Konzertbericht: Angus McSix – Tour of the All-Seeing Astral Eye, Lido, Berlin, 17.03.2026

Ein Dienstagabend in Berlin, für viele eher ein Termin zwischen Alltag und Wochenende. Doch an diesem Abend zeigte sich im Lido schnell, dass solche Kategorien hier keine Rolle spielten. Bereits zum Einlass um 18:00 Uhr versammelten sich erstaunlich viele Besucher vor der Tür, bereit für einen Abend voller Power Metal, Energie und Eskalation.

Unter dem Banner der The Astral All Seeing Eye Tour, der ersten eigenen Headliner-Tour von Angus McSix, wurde ein Paket geschnürt, das mit Brainstorm und Bloodbound zwei starke Supportacts mitbrachte. Schon früh zeichnete sich ab, dass dieser Abend kein reines „Unter-der-Woche-Konzert“ werden würde, sondern vielmehr ein Treffpunkt für eine Szene, die genau für solche Momente lebt.

Die Bühne im Lido versprach dabei genau das richtige Setting: nahbar, intensiv und ohne große Distanz zwischen Band und Publikum. Beste Voraussetzungen für einen Abend, der sich Stück für Stück steigern sollte.

Brainstorm 

Den Auftakt des Abends übernahmen die deutschen Power-Metal-Veteranen von Brainstorm und machten direkt klar, dass hier keine halben Sachen gespielt würden. Seit Ende der 80er aktiv, steht die Band um Sänger Andy B. Franck für eine Mischung aus klassischem Power Metal, markanter Stimme und einer angenehm bodenständigen Bühnenpräsenz. Unterstützt wird er von den Gitarristen Torsten Ihlenfeld und Milan Loncaric, Bassist Danji Perl sowie dem kürzlich hinzugekommenen Kevin Lütolf an den Drums.

Mit Worlds Are Comin’ Through und Devil’s Eye ging es direkt druckvoll los, bevor spätestens bei Shiva’s Tears klar wurde, dass das Publikum im Lido bereit war, sich auf den Abend einzulassen. Andy nutzte eine kurze Verschnaufpause, um die Menge direkt einzubinden:“Habt ihr Zeit mitgebracht? Habt ihr Lust mitgebracht?“ Fie Antwort fiel entsprechend laut aus. „Gut, wir haben noch einiges mit euch vor“. Ein Versprechen, das sich im weiteren Verlauf des Sets durchaus bewahrheiten sollte.

Mit The Shepherd Girl folgte ein weiterer Vertreter aus der neueren Phase der Band, bevor mit Chamber Thirteen ein kurzer Bruch ins Set kam. Der Song lief vom Band, während sich die Musiker für einen Moment von der Bühne zurückzogen. Eine kleine Zäsur, die gleichzeitig den Übergang in den zweiten Teil des Sets markierte.

Zurück auf der Bühne ging es mit Where Ravens Fly weiter und hier zeigte sich deutlich, wie gut das Publikum bereits mitging. Beim Chorus wurden nicht nur die Vocals, sondern auch die Gitarrenlinien lautstark „mitgesungen“, ein typischer Moment, der die Live-Qualitäten von Brainstorm unterstrich. Im Anschluss stellte Andy seine Mitstreiter vor, bevor mit The Boys of Summer eine unerwartete Coverversion von Don Henley’s Klassiker folgte.
Gerade hier zeigte sich die Publikumsnähe der Band besonders deutlich: Während des Songs verließ Andy die Bühne und begab sich direkt ins Publikum, motivierte die eher zurückhaltenden, sitzenden Gäste am Rand zum Aufstehen und suchte bewusst den Kontakt, inklusive Abklatschen mit Rollstuhlfahrern in den vorderen Reihen. Ein Moment, der zeigte, dass es hier nicht nur um Musik, sondern auch um Verbindung geht.
Zurück auf der Bühne wurde die Stimmung weiter angeheizt. „Klatschen klappt schon mal gut, ihr seid der Hammer. Aber könnt ihr auch singen?“ließ Andy verlauten, bevor er All those Words startete, ganz nach dem Motto: Ob man will oder nicht, hier wird jetzt gemeinsam gefeiert.

Vor dem letzten Song setzte er noch einen humorvollen Akzent: Mit viel Gestik „montierte“ er einen imaginäre Lautstärkemesser in die Luft, untermalt von passenden Geräuschen, und ließ das Publikum um die Wette schreien. Das Ergebnis fiel erwartungsgemäß positiv aus und ebnete den Weg für den finalen Song des Sets.
Mit Ravenous Minds und End in Sorrow vom Band verabschiedeten sich Brainstorm schließlich von der Bühne, nicht ohne zuvor noch einmal Thank you for the music über die Boxen laufen zu lassen.

Ein klassischer, starker Auftakt ohne große Spielereien, dafür mit viel Erfahrung, Nähe zum Publikum und einem Gespür dafür, wie man eine Halle auf Betriebstemperatur bringt.

