Heute stelle ich euch jemanden vor, der viel mit „Metal(l)“ zu tun hat. Er schafft aus sehr kleinen Dingen kreative, teilweise „monströse“ Kunstwerke.
Hi Richard, ich bring es gleich einmal auf den Punkt, Du bist ja hauptberuflich Fahrradmechaniker oder Velomechaniker, hab ich gelesen, und fertigst Skulpturen aus alten Fahrradteilen. Wie kommt man darauf? Verwendest Du ausschließlich Metallschrott für Deine Arbeiten? Was ist Deine Motivation?
Moin. Seit ich denken kann, bin ich schon immer kreativ gewesen. Ich habe schon immer aus verschiedensten Materialien Dinge erschaffen. Während meiner Lehre stand ein altes Schweißgerät in der Ecke und es war nur eine Frage der Zeit, bis ich damit was anstellen würde. So begann ich aus Fahrradschrott Figuren und Dekoration zu bauen. Warum, weiß ich nicht. Ich habe sehr viel Spaß daran und einen enormen Schaffensdrang. Mit jedem Projekt, das ich beende, kommen mir Ideen für mindestens drei neue, ob ich will oder nicht. Manchmal sprudeln Ideen einfach hervor in meinem Kopf. Ich verwende hauptsächlich Fahrradschrott aus unserem Laden, aber auch viel Sperrmüll. Einige Kleinteile muss ich leider dazukaufen, besonders für meinen Schmuck, der sensiblere Anforderungen hat.
Wie entstehen Deine Arbeiten? Man braucht dafür sicher ’ne Menge Geduld.
Für manche größere Projekte mach ich mir grobe Skizzen und Notizen, damit ich nichts vergesse. Im Laufe des Arbeitsprozesses entwickelt sich die Figur aber immer etwas anders als ursprünglich geplant. Woher die Ideen kommen, habe ich leider noch nicht raus gefunden. Es ist manchmal wie eine spontane kreative Erleuchtung, die mich in vielen Lebenssituationen ereilen kann. Geduld habe ich dafür mehr als genug. Ich merke aber zum Ende hin manchmal, dass ich es schnell fertig kriegen möchte, um gleich mit dem nächsten Projekt zu starten.
Ich finde Deine Werke großartig und sehr detailliert, da sind beispielsweise die „Velo-Mechanische Vollstreckerin“ mit einer Art Sägeschwert auf der Schulter, der „Velo-Mechanische Ikarus“ mit Flügeln oder der Saurier „Shimano-Saurus-Rex“ der sich mit aufgerissenem Maul siegreich auf einen Schädel stützt und der „Tiefsee-Schrott-Fisch“ natürlich. Sie sind bis ins Kleinste durchdacht. Wie kommt man auf die Ideen? Was inspiriert Dich?
Wie bereits erwähnt, weiß ich nicht direkt wo ich meine Ideen hernehme. Oft hab ich aber eine Art Gefühl, einen Ausdruck, eine Geste, eine Ausstrahlung o. ä., die ich versuche in eine Skulptur einfließen zu lassen. Es kommt vor, dass ich in eine meiner dutzend Schrottkisten schaue und direkt ein Gesicht sehe, das mich anschaut. Ein bisschen Inspiration kommt natürlich auch durch Medien wie z.B. Horror, Sci-fi, Fantasy-Filme/-Bücher/-Serien. Außerdem durch Musik. Manche Melodien und Rhythmen geben oft einen kreativen Impuls.
Gibt es Lieblingsmotive unter Deinen Objekten?
Lieblingsmotive habe ich nicht direkt, aber wie man unschwer erkennen kann, tendiere ich in eine düstere, untote, okkulte Richtung. Teilweise versuche ich bei einigen Skulpturen Knochen, Sehnen und Fleisch zu imitieren. Und ich habe eine Schwäche für Meereskreaturen und Dinosaurier. Wobei das am häufigsten wiederkehrende Motiv ist definitiv der Schädel. Ich arbeite ihn auch gerne als Teil von größeren Skulpturen mit ein.
Gibt es Ausstellungen Deiner Kunstwerke?
Wenn man so will, habe ich eine Dauerausstellung bei uns im Fahrradladen, wo meine Kunstwerke zu den regulären Öffnungszeiten betrachtet werden können. In Zukunft würde ich schon gerne bei anderen Ausstellungen mitmachen. Wenn einer der Leser etwas in diese Richtung veranstalten möchte, oder jemanden kennt, gerne melden.
Du fertigst auch Masken und Deko-Accessoires wie beispielsweise Anhänger oder Kerzenständer. Oder auch Gürtel aus Fahrradreifen, wie ich gesehen hab. Machst Du auch Auftragsarbeiten?
