Konzertbericht: 21.12.2023 Devil May Care – Posthalle Würzburg

Endlich was es soweit: Die Post-Hardcore Truppe Devil May Care wilderte mal wieder in heimischen Gefilden und machte die Posthalle in Würzburg unsicher! Und wenn die Jungs rufen, dann kommen die Besucher. So auch am 21.12.2023, um es kurz vor Weihnachten noch einmal so richtig krachen zu lassen und den Release ihres neuesten Werkes Mandala zu feiern. Mit dabei waren die Saarländer Indecent Behavior und der Singer-Songwriter Erik Stenzel. Ob die Kombi funktioniert hat, erfahrt ihr jetzt hier.

Den Abend durften der Liedermacher Erik Stenzel und seine Begleitung Tatjana Friedrich eröffnen, mit der er zusammen als Duo performt. “Hallo ihr wunderbaren Menschen, wir sind eigentlich Straßenmusiker und dürfen heute hier für euch spielen”, so die Begrüßung der zwei. Als Erstes fiel mir direkt der Gitarrenkoffer auf, der, wie bei Straßenkünstlern üblich, aufgeklappt an der Bühnenkante stand. In dessen Deckel stand, neben seinen Informationen zu Social Media auch der Satz: Wir haben keinen Planeten B! Und wie recht er hat! Gesellschaftskritische Themen, mit dem Augenmerk auf die Klimakrise, das sind die Hauptthemen, die er in seinen Liedern verarbeitet. Davon bekamen wir auch direkt welche dargeboten. Der erste Song handelte von einem Kind und seinem Vater, welche einem Obdachlosen begegnen. Der Papa mahnt das Kind, nicht hinzusehen. Aber genau das ist der falsche Weg. Während Erik sang und die Gitarre spielte, begleitete Tatjana ihn mit der Geige und steuerte auch etwas weiblichen Gesang bei. Hierbei wurde das Instrument sehr geschickt eingesetzt: drängend, intensiver und eindringlicher, oder aber melancholisch und melodisch. Die Geige führte mit der Gitarre zusammen durch die Lieder. Dabei scheuten sich die beiden auch nicht, aktuelle und brisante Themen anzusprechen. Sie wollten die Leute auf Missstände aufmerksam machen und die Menschen mahnen, auch mal über ihren Tellerrand zu schauen und sich an die eigene Nase zu fassen.

Und das Konzept geht meiner Meinung nach auf! Zu jeden Song erzählte Erik eine kurze Hintergrundgeschichte, trotzdem behielten sich beide eine positive Leichtigkeit. Mit der Ansage, dass sie normalerweise nicht vor so vielen schwarz gekleideten Menschen spielen, versuchten sie jetzt auch nicht die Leute aufzuheitern, sondern spielten einen “Angry Song”. Tischlein deck dich ist die Geschichte eines Schweines durch sein “Leben” der Massentierhaltung und des überschwänglichen Fleischkonsums. Bei Der Passagier geht das Boot langsam unter, ohne dass er, oder in dem Fall die Menschheit, es rechtzeitig bemerkt. Zum Schluss gab es noch eine Botschaft mit Maschinenmensch mit auf den Weg: Steig aus deiner Rüstung aus, welche dich gefangen hält und genieße dein Leben. Tu, was dir Spaß macht und lass dich nicht verbiegen. Zumindest war dies meine Interpretation des Liedes. Übrigens kamen die zwei mit Devil May Care auf dem StraMu in Würzburg in Kontakt, da anstatt Geld, dann zwei Tickets für deren Show im Gitarrenkoffer lagen. Mich konnten die zwei komplett überzeugen, und auch sehr zum Nachdenken anregen. Ziel also erreicht! Danke dafür!

