Am 5. und 6. Dezember 2025 fand im Berliner ORWO Haus das 11. De Mortem et Diabolum statt. Draußen zeigte sich die Stadt in typischem Dezembergrau, drinnen jedoch versammelte sich die internationale Black-Metal-Gemeinde für zwei intensive Festivaltage. Bands und Besucher*innen aus vielen Ländern kamen zusammen, um diesem festen Bestandteil des Berliner Underground-Kalenders beizuwohnen. Wir von Dark-Art waren an beiden Tagen mit Stift und Kamera vor Ort, um die Eindrücke und Auftritte des Wochenendes festzuhalten.
Ultima Necat
Ultima Necat war die erste Band des Tages, und ihre Bühnenshow wirkte wie ein opulentes Gebilde aus kirchlicher Symbolik: Weihrauchschwenker an den Mikrofonständern, Kerzenständer an den Ecken und eine Marienstatue, umringt von weißen Kerzen, im Zentrum. Hinter dieser prunkvollen Bühnenausstattung verbarg sich ein Auftritt mit minimalistischer Geste. Nachdem der Weihrauch entzündet worden war, begann das Konzert. Es gab keine Begrüßung, keine Ansagen und keine Verabschiedung – nur Musik. Schwerer, träger und wuchtiger Black Metal wummerte durch die von Weihrauch geschwängerte Luft, durchsetzt mit sparsamen, dafür umso eindrucksvolleren Gesangspassagen.
Die Band spielte sich durch ihre gesamte erste EP Fragments of Pain und krönte den Auftritt mit dem noch bisher unveröffentlichten Track Fragment IV. Ein starker Auftakt für den Tag.
Setliste: Fragment I // Fragment IV // Fragment II // Fragment III
Nyrst
Der Auftritt von Nyrst bildete akustisch und visuell einen deutlichen Kontrast zu Ultima Necat. Statt aufwendiger Bühnendekoration trugen die Musiker eindrucksvolle Bühnenoutfits. Ihre schwarzen Gesichtsbemalungen verstärkten den düsteren Ausdruck, während ihre Oberteile aus zerrissenem schwarzen Stoff in Streifen an ihnen hingen und bei jeder Bewegung um ihre Glieder wehten und eine mystische Atmosphäre schufen.
Musikalisch reicherte die Band ihren Black Metal mit einer epischen Note an. Die Melodien erhoben sich erhaben über die Klanglandschaft der Bühne, schwebten langsam und majestätisch durch den Raum. Besonders der kehlig vorgetragene Gesang unterstrich diese Stimmung und verwandelte die Musik in eine erzählerische Skaldensage voller Tragik. Mit ihrem Stück Af Fjarri Ströndum steigerten sie die Spannung Stück für Stück, bis der letzte Ton wie ein Sturm durch den Raum fegte. Die Intensität der Musik, gepaart mit der erhaben-düsteren Atmosphäre verschlug mir den Atem.
Setliste: Vofir Yfir // Obök // Hrimviti // Tuning Pása // Æðri verur // Af Fjarri Ströndum
Vorga
Vorga war für mich ein wahrer Exot im diesjährigen Line-up. Bühnenbild und Outfits waren ganz im futuristischen Science-Fiction-Stil gehalten: Auf der Bühne standen mehrere unterschiedliche Lichtelemente, und im Zentrum thronte ein Pentagramm aus Leuchtröhren. Die Outfits erinnerten mich an Star Trek, während die Bandmitglieder eine Abwandlung des Corpsepaints trugen – geometrische Formen, klare Linien, fast technisch wirkend.
Musikalisch legte die Band ein enormes Tempo vor und trieb das Publikum unaufhaltsam an: Nacken rotierten, Fäuste wurden unter Rufen und Schreien in die Höhe gereckt. Die Lichtelemente folgten der Musik in schnellen, abrupt wechselnden Frequenzen, die zeitweise beinahe stroboskopische Geschwindigkeiten erreichten.
Mich fesselte der Auftritt bis zum letzten Akkord – die Kombination aus Klang, Licht und futuristischer Ästhetik zog mich vollständig in ihren Bann.
