Weltklasse-Fusion: The Aristocrats im Colos-Saal Aschaffenburg
Gegen 18:30 Uhr fand man noch kaum mehr als ein Dutzend Besucher vor dem Club, doch bereits zwanzig Minuten später wuchs die Schlange deutlich an. Der Einlass verlief überpünktlich und beiläufig. Zunächst deutete wenig darauf hin, wie voll der Raum bald sein würde. Der Vorverkauf hatte es jedoch versprochen: Die Show von The Aristocrats im Colos-Saal war „packed“.
Um 19:30 Uhr war der Saal schließlich voll besetzt. Um kurz vor 20 Uhr begann die Band ohne große Inszenierung ihr Set. Marco Minnemann bekundete sofort seine Freude über die Rückkehr nach Aschaffenburg. Ein Fan rief eine Reminiszenz an die Freaky Fukin Weirdoz dazwischen. Dieser gelungene Einstieg unterstrich die langjährige Verbundenheit zwischen den Musikern und ihrem Publikum.
Ein Enten-Konzept und Death-Metal-Ansagen bei The Aristocrats
Das Trio eröffnete den Abend mit Material ihres aktuellen Albums Duck. Die ersten vier Stücke führten konsequent in das Konzept der neuen Platte ein. Beim vierten Song, Sittin’ With a Duck on a Bay, stellte Guthrie Govan schließlich den „Pinguin-Cop“ vor. Dieses markante Plüschtier auf der Bühne spielt auf das Artwork der zugrunde liegenden Erzählung an.
Der Toningenieur bewies an diesem Abend viel Fingerspitzengefühl: Er untermalte Marcos Ansagen sporadisch mit einer tiefen Death-Metal-Voice und setzte diesen Effekt immer punktgenau ein. So stützte die Technik die humorvolle Dynamik der Band perfekt, ohne sie zu überladen.
Heavy-Riffs im Colos-Saal: Der „Prog-Elevator“
Kurz vor dem Schlagzeugsolo setzten The Aristocrats mit Spanish Eddie ein massives Ausrufezeichen, denn das Stück präsentierte sich besonders heavy und wuchtig. Daher bot es einen reizvollen Kontrast zur folgenden technisch-instrumentalen Demonstration. Marcos anschließendes Drum-Solo bestach dabei durch Verspieltheit und artistische Stick-Twirls. Bemerkenswert war davon ab, dass er das gesamte Set ohne echte Pause durchspielte.
Nach dem kontemplativen Flatlands folgte mit Here Come the Builders der sogenannte „Prog-Elevator“. Guthrie Govan hatte ursprünglich eine ruhige Ballade schreiben wollen. Das Ergebnis ist jedoch das exakte Gegenteil: Ein dissonanter, wütender Track. Dieser spiegelt die Frustration wider, komponieren zu wollen, während direkt nebenan Bauarbeiter akustisch Amok laufen.
Balkan-Fusion und Zappa-Hommagen
Eine klangliche Besonderheit bot auch Scrotum, denn Govan imitierte hier den Sound einer moldawischen Violine. Dies gelang ihm verblüffenderweise ganz ohne eBow. Der Song war eingebettet in eine energetische Balkan-Fusion. Rhythmik-Liebhaber kamen zudem bei den Zappa-esken 5-über-2-Verschiebungen auf ihre Kosten. Diese fungierten als klare Hommage an Frank Zappa. Schließlich wäre kein anspruchsvoller Prog-Abend ohne eine solche Referenz komplett. Zum Abschluss erinnerte die Band an ihr Debüt The Aristocrats. Dieses erhielt, trotz seiner rein instrumentalen Natur, seinerzeit einen „Parental Advisory“-Sticker – allein wegen der Songtitel.
Nach über zwei Stunden endete im Colos-Saal ein Konzert der Extraklasse. Die Band lotete die Grenzen des Machbaren aus, ohne dabei ihre Spielfreude einzubüßen. Und das Publikum feierte diese Weltklasse-Performance bis zum letzten Ton.
Setlist:
Hey, Where’s My Drink Package? // Aristoclub // Sgt. Rockhopper // Sittin’ With a Duck on a Bay // Spanish Eddie // Drum Solo // The Ballad of Bonnie and Clyde // Flatlands // Here Come the Builders // This Is Not Scrotum // Get It Like That ///Desert Tornado
Bericht & Bilder: Clemens
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