Das Smith/Kotzen-Konzert zeigte eindrucksvoll, dass dieses Duo weit mehr ist als ein Nebenprojekt zweier Gitarrenstars. Eigentlich deutete laut Website alles auf einen eher kompakten Abend hin – die Kris Barras Band hatte kurzfristig abgesagt. Vor Ort dann die positive Überraschung: Die Galactic Superlords aus Köln übernehmen den Support.
Fast ausverkauftes Werk im Backstage München
Eine halbe Stunde vor Einlass bildet sich vor dem Werk im Backstage München bereits eine kleine Traube. Beim Einlass wird es kurz ruppig – erste Reihe ist schließlich Ehrensache. Die Security sorgt schnell für Ordnung, danach läuft alles entspannt. Rund 1000 Besucher füllen die Halle; wer später kommt, bleibt hinten.
Im Publikum: viele langjährige Iron Maiden-Fans, dazu zahlreiche Gitarrenliebhaber, die wissen, dass dies kein klassischer Metal-Abend werden würde.
Galactic Superlords eröffnen mit 80er-Energie
Pünktlich um 20 Uhr starten die Galactic Superlords mit einem druckvollen Set zwischen Hard Rock und Heavy Metal – stilistisch irgendwo zwischen NWOBHM und Glam. In knapp 45 Minuten präsentieren sie acht Songs aus ihren beiden Alben Galactic Superlords und Freight Train.
Die Band wirkt spielfreudig und hungrig, die Twin-Gitarren treiben nach vorne, die Frontfrau gibt alles, um das zunächst noch abwartende Publikum mitzunehmen. Und das gelingt: Spätestens zur zweiten Hälfte wird kräftig geklatscht, erste Reihen nicken im Takt.
Vor dem letzten Song fordert der Drummer das Publikum noch einmal lautstark auf, alles zu geben. Nowhere To Hide – allein der Titel lässt die Referenz erahnen – ist hörbar eine Hommage an Iron Maiden und wird entsprechend gefeiert. In der Umbaupause sind die Kölner entspannt am Merch-Stand anzutreffen. Einige neue Fans dürften sie an diesem Abend definitiv gewonnen haben.
Setlist Galactic Superlords: The Hammer // Kraken // Freight Train // Leviathan // Streetfighters // Wendigo // Eagle // Nowhere to Hide
Black Light / White Noise live beim Smith/Kotzen Konzert München Backstage
Bei Iron Maiden läuft traditionell Doctor Doctor (UFO) – hier ertönt Bad Company aus den Boxen. Die Marschrichtung ist klar: Heavy Blues Rock statt British Heavy Metal. Smith/Kotzen bringen in gut 90 Minuten nahezu das komplette aktuelle Album Black Light / White Noise auf die Bühne, ergänzt um Stücke vom Debüt.
Ganz störungsfrei beginnt der Auftritt nicht: Das InEar von Julia Lage zickt, auch bei Adrian Smith scheint technisch nicht alles rund zu laufen. Doch das Duo spielt souverän darüber hinweg. Adrian links, Richie rechts – so steht es auch groß auf dem Backdrop. Keine LED-Wand, keine Effekthascherei. Der Fokus liegt auf Songs und Zusammenspiel.
Von Beginn an kommt ein satter, warmer Sound von der Bühne. Smith liefert druckvolle Riffs und markante Akkorde, während Richie Kotzen mit geschmeidigen Läufen und bluesigen Linien antwortet. Das Zusammenspiel wirkt nie wie ein Wettstreit, sondern wie ein Dialog zweier Musiker, die seit Jahrzehnten wissen, wie man Spannung aufbaut und wieder auflöst.
Life Unchained und Black Light setzen früh die Richtung: Groove, Dynamik, viel Raum für Melodie. In ruhigeren Momenten wird es beinahe atmosphärisch, dann wieder schieben die Songs kraftvoll nach vorne. Das Publikum reagiert weniger auf einzelne Effekte, sondern auf das Gefühl – Köpfe nicken, Körper bewegen sich im Takt.
Auch die weiteren Songs des Abends unterstreichen, wie organisch dieses Projekt funktioniert. Wraith sorgt mit seiner fast schwebenden Atmosphäre zunächst für gespannte Ruhe im Raum, bevor Hate & Love die emotionale Seite des Duos betont. Blindsided und Outlaw bringen deutlich mehr Druck – hier greifen beide Gitarristen beherzt zu, ohne sich gegenseitig zu überlagern. Statt technischer Demonstration steht stets das Songgefühl im Vordergrund. Taking My Chances entwickelt live eine spürbare Eigendynamik, während Darkside mit dunklerem Grundton und markanten Akzenten für cineastische Momente sorgt.
Spätestens bei Scars und Running zeigt sich die besondere Stärke von Smith/Kotzen: ein Zusammenspiel, das weniger nach Solo-Showcase, sondern vielmehr nach musikalischem Dialog klingt. Riffs und Melodien greifen ineinander, die Rhythmussektion mit Bruno Valverde und Julia Lage hält den Groove konstant auf Spannung. Solar Fire schließlich wächst zu einem epischen Abschluss vor der Zugabe, mit langen Instrumentalpassagen und spürbarer Dynamik. Das Publikum folgtejeder Steigerung. Hier geht es nicht um Nostalgie, sondern um Songs, die live atmen und sich entwickeln dürfen.
Geburtstagsständchen beim Smith/Kotzen Konzert München Backstage
Schon während der ersten Songs wurde im Publikum immer wieder zaghaft Happy Birthday angestimmt. Nach Song vier – Glory Road – klappt es dann geschlossen: Das Werk singt lautstark für Adrian Smith.
Weil die Gesangseinlagen zuvor mehrfach angedeutet wurden, macht Richie Kotzen kurzerhand einen Running Gag daraus. Mit einem Grinsen merkt er an, man könne das ruhig die ganze Tour über so beibehalten – was natürlich für Lacher sorgt. Smith selbst nimmt es gelassen und bleibt im Flow des Sets.
Den passenden Kuchen bringt schließlich Julia Lage später, kurz vor White Noise, auf die Bühne. Kein großes Zeremoniell – stattdessen beißt Smith rockstar-like direkt hinein. So unkompliziert kann ein Bühnengeburtstag aussehen.
Starke Zugabe mit Klassiker-Faktor
Zur Zugabe kehrt die Band mit You Can’t Save Me zurück, bei dem Kotzen seine emotionale Seite ausspielt, bevor mit Wasted Years der Maiden-Klassiker folgt. Spätestens hier verwandelt sich das Backstage in einen kollektiven Chor.
Das Smith/Kotzen Konzert im Backstage war damit weit mehr als ein Nostalgie-Abend: kein reiner Metal-Gig, sondern ein groovender, intensiver Blues-Rock-Abend mit zwei Ausnahmemusikern auf Augenhöhe.
Ein Abend ohne große Showeffekte – aber mit Substanz. Und leider ohne Kuchen für die Fans. Musikalisch allerdings blieb niemand hungrig zurück.
Setlist Smith/Kotzen: Life Unchained // Black Light // Wraith // Glory Road // Hate & Love // Blindsided // Taking my Chances // Outlaw // Darkside // Got a Hold on Me // White Noise // Scars // Running // Solar Fire /// You can’t Save Me // Wasted Years
Bericht & Bilder: Clemens
Mehr von Smith/Kotzen bei Dark-Art findet ihr hier:
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