Wieder einmal hieß es „Roar for the Boar“ auf dem Boarstream Open Air und auch in der diesjährigen Edition gab es viele Bands, die den Besuchern und Fans Highlights boten, die große Freuden auslösten. Spät begann der Tag, spät endete er und dazwischen gab es viele schöne, harte und ergreifende Momente. Ohne Umschweife also, lassen wir den ersten Tag des Festivals auf uns wirken.
Unstrut
Selten lässt sich behaupten, dass eine Band, die ein Festival eröffnet, auch gleich ein gewisses Highlight des gesamten Programmes darstellt. Im Falle der Berliner Black Metal-Formation Unstrut ist dies jedoch geschehen. Nach einem wunderbaren Intro aus rückwärtigen Klängen stellte sich schnell heraus, dass atmosphärischer Black Metal nicht zwingend an Komplexität geknüpft ist. Diese Elemente, wenn sie ihren Platz in der Setlist der Band gefunden haben, hatten eine Wirkung, die sich tatsächlich mit vielen Größen und Vorreitern dieser Art messen lassen. Auch wenn Wetter und Tageszeit nicht dazu passten – irgendwen erwischt es eben immer – konnte die Band mit an- und aufregenden Riffs von sich überzeugen – was sich durchaus im Infield bemerkbar machte. Neben einem als vortrefflich zu bezeichnenden Bass-Sound und einem insgesamt sehr ausgereiften Instrumentalistenspiel ist auch die Sängerin besonders hervorzuheben. Mit ihrem tiefen Gesang, so tiefschwarz wie ihr Gewand, zeigte sich eine Performance der doch selteneren Art. In Verbindung mit gelegentlichem Flüstern und Spoken Word-Parts konnte sie maßgeblich dazu beitragen, dass der Auftritt alles andere als schlicht wirkte. Und eine Sängerin, die den ganzen Auftritt über auf einem Stuhl sitzt, das hat man bisher doch wirklich selten sehen können. Wir, als jene die sich der Musik und des Auftrittes sehr erfreuen konnten, können gespannt sein, denn auch in Zukunft haben Unstrut noch so einiges geplant.
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Requiem
Die Death Metal-Band Requiem folgte sogleich und lieferte uns eine Show, die ihrem Genre wirklich entspricht. Mit starken Vocals und eindringlichen Riffs konnten die Schweizer mit all ihrer langen Erfahrung die Kunst dessen darbieten, was den Death Metal ausmacht. Auch wenn, auf der Bühne so ziemlich nichts passiert ist, außer dass der Sänger irgendwann entschied, sich seiner Oberkörperbekleidung zu entledigen, zeigte sich der Spaß und die Hingabe für das, was sie tun in einer Art und Weise, die den Zeitslot gut füllte und das Festival weiter in Fahrt bringen konnte. Was bei Bloodcult begann und bei New World Dystopia endete, war den Besuch auf alle Fälle wert. Zumal Death Metal-Bands, die sich über 25 Jahre halten, selten mit ihren Auftritten enttäuschen. Schlicht und großartig!
Setlist: Bloodcult // I, Terrorist // Killing Cell // Perish In Open Fire // Progress To Collapse // Echoes of War // Ivory, Morals // Premier Killing League // The Die Is Cast // Diary of a Damaged Brain // New World Dystopia
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Nornir
Mit der Black Metal-Gruppe Nornir aus dem sächsischen Freiberg kam eine Band auf die Bühne, die unter dem Qualitätssiegel von Northern Silence Productions steht, also mit hoher Wahrscheinlichkeit wirklich was zu bieten hat. Dabei haben sie sich in den letzten Jahren, vor allem auch mit ihrem letzten Album Skuld , einen Namen gemacht, der mittlerweile nicht mehr nur Kennern ein Begriff ist. Dennoch kamen die Sachsen ohne große Showelemente daher, wie es wohl im Genre auch sein sollte, dafür aber mit großem Engagement und Professionalität. Mit passenden Outfits und Gesichtsbemalung wurde deutlich gemacht, was den Hörer erwarten würde und jegliche Erwartungen, das ließ sich aus dem Infield heraus deutlich beobachten, wurden mehr als erfüllt. Eindrucksvolle Vocals und großartige Riffs der Instrumentalisten, die in sich wunderbar harmonierten, formten einen Auftritt, der sich mehr als nur sehen lassen und dabei Begeisterung unter den Genrefreunden auslösen konnte.
Setlist: Vigr // Transzendenz // Pest // Isvinden i Nord // Helvegen // Galdr // Høst, du ville kraft // Dedicated to the Night // Hel’s Postulate // Ere the world falls // Valr
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Heimdalls Wacht
Seit 20 Jahren sind sie dabei und sind ganz vorne mitzunennen, wenn es um Pagan Black Metal aus Deutschland geht. Heimdalls Wacht bereicherten den Freitag des diesjährigen Boarstream Open Air mit einem eindrucksvollen Auftritt. Da wurde es schon recht knapp mit dem Platz auf der Bühne, vor allem auch durch die fahnenschwingenden Kollegen, die sich am Bühnenbild und der Präsenz der Band beteiligten. Visuell hatte das Ganze also schon einmal einiges zu bieten, neben einem sehr schönen Shirt des Bassisten. Mit drei verschiedenen Stimmen wurde ein breites Zusammenspiel auf der vokalen Ebene geboten. Zusätzlich dazu eben die Instrumentalisierung, die ihren Stil merklich durch Erfahrung und Können zu einem starken Auftritt ausgeformt haben. Daher ist der Programmpunkt namens Heimdalls Wacht ein großartiger gewesen, der die ohnehin schon sehr gute Stimmung auf dem Infield nochmals bereichert und verstärkt hat.
