Interview mit dem Fotografen und Künstler Sebastian Freitag

Interview Sebastian Freitag

Ich freue mich sehr, euch heute Sebastian Freitag vorstellen zu dürfen. Er ist nebenberuflich Fotograf. Vielleicht ist er einigen bereits bekannt, da er neben Portrait- und Landschaftsaufnahmen auch großartige Konzertfotografie macht. Aber er hat noch einiges mehr in petto.

Hallo Sebastian, als Fotograf bist Du viel unterwegs. Auf Rock-Konzerten findet man Dich in der ersten Reihe – ganz nah am Geschehen und mitten im Trubel. Andererseits sieht man Deine wunderbaren und stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen, die oft menschenleer und melancholisch sind. Wie schaffst Du diesen Spagat? Ist es eine Art Ausgleich?

 

Einen Ausgleich würde ich jetzt das jetzt nicht unbedingt nennen. Ich fühle mich in beiden Sphären wohl. Ob auf einem Festival mit 10.000 Menschen oder auf einem Feld in der Eifel oder morgens um 5 an an einem einsamen Ostseestrand – ich fühle mich in beiden Welten heimisch und geborgen.

 

 

 

In Deinen Portraits merkt man Deinen künstlerischen Anspruch. Du machst Dir viele Gedanken. Man hat das Gefühl, sie erzählen Geschichten. Man spürt Deine Leidenschaft für diesen Beruf. War das schon immer Deine Berufung? Was fasziniert Dich daran?

 

Als Kind war mein größter und sehnlichster Berufswunsch Archäologe zu werden – das hat sich aus verschiedenen Gründen nicht erfüllt. In meinem Hauptberuf arbeite ich als Metallformer und Gießer in einer Kunstgießerei, was sehr erfüllend und inspirierend ist. Ausgrabungen mache ich natürlich trotzdem jedes mal wenn ein Foto entsteht. Ich grabe in meinem tiefsten Inneren, lege Schicht um Schicht Emotionen und Erfahrungen frei, die teilweise mehrere Jahrzehnte alt sind. Wenn Dreck und Staub abgewaschen sind, entsteht das Bild. 

 

Deine Fotografien sind, beispielsweise in der Serie “365 DAYS – a daily diary“, oft sehr traurig, trostlos und düster. Du fotografierst auch Friedhöfe. Was inspiriert Dich zu solchen Aufnahmen?

 

Mich inspiriert eigentlich alles was mir so begegnet. Das können einfach Dinge aus alten Koffern sein, die ich auf Trödelmärkten finde, ein Sonnenaufgang an einem nebeligen Morgen oder einfach inspirierende Menschen und Ihre Geschichten. 

 

Gibt es ein Lieblingsgenre? Was sind Deine Lieblingsmotive?

 

Ich bin sehr gerne mit anderen Künstlern – im speziellen Musikern – zusammen. Es gibt z.B 2-3 Bands mit denen ich teilweise seit 10 oder mehr Jahren regelmäßig Bandfotos für Alben oder Promozwecke mache. Dadurch, dass ich selber mal 10 Jahre als Sänger in einer Metalband aktiv war, besteht da eine gewisse Verbindung, und das spüren auch die Menschen, die da vor meiner Kamera stehen. Ich versuche da natürlich auch immer meinen eigenen Stil reinzubringen, der sich gerne mal vom typischen „4 Langhaarige stehen vor einer Mauer“ unterscheiden darf.

 

 

 

 

Du bist nicht nur Fotograf, sondern in meinen Augen auch ein Künstler, der sehr kreative, tiefgründige, oft surreale digitale Kunstwerke schafft. Unter der Rubrik „A Perfect Circle“ kann man diese im Internet auf Deiner Seite bestaunen. Dazu ist auch ein Buch erschienen, hab ich gelesen. Kannst Du uns mehr über Deine Kunst erzählen? Was ist Deine Motivation? Wie entstehen Deine Bilder?

 

Wie bereits erwähnt, sehe ich mich manchmal als Forschenden, als Ausgräber, der Bilder freilegt. Manchmal kommen Ideen und Inspirationen auch einfach so angeflogen, das passiert oft wenn ich morgens durch den Wald auf dem Fahrrad zur Arbeit fahre. Der Fahrtwind trägt mir die Bilder zu 🙂 Ich brauche manchmal Wochen bis ich mit einem Arrangement zufrieden bin, ich hinterfrage und verwerfe ständig meine Ideen. Manchmal liegen Fotos auch halbbearbeitet jahrelang auf der Festplatte rum, bis ich sie wieder anfasse und ans Licht zerre. Es gibt natürlich auch immer wieder Phasen, in denen ich nichts ausgrabe oder es windstill ist – zum Künstlerdasein gehört, auch diese unkreativen Phasen zu akzeptieren.

 

 

 

 

Gibt es Themen, die Dich aktuell beschäftigen?

 

Für die nächste zeit plane ich meine Ideen in Form von Bronzegüssen auch in die 3. Dimension zu überführen. Man kann meine Werke in absehbarer Zeit auch haptisch erfassen 🙂

 

AI-generierte Bilder tauchen mehr und mehr in unserem Alltag auf. Für Fotografen kann AI Fluch und Segen zugleich sein. Sie kann nützlich bei der Bildverbesserung sein und hilft dabei, die Arbeit evtl. schneller und effizienter zu erledigen. Noch weiß man nicht, wie hoch die Nachfrage an AI-Kunst werden wird und ob der Wunsch nach professionellen Fotografen dadurch sinkt. In Zeiten multimediale Übersättigung, steigt auch der Konkurrenzdruck immer weiter. Wie ist Deine Meinung zu dem Thema?

 

AI generierte Bilder sind für mich nicht relevant. KI als Werkzeug hat für mich einfach keine Bedeutung, weil es mich nicht fordert und schon gar nicht fördert. Mein bestes und effektivstes Werkzeug ist nicht die Kamera und schon gar keine künstliche Intelligenz, sondern dieses wabbelige Ding zwischen meinen Ohren – nur das kann meine Emotionen und Erfahrungen in Bilder transformieren.
Ich kann es nicht verstehen, wie man das Schönste, Edelste und Wertvollste was uns Menschen ausmacht, nämlich die Gabe Kunst zu erschaffen, an eine seelenlose Maschine abgibt.

 

Hast Du neben der Fotografie noch Zeit für Hobbies?

 

Wenn ich nicht gerade an meinen Fahrrädern oder Kameras rumschraube, bin ich mit meiner Frau gerne zwischen Weinbergen und Wäldern in der Eifel oder im Bergischen Land unterwegs.

 

Vielen Dank, Sebastian!

Vielleicht noch eine Information am Schluss. Sebastian macht auch Hochzeits- und Eventfotografie.
Wer also noch einen kreativen und außergewöhnlichen Fotografen sucht, schaut gerne auf der Internetseite https://sebastian-freitag.com vorbei.

 

 

 

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