Aufgrund der Vielzahl an Bands die im Laufe eines Tages auf 4 Bühnen spielen, können wir euch leider nicht alle Bands in Text und Bild vorstellen, daher konzentrieren wir uns in unseren Berichten auf eine Auswahl an persönlichen Highlights, während wir den restlichen Bands im Anschluss Bildergalerien gewidmet haben.
Nach dem unsere Anreise am Vortag, die mit kleinen Hürden und Anpassungen („Danke Bahn“) trotzdem gut verlief und wir uns schon einmal einen Überblick über die Location und die Gegebenheiten verschaffen konnten, mussten wir schon morgens raus aus dem Zelt, aber nicht weil es Zeit für die erste Band war, sondern um der Sauna zu entfliehen, denn der Tag versprach heiß zu werden. Dennoch gingen wir mit vollem Elan und Enthusiasmus ans Werk, um euch einen Eindruck von unserer Premiere auf dem Summer Breeze irgendwo auf einem Feld zwischen Sinnbronn, Illenschwang und Obermichelbach zu verschaffen.
Blasmusik Illenschwang – T-Stage
Zwar spielten schon am Dienstag einige Bands auf dem Campsite Circus, jedoch wurde das Summer Breeze erst hochoffiziell durch die Blasmusik Illenschwang eröffnet. Dabei gab es neben klassischer Volksmusik auch Cover-Versionen von bekannten Hits, wie beispielsweise Bohemian Rhapsody von Queen. Der neunzehnte Auftritt des Blasorchesters auf dem Breeze zeigte von Beginn an die hervorragende Stimmung, die an diesem sonnigen Mittwochnachmittag in der Menge herrschte. Es gab Circle Pits und Unmengen an Crowdsurfern. Es wurden Schilder hochgehalten mit „Wann Main?“ oder „Ohne Sinnbronn und Verstand“. Mikey, das Maskottchen des Summer Breeze, war nicht nur auf sondern auch vor der Bühne unterwegs und ging sogar selbst einmal stagediven. Ein würdiger Auftakt für die kommenden Tage.
Excrementory Grindfuckers – Main Stage
Während sich das Publikum vor der Bühne versammelte und auf die Excrementory Grindfuckers aus Hannover wartete, stand auf dieser bereits ein Podest mit einem Banner, das die Seitenansicht einer Torte zeigte mit menschlichen Kerzen darauf. Diese heizten die Zuschauer*innen schon im Vorfeld an.
Der Drummer Christus setzte sich an sein Instrument und fing an, ein paar Takte zu spielen, eine leise Melodie wurde eingespielt, die immer lauter wurde, als der Reste der Band die Bühne betrat und direkt mit dem Lied Jetz‘ is‘ auch egal ihre Show eröffnete. Auf dem im Hintergrund aufgestellten Bildschirm gab es eine PowerPoint-Diashow, die die Bandgeschichte wiedergab.
Es ging nahtlos zu Nein, kein Grindcore über, ebenso wandelte sich der kleine Moshpit vor der Bühne, der fast ab den ersten Klängen für Staubbildung sorgte, in einen Circle Pit. Dann fragte Sänger Kai Tchi, ob das Publikum wisse, wer 25 Jahre alt geworden sei und mit ihm eine fette Geburtstagsparty feiern wolle. Auf das „Excrementory“ kam ein lautes und begeistertes „Grindfuckers“ als Antwort.
Weiter ging es mit alten und neuen Liedern. Dabei diente der Geburtstagsgrindchor, der zwar kaum zu hören, aber sichtbar voll dabei war, als Referenz für die Partizipation der Gäste. Der bereits erwähnt Circle Pit war fast durchgehend aktiv, nur beim Cover von EAVs Fata Morgana durch Polonaisen und bei Staatsgrind Nr.1 von einer Wall of Grind unterbrochen.
Alles in allem ein guter Start in den Festival-Tag und eine Geburtstagsfeier, bei der die Excrementory Grindfuckers die Zuschauer beschenkte.
