Festivalbericht: Festival Mediaval – Tag 1, Freitag, 12.09.2025

Das Festival-Mediaval ist nicht einfach ein gewöhnlicher Mittelaltermarkt. Es ist ein Ort, an dem sich Musik, Fantasie und Geschichte miteinander verweben und für ein paar Tage eine Welt entsteht, die man so nur hier findet. Schon beim Betreten des Geländes merkte man, dass es nicht nur um Stände und Bühnen ging. Überall begegnete man Menschen in Gewändern, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet waren, und man tauchte ganz selbstverständlich in eine Atmosphäre ein, die offen, freundlich und lebendig wirkte.
Zwischen den größeren Programmpunkten begegnete man wandernden Musikern, die immer wieder kleine Melodien einstreuten und den Weg zu den Bühnen begleiteten. Artisten und Gaukler sorgten für kurze Überraschungsmomente, manchmal mitten auf dem Weg, manchmal als kleine Show am Rand des Marktes. Dazu kamen Handwerker, die nicht nur verkauften, sondern zeigten, wie ihre Arbeiten entstanden – vom Schmieden über das Spinnen bis zum Arbeiten mit Leder oder Holz.


Auch das Lagerleben trug viel zum Charakter des Festivals bei. Verschiedene Gruppen bauten historische Zelte auf, kochten am Feuer oder führten kleine Alltagsszenen vor, die neugierig machten und zum Schauen einluden. Gerade diese Mischung aus Musik, Markt, Kunst und gelebter Geschichte sorgte dafür, dass man sich schnell verlor – im besten Sinne.


Das Festival-Mediaval war damit weit mehr als ein Musikfestival oder eine Veranstaltung mit Marktständen. Es war ein Wochenende, das sich wie ein eigenes kleines Universum anfühlte, in dem es hinter jeder Ecke etwas zu entdecken gab und in dem sich die Besucher genauso einbrachten wie die Künstler auf den Bühnen.

 

Eine Herzliche Bergrüßung auf dem Goldberg

Bevor die erste Band die Bühne betrat, versammelten sich die Besucher vor der Hauptbühne. Die Stimmung war erwartungsvoll, aber ruhig – wie ein Moment des Durchatmens, bevor das Festival richtig begann. Ulf Schertel, der neue Veranstalter, trat auf die Bühne und begrüßte alle, die den Weg nach Selb gefunden hatten. Seine Worte waren klar und herzlich, ohne große Show, eher wie jemand, der selbst Teil dieser Gemeinschaft ist. Er sprach darüber, wie viel ihm das Festival bedeutete und wie wichtig es war, dass diese besondere Mischung aus Musik, Markt und Begegnungen weiterlebte. Man merkte, dass er sich über den Neustart freute und gleichzeitig den Respekt gegenüber dem bewährten Konzept im Blick behielt.
Als er die Eröffnung offiziell aussprach, ging ein spürbarer Ruck durchs Publikum – kein lauter Jubel, eher ein gemeinsames Aufatmen. Ab diesem Moment war klar: Das Festival-Mediaval 2025 hatte begonnen.

PurPur – Ein vertrauter Start in das Festival

Den musikalischen Auftakt übernahmen PurPur, die schon seit vielen Jahren fester Bestandteil des Festival-Mediaval sind. Kaum eine andere Band ist so eng mit dem Festival verbunden wie dieses Duo, das seit über anderthalb Jahrzehnten immer wieder auftritt und damit fast schon zum festen Inventar gehört.
Ihre Mischung aus folkigen Melodien, gefühlvollen Stimmen und ruhigen Geschichten passte perfekt in die noch junge Stimmung des ersten Tages. Viele Besucher kannten sie bereits gut und begrüßten sie entsprechend warm. Es wirkte ein bisschen wie ein Wiedersehen – vertraut, angenehm und genau der richtige Einstieg, um langsam in das Wochenende hineinzufinden.

The Blackbeers – Bekannte Gesichter

Nach PurPur wechselten wir zur Burgbühne, wo The Blackbeers spielten. Die Band gehört seit Jahren zu den festen Größen des Festivals und brachte jedes Mal ihre unverwechselbare Mischung aus Piratenfolk, guter Laune und markanten Rhythmen mit. Wer kurz zuvor bei der offiziellen Eröffnung war, entdeckte hier direkt ein vertrautes Gesicht wieder: Ulf, der Veranstalter, stand bei The Blackbeers als „Admiral“ selbst auf der Bühne. Mit mehreren Musikern auf der Bühne, Gesang, Geige, Akkordeon und Percussion entsteht ein Klangbild, das sofort Bewegung in die Menge bringt. Vor der Burgbühne herrschte entsprechend ausgelassene Stimmung, viele sangen mit oder ließen sich einfach von der Musik treiben.

