Am 14. Juni 2026 füllte sich die Posthalle Würzburg mit einer Energie, die sich erst leise andeutete, dann aber stetig wuchs. Die Gespräche wurden dichter, die Schritte zielgerichteter, und man spürte, dass dieser Abend mehr versprach, als nur einen weiteren Tourstopp. Torture Squad eröffneten den Abend mit einem Set, das sofort Fahrt aufnahm: druckvoll, kompromisslos und mit einer Präsenz, die das Publikum schnell aus seiner anfänglichen Zurückhaltung löste. Evil Invaders griffen diese Bewegung auf und verwandelten sie in pure Geschwindigkeit – ihr schneidender Speed‑/Thrash‑Metal brachte spürbar Stimmung in die Halle, ohne den rauen Grundton des Abends zu verlieren. Beide Bands schufen das richtige Maß an Vorfreude auf den Headliner des Abends. Als schließlich die Bühne für Sepultura vorbereitet wurde, lag eine nahezu vibrierende Spannung im Raum.
Beginnen wir aber von vorne.
Torture Squad
Torture Squad sind eine female-fronted Band. Sängerin Mayara „Undead“ Puertas kam auf die Bühne und überzeugte vom ersten Ton an mit ihrem gutturalen Gesang (wie auch André Evaristos Gitarrensoli), und nach anfänglicher Irritation fand ich meinen Respekt, denn die Band holte das Publikum ab – ganz ohne klassische Ansagen, Ausrufe oder Zwischenerzählungen.
Sängerin Mayara brachte dabei ordentlich Dynamik ein: mal headbangte sie, mal posierte mit dem Rücken zur Venue, hielt ihr Mikro in die Menge oder stieg auf die Monitorbox. Mehr „Show“ als diese charismatische Präsenz brauchte es nicht, und die Zuschauer hingen an ihren Lippen. In der Mitte des Sets erzählte sie kurz, dass es für die Band eine Ehre gewesen sei, Teil der Abschiedstournee von Sepultura zu sein, bevor sie dann wieder in die Musik abtauchte.
Death Metal ist nicht mein Wohlfühlgenre und ich bin es eher es gewohnt, viel Action auf der Bühne zu erleben. Dennoch fand ich diese ungewöhnliche, „nur“ musikalische Darbietung zum Ankommen richtig gut, um die Stimmung langsam in die Höhe zu schrauben. Vor allem die Soli des Gitarristen und die Präsenz der Sängerin waren auf jeden Fall sehenswert.
Setlist: Hell is Coming // Buried Alive // Pull the Trigger // Storms // The Beast Within // Raise Your Horns
Evil Invaders
Es gibt Bands, die muss man einfach erlebt haben, auch wenn das Genre nicht unbedingt das eigene Wohlfühlfeld ist. Evil Invaders gehörten an diesem Abend definitiv dazu und machten live richtig Spaß. Nach einer kurzen Umbaupause und einem kurzen Intro startete der Auftritt, und die Musiker stürmten die Bühne.
Sänger Jöe Anus war ein wahres Energiebündel. Zu Beginn und am Ende der Show führte er ein Kunststück vor und stellte sich auf dem Mikroständer um das Publikum anzufeuern mit vollem Erfolg. Optisch wirkten die Musiker wie aus den 80ern entsprungen, musikalisch waren sie klar im Thrash Metal verankert. Die Show lebte von der Attitüde des Sängers und des Gitarristen. Max Mayhem zeigte seine Gitarrensoli und heizte mit Gesten das Publikum weiter an. Nebelsäulen und Pyrotechnik wurden wohldosiert eingesetzt, und man merkte der Band an, wie viel Freude sie hatte: Sie headbangten, wechselten ständig die Positionen auf der Bühne, und lieferten schlicht eine gute Show.
Zu Deepest Black war zunächst nur der Drummer auf der Bühne, bevor die Band zurückkam und das ruhigere Lied einsetzte. Vor allem bei Die for Me kam die Falsettstimme des Sängers am stärksten Sänger hervor. Bei dem Song wurde ein Wall of Death gewünscht und daraus wurde es ein Circle Pit und Crowdsurfer. Die Venue feierte diesen jungen Thrash Metal, der an die alten Zeiten von Manowar und Iron Maiden erinnerte – nur deutlich verjüngt.
