Review: Entgeist – Welk

Release: 26.06.2026

Genre: Post-Black Metal

Label: Independent 

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Tracklist:

  1. Am Rande der Finsternis
  2. Gefangen in der Zeit
  3. Auserzählt
  4. Imperfektion
  5. Lethargie weicht Wut
  6. Fatigue
  7. Fassade
  8. Ein Flammenmeer
  9. Verwelkt
  10. Funkenspiel

 

Entgeist aus Heilbronn melden sich mit ihrem zweiten Langspieler Welk zurück. Mit ihrer Mischung aus top produzierten modernen Black Metal und technischen Death Metal Einflüssen. Eine gute Gelegenheit, sich die neue Langrille mal anzuhören. 

Der Einstieg Am Rande der Finsternis kommt direkt und brachial mit allen Trademarks der Band um die Ecke. Melodie trifft auf Dissonanz, abrupte und präzise Breaks treffen auf ballernde Blastbeat-Gewitter und Sänger Tim keift sich verzweifelt und wütend durch das komplexe und technisch anspruchsvolle Songwriting. Ruhig wird es nur selten, und wenn, dann nur als kurze Verschnaufpause vor dem nächsten Sturm. Die Lyrics bleiben während der gesamten Spielzeit des Albums trotz gutturaler Art stets verständlich und bewegen sich wieder vertraut in heiteren Themenfeldern wie Selbsthass, Lethargie, Depression, Angst und der puren Qual der eigenen Existenz. Die Stadt und das Leben in einer solchen ist dabei häufig treibendes Element der Tiraden.  

Zwischen thrashigem Stakkato-Riffing und Breakdown-esken Einschüben kommt spätestens bei Titel Nummer zwei (Gefangen in der Zeit) das starke Gespür der Band für Ohrwurm-Melodien und Hooks zur Geltung, das sich auch auf den vorangegangenen Veröffentlichungen der Band erleben lässt. Diese Riffs setzen sich mit Groove und Versiertheit im Kopf fest und laden zum wiederholten Hören ein.

Dass Entgeist technischen Death Metal nicht ausgrenzen, ist kein Geheimnis. Auserzählt erzählt musikalisch eine schöne Verbindung aus Post-Black Metal und Technischem Death Metal, wobei hier der todesmetallische Ansatz im ersten Drittel des Songs überwiegt, um dann in postige Gefilde abzudriften. Stürmisch überrollt Imperfektion anschließend das hörende Individuum und überzeugt mit schöner Dramaturgie im Songaufbau und einer Narrative rund um Angst und Beklemmung. 

Bei dem herausragenden Lethargie weicht Wut findet das Schlagzeug dann auch mal die Bremse und schafft Raum für sich entfaltende, getragene Riffs, die sich schwer und na ja… lethargisch vorankämpfen, um sich schließlich in einem jähen, zornigen Ausbruch zum Ende des Songs wiederzufinden. Songtitel passt zu Songstruktur? Check. Sehr gelungen!

So ein Wutausbruch kostet Energie und Kraft, also erstmal mit dem Instrumental Fatique durchatmen und sich besinnen. Doch gleich einer rollenden Woche oder der Erbarmungslosigkeit eines zu vollen Schichtplans, währt die Erholung nicht lange und es geht mit Fassade wieder ins Getümmel von Straßenschluchten und der kalten Anonymität der Großstadt. Hier weicht der technische Death Metal Anteil fast komplett den Post-Black Elementen der Musik von Entgeist und hält sich zunächst im Hintergrund.  

So richtig dissonant wird es dann partiell mit dem achten Titel (Ein Flammenmeer). Zwischen musikalischer Spannung und Auflösung werden die Nichtmenschen und das Leben, das einen umgibt angeklagt, das nicht wirklich ein Leben ist und eher ausgebrannt und leer erscheint. Da Entgeist eine Vorliebe dafür entwickelt haben, alle 5 Minuten zu zeigen, wie gut sie ihre Instrumente beherrschen, beginnt der folgende Titel Verwelkt direkt wieder mit einer kleinen Tech-Demo, um sich schließlich in gewohnt musikalisches Post-Gefilde mit Ohrwurmcharakter aufzulösen. Nach ca. 3 Minuten drehen die Jungs das versierte Riffing nochmal richtig auf Anschlag und beeindrucken mit einem tollen Songfinale, das ich mir gleich nochmal anhören musste. 

Der Abschluss der Platte, Funkenspiel, überrascht zu Beginn mit einer düsteren, fast Flamenco-artig in Szene gesetzten Melodie, die dann direkt und gekonnt in modernen Black Metal konvertiert wird, um noch einmal alle Register mit einfließen zu lassen, die Entgeist so ziehen können. Dissonanz trifft auf Melodie, technische Versiertheit auf durchdachtes Songwriting aus Spannungsbögen und Auflösungen. Mit den letzten langsam und eindringlich vorgetragenen Worten zur gescheiterten Menschheit entlässt uns Welk mit einem ausklingenden Blastbeat wieder in unsere eigene Verzweiflung.

Entgeist bleiben sich und ihren vertrauten Elementen mit ihrer neuesten Veröffentlichung weitestgehend treu, sind dabei aber zu keinem Zeitpunkt langweilig oder verbraucht.  Trotz aller runterziehenden Thematiken brodelt hier eine wütende und desperate Energie, die einen packt, herumschleudert, anschreit und erst nach dem letzten Ton wieder loslässt, damit wir direkt nochmal den Repeat-Knopf drücken können. Gerade die auflockernde Abwechslung aus technischen, deathigen Grooves, Breaks und postigen Black Metal Passagen sorgen für eine nichtsdestotrotz tiefsinnige Kurzweiligkeit, die hängen bleibt und die Entgeist wirklich hervorragend auf Platte bannen können.   

 

 

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