Mila Mar – Auf, auf den Berg hinauf und direkt zur Schlossbühne

Als Nächstes stand Mila Mar auf der Schlossbühne auf dem Programm. Parallel dazu spielte Imrímid auf der Hafenbühne, sodass man sich entscheiden musste. Wir wählten die größere Schlossbühne und damit Mila Mar, eine Band, die seit vielen Jahren fester Bestandteil der Szene ist.
Musikalisch bewegten sich Mila Mar im Dark Folk, ruhig und atmosphärisch, ohne sich aufzudrängen. Vor der Schlossbühne wurde es spürbar entspannter, viele blieben stehen und hörten einfach zu. Es war ein Auftritt, der einen kurz aus dem Trubel des Marktes herausholte und Raum zum Innehalten ließ.

Während Mila Mar auf der Schlossbühne spielten, gab es aber noch deutlich mehr zu entdecken. Auf der Hafenbühne, der Theaterbühne und der Handelsbühne lief parallel weiteres Programm. Auf der Burgwiese zog eine Raubvogelshow die Aufmerksamkeit auf sich, während andernorts ein Whiskey-Tasting stattfand und eine Lesung Besucher anzog, die es etwas ruhiger mochten.
So zeigte sich schon am ersten Tag, wie vielseitig das Festival war. Für jeden Geschmack und jedes Alter war etwas dabei, und Mittelaltermarkt und Gothic Special ließen sich ganz selbstverständlich miteinander verbinden.

Auf dem Weg zu Goethes Erben auf der Burgbühne blieb noch etwas Zeit, um sich um das leibliche Wohl zu kümmern und einen Blick auf das Gelände zu werfen. Überall saßen oder standen lagernde Gruppen, die das Bild des Festivals mitprägten. Zwischen den mittelalterlich Gewandeten mischten sich in diesem Jahr auffallend viele Besucher im Gothic-Stil. Hier und da tauchte auch die eine oder andere fantasievoll gestaltete Figur auf, sodass sich ganz unterschiedliche Welten ganz selbstverständlich begegneten.

Goethes Erben – Wenn Musik Geschichten erzählt

Goethes Erben auf der Burgbühne waren ein starker Kontrast zum bisherigen Tagesprogramm. Die Show lebte von der intensiven Ausdruckskraft des Künstlers, dessen Mimik und Gestik jedes Lied sichtbar trugen. Die Inszenierung war klar durchdacht: perfekt abgestimmte Lichter verstärkten die Dramatik und setzten gezielt Akzente. Immer wieder erschien eine Tänzerin auf der Bühne, passend zu einzelnen Stücken, und fügte sich selbstverständlich in das Gesamtbild ein. Es war eine detailreiche, ausgeklügelte Performance, die durch ihre Intensität, Bildsprache und Dramatik das Publikum vollständig in ihren Bann zog.

Gleichzeitig spielte auf der Hafenbühne Circus of Fools. Für ein paar Lieder machten wir einen Abstecher dorthin. Vor der Bühne drängten sich die Zuschauer, die Band zog das Publikum von Anfang an hinein. Die Musik war dynamisch, die Melodien packend und die Spielfreude der Musiker spürbar. Ein Auftritt, der Energie und Atmosphäre gleichzeitig auf den Punkt brachte.

ASP als Headliner zum Abschluss

Als Nächstes zog es uns wieder zur Schlossbühne, wo ASP als Headliner auftraten. Die Band war zwar noch nie zuvor auf dem Festival-Mediaval zu Gast gewesen, doch in der Gothic-Szene gehörten sie zu den bekanntesten und beliebtesten Acts. Schon beim Betreten der Bühne war die Aufmerksamkeit im Publikum spürbar, viele Fans hatten sich diesen Auftritt bewusst notiert.
ASP lieferten eine beeindruckende Show, die ihre Klassiker ebenso wie aktuelle Stücke präsentierte. Die Performance lebte von der Intensität der Band, von Alexander „Asp“ Sprengs charismatischem Gesang und den energiegeladenen Instrumenten. Besonders auffällig waren die speziell auf die Songs abgestimmten Lichteffekte: stimmungsvolle Schatten, dramatische Farbakzente und gezielt gesetzte Spots hoben einzelne Momente hervor, ganz anders als bei Goethes Erben, aber genauso wirkungsvoll. Das Publikum ließ sich sofort einfangen, sang mit, reagierte auf die Musik und tauchte tief in die düster-melancholische Atmosphäre der Performance ein.

Spektakel zum Ausklang

Zum Abschluss des Tages gab es noch eine LED-Show und eine Feuershow, zu denen wir es leider nicht mehr geschafft hatten. Am nächsten Tag hörten wir dann von vielen Besuchern, wie beeindruckend die Inszenierungen gewesen sein sollen und wie sie den Abend auf dem Festivalgelände noch einmal auf besondere Weise beendet hatten.

 

Bericht und Bilder: Luna

 

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