Konzertbericht: Heidenfest – Berlin, 12.01.2026

Während Berlin im Januar 2026 unter Eis und Schnee versank, wurde im Kesselhaus ein wahres Feuer entfacht. Draußen herrschte klirrende Kälte, doch drinnen entwickelte sich eine ausgelassene, beinahe rauschhafte Feier, getragen von Folk- und Pagan-Metal-Größen aus verschiedenen Ländern, die das Publikum in eine andere Welt entführten. Die winterliche Starre der Stadt konnte der Energie dieser Nacht nichts entgegensetzen.

Das Konzert fand am 12.01.2026 im Berliner Kesselhaus statt und stellte das dritte Deutschland-Datum der Tour dar. Auf der Bühne standen mit The Dread Crew of Oddwood, Trollfest, Heidevolk, Finntroll und Korpiklaani gleich mehrere international bekannte Vertreter des Genres. Besonders bemerkenswert war dabei, dass Berlin der erste Tourstopp mit Finntroll war, nachdem zuvor Moonsorrow Teil der Konzertreihe gewesen waren.

Dark-Art war mit Kamera und Stift vor Ort, um diesen besonderen Abend festzuhalten und für euch zu dokumentieren.

The Dread Crew of Oddwood

Das Heidenfest ist eine Konzertreihe für Folk-, Pagan- und gelegentlich Black Metal, doch die diesjährigen Opener waren … Piraten?! Ja, zum Auftakt gab es einen echten Exoten auf mehreren Ebenen: The Dread Crew of Oddwood aus San Diego, Kalifornien, enterte die Bühne und präsentierte eine wahre Barrage an Party-Piraten-Liedern.

Keine andere Band an diesem Abend hatte so viele unterschiedliche Instrumente mitgebracht; darunter Mandoline, Kontrabass, Quetschkommode (ganz wichtig für echte Shantys!), Flöte sowie ein Schlagzeug mit installierter Kuhglocke. Mit diesem Arsenal sangen sie über ausufernde Zechereien ebenso wie über riesige Krabben und verführten die unschuldigen Besucher*innen genüsslich zum Fluchen.

Nachdem die Band im seitlichen Krabbengang die Bühne betreten hatte, forderten die Musiker das Publikum beim Lied Side Quest dazu auf, auf das Wort „Shit“ mit einem lauten „Yeah“ zu antworten. Zwei Lieder später, bei Giant Fucking Demon Crab, animierten sie die Besucher*innen dazu, ihre eigene, ungewöhnliche Fortbewegungsart zu imitieren. So bewegten sich dutzende lachende Menschen seitlich, mit erhobenen „Scheren“, durch den Raum und aneinander vorbei.

Der virtuose Höhepunkt folgte mit dem Akustikstück Dread Crew, bei dem einer der Musiker die Mandoline, ganz im Geiste des Rock ’n’ Roll, geschickt „blind“ hinter dem eigenen Kopf spielte. Noch beeindruckender empfand ich jedoch die Darbietung an der Flöte, die tatsächlich mit der Nase gespielt wurde. Genau – mit der Nase! Das seitliche Mundstück wurde an das Nasenloch angesetzt, was aber ausreichte, um verschiedene Töne zu erzeugen.

Fazit: The Dread Crew of Oddwood lieferten einen starken Auftakt und ein gelungenes Warm-up für den nachfolgenden Auftritt von Trollfest, die in puncto Skurrilität sogar noch eine Schippe drauflegten.

Setliste: Dead Men’s Medley // Side Quest // Leather Ship // Giant Fucking Demon Crab // Gimme Your Beer // Trollwhack // Dread Crew // Lawful Evil 

Trollfest

Der Auftritt von Trollfest war mit Abstand der unterhaltsamste Fiebertraum, den ich in meiner bisherigen Laufbahn als Schreiber für Online-Magazine erlebt habe und in einem Bericht festhalten durfte.

Das Konzert begann mit einem epischen, beinahe militärisch wirkenden Opening, das laut und dominant aus den Lautsprechern dröhnte. Eine Frau in der ersten Reihe zog blitzschnell einen rosa Leuchtstab hervor und reckte ihn in die Höhe. Was farblich absolut passend war – denn zu den aggressiven Klängen betraten die Musiker allesamt verkleidet als rosa Flamingos die Bühne, mit Kopfbedeckungen in Form von Flamingoköpfen, pinker Kleidung und gleichfarbigen Röckchen. Der Sänger trug zusätzlich große, glitzernde und spitz zulaufende Schulterapplikationen. Ihre Gesichter waren mit Schminke bedeckt, die im blauen Licht fluoreszierend leuchtete.

