Nach dem intensiven ersten Festivaltag klangen die Eindrücke von den Bühnen, dem Gelände und den vielen Begegnungen noch lange nach. Gleichzeitig freuten wir uns auf den zweiten Tag, der nahtlos an das anknüpfte, was das Festival Mediaval ausmacht. Schon kurz nach dem Einlass zog es uns wieder gezielt zu einem der Programmpunkte, die den Tag von Anfang an prägten.
Mediaval Rock Awards
Mit den Rock Awards lockte uns das Festival schon kurz nach dem Einlass zur Theaterbühne. Dort warteten Dtorn, Lykana und Bosparans Fall auf uns, die jeweils etwa 30-minütige Shows spielten und damit den musikalischen Start in den zweiten Festivaltag gestalteten. Unterschiedliche Bands, unterschiedliche Stimmungen – und doch ganz klar Teil dieses besonderen Festivalgefühls.
Zu diesem Zeitpunkt konnten wir nur spekulieren, wer von den dreien den Rock Award gewinnen würde. Erst am Abend sollten wir erfahren, welche Band die Auszeichnung mit nach Hause nehmen durfte.
Dtorn
Dtorn nutzten ihre Chance beim Rockaward auf der Theaterbühne des Festivals Mediaval in Selb voll aus und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Mit ihrer düsteren, intensiven und zugleich emotionalen Klangwelt schufen sie eine besondere Atmosphäre, die das Publikum schnell in ihren Bann zog. Frontmann Torsten Schneyer zeigte dabei keinerlei Scheu vor Nähe: Immer wieder begab er sich mitten unter die Zuschauer, suchte den direkten Kontakt und durchbrach bewusst die Distanz zwischen Bühne und Publikum. Diese Offenheit wirkte ansteckend – die Menschen ließen sich mitreißen, bewegten sich zur Musik und begannen schließlich zu tanzen.
Lykana standen als zweite Band des Tages auf der Theaterbühne und legten direkt los. Maskiert und visuell auffällig präsentierte sich die Band mit ihrem direkten Mix aus Folk und Metal. Kleinere technische Probleme wurden schnell und souverän behoben, ohne dass der Fluss der Show verloren ging. Klare Gitarren, kraftvolle Rhythmen und mythologisch inspirierte Texte fesselten das Publikum und sorgten dafür, dass die Atmosphäre sofort mitging.
Bosparans Fall bildeten den Abschluss des Rockawards. Ein als Magier verkleideter Bandbegleiter führte das Publikum in die Welt der Band ein. Mit einem alten Buch in der Hand las er eine Geschichte vor, während er so tat, als würde er sie mit einer rauchenden Feder direkt ins Buch schreiben. Schon während die Band zu spielen begann, wurde stellenweise Nebel eingesetzt, der die Musik eindrucksvoll unterstrich und die mystische Stimmung des Auftritts noch verstärkte.
Mit ihrem speziellen Aussehen zogen sie sofort Aufmerksamkeit auf sich und machten die Bühne zu ihrer eigenen. Die Sängerin, auch Todesfee genannt, und der Schlagzeuger mit seinem imposanten Irokesen prägten das Bild auf der Bühne maßgeblich. Auch musikalisch wussten Totentanz Strumpfsockig zu überzeugen und zeigten, warum sie im vergangenen Jahr den Rock Award gewonnen hatten. Besonders spannend war die Vorstellung von zwei neuen Liedern, die bisher noch nicht veröffentlicht waren. Mit Muse und Dr. Rabe gaben sie einen ersten Einblick in neues Material, das neugierig machte und vom Publikum aufmerksam verfolgt wurde.
Während die Musik auf den Bühnen begann, konnte auf dem Gelände auch schon einiges entdeckt werden. Im Konvent der Stimmen startete der Tag mit einer Gesprächsrunde, gefolgt von einem Trommelkreis. Kurz bevor es auf der Schlossbühne weiterging, begann im Literaturzelt die erste Lesung über das gemeinsame Werk „Die Minen – Der Blutsturm“ von Bernhard Hennen, Mira Valentin und Sam Feuerbach. Später tauchten Valentin und Feuerbach noch einmal für eigene Lesungen im Literaturzelt auf, während Christian von Aster direkt im Anschluss sein Programm gestaltete.
50 Jahre und immer noch Spaß auf der Bühne
Weiter ging es zur Burgbühne zu An Erminig, die ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum feierten. Schon beim Auftritt fiel auf, wie vielseitig die fünf Bandmitglieder waren, da jeder mehrere Instrumente spielte und die Bühne mit ihren Klängen füllte.
Besonders lebendig wurde der Auftritt, als ein bretonischer Tanz erklärt wurde. Viele Besucher ließen sich davon anstecken und tanzten bereitwillig mit, lachten und genossen die spielerische Verbindung von Musik und Bewegung. Zwischendurch scherzte die Sängerin charmant, dass sie es in 50 Jahren von der Schülerband zur Rentnerband geschafft hätten – ein humorvoller Blick auf ein halbes Jahrhundert voller Musik, Energie und Leidenschaft. Der Auftritt wirkte wie eine kleine Reise in eine andere Welt und zeigte, wie Musiktradition lebendig halten und gleichzeitig Gemeinschaft schaffen kann.
Auf dem Weg zurück zur Schlossbühne legten wir einen kurzen Zwischenstopp an der Theaterbühne ein, um Sören Vogelsang mit Band zu sehen. Vogelsang zogen die Besucher sofort in seinen Bann. Vor der Bühne war es entsprechend voll, und die Menschen sangen mit und tanzten ausgelassen zu seinen Liedern. Mit seinen lustigen und gleichzeitig kritischen Songs, seiner kraftvollen Stimme und charmanten Bühnenpräsenz sorgte er für eine lebendige, mitreißende Stimmung, die das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute fesselte.