Setlist: Let the Music Play (Intro) // Worlds Are Comin‘ Through // Devil’s Eye // Shiva’s Tears // The Shepherd Girl // Chamber Thirteen (Tape) // Where Ravens Fly // The Boys of Summer (Don Henley cover) // All Those Words Crawling // Ravenous Minds // End in Sorrow (Outro)

Bloodbound

Nach diesem grundsoliden Auftakt wurde es mit den Schweden von Bloodbound deutlich melodischer und vor allem hymnischer. Die Band, angeführt von Sänger Patrik J. Selleby, steht seit Jahren für eingängigen Power Metal mit klarer Kante, großen Refrains und einer ordentlichen Portion Pathos. Trotz kleiner Besetzungsänderung für diese Tour – Gitarrist Hendrik fehlte und wurde durch Martin Floberg von Fatal Strike vertreten – wirkte das Line-up eingespielt und spielfreudig.

Mit Creatures of the Dark Realm und Slayer of Kings startete die Band direkt mit voller Energie ins Set und hatte das Publikum schnell auf ihrer Seite. Bereits früh wurde klar, dass hier vor allem eines zählt: Mitmachen. Mit As Empires Fall erinnerte die Band gleich an ihr neues Album, Field of Swords, das seit November letzten Jahres erschienen ist.

Spätestens beim vierten Song, The Warlock’s Trail, war dann endgültig Bewegung in der Halle: Das Publikum wurde zum Springen animiert und folgte dem Aufruf ohne Zögern. „Do you want some more?“, eine Frage, die im Lido an diesem Abend nur eine Antwort kannte. Mit dem eingespielten Interlude A New Era Begins wurde kurz Luft geholt, bevor Battle in the Sky wieder voll durchstartete. Anschließend zollte Sänger Patrik dem Publikum Respekt: „You are loud und das an einem Dienstagabend!“

Doch Bloodbound beließen es nicht nur bei klassischem Power Metal. In einer kurzen Ansprache wurde es fast schon ernst: In einer Welt voller Chaos und Konflikte solle man all das für einen Moment vergessen „No politics, no religion, no race, we are all equal. Metal is our religion“. Ein Statement, das im Publikum hörbar Zustimmung fand. Passend dazu folgte Defenders of Jerusalem, das kurzerhand in Defenders of Berlin umgedichtet wurde.

Mit Moria wurde es dann atmosphärischer, ein stimmiges Tape-Intro leitete den Song ein, bevor mit Tales from the North ein ruhigerer, akustisch angehauchter Einstieg gewählt wurde. Doch lange hielt die Verschnaufpause nicht. Vor Rise of the Dragon Empire stellte Patrik erneut die Frage des Abends: „Do you like to jump on a Tuesday?“ Und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der Refrain wurde lautstark vom Publikum mitgesungen, inklusive der ikonischen Gitarrenmelodie, die durch die Halle getragen wurde.
Zum Abschluss ließ die Band keinen Zweifel daran, welchen Song sie nicht auslassen würde:“We cannot leave without playing Nosferatu“. Und so wurde der Klassiker zelebriert, inklusive eines stilecht als Nosferatu verkleideten Darstellers, der gemeinsam mit der Band für einen stimmungsvollen Einstieg in den Song sorgte. Beim Finale sprang der Sänger schließlich vom Drumriser und verabschiedete sich mit einem „See you again!“ vom Publikum.

Mit Made of Steel vom Band endete ein Set, das genau das geliefert hat, was man von Bloodbound erwartet: große Melodien, viel Bewegung im Publikum und eine durchgehend mitreißende Energie. Spätestens jetzt war die Halle endgültig auf Betriebstemperatur gebracht, bereit für das, was noch kommen sollte.

Setlist: Creatures of the Dark Realm //  Slayer of Kings // As Empires Fall // The Warlock’s Trail // A New Era Begins (Tape) // Battle in the Sky // Defenders of Jerusalem // Moria // Tales from the North // Rise of the Dragon Empire // Nosferatu // Made of Steel (Outro)

Angus McSix

Den Abschluss des Abends übernahm schließlich Angus McSix und was hier geboten wurde, war weit mehr als nur ein Konzert. Zwischen epischem Power Metal, bewusst überdrehtem Humor und einer durchgehenden Storyline entwickelte sich eine Show, die irgendwo zwischen Fantasy-Parodie und ernsthaftem Metal-Spektakel angesiedelt war.

