Konzertbericht: Tanzt! Festival 2025

Am 15. November luden MRW Concerts und die Band Vroudenspil ins Backstage München zur 17ten Ausgabe des Tanzt! Festivals ein. Das Indoor-Festival hat in den vergangenen Jahren Bekanntheit innerhalb der Szene erlangt und zeigt jedes Jahr alte und neue Bands aus dem weitläufigen Mittelalter und Folk Bereich, sowie Mittelalter Rock und Folk Metal Bands, die in diesen Rahmen passen. Für 2025 war wieder ein bunter Abend geplant mit sieben Bands: Remember Twilight, Vogelsang, Vermaledeyt, The Trouble Notes, Tanzwut, Vroudenspil und Letzte Instanz.

 

Remember Twilight

Der Tag begann mit einem kleinen Stolperstart: Remember Twilight hatten technische Probleme und mussten ihr Set verspätet beginnen. Doch statt sich davon aus der Ruhe bringen zu lassen, nahmen die Musiker die Situation mit Humor – ein Zeichen dafür, dass hier wirklich live gespielt wird. Die erste Hälfte des Konzerts war akustisch angelegt, wobei das Cello an diesem Abend fehlte. Besonders eindrucksvoll war die Unterstützung von Teddy (Tales of Nebelheym), der mit einer gefühlvollen Version von Hallelujah für einen der stillsten und zugleich bewegendsten Momente des Konzertabends sorgte. Das Publikum sang leise mit, was der Szene eine fast intime Atmosphäre verlieh. Danach wechselte die Band zu einen lauteren, rockigeren Part – ein Experiment, das sie so noch nicht probiert hatten. Mit Verdammnis folgte ein Song über Vampire, jedoch wahrscheinlich keine glitzernden, trotz „Twilight“ im Namen. Der rockige Part der Show kam beim Publikum besonders gut an und zeigte, dass Remember Twilight trotz kleiner Pannen einen guten Eindruck machen konnten.

Setliste: Das Amulett // contre la liberté // Gedächtnisplast // zu real // Hallelujah // Verdammnis // Ich suche Gott // Todestechnologie // Weiten zu entdecken // K. O.

Vogelsang

Nach kurzer Verzögerung übernahm Vogelsang die Bühne. Sören Vogelsang dürften viele noch vom Duo Das Niveau kennen; wer jedoch glaubte, dass es sich bei Vogelsang um ein ähnliches Projekt handeln würde, hatte sich gewaltig geirrt. Vogelsang zeigte sich als lustiger, sympathischer Nerd, der seine Musik liebt und lebt, mit ehrlichen Texten, handgemachtee Musik und einer kleinen Kapelle, die das gleiche Ziel verfolgt: Spaß haben und Freude bringen.  Nach dem Einstand mit Vergöttert & Verdammt zeigte sich schnell, dass die Band noch einiges mehr zu bieten hat; mit Optimus Prime wurden gleich fröhliche Melodien angestimmt, bei Nerd wurden zahlreiche popkulturelle Referenzen eingebunden. Nachdem das Publikum mit Vogelsang und Vogelsang mit dem Publikum warm war, ging es mit einem herzhaften „Das heißt Tanzt!-Festival und nicht Steht-rum-und-guckt-euch-ein-Konzert-an-Festival – also tanzt!“ und Tanz weiter, einem Stück von Metusa, das vor einigen Jahren über so manchen Markt dröhnte. Ein sehr spezifischer Song war zudem Kalsarikännit, was übersetzt bedeutet „sich alleine in Unterhosen zu betrinken“. Sehr spezifische Begriffe können auch die Finnen, und Vogelsang verstand es, auf Basis dessen ein ganzes Lied zu schreiben. Ein wunderbar abwechslungsreicher, lustiger und tanzbarer Auftritt!

Setliste: Vergöttert & Verdammt // Optimismus Prime // Nerd // Burschen, Burschen // Tanz (Metusa Cover) // Kalsarikännit // Fick dich // Glaukler // Zwei // Irgendwann zu spät

