Konzertbericht: Versengold – Eingenordet, Tempodrom Berlin, 17.04.2026

Mit ihrer Eingenordet Tour 2026 gingen Versengold am 17. April 2026 auch in Berlin vor Anker. Kaum ein Ort hätte für diesen Tourstopp passender wirken können als das Tempodrom im Herzen der Hauptstadt. Die markante Halle, die mit ihrer großen Arena fast wie ein modernes Amphitheater wirkt, verbindet ihre eindrucksvolle Größe mit einer Nähe zum Geschehen, die selbst auf den weiter entfernten Plätzen nie ganz verloren geht. Dazu zeigte sich auch das Wetter an diesem Abend von seiner freundlichsten Seite. Sonnenschein und milde Temperaturen sorgten schon vor dem Einlass für beste Bedingungen, um entspannt vor der Halle auf den Konzertabend zu warten. Dass sich die Türen dann bereits kurz nach 18:15 Uhr und damit etwas früher als ursprünglich angekündigt öffneten, kam den Wartenden zusätzlich entgegen und ließ den Abend spürbar früher in Bewegung geraten.

The Trouble Notes

So begann die Reise durch diesen Abend nicht erst mit dem Headliner, sondern schon deutlich früher. Um 19:15 Uhr betraten The Trouble Notes die Bühne und erwiesen sich schnell als weit mehr als nur ein kurzer Auftakt. Die internationale Formation brachte vom ersten Moment an eine ganz eigene Energie mit ins Tempodrom, die sich weniger über große Ansagen als über Atmosphäre, Bewegung und Intensität transportierte. Aber gleich die erste Begrüßung des Publikums wurde aus der Menge heraus mit einem deutlich hörbaren “Lauter!” quittiert, woraufhin an der Technik tatsächlich nachgeregelt wurde. Ein kleiner Moment, der sofort zeigte, dass Berlin an diesem Abend nicht nur zuhören, sondern sich auch einbringen wollte.

Spätestens mit Sands of Time hatte das Trio dann die Halle endgültig auf seiner Seite. Die Nummer wirkte stellenweise beinahe orientalisch und lenkte Das Set dadurch früh in eine ganz eigene Richtung. Im Publikum begann man schon bald, im Takt mitzuklatschen, und obwohl der Auftritt nur wenige Songs umfasste, entwickelte sich schnell das Gefühl, dass The Trouble Notes die Aufmerksamkeit des noch ankommenden Publikums mühelos bündelten. Auch Solospire, das vom neueren Material der Band stammt, fügte sich passend in dieses kurze, aber wirkungsvolle Set ein und unterstrich, wie gut die Band ihre Mischung aus instrumentaler Virtuosität, Folk-Einflüssen und rhythmischer Energie auf die Bühne bringt.

Vor dem vierten und letzten Song richteten sich die Musiker dann noch einmal direkt an das Publikum, bedankten sich für das frühe Erscheinen und ebenso bei Versengold für die Möglichkeit, auch bei den nächsten drei Konzerten mit dabei sein zu dürfen. Das eigentliche Ausrufezeichen setzten The Trouble Notes dann aber mit ihrem finalen Song. Vor allem der Geiger spielte sich mit einer solchen fanatischen Hingabe in den Moment hinein, dass man dabei zusehen konnte, wie nach und nach die Haare seines Bogens rissen. Gegen Ende hingen große Teile davon nur noch lose herab und lieferten ein wunderbar wildes Bild für einen Auftritt, der in wenigen Minuten genau die richtige Mischung aus Virtuosität und Leidenschaft entfaltete. Danach verabschiedete sich die Band noch einmal, machte auf ihren Shirtverkauf zugunsten einer Charity-Aktion aufmerksam und hinterließ trotz kurzer Spielzeit einen bemerkenswert starken ersten Eindruck.

Setlist: Liberty Awaits // Sands of Time // Solospire // Virexium

Kupfergold

Nach einer, mit rund zwanzig Minuten angenehm straffen, Umbaupause ging es bereits weiter. Während sich Innenraum und Ränge des Tempodroms Stück für Stück weiter füllten, übernahmen Kupfergold die Bühne und brachten eine spürbar andere, aber nicht weniger wirkungsvolle Stimmung in den Abend. Wo The Trouble Notes zuvor eher über Atmosphäre und instrumentale Intensität kamen, setzten Kupfergold stärker auf Charme, Direktheit und eine gute Portion augenzwinkernden Humors. Genau diese Mischung funktionierte vom Fleck weg. Die Band wirkte präsent, spielfreudig und nahbar.

