Vorankündung: Laibach – Alamut im Rahmen der Frankfurter Buchmesse am 19.10. in der Jahrhunderthalle

Die Frankfurter Buchmesse ist mit jährlich bis zu 300.000 Besuchern und 7.500 Ausstellern, zumindest in Prä-Corona-Zeiten, weltweit bekannt. Seit 1976 gibt es jedes Jahr einen Schwerpunkt oder ein Gastland. Dieses Land ist in diesem Jahr Slowenien mit dem Motto „Waben der Worte“. In diesem Rahmen wird die Band Laibach am 19.10. in der myticket Jahrhunderthalle Frankfurt in Unterliederbach, nahe dem Frankfurter Stadtteil Höchst, ihr Werk Alamut aufführen.

Die Band Laibach existiert schon seit 1980 und gründete sich in der slowenischen Stadt Trbovlje im damaligen Jugoslawien. 1984 schlossen sie sich in der slowenischen Hauptstadt Ljublijana mit der Malergruppe IRWIN und der Theatergruppe NOORDUNG zur Neuen Slowenischen Kunst (NSK) zusammen. Dieses Kollektiv wird zur Retroavantgarde gezählt und sticht durch gezielte Überidentifizierung mit totalitären und faschistischen Systemen hervor. Sie verstehen sich nicht direkt als Kritik an diesen Systemen, sondern als Satire, die die versteckten Prämissen und Mechanismen durch Übertreibung darstellen und die Zuhörenden durch Überwältigung zur Auseinandersetzung mit der Thematik anzuregen. Dieses Spiel mit dem Totalitarismus äußert sich auch in der Sprache, denn in der Vergangenheit wurde viel auf Deutsch gesungen, was gerade in der Interpretation der Band sehr herrisch klingt, vor allem für nicht-deutschsprachige Ohren. Dass sich das Kollektiv NSK einen deutschen Namen gab und die Band den in Slowenien unerwünschten deutschen Namen von Ljublijana annahm, sind keineswegs Zufälle. Auf die Frage, ob die Band faschistisch sei, antwortete sie mit den Worten „Wir sind so sehr Faschisten, wie Hitler ein Maler war“. Dass diese Frage bei diesem Thema aufkommt und gestellt werden muss, liegt auf der Hand, aber spätestens seit sie den Soundtrack zu den Iron Sky Filmen beigesteuert haben, braucht man sich diese Frage wahrscheinlich nicht mehr zu stellen. Der tiefe Gesang, der ein markanter Teil des Sounds von Laibach ist, hat eine weitere Band inspiriert, die sich in der Vergangenheit ebenfalls mit dieser Frage auseinandersetzen musste, nämlich Rammstein. Laibach traten in der langjährigen Geschichten schon auf vielen Touren und Festivals auf – unter anderem auch auf dem M’era Luna und dem WGT.

Wie kommt es jetzt aber, dass eine slowenische Band ein Werk präsentiert, welches nach dem legendären Hauptsitz der Assassinen in Persien benannt wurde und was hat Musik mit einer Messe zu tun, in der es um Bücher geht? Alamut ist der Titel eines 1938 erschienen Buches des slowenischen Autors Vladimir Bartol. Der Roman stellt die Frage nach der wahren Wirklichkeit und Illusion. Er war ursprünglich als sarkastische Kritik an Mussolinis Regime in Italien gedacht. Im Buch geht es um den Herrscher der Burg Alamut, Hassan-i Sabbāh, der als Gründer der Assassinen dargestellt wird. Er macht seine Anhänger durch Haschisch gefügsam und verspricht ihnen das Paradies, in das sie nur gelangen könnten, wenn sie ihm bedingungslos folgen würden. Ein Motiv des Buches, welches eine sehr zentrale Rolle einnimmt, ist der Satz „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt“. Kenner der Assassin’s Creed Reihe werden diesen Satz mit Sicherheit sofort wiedererkennen, denn die Spiele aus dem Hause Ubisoft wurden ebenfalls von diesem Buch inspiriert. Gerade dieses Motiv, quasi schon eine Maxime, beeinflusste maßgeblich Regimegegner und Freiheitskämpfer in Jugoslawien. In diesem Kontext vertonte Laibach den Roman zusammen mit iranischen Komponisten und Interpreten und baute daraus eine multimediale Show. Unterstützt werden sie dabei vom RTV Slovenia Symphony Orchestra, welches hier in Frankfurt vom iranischen Dirigenten Navid Gohardi dirigiert wird.

Der Einlass ist ab 18:30 Uhr, Beginn ist um 20 Uhr am 19.10. in der myticket Jahrhunderthalle Frankfurt. Für die Anfahrt aus Frankfurt empfehlen sich die S1 in Richtung Wiesbaden und die S2 in Richtung Niedernhausen über Höchst bis zur Station Farbwerke, von dort aus kann man bequem in etwa 10 Minuten zur Halle laufen. Weitere Informationen zum Konzert findet ihr hier, der Großteil des Artikels ist jedoch auf Englisch.

Ebenfalls am 19.10. um 15 Uhr wird rund um dieses Konzert eine Diskussionsrunde im Ehrengast Pavillon Slowenien (Forum, Ebene 1) stattfinden. Unter anderem werden hier das Buch Alamut und sein Autor Valdimir Bartol vom Dichter Miran Košuta von der Universität Triest vorgestellt. Die Arabistin und Islamwissenschaftlerin Verena Klemm, die ehemalige Leiterin des Orientalischen Institutes an der Universität Leipzig, wird über die orientalistischen Gesichtspunkte sprechen. Uwe Schütte, der Herausgeber der Abhandlung Gesamtkunstwerk Laibach, wird die Band selbst vorstellen. Weitere Informationen zur Diskussionsrunde sind hier zu finden.

Wir von dark-art.com verlosen im Namen der Batschkapp auf Instagram und Facebook 2×2 Karten für das Konzert am 19.10. Die Teilnahmebedingungen findet ihr dort im jeweiligen Post.

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