Festivalbericht: Hexentanz Tag 3 – Die Finale Schlacht

Tag 3 des Hexentanzes hatte endlich etwas Sonnenschein. Es war zum Einlass (der heute wieder sehr gut klappte) deutlich leerer als noch am Tag zuvor, aber auch im Verlauf des Festivaltages konnte der finale Tag nicht die Masse an Menschen anziehen wie der Vortag. Das Wetter war entgegen der Erwartung ausgesprochen gut und auch das Line Up war wieder sehr stark – heute mit weniger Mittelalter, aber dafür tauchten wir mehr in die Schwarze Szene ein.

 

Minusheart

Den Start machten Minusheart vor einem noch recht spärlich gefüllten Platz. Optisch gaben sie nicht sehr viel her, aber dafür ballerte der Bass gewaltig. Viele der Anwesenden genossen die Songs, denn insgesamt war es ein gelungener Auftritt, der aber leider kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Um fair zu sein, ich persönlich kann mit der Musik auch nicht viel anfangen.

Hell Boulevard

Mit deutlich mehr Action schritten Hell Boulevard zur Tat. Die vier hatten sichtlich höllische Freude an dem, was sie taten und flitzten hin und her, drehten Pirouetten oder sprangen umher; das Motto To Hell and Beyond wurde hier ernst genommen. Der Gothic Rock vom Feinsten kam bei inzwischen deutlich mehr Menschen auch wesentlich besser an. Der Platz füllte sich zu diesem Zeitpunkt stetig, aber die Menge des Vortages wollte einfach nicht erreicht werden.

Vlad in Tears

In eine ähnliche Kerbe schlugen die Italiener Vlad in Tears. Sehr stylish in einem weißen Anzug gekleidet, nahm Kris Vlad die Bühne in seinen Besitz. Aber das Publikum bekam nicht nur visuell, sondern auch akustisch einiges geboten. Meiner Meinung nach klingen Vlad In Tears live deutlich besser als in der Aufnahme und ich wage es sogar zu behaupten, dass das Running Up That Hill Cover sogar besser klingt als das Original. Sie legten heute eine wirklich gute Show hin.

Ost+Front

Visuell wesentlich aufregender, aber dafür auch deutlich polarisierender war der Auftritt von Ost+Front. Sie kamen trotzdem recht gut an, obwohl ich die gesamte Aufmachung der Band etwas schwierig finde, angefangen beim Namen. Sehr viel Kunstblut, zerrissene Klamotten, viel Schminke und eine große „Orgel“ dominierten das Bühnenbild. Einen so gut wie nackten Hintern gab es auch zu sehen, schließlich hatte die betreffende Dame am Anfang ja schon ein Schild hochgehalten, dass sie nicht freiwillig da sei. Sie spielten einmal quer durch ihre Diskografie mit alten Bekannten wie dem Denkelied oder der Fiesta de Sexo.

Nachtblut

Man kann auch von Nachtblut halten, was man möchte, aber live hauen sie einfach raus und reißen die Bühne ab. Bei Tageslicht wirkt die Show leider nicht so gut wie in einer Halle, aber nichtsdestotrotz war es ein wirklich guter Auftritt. Wie es sich gehört, gab es mehrere Pits, aber die Krönung war der Aufruf zur ersten und einzigen Wall of Death des Festivals, der auch begeistert angenommen wurde. Die Stimmung war trotz der düsteren Musik ausgelassen, so wurden zum Beispiel beim Frauenausbeiner Schilder mit der Aufschrift „Frauen aus Bayern“ und dem bayerischen Landeswappen, einem Frauen-Piktogramm und ein Ausknopf geschwenkt. Man darf Nachtblut eben nicht zu ernst nehmen.

Letzte Instanz

E-Violinen und E-Celli können an diesem Tag nur eins bedeuten: Letzte Instanz stehen auf der Bühne. Die dritte Silberhochzeit des Festivals war eine willkommene Abwechslung, auch wenn oder vielleicht auch gerade weil, einige Songs zugegebenermaßen etwas schwermütig sind. Hier konnte man sich nach den deutlich härteren Bands vorher etwas ausruhen und sich dem Sog der Musik hingeben, was nicht heißen soll, dass es zu ruhig oder gar langweilig wurde. Anlässlich zum Jubiläum wurden auch viele alte Songs heraus gekramt, die aber keineswegs eingestaubt waren, aber natürlich gab es auch aktuellere Stücke zu hören wie Entzündet die Feuer oder Disco d’Amour, welches von lauten „Bier“-Rufen begleitet wurde.

