frontscheinwerfer zur Bühne gefunden hatte. Sänger Chris Bay kommentierte dies mit „Endlich! Deswegen hat sich doch unser Gitarrist Lars extra schick gemacht.“
Beim Circlepit, welcher mit Freude ausgeführt wurde, zeigte ein älteres Ehepaar neben mir seine ganz eigene Interpretation: Er stand headbangend in der Mitte, während sie um ihn herum moshte. Eine eigene kleine Metalparty sozusagen.
Zwischendrin wurde auch der Geburtstag von Bassist Francesco Ferraro gebührend gefeiert, indem das Publikum ein wunderbares Geburtstagsständchen ablieferte. Aber auch die Werke der Band selbst betreffend war das Publikum an diesem Abend sehr textsicher. Jeder Song wurde lauthals mitgesungen und die angeforderten Refrainunterstützungen kamen wie von selbst, wie zum Beispiel beim Song Power&Glory, bei dem das Publikum den Part „and Glory“ mit vollster Überzeugung zum Besten gab. Aufgrund der etwas geringen Hallengröße waren zwar keine Pyros am Start, dafür aber beleuchtete Rauchfontänen, die in regelmäßigen Abständen das ganze Ambiente untermalten.
Das Ende ihrer Show leitete Sänger Chris dann langsam mit der Frage “Und warum gibt es eigentlich auf Metalkonzerten keine Schlägereien?” „Cause Metal is for Everyone“ ein – eine Aussage, die ich nur bestätigen kann und sehr schätze! Leider endete kurz nach besagten Song das Set, mit Land of Light. Zurück blieben eine Menge sehr “happy” Metalfans, die nun nur mehr auf den Headliner des Abends warteten.
Setlist: Hammer of the Gods // Tears of Babylon // Silver Romance // Union of the Strong // Heavy Metal Happycore // Power & Glory // Warriors of Light // Metal Is for Everyone // Land of Light
Ensiferum
Nach einer kurzen Umbaupause legten die Headliner des Abends los: Ensiferum aus Finnland.
Zu Aurora als Intro betraten die Bandmitglieder nach und nach die Bühne. Bassist Sami standesgemäß mit Kilt, Keyboarder und Sänger Pekka Montin mit einem Kaffeebecher in der Hand – die Coolness in Person. Was soll man hier groß schreiben? Es gab einen Nackenbrecher nach dem anderen – über den kommenden Muskelkater wollte ich noch gar nicht nachdenken.
Eröffnet wurde das Set mit Winter Storm Vigilantes und es wurde gleich mal der Ton und die Geschwindigkeit für den Abend gesetzt. Und die Halle nahm es dankend an. Viel zu schnell war der erste Song vorbei und mit Guardians of Fate wurde ein alter Klassiker für die Fans nachgeschoben. Der erste Moshpit startete in der Mitte des Raums und die Stimmung stieg rasant an. Der Song One more Magic Potion wurde allen gewidmet, „die gerne Bier trinken“. Die Ankündigung des Songs Token of Time vom ersten Album wurde gleich darauf begeistert gefeiert. Das Publikum war bestens drauf, Headbanger, Pommensgabeln, Gesangsunterstützung und Moshpit inklusive. Zur Ballade Scars in my Heart machte Sänger Perti Platz und Maria Nesh von Dragony kam auf die Bühne, welche den Song, kraftvoll und ausdrucksstark, dem Publikum entgegen schmetterte.
Danach kam mein persönliches Highlight: Andromeda. Einer meiner Lieblingssongs von Ensiferum, da dieser den Kontrast zwischen Petris Growl und Pekkas Clear Vocals betont. Etwas, das dieser Song perfekt in Szene setzt. Als der vermeintlich letzte Song des Abends angekündigt wurde, stieß das auf wenig Gegenliebe beim Publikum. Als daraufhin Petri den Kommentar „or maybe not?“ nachschob, wurde enthusiastisch gejubelt. Bei Into Battle gab das Publikum dann noch einmal alles – inklusive riesigem Moshpit – Wahrlich ein Kampf! Bassist Sami Hinkka klatschte derweil das Publikum der ersten Reihe ab.
Nach der obligatorischen Unterbrechung startete die Band den Zugabenblock und Petri wieß das Publikum an: „Destroy this house!“ Die Fans nahmen sich dessen nur zu gerne an, was auch durch ein Lob von Sami bestätigt wurde: „This must be the fucking craziest show on this tour!“ Nach ein paar kurzen Verschnaufsekunden, unterlegte der Bassist die Ansage „This song is made from steel to kill you“ von Petri mit dem Basscover des Songs Final Countdown, bevor In my Sword I trust angestimmt wurde..
Beim letzten Song des Abends, Two of Spades, wurden noch einmal sämtliche Energiereserven hervorgeholt – von der Band, wie vom Publikum – und sogar neben der Bühne im Backstagebereich wurde wild getanzt. So muss ein gelungener Abend aussehen. Eine gute Mischung aus alten und neuen Songs, sowie eine energiegeladene Crowd, welche einfach nur mit der Band mitfeierte.
Glücklich, aber sichtbar erschöpft, verabschiedete sich die Band vom ebenso glücklichen Publikum und entließ die Fans zwar nicht in einen Wintersturm, aber in die eisigen Temperaturen in Berlin.
Setlist: Aurora (Intro) // Winter Storm Vigilantes // Guardians of Fate // Heathen Horde // Fatherland // One More Magic Potion // Long Cold Winter of Sorrow and Strife // Token of Time // From Afar // Scars in My Heart (with Maria Nesh) // Andromeda // Into Battle
Zugabe: Axe of Judgement // In My Sword I Trust // Two of Spades
Bericht: Sabine
Bilder: Andreas Sperl
Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:
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