Die Vielfalt an Schmuck, Accessoires, Alltagsgegenständen usw. erweitert sich stetig ,da ergeben sich unendliche Möglichkeiten. Man kann sich ja theoretisch jedes Kleinteil vom Fahrrad als Ohrring oder Halskette anhängen und dieses fast beliebig kombinieren. Ja es kommt vor, dass ich Auftragsarbeiten mache. Mein bisher größter Auftrag war die ,,Velomechanische Vollstreckerin“. Der Kunde wollte eine Justitia-Figur haben, aber eben in meinem Stil. Es war eine tolle Zusammenarbeit und hat viel Spaß gemacht. Generell nehme ich gerne Aufträge an, wenn ich mich mit dem Kunden einige und seine Vorstellungen im Rahmen meiner technischen Möglichkeiten liegen.
Gibt es ein Thema, welches Dich gerade aktuell beschäftigt oder welches Du als Künstler gern einmal umsetzen möchtest?
Aktuell beschäftige ich mich mit meiner ,,Velomechanisch“-Collection. Dabei versuche ich einen gewissen Stil/Wiedererkennungswert für mich zu schaffen. Es ist wie ein eigenes kleines Universum in meinem Kopf, das ich gern in Form von Skulpturen umsetzen möchte.
Was sind Deine Hobbies? Sicher fährst Du selber gern Fahrrad, oder?
Na klar fahre ich gern Fahrrad. Es ist wie die Erweiterung meines Körpers. Am liebsten fahre ich zum Strand, durch große Wälder oder Industriegebiete. Ich bin sehr interessiert an
Geschichte, Zoologie, Kampfsport und Mythologie. In meiner Freizeit habe außerdem mehrere Bastel-Projekte jeglicher Art am laufen.
Du bist auch Metal(l)er, bzgl. Deines Musikgeschmackes, richtig?
Auf jeden Fall! Hauptsächlich höre ich Bands, die sich irgendwie zwischen Punk, Hardrock, Alternative und Metal jeglichen Genres bewegen. Hin und wieder bin ich auf Konzerten
und/oder Festivals unterwegs. Kleiner Funfact über mich: auf dem Rücken habe ich zwei ,,Black-Sabbath“-Teufel tätowiert.
Du bist neben Deiner Arbeit auch noch Veranstalter. Mit Deiner Künstlerkollegin Peggy Tassin veranstaltest Du die „Art Fair Rostock“. Erzähl uns gerne etwas über dieses Projekt.
Um ehrlich zu sein, würde ich mich eher als ,,Unterstützung“ bezeichnen, nicht als Veranstalter. Den Großteil macht Peggy. Sie ist sehr organisiert und weiß was sie will. Natürlich stehe ich ihr mit Rat und Tat zur Seite, sowie es meine Zeit und Kompetenzen zulassen. Aber ganz klar ist Peggy die Macherin und sie kniet sich voll rein. Mein Dank und Respekt für sie an dieser Stelle! Bei der ,,Art Fair Rostock“ wollten wir eine Kunstmesse ins Leben rufen, die sich jeder leisten kann – sowohl Besucher als auch Aussteller. Die Möglichkeit Kunst ausstellen und sich bewerben zu können, sollte kein Privileg von Gutverdienern sein. Außerdem wollen wir nicht nur eine Kategorie, wie Malereien oder Fotografie dabei haben, sondern gerne viele verschiedene. Auch nischige und ausgefallene Sachen sind gern gesehen. Wir selber versuchen auch nicht, durch die Veranstaltung reich zu werden, sondern wir finden, es gibt in Rostock zu wenig Möglichkeiten als Künstler auszustellen. Wenn wir das nicht machen, wer sonst? Falls das Projekt gut ankommt, würde ich mich freuen, die Art Fair Rostock jedes Jahr zu veranstalten. Werdet gerne Teil des neuen Projektes und bewerbt euch gern.
Vielen Dank, Richard! Und ganz viel Erfolg mit eurem Messeprojekt!
Links:
https://www.instagram.com/fahrrad.kunst.barten/
Art Fair Rostock:
https://www.artfairrostock.de/
https://www.instagram.com/art.fair.rostock/
Mehr aus dem Bereich Kunst und Fotografie bei Dark-Art findet ihr hier:
- Interview mit dem bildenden Künstler Nils Franke „Goldfliege“
- Interview mit dem Musiker und Liedermacher Eric Fish (Eric Fish & Friends)
- Interview mit dem Künstler Toby Bohne
- Interview mit der Künstlerin Christina Bauer
- Interview mit der Kostüm- und Make-up-Designerin Siri Blechner
- Adventskalender: Dark Art – gruseliger Horror oder ästhetische Kunst? Part III
- Adventskalender: Dark Art – gruseliger Horror oder ästhetische Kunst? Part II
- Interview mit dem Künstler und Musiker Lukas Gosch (Ellende)
- Adventskalender: Dark Art – gruseliger Horror oder ästhetische Kunst? Part I
- Interview mit dem Tattoo-Artist Stavros „Risto“ Pavlidis
Antworten