Kaum hatten die Band die Bühne betreten, begann auch schon die Party. Im weiteren Verlauf des Konzerts lernten die Besucher*innen nicht nur zu tanzen und zu singen, sondern auch, wie wildes, kontrolliertes Chaos bei einem Konzert ausbrechen konnte.
Die erste Lektion bestand aber zunächst darin, zu lernen, wie rosa Flamingos tanzen: Die Hände wurden flach auf den Bauch gelegt und durch das Wackeln der Ellenbogen wurden die Flügelbewegungen der Vögel imitiert. Diese Lektion wurde passenderweise vom Song Dance Like a Pink Flamingo begleitet.

Die Musik von Trollfest war ein wilder Mix, in dem sich packende Party-Akkorde mit kantigen Riffs abwechselten, die reichlich Potenzial zum Headbangen boten. Auch der Gesang wechselte ständig zwischen krächzenden Growls und erstaunlich hohem, kraftvollem Klargesang. Das erste exotische Instrument des Abends war dabei das Saxofon, das den Songs eine zusätzliche Portion Groove verlieh.

In der Crowd wurde geschunkelt, geklatscht und gelacht, während einzelne Personen bereits ihr Haupthaar mit schwungvollen Bewegungen durchlüfteten. Die Musiker bewegten sich während des gesamten Auftritts konsequent wie die bereits mehrfach erwähnten rosa Vögel über die Bühne. Einer der Gitarristen imitierte zusätzlich wiederholt den einbeinigen Stand der Flamingos, ohne dabei auch nur eine Sekunde mit dem Spielen zu pausieren.

Vor dem Song Kaptain Khaos äußerte der Sänger den Wunsch, die Halle im Chaos versinken zu lassen. In freudiger Erwartung einer brachialen Wall of Death steckte ich meine Brille weg – doch es kam ganz anders. Eine Hälfte der Halle sollte sich hinhocken, während die andere Hälfte zu springen begann. Im Verlauf des Songs wechselten sich beide Seiten immer wieder ab und erzeugten so ein wildes, pulsierendes Bild vor der Bühne. Meine durch Black Metal und Manowar gestählte Konzertgelassenheit bekam dabei erste Risse, und ich begann selbst, wild umherzuhüpfen.
Doch damit nicht genug: Anschließend verlangte die Band auch noch unsere Hilfe, um die längste Polonaise des Abends zu erschaffen. Der Bassist stieg in den Fotograben und animierte die Besucher*innen, ihm zu folgen. Ehe ich mich versah, lagen meine Hände auf seinen Schultern, und ich folgte ihm quer durch die Halle, hinaus bis zu den Garderoben und wieder zurück – in weiten, schwungvollen Kurven.

Kurz vor dem Ende präsentierte die Band schließlich das zweite exotische Instrument des Abends: den Vibraslap. Dieses kleine, unscheinbare Instrument löste eine Welle der Anarchie in der Mitte der Halle aus, und unter den zitternden Klängen entwickelte sich ein Moshpit. Der Rest der Halle erhielt zudem eine kostenlose Gesangsstunde vom Sänger, bevor das Konzert in einem ebenso wilden wie ausgelassenen Finale endete.

Ich hätte im Anschluss vermutlich viele Stunden eiskalten isländischen Black Metal benötigt, um diesen Wahnsinn zu verarbeiten – doch erstmal standen noch drei weitere Bands auf dem Programm.

Setliste: Dance Like a Pink Flamingo // Flamongous // Happy Heroes // Twenty Miles an Hour // Kaptain Khaos // Trinkentroll // Piña Colada // Renkespill // All Drinks on Me // Kjettaren mot strømmen

Heidevolk

Das Licht wurde gedimmt und die Stimmen in der Halle verstummten in freudiger Erwartung auf die niederländische Pagan-Metal-Band Heidevolk, die seit über 20 Jahren besteht und zu den großen Namen des Genres zählt.

Unter lautem Jubel erschienen die Musiker einer nach dem anderen auf der Bühne, wobei die beiden Sänger den Abschluss bildeten. Einer von ihnen trug dabei eine schwarze Flagge mit dem Bandlogo, die er bereits beim ersten Lied mit kräftigem Schwung durch die Luft wehen ließ.

Nach den ausgelassenen Partys von The Dread Crew of Oddwood und Trollfest war nun die Zeit für große, epische Kriegergeschichten über Held*innen, Götter und den einen oder anderen Wolf gekommen. Die Crowd verhielt sich entsprechend: Heldenpathos wurde mit erhobenen Fäusten und noch heißer geschrienen Kehlen zelebriert. Auch bei Ostara durfte das Publikum wieder springen – diesmal allerdings ganz ohne Sitzpausen.