Auf dem Weg zur Schlossbühne begegneten wir immer wieder wandernden Künstlern, darunter Lydia Buonfino, die majestätisch als dreizehnte Fee mit schwarzen Schwingen über das Gelände schwebte und mit ihrem Auftritt die Fantasie der Besucher anregte. Kinder fanden sie dabei sowohl faszinierend als auch ein wenig gruselig, was ihre Erscheinung noch eindrucksvoller machte.
Mittelalterrock mit einer Portion Steampunk aus der Oberpfalz
Weiter ging es auf der Schlossbühne mit Deus Vult aus Amberg. Die Band brachte ihre Mischung aus Mittelalter- und Rockelementen auf die Bühne und fügte sich damit stimmig in das Programm des Festivals ein. Zwerg, der Sänger, fiel dabei sofort durch seine imposante Erscheinung auf und stand klar im Mittelpunkt des Geschehens. Die Musiker bezogen das Publikum immer wieder mit ein und interagierten sowohl miteinander als auch mit den Zuschauern vor der Bühne. Vor der Bühne herrschte eine lebendige Stimmung, viele blieben stehen und ließen sich auf den Auftritt ein.
Für uns ging es diesmal wieder auf direktem Weg zur Burgbühne, um Heiter bis Folkig zu sehen. Auf dem Weg dorthin konnte man jedoch auch einige Besucher beobachten, deren Weg sie zur Hafenbühne führte, um dort die bereits erwähnte Lydia Buonfino zu sehen, die eine etwa 45-minütige Show zeigte.
Heiter bis Folkig spielten ihre Show in gewohnter Qualität. Mit dem ein oder anderen Überraschungsgast auf der Bühne und einer großen Vielfalt an Instrumenten wurde der Auftritt besonders abwechslungsreich. Jeder Song hatte seine eigene Farbe, mal verspielt, mal feierlich, und zog die Besucher unmittelbar in den Bann. Die Band schaffte es erneut, die Energie auf das Publikum zu übertragen, sodass viele einfach stehen blieben, zuhörten und die Musik sichtlich genossen.
Auf der Schlossbühne folgte nun die Letzte Instanz. Trotz der kühleren Temperaturen hatten sich viele Besucher eingefunden, die gespannt auf den Auftritt warteten. Die Band füllte die Bühne mit ihrer Mischung aus rockigen und melodischen Passagen. Immer wieder tauschten die Musiker Blicke und Gesten, die Energie sprang direkt auf das Publikum über. Gitarren, Schlagzeug und Streicher wechselten fließend. Die Performance war intensiv, voller Energie und zog alle in ihren Bann.
Die Bands, die wir am Morgen auf der Theaterbühne sehen durften – Dtorn, Lykana und Bosparans Fall – wurden nun zur Verleihung des Rock Awards gerufen und noch einmal kurz vorgestellt. Zur nun etwas späteren Stunde war noch mehr Interesse geweckt, welche der drei Bands 2026 auf einer der großen Bühnen spielen würde. Nach etwas Hin und Her wurde der Goldene Zwerg auf die Bühne getragen – zunächst verdeckt, doch darauf war schon das Ergebnis zu lesen. Am Ende konnte Bosparans Fall das Publikum und die Jury gleichermaßen überzeugen und sich den Rock Award sichern.
Ein paar ruhige Klänge
Nun führte unser Weg zu QNTAL. Die Band verbindet elektronische Klänge mit mittelalterlichen Melodien und schafft damit einen atmosphärischen Dark-Folk-Sound. Die Show war ruhiger und deutlich romantischer als die bisherigen Auftritte des Tages. Zwischen sanften Gesangspassagen und getragenen Melodien entstand eine fast magische Stimmung, die das Publikum in eine andere Welt entführte. Die Kombination aus mittelalterlichen Instrumenten, elektronischen Untertönen und der klaren Stimme der Sängerin verlieh der Performance eine intensive, aber gleichzeitig nachdenkliche Atmosphäre.
Auf dem Weg zurück zur Schlossbühne, um uns den letzten Act des Tages anzusehen, gab es für uns noch einen kurzen Zwischenstopp in der „Fressmeile“, um uns noch einmal zu stärken. Die Stände waren noch gut besucht, und auch die Tische und Bänke, die hier aufgestellt waren, waren gut gefüllt. Nachdem wir ein paar Minuten bei unserem ausgewählten Speisenhändler angestanden hatten, ging es direkt weiter zur Schlossbühne, um Wind Rose zu sehen.
Die Italiener haben sich mit epischem Zwergen-Metal einen Namen gemacht, der Power-Metal, Folk und symphonische Elemente vereint. Auffällig waren die detailreichen Kostüme der Band, die die Geschichten ihrer Lieder noch lebendiger wirken ließen. Mit Songs wie Diggy, Diggy Hole und ihren epischen Melodien zog die Band das Publikum sofort in ihren Bann. Die Lieder erzählten Abenteuer, Heldenmut und Fantasiewelten, während die Zuschauer gebannt zuhörten und sich von der kraftvollen Performance mitreißen ließen.
Für uns war damit heute der Festival-Tag zu Ende. Wer jedoch noch etwas weiter feiern wollte, konnte sich einen Teil der Show von The Longest Johns anschauen oder sich zu den Autoren Focke, Aster und Koch ins Literaturzelt gesellen, um sich mit Gruselgeschichten den Abend zu versüßen.
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