King Nugget Gang – Tool Rebel Stage
Mit der King Nugget Gang, der Crossover-Band aus Gönnheim, ging die Party weiter, jetzt quasi kulinarisch. Als Vorspeise gab es Dino-Nuggets, mit auf der Bühne stand hier XO Armor, die im Studio Feature-Gast waren. Dann begann die Schlacht am Buffet in Form eines geforderten Moshpits zu All You Can Eat. Nur Avocados suchte man am Buffet vergeblich und das ließ sich KNG auch während Anti-Avocado mit vom Wellenbrecher aus ins Publikum gehaltenem Mikrofon bestätigen.
Anschließend stand einer der Sänger in der Menge und zu den Klängen von Ice Ice Baby entstand um ihn herum ein großer Circle Pit. Zurück auf der Bühne wurde das Publikum von einem der Anderen gefragt, ob es gut drauf sei, er sei es nicht, er sei zu dick dafür. Später bezeichneten sie sich selbst als die schwerste Gang Deutschlands.
Generell wurden die Besucher*innen zu allerlei Aktivitäten aufgerufen, anscheinend um sie fit zu halten und nicht dem Beispiel der Band folgen zu lassen. So forderte die King Nugget Gang nach Crowdsurfer*innen und dem heftigsten Moshpit. Die Leute kamen allem mit Enthusiasmus nach. Auch bei 4 Cheesies: wippende Hände mit vier ausgestreckten Fingern beim gesamten Publikum. Nur „Zeigefinger auf den Kopf und sich drehen wie ein Döner“ beschränkte sich auf die vorderen Reihen.
Auf die Ansage, es komme der letzte Song, war der Gang das enttäuschte „Ohhh“ zu leise, so wurde sie wiederholt. Zufrieden mit dem Ergebnis, wurden Poolnudeln in die Menge geworfen und die musikalische Fressorgie mit Der Nudelsong unterstützt durch Stesy-Sänger Chris zum Abschluss gebracht.
Green Lung – T-Stage
Genretechnisch ausgefallen ging es dann bei Green Lung weiter. Die Londoner Band bewegt sich seit fast 10 Jahren mit einer spannenden Mischung aus NWOBHM, Doom Metal und Stoner Rock durch die Musiklandschaft.
Diese musikalische Mischung kam auch Live gut an. Das Set ging gleich mit einem neuen Stück an: Evil in this House. Bei Songs, die das Publikum bereits kannte, wie Maxine oder Old Gods, war das Publikum nicht nur aufmerksam, sondern investiert. Die Musik gibt nicht viel Raum für Headbangen, Moshpits und alles, was große, starke Bewegungen hervorbringt, doch für so manches anerkennendes Kopfnicken. Sänger Tom Templar erzählte, dass sie ein neues Lied, das Black Magic Radio heißt, mitgebracht hätten, das am Tag drauf erscheinen soll, was beim Publikum gut ankam. Später gab es noch einen weiteren Song von ihrem kommenden vierten Album Necropolitan zu hören, Necropolitan Line.
Insgesamt hielt die Band die Stimmung oben, musikalisch war das auf jeden Fall für jeden, der etwas mit Okkultismus und dem Black Sabbath-artigen Doom anfangen kann.
Paradise Lost – T-Stage
Weiter ging es mit Paradise Lost, einer Doom/Death Metal Band aus Halifax in Großbritannien. Trotz wesentlich angenehmerer Temperatur und großem Andrang war recht wenig Bewegung im Publikum, bis auf das obligatorische Bier holen, wegbringen oder beides. Dies war aber auch bei der Band so, war der Sänger doch nur einmal auf der anderen Bühnenhälfte zu sehen.
Nur auf Animation durch den Sänger Nick Holmes wurde mal geklatscht, oder die Fäuste in die Luft gestreckt. Überhaupt versuchte er viel für die Stimmung zu tun, mal mehr und mal weniger erfolgreich. So erzählte er Paradise Lost seine das siebte Mal auf dem Summer Breeze, das wisse er, weil er es vorher gegoogelt hätte. Außerdem dass Holmes überlegt hätte von der Bühne zum Publikum zu springen, in seinem Alter aber nicht mehr zurück hochgekommen wäre. Später erkundigte er sich nach dem Befinden dieses einen schwarz gekleideten Kerls…
Ironischerweise kam bei As I Die etwas Leben in die vorderen Reihen. Zwischen den Liedern war immer wieder Jubel zu vernehmen, aber leider auch ebenso „Lärm“, der von der Hauptbühne herüber wehte, hier noch nicht extrem störend. Alles in allem war es aber ein sehr solider Auftritt.
