Review: Hangover in Minsk – Party Is Over

Release: 16.04.2025

Genre: Depressive Black Metal, Post Black Metal

Spieldauer: 41:01

Label: Independent 

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Tracklist:

  1. Farewell
  2. Drunk Ans Beautiful
  3. Fuck You, My Love
  4. Devil In Me Wants To Dance
  5. The Cow Was Stolen From The Bar (Again)
  6. Morning Mourning
  7. Till Soberness Do Us Part
  8. Party Is Over

 

 

Mit ihrem Debütalbum Party Is Over liefern Hangover in Minsk – das Zweitprojekt der aus Belarus stammenden Formation Dynma Lotva – ein Werk, das sich wie eine durchzechte Nacht anfühlt, in der Melancholie, Absturz, Sehnsucht und Rausch ein tödliches Ballett tanzen. Das Album lässt sich schwer in gängige Genre-Schubladen stecken: Es oszilliert zwischen schwermütigem Rock’n’Roll, elegischem Blues, hypnotischem Post-Metal und schließlich brutaler Black-Metal-Katharsis. Und doch wirkt das Album wie aus einem Guss – ein düsteres Gesamtkunstwerk mit rotem Lippenstift, verlaufener Wimperntusche und dem Klang leerer Gläser.

Schon der Einstieg mit Farewell zeigt exemplarisch die Handschrift des Albums: Der Track beginnt sinnlich, mit rauchigen Gitarrenläufen und einer betörend gefühlvollen Stimme, bevor der Black Metal ohne Vorwarnung mit einem Schrei aus der Hölle einbricht. Der Kontrast ist bewusst hart, der Übergang ungeschliffen – ein Sturz von der Theke ins Leere.

Diese Dynamik zieht sich durch das gesamte Album: Immer wieder kehrt die Band zu ihrem bittersüßen Rock’n’Roll-Ästhetik zurück, lässt sie jedoch kollidieren mit den düsteren Abgründen des Black Metal. Dabei sticht besonders die Stimme der Sängerin hervor – mal schmeichelnd, mal klagend, dann wieder kreischend vor Verzweiflung. Ein Höhepunkt ist dabei Fuck You, My Love, bei dem Gastmusiker Déhà dem Song eine zusätzliche klagende Tiefe verleiht. Der Dialog der Stimmen wirkt wie ein gebrochenes Liebespaar im letzten Streit vor dem Verfall.

Anders als viele Genre-Kollegen verweigern sich Hangover in Minsk jedoch dem reinen Aggressionsventil. Stattdessen dominiert ein gefühlvoller Ausdruck der Verzweiflung, etwa im bluesgetränkten Devil In Me Wants To Dance, das mehr Flehen als Wüten ist. Oder im hymnischen The Cow Was Stolen From The Bar (Again), dessen finale Eskalation in orchestralen Höhen mündet – als wolle man dem eigenen Schmerz mit Pathos begegnen.

Morning Mourning spielt bewusst mit Erwartungen: Sanfte Töne wiegen in Sicherheit, bevor die schwarze Welle wieder alles mit sich reißt. Und auch wenn mit Till Soberness Do Us Part ein kleiner Durchhänger zu verzeichnen ist, weiß der Song dennoch mit seinen verzweifelten Schreien zu berühren.

Das große Finale ist dann der Titeltrack selbst: Party Is Over ist das Herzstück des Albums. Der gesprochene Text von Kim Carlsson schleicht sich wie ein dunkler Gedanke in den Kopf, ehe die Musik in tiefer Schwermut versinkt. Der Übergang in den Black Metal gelingt hier besonders fließend – kein Bruch, sondern eine dunkle Versöhnung.

Party Is Over ist ein Debüt, das mitreißt, verstört und fasziniert. Es fühlt sich an wie der letzte Drink vor dem Zusammenbruch – bittersüß, warm, gefährlich. Das Album lebt von seinen Kontrasten, seinem Mut zur stilistischen Freiheit und der emotionalen Tiefe seiner Interpret*innen. Es ist ein Werk für Menschen, die ihre Musik nicht nur hören, sondern fühlen wollen – in all ihrer Widersprüchlichkeit.

Hangover in Minsk liefern hier nicht nur ein eindrucksvolles Debüt, sondern vielleicht schon jetzt ein Statement: Die Party ist vorbei – aber was danach kommt, ist viel spannender.

 

 

 

Mehr von Hangover in Minsk bei Dark-Art findet ihr hier:

 

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