Konzertbericht: Heidevolk auf Wederkeer Tour im Colos-Saal Aschaffenburg am 16.01.24

Als wir uns kurz vor Beginn des Konzerts am 16.01. im Colos-Saal in Aschaffenburg einfanden, war der Saal kaum gefüllt. 100 Karten gingen wohl im Vorverkauf weg, aber anwesend waren nur etwa 80 Menschen. Schade, denn die Location hat eigentlich für viel mehr Leute Platz und die Bands haben so viel mehr Publikum verdient.

Den Beginn machten Jonne. Der finnische Gitarrist und Komponist Jonne Järvelä ist den meisten wahrscheinlich als Frontmann von Korpiklaani ein Begriff, aber auch solo kann er überzeugen. Zumindest fast solo, denn auf der Tour begleitet ihn seine Partnerin Jaana Turunen als Co-Sängerin, die ihn auch schon in der Vergangenheit als Texterin unterstützt hat. Der Applaus war zunächst sehr verhalten, das Publikum musste erst etwas warm werden, der leere Saal trug aber auch sein Stück dazu bei. Spätestens ab dem Song Tanssi stieg die Stimmung aber deutlich, der Song machte seinem Namen alle Ehre und es kam Schwung in die Menge: Kopfnicken, Klatschen und Stampfen, die Besucher tauten langsam auf. Trotzdem hatte man das Gefühl, dass der Funke nicht so recht überspringen wollte.

Setlist Jonne:

  • Vieras
  • Hulivili
  • Tuhka
  • Tulilintu
  • Tule Hiidestä Hevonen
  • Tanssi
  • Metsään On Iäksi Mieli
  • Harmaja
  • Kuku Käki
  • Pimeä On Oksan Taitto

 

Nytt Land machten weiter und tauchten die Bühne in schweren Nebel, sodass man die beiden Bandmitglieder nur noch schemenhaft erkennen konnte. Die Klänge waberten ähnlich wie der Nebel düster durch den Saal und alle wurden in den rituell anmutenden Gesang regelrecht eingesogen. Es gab keine Ansprachen oder Danksagungen, zwischen den Songs wurden auch kaum Pausen für Applaus gelassen, obwohl dieser hier deutlich größer ausfiel als zuvor noch bei Jonne. Nytt Land sind live ein wahres Erlebnis.

Wenn man die Musik mit dem gesamten Körper fühlen kann, der Bass einen durchdringt und man den Kehlkopfgesang in den Eingeweiden spürt, wirkt das ganze viel besser als auf der Aufnahme. Das Ambiente mit Nebel, dem Schädel am Mikrofonständer und den Kostümen, unterstützt das Ganze. Man bekommt das Gefühl, einem heidnischen Ritual beizuwohnen. Sehr cool ist dabei auch der Einsatz von traditionellen nordischen Instrumenten wie der Tagelharpa und diverser Trommeln und natürlich, dass viele Songs auf altisländisch, aber auch auf sibirischen Sprachen, wie Khanty, gesungen werden. Leider kam es zwischendrin zweimal zu Rückkopplungen im Ton, die die Immersion etwas störten, aber das fiel am Ende eigentlich kaum auf und wurde schnell behoben. Nytt Land waren auf jeden Fall mein Highlight des Abends und ich finde, das Ticket lohnt sich quasi schon alleine für diese Band.

Setlist Nytt Land:

  • Olenmet
  • Völuspá (Adr Burs synir)
  • Ritual
  • The Fires Of Ragnarok
  • U-Gar
  • Flötensolo
  • Huginn ok Muninn
  • Risu Raknar
  • Fenris Kinder (Völuspá, 40-41)
  • Nord

Es dauerte fast die gesamte Umbaupause bis der Nebel sich einigermaßen verzogen hatte und das, obwohl die Deckenventilatoren sich wirklich Mühe gaben und dabei etwas beängstigend in ihrer Verankerung wackelten. Aber Heidevolk schafften es am Ende doch auf die Bühne, die aber für sechs Leute viel zu klein war. Das merkte man auch an der Show, denn außer den beiden Sängern bewegte sich quasi fast niemand von seinem Platz weg, aber auch bei ihnen wirkte es oft so, als ob sie nicht so recht wüssten, wohin mit sich selbst und dann einfach theatralisch, aber episch da standen.  Nach dem größtenteils akustischen Folk der vorherigen Bands waren die beiden E-Gitarren eine willkommene Abwechslung, die den Anwesenden richtig einheizte. Ich hatte erwartet, dass sich die Location spätestens hier vielleicht weiter füllen würde, aber leider lag ich falsch. Trotzdem war die Stimmung nach anfänglicher Zurückhaltung sehr gut. Es wurde fleißig mitgesungen, geheadbangt und Fäuste gen Decke gestreckt. Gerade am Anfang kam es leider ein paarmal zu weiteren Rückkopplungen, aber auch hier wurde das Problem schnell behoben und es tat auch der Stimmung keinen Abbruch. Das Set war eingeteilt in drei Abschnitte, erst einen Metalteil, dann einen akustischen Abschnitt mit vier Songs, und am Ende wieder einen Metalteil, so hatte man zwischendurch ein paar Minuten hatte, um mal etwas zu verschnaufen, bevor es zum Ende wieder richtig losging. Zu Vulgaris Magistralis gen Ende des Auftrittes holte Sänger Daniël Wansink ein riesiges Horn, mit dem er posieren konnte.

Der Anteil an Leuten, die Heidevolk das erste Mal live sahen, war erstaunlich hoch gewesen. Während es dem Namen der Wederkeer Tour gebührend viele Songs vom Album Wederkeer gab, wurden auch alte Klassiker wie zum Beispiel Saksenland und Het Wilde Heer vom zweiten Album Walhalla Wacht zum Besten gegeben. Mit rund 100 Minuten Spielzeit, also so lange, wie beide Vorbands zusammengenommen gespielt hatten, wurde es nicht langweilig und es war insgesamt ein schöner Abend im Colos-Saal.

Setlist Heidevolk:

Metalteil:

  • Intro Ver Verlangen
  • Hagalaz
  • Klauwen Vooruit
  • Winter Woede
  • Wolf in my Heart
  • Schildenmuur
  • De Strijd Duurt Voort
  • Oeros
  • Het Wilde Heer

Akustikteil:

  • Wederkeer
  • Het Bier Zal Weer Vloeien
  • Het Geldersch Volkslied
  • Zomervuur

Metalteil:

  • Ijzige Nacht
  • Ostara
  • Tiwaz
  • Saksenland
  • Drink Met De Goden
  • Vulgaris Magistralis
  • Nehalennia
  • Outro (Zomervuur)

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