Wenn der Übergang vom Spätsommer in den Herbst die Abende merklich kühler werden lässt, gibt es wohl kaum einen passenderen Zufluchtsort als die hallenden Räume der Frankfurter Batschkapp. Am 27. September 2026 versammelte sich die schwarze Szene um ASP in der Mainmetropole zu begrüßen und zu feiern. Doch ASP sind nicht alleine gekommen, mit dabei im Gepäck war die Münchner Dark Rock Band Schöngeist.
Schöngeist
Während sich der Saal und die Empore der Batschkapp langsam, aber stetig füllten, übernahmen Schöngeist die Bühne, um den Abend musikalisch einzuläuten. Im Gepäck hatte die Band um Sänger Timur Karakus ihr aktuelles Album Schwarz vor Augen. Wer hier ein verhaltenes Anwärmen erwartet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt: Während Karakus tänzelnd die Bühnenmitte für sich einnahm, zeigte sich die Saitenfraktion rund um Gitarrist Daniel Beutner und Bassist Andreas Socher extrem bewegungsfreudig. Die Musiker nutzten immer wieder die Boxen im Fotograben, um direkt auf Augenhöhe mit den ersten Reihen zu interagieren.
Dass Schöngeist beim Frankfurter Publikum richtig gut ankamen, lag nicht nur an der spürbaren Live-Energie, sondern auch an der sympathischen Publikumsnähe. Schon früh bedankte sich der Frontmann mit einem zwinkernden „Vielen Dank, dass ihr uns ertragt“. Auch die Empore verlor die Band nicht aus den Augen – die Nachfrage „Geht’s euch da oben auch gut?“ wurde von den Rängen lautstark beantwortet.
Zum musikalischen Höhepunkt geriet die Performance beim Song Feuer und Eis: Auf Aufforderung verwandelte das Publikum den Saal in ein Meer aus Lichterketten, Feuerzeugen und Smartphones. Erst gegen Ende ihres Sets, einige Songs später, schlug Sänger Timur noch einmal leisere Töne an und betonte ehrlich, wie viel die Band dem Headliner ASP zu verdanken habe. Gut aufgewärmt übergab die Band das Publikum nun an den Meister weiter.
ASP
Punkt 19:30 Uhr war es so weit: Das Licht ging aus und ASP betraten unter großem Jubel die Bühne. Die Stimmung im Saal war von der ersten Sekunde an geladen und einige Smartphones schossen in die Höhe, um den Moment festzuhalten.
Bei 20.000 Meilen gab es für die Fans kein Halten mehr: Begeistert folgte die Batschkapp den Anweisungen und wog sich in synchronen Wellenbewegungen durch die Halle. ASP beobachtete das Meer aus Bildschirmen mit gewohnt trockenem Humor und kommentierte schmunzelnd: „Wir alle sehen scheiße aus, wie sehr aber das Publikum scheiße aussieht, sieht man vor lauter Geräten nicht.“ Die Ansage folgte auf dem Fuße: Genau für zwei weitere Songs durfte noch gefilmt und fotografiert werden – eine Frist, die auch für die Presse galt.
Es folgte Fürst der Finsternis, bevor ASP kurz innedenken ließ. Worte und Sprache seien im ASP-Kosmos essenziell, betonte der Frontmann mit Nachdruck: „Erst tun sie der Sprache Gewalt an, dann den Menschen.“ Ein Satz, der im Raum nachhallte. Beim anschließenden Denn ich bin dein Meister – dem offiziell letzten Song für die Presse-Kameras – gab es eine kurze Schrecksekunde: Mitten im Stück war kurzzeitig der Ton weg. Doch weder die Band noch die Crew ließen sich aus der Ruhe bringen. Extrem professionell überspielte das Team den technischen Aussetzer und die Show ging nahtlos weiter.
Schon bei der Flickenpuppe bewies die Batschkapp absolute Textsicherheit und stimmte lautstark in den Chorus ein.
„Na ihr schönen Menschen, ganz schön warm in der Batschkapp!“, stellte ASP schließlich fest, denn die Temperaturen im Saal stiegen spürbar an.