Castle Rat – Tool Rebel Stage
Die Nager von Castle Rat aus New York City in den USA waren nun an der Reihe und brachten ihren phantasievollen Doom Metal mit. Nach Dagger Dragger übernahm die Rattenkönigin die Vorstellung des gesamten Ensembles, bestehend aus Druide, Graf, Pest-Doktor, Ratten Schnitterin und ihr selbst. Während der weiteren Show waren die einzelnen Songs in kleine Geschichten eingebettet.
Das Publikum war hier wieder wesentlich aktiver, fast schon überschwänglich, so wurde ein durch kreisende Finger gewünschter Circle Pit mit einem Moshpit seitens der Zuschauer*innen beantwortet und vereinzelt fanden Crowdsurfer*innen den Weg Richtung Bühne.
Gegen Ende des Auftritts gab es noch ein kleines Schauspiel. Während die Königin mit dem Publikum interagierte, auf ihre „Now is forever“ rufe kam „In this Realm“ zurück, erschien die Schnitterin hinter ihr und ein Kampf zwischen ihnen entbrannte, bei dem jede mal zu Boden ging. Zwischenzeitlich übernahm also der Pest Doktor die Interaktion, bis die Schnitterin schließlich von der Bühne gejagt und mit einem Mittelfinger des Pest-Doktors verabschiedet wurde.
Die letzten Töne wurden gespielt und ein sehr kurzweiliger Auftritt ging zu Ende.
Eivør – T-Stage
Wieder etwas entspannter wurde es mit Eivør, eine Künstlerin von den Färöer-Inseln. Kaum auf der Bühne, ging es erst mit melodischen Lauten, dann mit fast schon schamaninischem Gesang los. Wunderbar untermalt von ihrer Band. So wurde eine durchaus meditative Atmosphäre geschaffen. Hier wurde nicht getobt, Menschen, oft mit geschlossenen Augen, lauschten den Klängen und wankten, wie in Trance vor, zurück, hin und her.
Selbst beim Wechsel von Schamanentrommel hin zur E-Gitarre hielt diese Stimmung. Nach dem vierten Song erkundigte sich die Künstlerin nach dem Befinden des Publikums, sie freue sich das erste Mal hier zu sein und erwähnte die einige Stunden zuvor stattgefundene partielle Sonnenfinsternis. Diese sei passend zu ihrem neuen Album, das übersetzt Mond heißen werde. Danach ging es nicht weniger melodiös weiter. Mit unter anderem einem Song, der eine Live-Premiere sei.
Leider gab es doch etwas, das dem Ganzen nicht gut tat, der Lärm der Hauptbühne war wieder zurück, diesmal mit dem Potential aus dem meditativen Zustand zu reißen, war man weiter von der Bühne entfernt hatte man „Stereo Sound“, dies beeinflusste die Resonanz auf den Auftritt von Eivør aber nicht, Jubelrufe und Applaus zeigten deutlich die Begeisterung.
Cân Bardd – Tool Rebel Stage
Nun wurde es wieder etwas lebhafter vor der Bühne mit Cân Bardd. Ein Musikprojekt aus Genf in der Schweiz, dessen Songs in der Natur verwurzelt sind, im atmosphärischen Black und Folk Metal Gewand erschallen und nicht weniger einnehmend waren.
Hierbei kamen die Musiker fast ohne verbale Kommunikation aus, nach den ersten durch gespielten Liedern, wurden die Künstler von Frontmann und Gründer Malo Civelli vorgestellt und die letzten beiden Stücke angekündigt. Bei Liedern mit gerne mehr als acht Minuten Spielzeit gab es jedoch keinen Grund, traurig über ein baldiges Ende zu sein.