Eisbrecher

Die Sonne war schon untergegangen, als das große Finale in Form von Eisbrecher kam. In dichten Nebel gehüllt und in tiefes blau getaucht stand die Bühne da, als Alex sie mit seinem leuchtenden Feldstecher betrat. Den ganzen Auftritt über verfolgte ihn ein Spotlight, was leider auch dazu führte, dass die anderen Mitglieder von Eisbrecher die meiste Zeit im Nebel und der Dunkelheit verschwanden. Bedauerlicherweise war Noel Pix, seines Zeichens Lead Gitarrist, an diesem Wochenende krank und musste ersetzt werden. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch – die Menge hatte definitiv ihren Spaß. Jeder Song nach einer Ansage wurde einem Menschen in der Crowd gewidmet, diese Publikumsnähe äußerte sich auch in einem Moment, als jemand ein Schild mit der Aufschrift „Pokérap“ hochhielt und Alex diesen kurzerhand a cappella zum Besten gab. Die Band konnte man auch schon fast den ganzen Festivaltag über am Merchstand treffen und mit ihnen Fotos machen oder sich Autogramme abholen. Kein Wunder also, dass sie so beliebt sind. Mit Eiszeit (leider ohne Schnee), Verrückt und This is Deutsch waren hier unter anderem auch richtige Klassiker der Gruppe zu hören. Die Stimmung war bei kaum einem anderen Act des Festivals so gut wie hier, wozu Alex selbst natürlich auch massiv beitrug. Beispielsweise fing er sich einige Lacher ein, als er auf die „Ausziehen“-Rufe hin seine Uhr auszog oder später ein Mundharmonika-Solo zum Besten gab.

Fazit

Das Festival hat sehr viel Spaß gemacht, und auch wenn ich die echte Festivalerfahrung gar nicht hatte, da ich in einem Hotel übernachtet hatte, fand ich es einen würdigen Start in die angehende Festivalsaison. Es gibt aber trotzdem ein paar Kritikpunkte, die ich ansprechen möchte, die aber größtenteils am neuen Standort zu liegen scheinen.

Zum einen gab es deutlich zu wenige Toiletten, was teilweise zu längeren Schlangen geführt hat als am Meet and Greet Stand. Außerdem gab es keine Beleuchtung auf dem Platz, abgesehen von der Bühne, wodurch man sehr aufpassen musste, wo man hintrat. Der neuen Location muss man aber wirklich zugutehalten, dass der etwas festere Boden nur für zwei Schlammpfützen gesorgt hat, die man auch bei wenig Licht gut umgehen konnte und es nicht ganz so sehr in eine Schlammschlacht ausartete wie in den letzten Jahren noch in Losheim. Hier konnte man im Dunklen größtenteils nur noch gegen Dinge oder Menschen laufen, aber wofür gibt es heutzutage denn an jedem Handy eine Taschenlampe? Den ein oder anderen hat es im Schlamm trotzdem hingelegt. Aber nicht nur war es zwischen den Auftritten nach Sonnenuntergang sehr dunkel, es war auch sehr still auf dem Platz, denn es gab keine Musik in den Umbaupausen, was mich persönlich nicht gestört hat, was aber einige Besucher angekreidet hatten. Einer Aussage zufolge würde die Stimmung zwischen den Acts dadurch stark leiden, was aber nicht mein Eindruck war. Zur Nahrungsversorgung kann man wie auf so ziemlich jedem anderen Festival nur sagen, dass alles ziemlich überteuert war.

Insgesamt war es aber trotzdem ein gutes Festival mit etwas Verbesserungspotenzial, wobei die meisten der genannten Punkte wirklich nur marginal sind. Die Musik war gut, der Sound war gut, das Essen hat geschmeckt und das Flair und die Atmosphäre waren sehr schön – entsprechend werde ich nächstes Jahr auf jeden Fall wieder kommen.

 

 

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