ASP reisen bekanntlich gerne mit Freunden, und so gab es wenig später ein Wiedersehen: Timur Karakus von Schöngeist betrat erneut die Bühne für ein gemeinsames Wer sonst?. Vorab gab es noch ein charmantes Wortgefecht: ASP merkte an, dass es zwar erst das dritte Konzert der Tour sei, aber heute enorm heiß – im Gegensatz zum Vortag. Als Timur einwarf, er dürfe ja gleich wieder von der Bühne, entgegnete ASP trocken: „Du fängst an zu singen, ich atme – ich muss nachher schließlich noch so zwei, drei Songs!“ Was folgte, war ein ganz besonderes Duett. Direkt im Anschluss ging es ohne Gast weiter – passenderweise mit dem Titel Duett, bei dem die Geigenspuren zwar leider vom Band kamen, was der Stimmung im Saal aber keinen Abbruch tat. Mit Und wir tanzten zündete die Band direkt den nächsten Kracher, bei dem das Publikum endgültig steilging. Nach dem kraftvollen Sanctus Benedictus scherzte ASP kurz in die tobende Menge: „Eigentlich können wir an der Stelle Schluss machen!“
Natürlich lebte der Abend nicht nur von der Nostalgie der alten Klassiker. ASP betonte augenzwinkernd, dass auch die alten Hits irgendwann einmal neu gewesen seien und dass man reichlich frisches Material im Gepäck habe. Nächstes Jahr im Herbst erscheint das neue Album Horror 2, doch für die Geduld der Fans gab es schon vorab Nachschub auf der aktuellen Mehr denn je-EP. Mit Blick zum Merch-Stand legte der Frontmann dem Publikum die Scheibe ans Herz – nicht ohne gewohnt humorvolle Anekdoten über das nachlassende Sehvermögen im Alter.
Ohne langes Gelaber ging es direkt über in den Song, der laut Band die perfekte Zusammenfassung dessen sei, worum es bei ASP überhaupt ginge. Und wie erhofft zeigte sich die Batschkapp auch hier äußerst mitsingfreudig. Es folgte eine explosive Mischung aus Schockrock und der für die Band typischen Mondlicht-Romantasy, bevor ASP eine echte Überraschung aus dem Ärmel zogen: Einen brandneuen Song, der so frisch war, dass er es nicht einmal auf die aktuelle EP geschafft hat.
Auch der Blick in die Zukunft durfte natürlich nicht fehlen: Für die Tour 2027 kündigte die Band ein besonderes Konzept an. Beim Ticketkauf wird das Publikum die Möglichkeit erhalten, sich Songs zu wünschen – die meistgewünschten Tracks schaffen es direkt auf die Setlist. Band und Fans dürfen gleichermaßen gespannt sein, was dabei herauskommen wird. Den würdigen Abschluss dieses Blocks markierte schließlich ein neues, noch unveröffentlichtes Lied Mahr, o mein Mahr.
Mit einem warmen Vielen Dank, ihr schönen Menschen leiteten ASP schließlich das letzte Kapitel des Abends ein. Bevor der nächste Song anstand, wurde es interaktiv: Alle im Saal wurden aufgefordert, sich umzudrehen – Rücken an Rücken hieß das Stück, und die Band auf der Bühne machte es den Fans direkt vor. Es folgte Werben, und spätestens jetzt gab es in der Batschkapp kein Halten mehr. Das Publikum klatschte lautstark im Takt und ging absolut ekstatisch mit. Dabei sorgte ASP mit unverkennbarem Hüftschwung für Begeisterung auf und vor der Bühne, während der stimmgewaltige Publikumschor die Halle erfüllte.
Wie so oft an solchen Abenden verging die Zeit, wie im Flug. Die Band steuerte unaufhaltsam auf das Ende zu. Die finale Ansage traf dann genau den Nerv des Abends und wurde mit frenetischem Jubel gefeiert: „Wenn ihr euch fragt, ob ich euch vermisst habe – mehr denn je!“. Es folgte Ich will brennen, bevor die Band vorerst von der Bühne verschwand. Klassische „Zugabe“-Rufe suchte man vergebens; stattdessen stimmte das Publikum ein langes, gemeinsames „EEEEEEiioooooo“ an, das so lange wellenartig durch die Halle hallte, bis ASP schließlich für den letzten Höhepunkt zurückkehrten.
Als Rausschmeißer diente Rückfall, was noch einmal für ein mächtiges Stimmungshoch sorgte. Um knapp 22:00 Uhr ging ein intensiver, emotionaler und rundum gelungener Konzertabend zu Ende. Fortsetzung folgt – gewiss.
Setlist: How Far Would You Go? (The 6th of September) // 20.000 Meilen // Die letzte Zuflucht // Willkommen zurück (Snippet) // Schwarzes Blut // Kokon // Fürst der Finsternis // Denn ich bin der Meister // Spät // Flickenpuppe // Wer sonst? (mit Timur Karakus) // Duett (Minnelied der Incubi) // Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe) // Sanctus Benedictus // Schockrock // Mondlicht Romantasy // Wanderer // Mahr, o mein Mahr // Rücken an Rücken // Werben // Mehr denn je! // Ich will brennen / Fortsetzung folgt… 1 (Snippet) // Rückfall // Morgengrauen irgendwo
Bericht und Bilder: Roksi
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