Konzertbericht: Fiddler’s Green – Acoustic Pub Crawl 2026, Colos-Saal Aschaffenburg, 02.05.2026

Mit ihrem Acoustic Pub Crawl 2026 machten Fiddler’s Green am 2. Mai im Colos‑Saal in Aschaffenburg Halt. Der Name der Tour ist dabei nicht nur ein hübscher Titel – die Band versucht seit Jahren, dieses typische Irish‑Pub‑Gefühl auf die Bühne zu holen: dicht, direkt und ohne große Distanz zwischen Band und Publikum. Der Colos‑Saal erwies sich bereits bei vergangenen Touren dafür als passender Rahmen, früh gut gefüllt und mit einer Atmosphäre, die eher an einen gemeinsamen Abend unter Bekannten erinnerte als an ein klassisches Konzert. Apropos Konzert: Dieses war zu Einlassbeginn fast ausverkauft, dies änderte sich wenige Minuten später. 

Redwood

Den Auftakt übernahmen Redwood, eine Folk‑Bluegrass‑Country‑Gruppe, die den Abend mit warmen, erdigen Klängen eröffnete. Ihre Mischung aus ruhigen Melodien und unaufgeregter Präsenz passte gut zu dem Setting, das Fiddler’s Green später weiterführen würden. Redwood brauchten keine großen Worte, um den Raum einzufangen – der Saal reagierte aufmerksam und ließ sich auf die fünfköpfige Band ein. Die aus Hannover stammende Band bewegt sich musikalisch im Schnittfeld von Folk, Bluegrass und Country‑Rock. Wer das nicht kennt: Das Charakteristische für diese Art Musik ist der mehrstimmige Gesang sowie der Fokus auf Saiteninstrumenten wie Banjo, Fiddle, Mandoline und Gitarre. Traditionell nutzt man zwar kein Schlagzeug, allerdings nehmen Redwood dieses Detail nicht zu eng. 

Im weiteren Verlauf des Sets machte die Band auf ihr laufendes Crowdfunding aufmerksam, mit dem die Band ihr erstes Album realisieren möchte. Sängerin Jimmy erwähnte, dass es die Formation erst seit rund einem Jahr gebe und viele ihrer Stücke bislang weder auf Streaming‑Plattformen noch auf CD erschienen sind. Live stellte das jedoch kein Hindernis dar: Redwood banden das Publikum mühelos in ihre Songs ein, unabhängig davon, ob diese bereits veröffentlicht sind oder nicht. Der Saal reagierte aufmerksam, beteiligte sich an kleinen Mitsingmomenten und nahm die Band insgesamt sehr positiv auf. Für eine so junge Gruppe wirkte das Auftreten bemerkenswert gefestigt und zeigte, dass Redwood sich ihr Publikum Schritt für Schritt erspielen – mit sichtbarem Erfolg.

Setlist: Whiskey // Savage Daughter // Place Like Hell // Moonshine (and Midnight Tales) // Pilgrim // You Are My Sunshine // Cornfield Serenade // This Little Light Of Mine

Fiddlers Green

Für den Hauptteil des Abends verwandelten Fiddler’s Green die Bühne in die Kulisse eines kleinen Platzes vor einem Pub. Im Hintergrund hingen Glühbirnen an langen Schnüren, deren Farben sich je nach Song veränderten und so den Rahmen für das akustische Konzept setzten. Ein Konzert vor einem Pub, irgendwo in der Idylle von ein paar Musikern, die gerade Zeit und Lust hatten, wie es in Irland relativ gängig ist. Die Band saß am vorderen Bühnenrand auf Barhockern, Mikrofonständer dicht an dicht, während im hinteren Bereich ein Tisch mit zwei Stühlen stand, an dem immer wieder Mitglieder der Crew Platz nahmen – darunter auch der Backliner, der sich für diesen Abend sichtbar herausgeputzt hatte.

Die Setlist unterschied sich deutlich von den üblichen Live‑Shows. Viele Stücke waren nur denjenigen vertraut, die die akustischen Veröffentlichungen oder die traditionellen Vorlagen kannten. Die Stimmung im Saal blieb dennoch durchgehend gelöst; der Colos‑Saal war voll, und nur wenige Besucher wichen in den Nebenraum aus, wo das Konzert neben dem Merch gestreamt wurde. Bei A Good Old Irish Bar übernahmen Schlagzeuger Frank und Akkordeonspieler Stefan die rhythmische Begleitung auf Trommeln, was den Song spürbar geerdeter machte.

Zu I’m Here Because I’m Here gab es ein kleines Hütchenspiel: Die Band stapelte flott im Rhythmus zur Musik Becher, reichte sie im Kreis weiter, und der jeweils letzte warf den übrig gebliebenen Becher zurück an den Tisch im Hintergrund, sodass die Geräusche der Becher und das Klatschen die Perkussion des Songs bildete. Das Publikum blieb währenddessen aufmerksam, textsicher und gut gelaunt. Insgesamt wirkte der Abend wie eine bewusst reduzierte, aber sehr lebendige Variante dessen, was Fiddler’s Green sonst auf größeren Bühnen zeigen – nahbar, humorvoll und mit einem klaren Fokus auf die Musik. 

Gegen Ende des Sets folgten einige Songs aus dem Themenbereich „Traditionals“, die ein jeder, der halbwegs im Irish Folk thematisch drin ist, textsicher mitsingen konnte. Ein Highlight war in der Zugabe das Wild Mountain Theyme, das freudig von dem Publikum empfangen wurde. Zum Schluss gab es nochmal mit dem Instrumental Tam Lin, Irish Rover und zu guter Letzt Bugger off die das Publikum nochmal gut in Bewegung brachten. 

Setlist: Ready for the Ball // Matty Groves // Buccaneer // A Night in Dublin // Langan’s Ball // Walking High // Haul Away, Joe // No More Pawn // Botany Bay // The Bog // A Good Old Irish Bar // I’m Here Because I’m Here // Cripple Creek // All These Feelings // Washwoman // Never Hide // I Need a Volunteer // The Jolly Beggar // This Old Man // Donkey Riding // I’ll Tell Me Ma // Star of the County Down // Galway Girl // Wild Mountain Thyme //Tam Lin // Irish Rover // Bugger Off

Bericht und Bilder: Roksana

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Über Roksi 707 Artikel
Roksana Helscher, Fotografin und Redakteurin. Seit 2016 bei Dark-Art dabei, ein Teil der Chefredaktion und das Mädchen für alles. Seit meinen ersten Konzertfotografie-Gehversuchen in 2011 bis heute unterwegs und versuche das Geschehen auf großen und kleinen Bühnen zu dokumentieren.

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