Setlist: Feed me Violence // As Life Slowly Fades // Missing in Crescendo // Broken Dreams in Isolation // Mental Penitentiary // In Deepest Black // Sledgehammer Justice // Die for Me // Raising Hell
Sepultura
Die Bühne war dieses Mal zwar bei diesem Sepultura-Auftritt wieder auf zwei Ebenen aufgebaut, aber es wurden im Vergleich zum ersten Teil der Abschiedstour weniger LED‑Backlights verarbeitet – mehr back to the roots. Auf der oberen Stage in der Mitte thronte das Drumset, und vorne tobten sich Sänger Derrick Green, Gitarrist Andreas Kisser und Bassist Paulo Xisto Pinto Jr. aus. Hinter den Drums wurde eine Leinwand aufgezogen, auf der Bildmaterial zu den Songs gezeigt wurde – von meinem Platz konnte ich dieses Mal hiervon allerdings wenig sehen.
Die große Sause startet mit einem Black Sabbat- Song und während des zweiten Introsongs Policia stimmten sich die Fans mit „Sepultura“-Chören ein.
Inner Self startete mit einem klassischen Sepultura‑Drum‑Stakkato. Sänger Derrick kam auf die Bühne und dirigierte die Fans, und wir waren alle sofort dabei. „Hey‑Rufe“ertönten durch die gesamte Posthalle. Derrick dirigierte die Venue nur mit Gesten und die ersten Crowdsurfer waren bei Means to the End unterwegs. Der Song trieb das Energielevel an, und überall – vor und auf der Bühne – wurde gehüpft, gesungen und die Hände in die Höhe geworfen.
Eines meiner Highlights war, als Gitarrist Andreas zu Beginn eines Songs ein Bild malte, nur von Drums und Bass begleitet. Nachdem er fertig war, ging er für sein Solo auf die zweite Ebene. Die Fans sangen die Hooks mit und wurden dabei teilweise von der großen LED‑Leinwand unterstützt. Brauchte man das bei dieser Songauswahl? Eingefleischte Fans sicher nicht.
The Place wurde wieder vom Gitarristen eingeleitet, und er berichtete dem Publikum, warum er Deutschland so liebe: Neben Brasilien seien sie bei uns am erfolgreichsten. The Place war melodisch, getragen von Gitarre, Drums und vor allem dem sehr tiefen Gesang, und wirkte im ersten Moment doch sehr psychedelisch.
Bei dieser Abschiedstour gab es ein paar Songs, die nicht fehlen durften. So auch die Jam‑Session mit der Crew bei Kaiowas, um danach wieder in guter alter Thrash‑Metal‑Manier durchzupreschen.
Persönlich hatte ich ja meinen Respekt vor dem Moshpit, den Crowdsurfern und der richtig gelösten Stimmung – es war einer der ersten heißen Tage, und die Posthalle kochte wortwörtlich, nicht nur wegen der Stimmung. Das sei hier extra erwähnt, da stets entweder ein Pit oder ein Crowdsurfer unterwegs und die komplette Halle on Fire war. „Hey‑Rufe“, Klatschen… Man war einfach nur von Stimmen und Händen umgeben.
Mit Beyond the Dream konnte man noch einmal kurz durchatmen, es wurde ruhiger und man konnte die Baritonstimme von Derrick genießen, bevor es dann in die letzte Runde ging. Territory steigerte die Stimmung bereits, aber bei Refuse/Resist wurden die letzten Reserven mobilisiert und die Menge rastete aus, um mit den fantastischen Drum‑Soli in Ratamahatta überzugehen und mit Roots Bloody Roots ein würdiges Ende zu finden. Leider wurden trotz Zugaberufen keine Zugaben mehr gespielt, die Band blieb aber länger auf der Bühne.
Glücklich, verschwitzt und nach einem wunderbaren Thrash‑Metal‑Abend ging der Weg wieder nach Hause.
Setlist: Policia (Intro) // Inner Self // All Souls Rising // Desperate Cry // Kairos // Means to an End // Attitude // Against // Choke // The Place // Escape the Void // Kaiowas // Dead Embryonic Cells // Slave New World // Beyond the Dream // Territory // Refuse/Resist // Arise // Ratamahatta// Roots Bloody Roots
Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:
- Ankündigung: Sepultura – Celebrating Life Through Death Final Tour
- Konzertbericht: Sepultura Celebrating Life through Death – Offenbach, 31-Oct-2024
- 02.04.2023 Warbringer + Evil Invaders – Ravaging Europe Tour mit Schizophrenia und Mason
- Bericht: Ravaging Europe 2023 Tour im 7er Club, Mannheim. 29.03.23
- Review: Sepultura – SepulQuarta
- Wacken 2018 – Der Mittwoch
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