Vermaledeyt

Die Rückkehr von Vermaledeyt war einer der emotionalen Höhepunkte des Abends. Nach über einem Jahrzehnt Pause standen die Musiker wieder gemeinsam auf der Bühne – und es fühlte sich an, als wären sie nie weg gewesen. Mit Wieder vereint eröffneten sie ihr Set und setzten ein klares Zeichen. Gleich danach kam auch schon das ‚Euphorium‘ zum Einsatz: eine Holzratsche, die ein nerviges Geräusch machte und das Publikum zum Jubeln bringen sollte, und die den Abend immer wieder in Einsatz kam. Stücke wie Son Ar Chistr, das im Grunde die Ur-Version von Was wollen wir trinken ist, oder Tri Martolod wurden mit spürbarer Leidenschaft gespielt und vom Publikum lautstark gefeiert. Die Ballade Fear a’ Bhàta verwandelte das Backstage-Werk in ein Meer aus Lichtern, während Vivianne alles aus ihrem Stimmvolumen herausholte, und das war eine Menge! Mit Feuer und Flamme endete das Set nach 45 Minuten. Hoffentlich sieht man Vermaledeyt wieder öfter! 

Wieder vereint // Tanzt! // Tri Martolod // Mirie It Is // Vem kan segla // Schildmaid // Frei Sein // Son Ar Chistr // Fear A‘ Bhàta // Feuer und Flamme

The Trouble Notes

Als Ersatz für Coppelius traten The Trouble Notes auf – ein progressives World-Folk-Trio, das ohne Gesang auskommt und dennoch eine enorme Energie entfaltet. Mit Geige, Gitarre und Schlagzeug schufen sie ein instrumentales Storytelling, das durch starke Tempowechsel und dynamische Arrangements das Publikum recht schnell fesselte und es auch zum Tanzen brachte. Ein spontanes Intermezzo mit einem Percussion-Gast von Vogelsang verlieh dem Set zusätzliche Dynamik. Gesangliche Elemente tauchten schließlich in Form von rhythmischen „Na Na Na“-Melodien auf, die das Publikum sofort aufgriff. Neben der Musik zeigten The Trouble Notes auch Haltung: Mit ihren Shirts unterstützen sie wohltätige Zwecke im Form von SOS-Kinderdörfern und verbreiteten die Botschaft „More violins, less violence“. Ihr Auftritt war ein unerwartetes und spannendes Erlebnis. Zum Schluss schickte die Band noch schnell eine On-Stage Video an den verletzten Sissi Voss. 

Tanzwut

Die Tanzwut ist zurück, auch beim Tanzt! im Backstage München, nach immerhin 3 Jahren. Die Band um Teufel hat in der Zwischenzeit ihre Jubilare gefeiert und ein neues Album veröffentlicht, ein guter Anlass, um das Tanzt! wieder zu beehren. Diesmal mussten sie jedoch den Platz als Headliner des Festivals für die Letzte Instanz räumen, doch dazu später mehr. Die Band um Teufel hatte ein solides Set mitgebracht aus alten und neuen Stücken, die ab Ton Eins absolut gefeiert wurden. Auch wenn die Band anscheinend kleinere technische Schwierigkeiten hatte, tat sie alles, um es sich nicht anmerken zu lassen. Das Publikum sang mit, klatschte und ließ die Hände bei Bis zum Meer zu Wellenwogen werden. Mit weiteren beliebten Stücken wie Freitag der 13 und Puppenspieler ging es mit guter Stimmung weiter, hier fiel auch wieder ein Hinweis darauf, dass Tanzwut selbst als Puppenspieler unterwegs sind. Mit Narziss und Pack ließ die Band die Stimmung nochmal ordentlich hochkochen, bevor der Auftritt dann kurz darauf mit Hymnus Cerberi seinen Höhe- und Endpunkt erreichte. Tanzwut war an dieser Stelle im Line-up perfekt eingesetzt, ihre Musik verlieh den nötigen Druck, um das Publikum am Ball zu halten.

Intro / Feuer in der Nacht // Neues Spiel, Neues Glück // Achtung Mensch // Bis zum Meer // Freitag der 13 // Noch eine Flasche Wein // Puppenspieler // Narziss // Pack // Gerücht // Wir sind uns wieder // Hymnus Cerberi

Vroudenspil

Täglich grüßt das Murmeltier, jährlich grüßt Vroudenspil! Die Band begleitet ein jedes Tanzt! Festival und kann nicht nur die Bühne ordentlich füllen (immerhin sind sie mit 8 Mann/Frau die personalstärkste Band des Abends), sondern da ist instrumental auch so einiges los: Akkordeon, Saxophon, Dudelsack, Klarinette, Querflöte, Schalmei, Percussion, Schlagzeug, Gitarre, Bass,… hab ich etwas vergessen? Nach dem kollektiven Aufwachen bei Ewiger Traum zu Beginn legten sie mit der Pestpockenpolka direkt ein gutes Tempo vor, das das Publikum ordentlich das Tanzbein schwingen ließ. Die Band hatte 2024 mit Schattenuhr ein Album herausgebracht, das bereits auf dem letztjährigen Tanzt! Festival gefeiert werden konnte. Damals noch mit beiden Sängern an Bord, musste Ratz diesmal alleine singen. Mit Knochensack, Püppchen und Vampirat wurden natürlich so einige Klassiker der Band ausgepackt. Gegen Ende des Sets spielte sich die Band rückwärts durch ihre Diskografie, eine grandiose Idee, die sehr gut aufgenommen und gefeiert wurde.