Die weitere Interaktion mit dem Publikum fand nonverbal statt, durch in die Luft gestreckte Fäuste, klatschen und andere Gesten, die von den Anwesenden zahlreich umgesetzt wurden und nicht nur das, waren auch einige im Takt nickende Köpfe zu sehen, so wie ein paar Crowdsurfer*innen, die in die Arme der Grabenschlampen fanden.
Miracle of Sound – T-Stage
Ein krönender Abschluss unseres Festival-Tages war Miracle of Sound aus Cork, Irland. Die Band brachte trotz der frühen Morgenstunde eine beachtliche Energie mit, die sich auf das Publikum übertrug. Es war einiges an Bewegung auf und vor der Bühne, selbst die Keyboarderin, die durch ihr Instrument an einen Ort gebunden war, versprühte Diese durch ab und zu in die Luft geworfene Arme, springen und auf der Stelle tanzen, mit einem Hüftschwung, der seinesgleichen sucht.
Nach den ersten beiden Liedern stellte Sänger Gavin Dunne das weitere Programm vor, es kämen erst ein paar langsamere Lieder und dann nur noch Party. Mit im Gepäck waren Irish, Pirate und Viking Metal Songs. Gegen Mitte der Show verabschiedete er sich und überließ die Menge den Song Whatever Comes Our Way den fähigen Händen der Keyboarderin Pepa und des Gitarristen Eoghan.
Im zweiten Teil des Auftritts wandte sich Gavin nun öfter ans Publikum als Einleitung des Songs All as One, merkte er an, dass derzeit sehr viel Mist auf der Welt passiere, es aber erstaunlich sei, was Menschen erreichen können, wenn sie nur zusammenarbeiten und forderte die Zuschauer*innen auf sich einzuhaken als Zeichen des Zusammenhalts.
Es kam das letzte Lied, der mit Abstand erfolgreichste Song der Band, Valhalla Calling, und nochmal wurde vorher ein Appell ans Publikum gerichtet, Miracle of Sound sei dankbar für die handgemachten Cover und Memes, doch dass sich KI jetzt daran bediene, erfreue ihn nicht und so stimmte er zusammen mit der Menge ein „Fuck AI music“ an. Nach dieser Kampfansage gegen diesen seelenlosen Dreck, war es Zeit für das Publikum nochmal richtig auszurasten und zu feiern.
Fazit
Ein wunderbarer, aber auch Kräfte zehrender Tag lag hinter uns. Mit Party, zwischendurch Entspannung und unerbittlich brennender Sonne. Hier zeigte sich das auf das Wohl der Besucher*innen geachtet wurde, mindestens zwei Sanitäter bei jeder Bühne, zusätzlich noch einige auf dem Infield unterwegs. Reichlich Wasserstellen, Wasserschläuche und sogar Schneekanonen zum Abkühlen der Fans vor den beiden größeren Bühnen, große Schattenspender vor der Anderen.
Doch hat der Tag auch gezeigt, dass selbst große Festivals, die seit zwei Dekaden an der gleichen Stelle stattfinden Potential sich zu verbessern besitzen und dies bestimmt auch machen.
Erschöpft und wohl wissend, dass diese Nacht kurz werde, legten wir uns dennoch mit Vorfreude auf den kommenden Tag nieder. Hoffentlich habt ihr ebenso viel Freude darauf auch die kommenden Berichte zu lesen.
Weitere Bilder
Neben den Bands, die wir euch bisher in Text und Bilder präsentiert haben, decken unsere Fotografen natürlich jeden Tag noch viel mehr Bands ab, diese Bilder findet ihr nun im Anschluss.
Persecutor – Tool Rebel Stage
Neckbreakker – T-Stage
Betontod – Main Stage
The Narrator – T-Stage
Inhuman Nature – Tool Rebel Stage
Urne – WERA Tool Rebel Stage
Waves Like Walls – Campsite Circus Stage
Hatebreed – Main Stage
Thormesis – Campsite Circus Stage
Alcest – Main Stage
Bericht: Peter & Eric
Bilder: Eric & Roksana
Mehr zum Summer Breeze Open Air 2026 findet ihr hier:
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