Die beiden Sänger trugen den Gesang fast durchgängig im Duett vor, was die ohnehin hoch aufragenden Melodien noch weiter in himmlische Gefilde trieb. Nur an wenigen Stellen übernahm kurzzeitig nur einer von ihnen die Führung. Während des Auftritts sprangen die beiden Männer wie zwei Wildtiere auf der Jagd von Lied zu Lied über die Bühne und verharrten nur für kurze Momente, um mit cleveren Ansagen Überleitungen zu schaffen oder die Zuschauer*innen wiederholt zu verschiedenen Aktionen zu animieren.

Dann folgte der große Moment, auf den ich gewartet hatte: eine echte Wall of Death. Keine Spielchen, keine Tricks – nur eine ehrliche Wall of Death, wie zwei teutonische Stämme, die in einem Disput mit berserkerhafter Wut aufeinander zustürmten und sich quer durch den Raum schoben. Beim Song A Wolf in My Heart entschieden sich diese wilden Schubse-Krieger*innen schließlich dafür, einander in rasenden Kreisen zu jagen, bevor sie erneut begannen, sich gegenseitig durch die Menge zu stoßen.

Ab diesem Zeitpunkt spielte die Band nur noch ein energiegeladenes Lied nach dem anderen, sodass sowohl der Moshpit als auch die restliche Halle kaum noch zu Atem kamen. Es war ein Abriss mit einem starken Abschluss – und ein verdammt guter Auftritt von Heidevolk.

Setliste: Ontwaakt // Ostara // Walhalla Wacht // Yngwaz‘ Zonen // A Wolf in my Heart // Oeros // Drinking with the Gods // Saksenland //Vulgaris Magistralis 

Finntroll

Während Trollfest in puncto Outfits, Dekoration und Verhalten knallig bunt und ausgelassen gewesen war, lieferten Finntroll an diesem Abend das komplette Gegenteil.

Ein Widder­schädel zierte den Mikrofonständer, spitze Latexohren und schwarze, zackige Linien im Gesicht schmückten die Musiker. Auch verhielten sich die meisten von ihnen zunächst deutlich ruhiger und weniger bewegungsfreudig als ihre rosafarbenen Troll-Kollegen. Die Ausnahme bildete an diesem Abend der Sänger – und er war zugleich die erste große Überraschung für mich und viele andere Besucher*innen. Mathias Lillmåns, der reguläre Frontmann der Band, war kurz vor Beginn der Tour erkrankt, weshalb der Musiker Kistelach kurzfristig einsprang. Für mich erwies er sich in vielerlei Hinsicht als würdiger Ersatz und überzeugte durchweg mit seiner Performance.

Der Melodic Black Metal mit gelegentlichen Folk-Metal- und rockigen Passagen rüttelte die Crowd spürbar auf und führte sie weg von der epischen Stimmung von Heidevolk, hin zu einer deutlich düstereren und wilderen Atmosphäre. Bereits früh erwachte der Moshpit wieder zum Leben und von außen betrachtet wirkte die Menge wie ein Haufen entfesselter Tiere. Einer der Besucher*innen trug selbst spitze Ohren – ganz im Stil der Bandmitglieder – und ich musste bei diesem Detail schmunzeln, während die Person durch den Pit sprang. Bei den Songs Solsagan und Blodsvept explodierte die Crowd jedes Mal aufs Neue vor Ekstase.

In der Zwischenzeit verhielt sich der Sänger wie eine wahnwitzige Sagengestalt aus einem düsteren Märchen. Mehrfach tanzte er ausgelassen in einem makabren und zugleich beinahe kindlichen Reigen über die Bühne oder vollführte angedeutete, monströse Bewegungen, etwa, indem er die Arme wie Klauen über den Kopf streckte. Der Rest der Band spielte mit düsterer Gelassenheit und großer Präzision weiter und ließ ihrem neuen Sänger dabei Raum, sich auszutoben oder das Publikum – etwa bei Fiskarens fiende – zum rhythmischen Klatschen zu animieren.

Während einer etwas ruhigeren, melodischen Passage, etwa zur Mitte des Konzerts, kamen die Besucher*innen auf eine weitere grandiose Idee: Mehr schlecht als recht hievten sie zwei männliche Gäste über die Menge hinweg und beförderten sie in Richtung Fotograben, wo die Security sie routiniert entgegennahm. Kurz darauf folgte noch eine dritte Person, doch mit dem Beginn der zweiten Konzerthälfte endeten solche Unterfangen schnell wieder.

