Am 24. Februar 2026 machte die Songleikr Release Tour im Aschaffenburger Colos‑Saal Halt. Für viele dürfte dieser Abend ein besonderer Termin gewesen sein, denn Songleikr – das Herzensprojekt von Maria Franz, bekannt als die Stimme von Heilung – präsentiert mit dieser Tour erstmals das neue Album Fuglefolk, das am 20. Februar erschien, in einem intimen, atmosphärisch dichten Rahmen. Die handverlesenen Clubshows sind bewusst klein gehalten, um die Nähe zur Bühne und die erzählerische Intensität der Darbietung zu betonen.
Schon beim Betreten des Colos‑Saals wurde deutlich, dass der Raum an diesem Abend anders genutzt wurde als sonst. Direkt vor der Bühne blieb eine kleine Fläche für zwei bis drei Reihen an Stehplätzen frei, doch dahinter öffnete sich ein eher untypisches Bild: Statt der gewohnten offenen Fläche standen Tische und Stühle locker im Raum verteilt, nicht in festen Reihen, sondern organisch gesetzt – mal etwas dichter, mal mit mehr Abstand, je nachdem, wohin man blickte. Weiter hinten fanden sich Stehtische und Barhocker, während an den Seiten und ganz am Ende des Saals zusätzliche Stehbereiche entstanden. Eine ungewöhnliche Aufteilung in dieser Halle.
Songleikr
Um Punkt 20 Uhr verstummte so langsam die Musik im Raum, das Licht dimmte sich und die Gespräche wurden eingestellt, dann betraten die Musiker die Bühne. Ohne große Ankündigung begann der Abend mit einem Stück, das die Stimmung sofort bündelte und den Fokus auf die Bühne lenkte. Schon nach den ersten Takten wurde klar, dass Songleikr den Raum nicht mit Lautstärke, sondern mit Atmosphäre füllen würden.
Zwischen den Liedern erzählte Maria immer wieder kleine Anekdoten aus der norwegischen Folklore. Mit einem Schmunzeln erklärte sie, dass „wir Norweger die gruseligsten Geschichten nehmen und daraus Kinderlieder machen“. Diese Bemerkung leitete das Stück Troll ein. Eine dieser gesungenen Geschichten Ravnvisa, kennt man hierzulande auch unter dem Namen Rabenballade.
Im weiteren Verlauf des Abends ging Maria immer wieder auf die Eigenheiten der nordischen Sagenwelt ein. Norwegische Folklore, so erklärte sie, sei voller grotesker Geschichten: Man werde gefressen, von Trollen entführt oder verschwinde einfach im Wald – und manchmal gebe es auch freundliche Wesen, aber darauf solle man sich nicht verlassen. Diese kleinen Einschübe gaben den Stücken einen erzählerischen Rahmen, der gut zur intimen Atmosphäre des Abends passte.
Einen besonderen Moment gab es, als Maria und Kasia das Publikum baten, sich zu setzen. Die beiden nahmen selbst an der Bühnenkante Platz und sangen ein ruhiges, fast flüsterndes Lied, Er du, das den Saal für einige Minuten vollkommen still werden ließ. Am Ende des Stückes witzelten sie, dass sie hofften, dass dabei alle Knie und Hüften heil geblieben seien. Später folgte ein Stück, das Ingrid geschrieben habe, über die Balance zwischen femininen und maskulinen Kräften. Sie sprach darüber, dass das Leben einen manchmal zwinge, diese beiden Seiten in Einklang zu bringen. Im Anschluss wurde es auch wieder etwas leichter, denn es folgte mit trockenem Humor die Geschichte eines alten Volksliedes über eine junge Frau, die ihre Jungfräulichkeit verlor, als sie bei einer Wanderung auf einen Stock fiel. „Und glaubt mir“, fügte Maria hinzu, „es gibt viele Stöcke in norwegischen Wäldern.“ Der Saal lachte herzlich.
Als das reguläre Set endete, verließ die Band die Bühne nicht, sondern blieb einfach stehen, lächelte und setzte zur Zugabe an.
Danach bedankte sich Maria ausführlich beim Colos‑Saal und der Crew und meinte, das Publikum könne sich glücklich schätzen, eine solche Halle zu haben. Nach dem letzten Ton stampfte und klatschte der Saal noch fast vier Minuten lang, bevor das Licht anging und endgültig klar war, dass der Abend vorbei war – nur eineinhalb Stunden nach Beginn, aber dicht, intensiv und ohne unnötige Ausschmückungen.
Fazit
Für einen Dienstagabend war der Colos‑Saal überraschend gut besucht, und genau das zeigte, wie groß die Neugier auf Songleikr und das neue Material war. Viele hatten sich bewusst auf den Weg gemacht, und die Atmosphäre im Raum spiegelte diese Erwartungshaltung deutlich wider. Musikalisch überzeugte das Ensemble mit einer beeindruckenden stimmlichen Präsenz, feinen Arrangements und einer Ruhe, die den Abend auf eine ganz eigene Weise getragen hat.
Am Ende blieb der Eindruck eines Konzerts, das ohne große Effekte auskam und gerade dadurch wirkte: nahbar, konzentriert und getragen von Musikerinnen und Musikern, die ihr Handwerk verstehen und ihr Publikum mühelos in ihre Welt mitnehmen.
Bilder: Roksana
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