Nach einer kurzen Umbaupause ging es in der mittlerweile sehr gut besuchten Halle mit Indecent Behavior weiter. Bevor die Truppe aber die Bühne betrat, bekamen wir erstmal den kompletten Beastie Boys Song Fight for your Right auf die Lauscher. Nach einem langen Intro kamen dann auch die Musiker nach und nach auf die Stage, alle in unterschiedlichen Ugly Christmas Sweatern. Ich hab das schon ziemlich gefeiert! “Wir sind Indecent Beahaviour und bringen euch jetzt etwas Weihnachtsstimmung!”, sprach Sänger Henrik und schob nach: “Auch wenn es f****** heiß in den Dingern hier oben ist!” Wir fühlten mit euch! Aber nichtsdestotrotz legten die Jungs sofort mit Vollgas los und auch das erste Wippen der Zuschauer in der Halle machte sich bemerkbar. Ich hatte zwar das Gefühl, dass sich gerade Henrik zu Beginn noch etwas schwerer tat, aber das verflog ziemlich schnell. Alle, die gerade nicht statisch irgendwo stehen mussten, flitzten umher und drehten sich im Kreis. Und wenn sie die Crowd, egal wo, glücklich sehen, ist das wie Feels like Home. Das nenn’ ich mal eine schicke Überleitung.

Bei dem nächsten Song kam er von der Bühne herunter und stellte sich mitten in die Menschen. Er hatte schon von Devil May Care gehört, dass die Leute hier immer total abgehen und er wollte sich selber davon überzeugen. Dann pickte er sich einen jungen Mann aus dem Publikum und fragte ihn nach dem Namen und erklärte ihm, dass er gleich laufen muss. Henrik winkte die anwesenden Mitarbeiter von Viva con Agua herbei und platzierte sich mit ihnen in der Mitte der entstandenen großen freien Fläche. Ich hab ja schon viel gesehen, Sänger in der Crowd und im Pit eingeschlossen, aber ein Spenden-Circle-Pit war auch mir neu. Alle, die willig waren, sollten ihr Pfand bitte spenden, während um den Stand ein Circle Pit entstand, welcher den kompletten Song über Bestand hatte. Spätestens damit war das Eis gebrochen und die Würzburger gingen weiterhin voll ab und der Sänger war überzeugt. Die Crowd mache wirklich weiterhin bereitwillig alles mit. Springen, moshen, headbangen, auch das in die Hocke gehen und hochspringen bei dem vorletzten Lied, funktionierte großflächig und tadellos. Das war vielleicht mal eine vorweihnachtliche Party, welche die Truppe hier an den Tag legte. Dankeschön!

Zu guter Letzt machten sich dann die Würzburger Devil May Care daran, die Posthalle in Schutt und Asche zu legen. Ab der ersten Sekunde waren die Besucher bereit, alles zu geben. Im Hintergrund stapelten sich wahllos Würfel verschiedenster Größen, welche als Leuchtelemente dienten und in unterschiedlichen Farben von innen heraus erstrahlten. Diese wurden, wie wir später erfuhren, in liebevoller und zeitaufwändiger Handarbeit von Drummer Jo selbst gebaut. Ihr Set starteten die vier mit The Snow, der erste neue Song wurde als drittes gespielt, HIMALAYA ||| seeing death to feel alive. Und wie es sich für eine ordentliche Release-Show gehört, schafften es natürlich auch die noch die restlichen Tracks auf die Setliste. Eine Besonderheit der Vinyl EP ist auch, dass auf der zweiten Seite die Lieder als Pianoversionen aufgenommen wurden. Um auch das gebührend zu würdigen, wurde seitlich rechts von dem Publikum aus gesehen ein Keyboard aufgebaut, zu Beginn erst noch hinter einem Vorhang verborgen. Zu dem Track SHERPA ‡ save our souls wurde es enthüllt und Elisas begann das Lied als ebendiese Piano-Version, während Tim alleine mit ihm den Song performte. Als dann der Vorhang langsam wieder zugezogen wurde, ging das Lied in die normale Metal Version über. Was für eine coole Idee. Die Zuschauer, für die es ab dem ersten Moment des Gigs kein Halten mehr gab, konnten da kurz durchschnaufen und genießen.

Zu Painter durften aber noch zwei andere ran. Felix und Görk, welcher normalerweise hinter der Kamera zu finden ist, waren schon einmal für einen Auftritt eingesprungen und um sich dafür zu bedanken, konnten sie nochmals zusammen auftreten. Als dann wiederum ein ruhigeres Lied angestimmt wurde, sollten sich doch mal alle die sich nahestehen in den Arm nehmen und einfach die Zeit genießen, was auch zahlreich umgesetzt wurde. Die Einleitung zu GURU † god is dead war die gleiche, wie zu SHERPA ‡ save our souls, nur dass diesmal Mara am Piano saß. Auch hier glitt der Track in die normale Version über. Ein Lied über Religionen, welche ja nicht konsequent abzulehnen sind, aber doch bitte jeder friedlich an das glauben darf, was er möchte und nicht die entsprechenden Glaubensgemeinschaften alle gegeneinander aufstacheln.