Intro // Ewiger Traum // Pestpockenpolka // Knochensack // Dattelschnarrps // Puppchen // Vampirat // Eintausend Seelen // Hinter dem Meer // Spuren im Sand // Bis zum Hals // Schattentänzer // Kaleidoskop // Rebellion // Plankentango // Küss mich // Rausch der Sinne

Letzte Instanz

Zu guter Letzt, Letzte Instanz. Man muss schon sagen, dass das gesamten Festival ein leichter Schleier der Trauer und Schwere begleitete. Denn dies sollte die letzte Festivalshow und das insgesamt drittletzte Konzert dieser Band werden. Nach fast 30 Jahren entschied man sich dazu, dieses Projekt abzuschließen. So stand das gesamte Jahr unter dem Motto „Ein letztes Jahr Letzte Instanz“, ein Jahr, bei dem die Band nochmal in die Vollen ging und präsent war wie schon lange nicht mehr. Und schon während Für immer und ewig das Set eröffnete, kullerten die ersten Tränen im Publikum. Klassiker wie Maskenball sang die Menge im Grunde fast alleine, und bis auf ein paar Korrekturen von Sänger Holly in einer Perfektion, die ihresgleichen sucht. Eine Besonderheit an dem Abend war zudem, das Ingo Hampf (Subway to Sally) an der Gitarre aushalf, da Gitarrist Bernie an diesem Termin verhindert war. 

Die Setlist zog sich durch die Diskografie der Band, von den frühen Tagen bis zu der heutigen Instanz. Ein Spektrum, das die Fans an verschiedenen Stellen abholen konnte. Insbesondere Lieder wie Das schönste Lied der Welt oder Wir sind eins brachten das Publikum nicht nur in die absoluten Stimmungs-, sondern auch in absolute Gefühlshöhen. Angesichts des Endes der Band sind Zeilen wieDer Vorhang fällt, die Lichter gehen aus, ein letzter Applaus„stark emotional aufgeladen, sodass man sich über den tosenden Applaus dazu nicht wundern braucht. Nach Komm, das nochmal ordentlich Tempo schuf, ging es mit Entzündet die Feuer emotional weiter. In der Ansage zum Stück sprach Sänger Holly über die gesellschaftliche Kälte, die uns heutzutage begegne und forderte das Publikum auf, aufeinander zuzugehen und ein gutes Miteinander zu führen; eine Aussage die mit Applaus belohnt wurde. Noch einmal zum Schluss führte nochmal zu absoluter Emotionalität im Publikum, es wurden bei dem Song auch Zettel mit dem Bandlogo in die Höhe gehalten und man ließ den Gefühlen freien Lauf. 

Ein würdiger Abschied, ein würdiges Ende.  Nach der Show nahm sich die Band noch einiges an Zeit für die Fans für Fotos, Autogramme und Gespräche. 

Intro – Für immer und ewig // Maskenball // Flucht ins Glück // Kalter Glanz // Krieg // Der Garten // Das schönste Lied der Welt // Wir sind eins // Von Anfang an // Finsternis // Komm // Entzündet die Feuer // Medley – Geigenstück – Egotrip // Trommelsolo – Vorstellung – Rapunzel // Noch einmal // Outro (Instrumental)

 

Für 2026 wurde das Tanzt! Festival bereits bestätigt, am 14.11.2026 geht es weiter mit der 18 Ausgabe des Festivals. Wir sind gespannt! 

Bericht: Roksana
Bilder: Matthias, Roksana

 

Mehr vom Tanzt! bei Dark-Art findet ihr hier:

 

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Über Roksi 628 Artikel
Roksana Helscher, Fotografin und Redakteurin. Seit 2016 bei Dark-Art dabei, ein Teil der Chefredaktion und das Mädchen für alles. Seit meinen ersten Konzertfotografie-Gehversuchen in 2011 bis heute unterwegs und versuche das Geschehen auf großen und kleinen Bühnen zu dokumentieren.

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