Nach dem zweiten Song folgte die offizielle Begrüßung des Publikums. Flint machte deutlich, wie sehr man sich freue, in Berlin zu sein, und setzte direkt zu einer jener lockeren, leicht frechen Moderationen an, die den Auftritt zusätzlich belebten. Berlin sei schließlich eine progressive Stadt, immerhin habe man hier jetzt die erste Fußball-Cheftrainerin. Von dort war es nur noch ein kleiner Schritt zu einem augenzwinkernden Seitenhieb auf die lokale Fußballrivalität. Mit der Frage, ob sich mehr Union- oder Hertha-Fans in der Halle befänden, wurde kurz und mit sichtlicher Freude auf der innerberlinischen Feindschaft herumgeritten. Das funktionierte erwartungsgemäß bestens und lockerte die Stimmung in der Halle noch einmal spürbar auf.

Musikalisch blieb der Auftritt von Kupfergold genau in ihrem Metier. Beim dritten Stück zog Gitarrist Eric zusätzlich ein Kazoo hervor und verlieh der Nummer damit eine weitere verspielte Note. Bei Der Klügere kippt nach wurde die Halle dann aktiv in den Refrain eingebunden, was auf Anhieb funktionierte und zeigte, dass Kupfergold das Tempodrom inzwischen fest auf ihrer Seite hatten.

Einen stimmungsvollen Gegenpol dazu bildete später Lichtermeer. Hier forderte die Band das Publikum dazu auf, die Handytaschenlampen einzuschalten, und tatsächlich verwandelte sich die Halle in ein kleines, flackerndes Meer aus Licht. Gerade solche Wechsel machten den Auftritt von Kupfergold so rund. Sie funktionierten als Anheizer nicht nur deshalb, weil sie Energie brachten, sondern weil sie innerhalb ihrer knappen Spielzeit mehrere Stimmungen bedienen konnten, ohne den roten Faden zu verlieren. Mit Koboldkeilerei wurde es zum Abschluss noch einmal ausgelassen und turbulent, bevor sich die Band bereits verabschiedete und sich noch einmal ausdrücklich für die großartige Stimmung bedankte.

Setlist: Fasan Alarm // Kupfer und Gold // Und ’n Tripper // Muschelbusen // Der Klügere kippt nach // Lichtermeer // Koboldkeilerei

Versengold

Für den Headliner wurde die Bühne anschließend zunächst von einem Vorhang verdeckt. Dahinter wurde bereits sichtbar und hörbar mit Hochdruck gearbeitet, während die Spannung im Saal spürbar weiter anstieg. Als der Vorhang dann pünktlich zum Setbeginn fiel, war sofort klar, dass Versengold auch optisch keine halben Sachen machen würden. Das Bühnenbild griff den maritimen Geist der Tour auf den ersten Blick auf und übersetzte ihn in eine Szenerie, die fast wie ein Bühnenbild aus einem Seefahrermärchen wirkte. Mittig auf der Bühne ragte der Bug eines Bootes empor, auf dessen erhöhter Position Schlagzeuger Sean thronte. Drumherum lagen dicke Taue und Fischernetze verteilt, während auf dem Backdrop eine riesige Windrose prangte. Damit war schon in den ersten Sekunden klar, dass die Band an diesem Abend nicht einfach nur Songs spielen, sondern ihr Publikum mit auf eine eigene Fahrt nehmen wollte.

Mit Der Tag mag kommen eröffneten Versengold ihren Auftritt druckvoll, energisch und mit genau jener Präsenz, die eine Halle wie das Tempodrom vom ersten Moment an greifen kann. Bereits am Ende des Openers wurden die ersten Pyros gezündet und verliehen dem Einstieg zusätzlichen Nachdruck. Überhaupt zeigte sich früh, wie eng bei Versengold Musik, Bühnenbild und Showmomente ineinandergreifen. Die Band weiß sehr genau, wie sie ihre Songs live in Bilder übersetzen kann, ohne sich darin zu verlieren.

Ein besonders schönes Beispiel dafür lieferte Der Tag, an dem die Götter sich betranken. Passend zum Song wurde ein riesiger Ball, gestaltet wie die Erde, ins Publikum geworfen und sorgte damit nicht nur für Bewegung in der Menge, sondern auch für einen jener Momente, in denen Bühne und Saal auf sehr unmittelbare Weise miteinander verbunden wurden. Auch Krug voll Mondenschein und Feuergeist bekam eine eigene Atmosphäre. Die Lichter wurden gedimmt, auf der Bühne wurde ein Lagerfeuer entzündet und tauchte die Szenerie für einige Minuten in eine warme, intime Stimmung. 