Thy Light
Ebenfalls seit 20 Jahren dabei, wenn auch mit weniger Aktivität, sind die mittlerweile in Schottland ansässigen Thy Light aus Brasilien, um die Köpfe Paolo Bruno und Alex Witchfinder. Die Musik dieser Gruppe hat im sogenannten Depressive Suicidal Black Metal (DSBM) für sehr viele einen sehr hohen Stellenwert. Vor allem das erste Release Suici.De.pression von 2007 hat einige Spuren in der Subgenreszene hinterlassen, daher darf es niemanden mehr wundern, dass ihr Auftritt auch auf dem Boarstream mit viel Vorfreude erwartet wurde. Mit dunklen Kutten, tiefen Kapuzen über den geschminkten Gesichtern und stimmungstechnisch sehr passenden Kerzen wurde ein entsprechender äußerer Rahmen geschaffen, der dem Stil und der Stimmung der Musik mehr als gerecht wurde. Bisher gab es noch nicht so viele Auftritte der Band, dieser war der erste im Rahmen eines Open-Air-Festivals, was auch für Sänger Paolo eine interessante Gegebenheit darstellte. Da der Abend mittlerweile schon etwas vorangeschritten war, konnte auch dieser Aspekt die Atmosphäre um die Musik weiter bestärken. Auch die instrumentale und gesangliche Darbietung der drei Mitglieder selbst war schlicht und ergreifend so gut, wie es jeder Fan nur erwarten würde. Es lässt sich also von einem großartigen und wirklich in Teilen auch emotionalen Auftritt sprechen, der doch den ein oder anderen Besucher auch sichtlich ergreifen konnte. Und das ist wohl das größte Kompliment, das einer Live-Band aus diesem Bereich zugetragen werden kann.
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Baest
Als Headliner des ersten Tages durften wir die Death Metaller von Baest aus dem schönen Midtjylland bestaunen. In regelmäßigen Abständen beliefern uns die Dänen mit eindrucksvoller Musik, die immerzu mit durchaus interessanten Texten kombiniert auf die Fresse gibt. Und so ungefähr stellte sich auch ihr Auftritt dar. Mit sehr viel Engagement, sichtlich viel Spaß an der Sache und großartigen Musikern am Werk regte ihre Bühnenpräsenz das Publikum noch einmal so richtig an, um in Moshpit-Laune zu kommen und vielleicht doch noch das ein oder andere Bier zu besorgen. Leider kam es in diesem Rahmen auch zu einer Situation, die in dieser Form zum Glück nur selten zu beklagen ist; Sänger Simon, der übrigens über eine sehr klassisch-tiefe, starke Death Metal-Stimme verfügt, unterbrach das Konzert für einige Minuten, da es im Moshpit vor der Bühne zu einer gewaltsamen Eskalation gekommen war. Moshpits und kleinere Rangeleien gehören einfach dazu und stellen im Normalfall auch kein Problem dar. Wenn sich Menschen unter Alkoholeinfluss jedoch nicht mehr vernünftig und friedlich begegnen können, dann ist das – schlicht gesagt – genauso unsinnig wie dämlich. Daher war die Intervention der Band gerechtfertigt und wurde auch entsprechend als sinnvoll wahrgenommen. Diese Aktion konnte jedoch den grundsätzlichen Spaß mit Baest nicht bremsen und die Band konnte ihren sehr starken Auftritt zu Ende führen.
Setlist: Genesis // Colossus // Crosswhore // Meathook Massacre // Imp of the Perverse // Misfortunate Son // King of the Sun // Ecclesia // Gargoyles // Necro Sapiens
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Home Reared Meat
Vollkommen abgerissen wurde die Bühne dann spätestens mit der Band, die doch immer dabei sein muss. Mit Home Reared Meat kam eine Death Metal/ Grindcore-Formation aus Niedersachsen zu ihrem späten Auftritt, der es wie immer humoristisch und partystimmungstechnisch in sich hatte. Da kann sich nun wirklich niemand mehr beschweren, auf der Bühne würde kaum was passieren. Mit Strohhut, Banjo, zwei ausgeflippten Sängern und reichlich Stimmung stellten sie unter Beweis, warum man sie tatsächlich als die musikalischen „Rednecks des Emslandes“ bezeichnen kann. Es wurde getanzt, gegrunzt, gelacht und gesoffen – und zwischendurch sogar Musik gemacht! Im Ernst, die Jungs verstehen wirklich was von ihrem Handwerk und es muss ja auch nicht immer alles zu ernst genommen werden. Da wir uns beim Boarstream nicht in der Opernhalle befinden, darf das ruhig mal sein. Wenn auch nicht für jeden was zum am Stück hören, war es doch eine gelungene Abwechslung und ein schöner Programmpunkt, der den ersten Tag des Festivals zu einem feierlichen Ende brachte.
Setlist: Hackebeil Bernd // Spayed by a Teethless Goat // Stabbing in Your Back // Speak Italian or Die // Dirty Butthole // Christ Infestation // Hass // Empire of Scum // Booze & Titties // Jizzmemberment // WTD – 91 // Home Reared Meat
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Bericht: Michi
Bilder: Matthias
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