Mit dem ikonischen He-Man-Intro und dem darauffolgenden Aetheriyja vom Band wurde das Publikum direkt in die Welt von Angus McSix hineingezogen, bevor mit Master of the Universe und The Fire of Yore die ersten musikalischen Ausrufezeichen gesetzt wurden. Sänger Samuel Nyman, alias Adam McSix, begrüßte danach das Publikum und klärte augenzwinkernd über den Namensunterschied zur Band auf, natürlich nicht, ohne direkt mit I am Adam McSix die passende musikalische Untermauerung zu liefern.
Schon früh wurde klar, dass hier niemand nur Zuschauer sein würde. Immer wieder nahm sich Adam Zeit für Interaktion, kleine Geschichten und Running Gags. Als das Publikum lautstark nach einem Biergelage verlangte, konterte er trocken:„Das sind keine Getränke, das sind Potions. Und die machen mich ein bisschen komisch.“

Vor Dig Down wurde es dann überraschend „emotional“, zumindest auf Angus-McSix-Art. Der Song wurde als Liebeslied angekündigt, verbunden mit der Enthüllung, dass der Zwerg Gefühle für den Orc hege. Die Reaktion auf der Bühne war entsprechend gespielt dramatisch, der Zwerg sichtlich geknickt, bevor nach dem Song direkt die Versöhnung folgte. 

Mit Ork Zero wurde das Publikum endgültig Teil der Show. Ein stinkender Fisch, welchen sich Adam vom Orc aushändigen ließ, diente als Publikumssignal. Jedes Mal, wenn Adam ihn hob, sollte die Menge lautstark „ORC!“ brüllen. Was zunächst wie ein Experiment wirkte, funktionierte erstaunlich gut und wurde schnell zu einem der lautesten Mitmachmomente des Abends.
Auch zwischen den Songs blieb es unterhaltsam. Nach Sixcalibur wurde noch einmal auf das aktuelle Album verwiesen, selbstverständlich inklusive Hinweis auf den Merchstand. Mit Just a Fool Will Play Tricks on Angus McSix wurde die Story um Täuschung und Verrat weitergesponnen, bevor bei Techno Men das Publikum erneut gefragt war. Gesang wie Höhlenmenschen oder Fußballfans, „uoh uoh uoh“, wurde verlangt und das klappte verständlicherweise schon beim ersten Versuch.

Ein weiteres Highlight folgte mit einer kleinen „Quest”. Ein Freiwilliger aus dem Publikum wurde zum Warrior ernannt und auf eine Mission geschickt, Bier für den durstigen Zwerg zu besorgen. Während Eternal Warrior lief, kehrte der „Held“ auch mit Getränk zurück, übergab es feierlich und durfte, ausgestattet mit aufblasbarem Schwert, auf der Bühne den restlichen Song feiern, während der Zwerg das Bier genüsslich leerte.
Mit Laser-Shooting Dinosaur wurde es noch einmal verspielt. Der Refrain wurde vorab mit dem Publikum einstudiert und funktionierte anschließend natürlich wie aus einem Guss. Spätestens hier war klar: Diese Show lebt von der Interaktion genauso wie von der Musik.

Nach einem kurzen Abgang folgte der Zugabenblock, zunächst allerdings mit einem ganz anderen Programmpunkt. Der Geburtstag des Tourmanagers Markus wurde gefeiert, inklusive Kuchen und lautstarkem Happy Birthday vom Publikum. Erst danach ging es mit 6666 musikalisch weiter.
Auch die Story wurde konsequent weitergeführt. Die Amazonenkönigin sei leider nicht anwesend, erklärte Adam, aber man werde ihr dennoch mit Amazons of Caledonia Tribut zollen. Anschließend wurde es noch einmal dramatisch. Der Erzdämon Seebulon wollte zurück in die Hölle und das Publikum wurde kurzerhand dazu verpflichtet, beim Öffnen des Tores zu helfen. Ride to Hell lieferte den passenden Soundtrack dazu.
Mitten im Song lief plötzlich Gitarristin Jasmin ins Publikum und startete einen Moshpit, der sich kurz darauf in eine Polonaise verwandelte, ein Bild, das wohl sinnbildlich für diesen Auftritt steht: Chaos, Spaß und völlige Hingabe an den Moment.

Mit Into Battle als Outro endete schließlich ein Headliner-Set, das sich bewusst nicht zu ernst nahm, musikalisch aber dennoch punktgenau lieferte. Angus McSix boten keine klassische Show, sondern ein durchinszeniertes Spektakel, das das Publikum von Anfang bis Ende eingebunden hat und genau damit den perfekten Abschluss für diesen Abend im Lido bildete.

Setlist: He-Man Masters of the Universe (Intro) // Aetheriyja (Tape) // Master of the Universe // The Fire of Yore // I am Adam McSix // Let the Search Begin // Dig Down // Ork Zero // Sixcalibur //  Just a Fool Will Play Tricks on Angus McSix // Techno Men // Starlord of the Sixtus Stellar System // Eternal Warrior // Laser-Shooting Dinosaur

Encore: Happy Birthday (Ihrem Manager Markus gewidmet) // 6666 // Amazons of Caledonia // Ride to Hell // Into Battle (Outro)

Bericht und Bilder: Andreas Sperl

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