Setliste: Voideath // The Sophist // Tragic Humanity // Starless Sky // Last Transmission // The Cataclysm // Magical Thinking
Omegaeternum
Nach der fernen Zukunft wurden die Besucher mit Omegaeternum in die glorreiche Frühzeit des Black Metal zurückversetzt: dreckiges Corpsepaint, ein Patronengurt um die Hüfte und unzählige Killernieten an den Armen. Nicht nur visuell, sondern auch musikalisch kamen Fans des Old-School-Black-Metal bei diesem Auftritt voll auf ihre Kosten.
Die Musik wechselte zwischen infernalischen Ausbrüchen aus kantigen Riffs und zermalmenden Drums sowie langen, dichten Passagen – eine gelungene Mischung aus Death- und Black-Metal-Elementen. So wurde der Auftritt zu einer musikalischen Berg- und Talfahrt, die von tiefschwarzen Abgründen bis hin zu messerscharfen Gipfeln reichte, die sich unaufhaltsam ins Gehör frästen.
Die Crowd verwandelte sich in ein brodelndes Meer aus erhobenen Fäusten, wirbelnden Haaren und lauten Rufen, das die Intensität des Moments eindrucksvoll widerspiegelte.
Setliste: The Endless Quietus // 1248-The Symbols Swallower // The Devious Deceiver // The Outverse Slumber // Warlock (Nehëmah)
ArsGoatia
ArsGoatia hatten für mich den eindrucksvollsten Start des gesamten Festivals. Der Gitarrist, das Gesicht mit noch nassem Blut verschmiert, hielt die Gitarre lässig in der Hand und feuerte ein einzelnes, maschinengewehrschnelles Riff in den Raum.
Unter diesem Stakkato traten Sänger und Drummer – ebenfalls blutverschmiert – an den vorderen Bühnenrand. Die Fotografen drängten sich herbei, ohne zu ahnen, was sie erwartete. Im nächsten Moment spuckten die Musiker eine rote Fontäne in die erste Reihe. Leider stand ich zu weit entfernt und beobachtete voller Neid die armen Schweine, die getroffen wurden und ein grotesker Mix aus Ekel, Glück und Staunen erfüllte mich aufgrund dieses Auftaktes. Musikalisch bot die Gruppe rauen Black Metal, durchzogen von krachenden Rock’n’Roll-Riffs, die die Halle erzittern ließen. Die Crowd wurde von dieser unheiligen Energie erfasst und tobte wie eine einzige, von Raserei getriebene Masse.
Nach dem Auftritt stieg der Drummer von der Bühne in den Graben hinab, ein Weinglas voller Blut in der Hand. Mit einer fast rituellen Ruhe strich er den Besucherinnen und Besuchern in der ersten Reihe die Gesichter ein. Für mich war dieser widerliche und zugleich überraschend intime Moment einer der intensivsten des gesamten Tages. ArsGoatia waren mein unangefochtenes Highlight des diesjährigen De Mortem et Diabolum.
Setliste: In the Veins of the Saints // Empty Eyes Creation // Hunting the Nephilim // When Heresy Repeats Itself // Slay Burn Immollation // Anointing of the Sick // Cunt and Cocaine
Sunken
Nach der infernalischen Party von ArsGoatia schalteten Sunken in puncto Aggressivität deutlich herunter und leiteten den atmosphärischen Block zum Ende des Freitags ein.
Es gab keine aufwendige Dekoration, keine auffälligen Outfits und kein Make-up – nur eine Handvoll Musiker, die ihre Musik für sich sprechen ließen. Blaues Licht und dichter Nebel hüllten die Bühne ein, und aus dem Schleier heraus drangen einzig die schweren Klänge der Instrumente. Die Bewegungen der Musiker, besonders die des Sängers, wirkten im Nebel weich und beinahe behutsam, als würden sie sich vorsichtig durch eine andere, stillere Welt tasten.
Der Black Metal baute sich langsam zu einem dichten, atmosphärischen Gebilde auf. Das Publikum wurde zu einer ruhigen Masse aus nickenden Köpfen, die nach jedem Stück in frenetischen und dankbaren Jubel ausbrach.