Mit dem Song Trollhammaren entfachte sich das Feuer in der Menge zu einem wahren Inferno. Der Moshpit verwandelte sich in einen Circle Pit von ungeahnter Brutalität. Ich sprang selbst hinein und erlebte einen trockenen Wildwasserritt aus nächster Nähe, bei dem ich mehrfach beinahe über den Haufen gerannt wurde. In den letzten Momenten des Songs, als nur noch wenige Unerschrockene im Pit verblieben waren, verwandelte sich der Kreis schließlich in einen kollektiven Reigen, bei dem sich alle in den Armen lagen und laut lachten.

Dieser Moment war mein persönliches Highlight des Finntroll-Auftritts und markierte ein rundum gelungenes Ende eines sehr starken Konzerts.

Setlise: Midvinterdaken // Människopesten // Solsagan // Fiskarens fiende // Blodsvept // Nedgang // Svartberg // Mask // Trollhammaren // Nattfödd // Skogsdotter // Jaktens Tid // Ormfolk

Korpiklaani

Ab diesem Zeitpunkt war das Publikum ausreichend mit Göttergeschichten und dunklen Trollsagen versorgt, sodass zum Abschluss noch einmal eine echte Tanzparty folgen sollte – und genau diese bekamen wir mit Korpiklaani, dem Headliner dieses Abends und der gesamten Tour.

Eine Maultrommel mit einer flotten Melodie leitete den Auftritt der Band ein. Zuerst erschien der Drummer, der mit Anlauf auf die Plattform seines Instruments sprang und sich dort, mit einem Fuß auf der Bassdrum, in einer energischen Pose präsentierte. Kurz darauf betraten auch die restlichen Musiker die Bühne, und die Feier konnte beginnen.

Während des zweiten Liedes schien sich, anscheinend unbeabsichtigt, ein Gast auf die Bühne verirrt zu haben. Einer der Roadies hatte offenbar bemerkt, dass einige Getränke noch nicht bereitstanden. So schlich sich der Mann geduckt über die Bühne und an mehreren Musikern vorbei, um für sie Bier und Softdrinks an zwei Stellen abzustellen. Ein Hoch auf die fleißigen und zuverlässigen Roadies!

Die Lieder verbreiteten in der Halle eine fröhliche und ausgelassene Stimmung, die sich deutlich im Verhalten der Besucher*innen widerspiegelte. Einige Personen schunkelten lächelnd mit und zeigten auch nach bereits vier Bands keinerlei Anzeichen von Müdigkeit oder Erschöpfung. Besonders gut ließ sich das am Moshpit beobachten, der zwar erst zum dritten Lied wieder zum Leben erwachte, dann aber umso enthusiastischer wurde: Die Besucher*innen sprangen und schubsten sich mit breitem Grinsen durch die Menge.

Kurz vor dem Abschluss wurde mit Gotta Go Home ein abgefahrenes Cover gespielt, das den Schwung der bisherigen Musik in eine neue Richtung lenkte. Die angestrahlte Discokugel an der Decke verlieh dem Szenario dabei eine ordentliche Portion Funk.

Musikalisch begeisterte mich besonders das Zusammenspiel von Geige und Akkordeon, das die Musik wunderbar melodisch abrundete. Beide Musiker erwiesen sich zudem als echte Virtuosen an ihren Instrumenten. Ebenfalls beeindruckend war das Drumsolo vor Saunaan, bei dem der Drummer sein Instrument wie ein Wirbelsturm bearbeitete. Das Publikum hörte nicht auf, diesen Helden an den Drums zu feiern und ihm lautstark zuzujubeln.

Zusammengefasst war der Auftritt von Korpiklaani ein rundum gelungener und würdiger Abschluss für diesen Abend.

Setliste: Hunting Song // Wooden Pints // A Man With a Plan // Happy Little Boozer // Aita // Tuli kokko // Kalmisto // Ämmänhauta // Oraakkelit // Viima // Gotta Go Home (Boney M. Cover) // Saunaan // Metsämies // Vodka

Ich empfand das Konzert als äußerst stark und war sehr froh darüber, dass diese Konzertreihe wiederbelebt worden ist. Die Auftritte von Trollfest und Finntroll waren dabei meine eindeutigen Favoriten und bildeten einen unfassbar starken Kontrast zueinander: Pinke Tropenvögel und finstere Waldmonster wechselten sich ab, und beide Performances waren auf ihre ganz eigene Weise beeindruckend.

Bericht: Maximilian
Bilder: Andreas Sperl

 

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