Über den gesamten Abend hinweg gelang dieser Wechsel zwischen ausgelassener Feier, hymnischer Wucht und ruhigeren, atmosphärischen Momenten bemerkenswert mühelos. Das Set wirkte dadurch nie wie eine lose Aneinanderreihung beliebter Nummern, sondern vielmehr wie eine bewusst zusammengestellte Reise durch verschiedene Stimmungen.

Einen besonders schönen Bruch zur großen Hauptbühne bildete dabei der Mittelteil des Konzerts. Für Verliebt in eine Insel, Erde und Dans op de Deel verließen Malte, Florian und Daniel die Hauptbühne und wechselten auf eine kleine Plattform mitten in der Halle beim FoH. Damit rückten sie dem Publikum ganz unmittelbar auf den Leib und schufen für einige Minuten eine andere, deutlich intimere Energie, ohne dass das Konzert dadurch an Größe eingebüßt hätte. Gerade dieser Teil des Sets lebte von seiner Nähe und seiner charmanten Improvisationsfreude. Bei Dans op de Deel wurde augenzwinkernd bedauert, dass man es leider nicht geschafft habe, standesgemäß einen Traktor mitzubringen. Violinist Florian ließ sich stattdessen auf einer Box durch das Publikum in Richtung Bühne schieben und ersetzte so die fehlende landwirtschaftliche Gerätschaft kurzerhand. Es sind genau solche Momente, die ein Konzert besonders machen, weil sie lebendig, unmittelbar und angenehm nahbar wirken.

Auch Klopapier bekam eine eigene kleine Inszenierung spendiert. Statt der sonst üblichen Konfettikanonen wurden hier lange weiße Papierstreifen in die Halle geschossen, mit dem augenzwinkernden Kommentar “Wir haben ja genug davon!”. Versengold verstanden es an diesem Abend sehr überzeugend, große Hallenbilder und verspielte Einzelmomente so miteinander zu verknüpfen, dass beides nebeneinander bestehen konnte. Mit Kobold im Kopp endete schließlich der reguläre Teil des Sets. Dabei bekamen die Bandmitglieder ihre grünen Hüte verpasst, während Bühne und Licht in ein einheitliches Grün getaucht wurden und das Tempodrom noch einmal in einen letzten ausgelassenen Taumel geriet. 

Für die Zugabe kehrten Malte und Eike noch einmal mitten ins Publikum zurück, wobei Bassist Eike auch für beide abschließenden Songs dort blieb. Dadurch bekam gerade der letzte Abschnitt des Konzerts noch einmal einen besonders nahen, beinahe gemeinschaftlichen Charakter.

Nach Butter bei die Fische war der offizielle Schlusspunkt des Abends erreicht. Ganz ohne Nachhall entließen Versengold ihr Berliner Publikum aber dennoch nicht. Beim Abgesang gab es noch ein kleines musikalisches Dankeschön für das Kommen, verbunden mit dem augenzwinkernden Hinweis, man könne sich ja noch ein Stück Versengold mit nach Hause nehmen. Der Wink in Richtung Merchstand war dabei ebenso deutlich wie charmant und passte bestens zu der Art, mit der die Band den gesamten Abend über mit ihrem Publikum umging. Es war kein distanziertes Verabschieden, sondern eher das Ausklingen einer gemeinsamen Fahrt.

Setlist: Der Tag mag kommen // Klabauterfrau // Der Tag, an dem die Götter sich betranken // Solange jemand Geige spielt // Die halbe Welt // Falscher Leuchtturm // The Devil is a Barmaid // Krug voll Mondenschein // Feuergeist // Niemals sang‑ und klanglos // Verliebt in eine Insel // Erde // Dans op de Deel // Hey Hanna // Eingenordet // Klopapier // Thekenmädchen // Haut mir kein’ Stein // Kobold im Kopp (Outro: Bullet in My Head) 
Zugabe: Ein Fass voller Wein // Butter bei die Fische

Als sich das Tempodrom danach langsam leerte, warteten draußen noch immer milde Temperaturen, und viele Besucherinnen und Besucher verließen die Halle mit sichtlich zufriedenen Gesichtern. Versengold hatten in Berlin nicht einfach nur ihre aktuelle Tour präsentiert, sondern einen Abend geschaffen, der in sich geschlossen wirkte. Einer, der von den ersten Takten von The Trouble Notes über den charmanten Auftritt von Kupfergold bis hin zur großen, maritim aufgeladenen Show des Headliners eine klare Dramaturgie besaß. Am Ende blieb vor allem der Eindruck eines Konzerts, das seine Bilder nicht bloß zeigte, sondern mit Leben füllte und genau darin lag an diesem Abend seine größte Stärke.

 

Bericht und Bilder: Andreas Sperl

Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:

Schreibe den ersten Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*