Setliste: Din Røst malede Farver i Luften // Og det er Lykke // Når Livet går på Hæld // Dødslængsel
Ellende
Sanftes, harmonisches Klavierspiel eröffnete den Auftritt des ersten Headliners am Freitag. Die Musiker von Ellende traten mit feinen Gesichtsbemalungen auf, deren Linien wie vergiftete Arterien über ihre Haut liefen. Sie griffen das Intro nahtlos auf und führten dessen Stimmung in ihren atmosphärischen Black Metal über – kein harter Bruch, sondern eine elegante Weiterführung. Ihre Musik wirkte wie eine Mischung aus rascherem Atmospheric Black Metal und scharfkantigen Riffs, die dem Gesamtklang zusätzliche Tiefe verliehen.
Der Frontmann LG, mit Knochen behangen und spürbar unruhiger in seinem Ausdruck, bewegte sich wie ein lauerndes Tier über die Bühne. Er durchmaß den Raum zwischen den Bandmitgliedern, trat immer wieder bis an die Bühnenkante heran und untermalte seinen Gesang mit eindringlichen, fast theatralischen Gesten.
Die Besucher des De Mortem Et Diabolum wurden an diesem Abend zweier Premieren: Die Lieder Zerfall und Wahrheit Teil II feierten an diesem Abend ihre Deutschlandpremiere.
Bei ihrem Stück Zerfall wechselte das zuvor klinisch weiße Licht in einen wilden Strudel aus Farben. Die Bühne glühte plötzlich in Rot-, Blau- und Grüntönen, die sich wie pulsierende Nebelschwaden über die Szene legten. Für einen Moment wirkte es, als würde die Musik selbst das Licht formen – ein farbintensiver Höhepunkt, der die ohnehin schon eindrucksvolle Atmosphäre noch einmal verstärkte.
Setliste: Ballade auf den Tod // Freier Fall // Hand aufs Herz // Wahrheit Teil II // Der letzte Marsch // Verachtung // Zerfall // Abschied
Austere
Austere waren der zweite Headliner und der Höhepunkt des atmosphärischen Trios an diesem Abend. Die Band erschuf eine besonders filigrane und zugleich kraftvolle Klangkulisse, bestehend aus langanhaltenden Melodien und geisterhaften Screams. Wie ein schwarzer Sturm legten sich die dunklen Klangschichten über die Bühne und zogen die gesamte Halle in ihren Bann.
Die Besucher*innen standen wie erstarrt im blauen Licht, als hätte die Musik sie für einen Moment aus der Zeit gehoben. Man sah kaum Bewegung im Publikum – nur Aufmerksamkeit, nur Hingabe, nur den Sog der Melancholie, der sich durch den Raum fraß.
Ich war besonders beeindruckt von der Fähigkeit von Timothy James Yatras, aka Sorrow, der an den Drums spielte und ohne Unterbrechung diese intensiven Screams aus sich herauspresste.
Setliste: Sullen // Thrall // Time Awry // Of Severance // Toward the Great Unknown // This Dreadful Emptiness // Just For A Moment
Abduction
Der Auftritt des After-Headliners Abduction war der letzte Höllensturm an diesem Tag. Ein tiefes, überirdisches Intro leitete das Konzert ein, bevor die Musiker es durch wilden, wummernden Black Metal zerschmetterten.
Der Sänger erschien mit seiner weißen Halbmaske, den kleinen Hörnern und den geschwärzten Knochen um den Hals und forderte die Besucher aggressiv auf, sich ein letztes Mal vor der Bühne zu versammeln. Viele kamen diesem Ruf nach, und vor der Bühne wurde es noch einmal richtig eng.
Es war ein letztes, kraftvolles Aufbäumen auf der Bühne. Nach drei atmosphärisch geprägten Bands wirkten die packenden, treibenden Riffs wie eine willkommene Befreiung, und zahlreiche Menschen in der Halle teilten meine Meinung. Einige Besucher in der ersten Reihe benahmen sich wie tollwütige Tiere. Mit emporgestreckten Teufelshörnern heulten sie zur Bühne hinauf und vereinten ihre Stimmen mit den höllischen Screams des Sängers.
Es war seit Langem wieder ein Abschluss, der einem Festivaltag wirklich gerecht wurde – und ich war dankbar, ihn erlebt zu haben.
Setliste: Pyramidia // Blau ist die Farbe der Ewigkeit // Legacy of Sores // Prayer of Electrocution // Razors of Occcam // Truth Is as Sharp a Sword as Vengeance
Bericht: Maximilian
Bilder: Matthias
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