BISCHOFE, DIE SICH SELBST BEREICHERN UND IHRE RÄUME MIT GOLD ÜBERZIEHEN, WÄHREND SIE EIN LEBEN IN BESCHEIDENHEIT PREDIGEN. SELBSTERNANNTE GEISTIGE FÜHRER, DIE SICH AN IHRER GEFOLGSCHAFT BEREICHERN UND DIE SEHNSUCHT DER MENSCHEN NACH HOFFNUNG UND WEGWEISUNG SCHAMLOS AUSNUTZEN.

ZUSAMMENGEFASST: RELIGION WIRD TAGLICH MISSBRAUCHT, UM GELD ODER MACHT ZU ERLANGEN UND DARF UNSERER MEINUNG NACH NIEMALS DER NÄHRBODEN FÜR SEXISMUS, RADIKALISMUS ODER HOMOPHOBIE SEIN. GOTT WÜRDE IM STRAHL KOTZEN. — Devil May Care

Als Tim dann den als Jesus verkleideten Besucher sah, meinte er nur schelmisch, du hast ja in drei Tagen Geburtstag, wir feiern alle mit dir. Und egal was die Truppe einforderte, es wurde umgehend umgesetzt. Der Moshpit, welcher sich zu Anfang gebildet hatte, blieb den Gig über bestehen und es wurde mehrmals eine doch beachtliche Wall of Death gebildet. Bei MANTRA ≈ Guide Me Into Misery gabs dann erstmal wieder einen Gänsehautmoment, als zu den letzten Zeilen des Liedes, welche sich wie ein Mantra wiederholen, alle Musiker des Abends auf die Bühne kamen und gemeinschaftlich sangen.

And all the memories that are fading were washed away by the rain and echoes from forgotten times from here until the afterlife.

Als Zugabe servierte sie uns den letzten verbliebenen Titel von Mandala, nämlich Karma. Aber damit war es noch nicht zu Ende. Tragedy, von dem 2021 erschienenen Divine Tragedy und Dead Ember von Echoes rundeten den Abend ab. Das Publikum mobilisierte seien letzten Kräfte und gab nochmal alles. Danke Devil May Care für diesen Abriss! Hoffentlich bis bald!


 

Was soll ich sagen…? Für mich hatte diese Kombination an dem Abend etwas ganz Besonderes. Angefangen mit den tiefgründigen Songs von Erik Stenzel, über  Indecent Behavior und dann zum Abschluss noch Devil May Care. Alle drei engagieren sich sozial, zeigen Missstände auf und halten der Gesellschaft einen Spiegel vor. An dem Abend sammelten DMC am Merch für die Menschen im Gaza-Streifen. Der Spenden-Circlepit bei zweiteren war einfach wunderbar und zu sehen, wie viele Menschen ihre Becher spendeten, zauberte mir ein Lächeln in das Gesicht. Letztere in ihrer Heimatstadt zu sehen, ist eh immer ein Highlight. Man merkt jedes Mal die Verbundenheit der Truppe mit ihren Fans. Ich freue mich schon, wenn sie hoffentlich bald wieder einen Gig hier spielen werden. Danke an alle drei Bands für diesen kurzweiligen und tollen Abend!

 

 

 

 

Über Steffi 165 Artikel
Fotografin und Schreiberling. Seit Frühjahr 2022 dabei, angeschleppt wurde ich von Roksi und Matthias, welche mein Interesse an der Konzertfotografie geweckt haben. Ich bin bevorzugt auf kleineren Festivals und Veranstaltungen im Bereich Pagan, Viking und Folkmetal, soweit atmospheric Black Metal und Melo Death unterwegs. Zu meinen Lieblingsbands zählen unter anderem Vanaheim, Cân Bardd und Dark Tranquility

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