Am 9. April startete der fünfte Tourblock der Eingenordet Tour von Versengold im fast ausverkauften Schlachthof Wiesbaden. Beginn war um 20 Uhr, und bereits zum Opener war es sehr voll. Das war an einem Donnerstagabend nicht unbedingt zu erwarten, ist aber natürlich immer schön für die Vorbands.
Kupfergold mit eigenem Kobold
Den Start des Abends machte „die andere Band mit Gold“ – nicht die mit den „goldigen Versen“, sondern die mit der chemischen Verbindung, bestehend aus Cu und Au, oder auch einfach Kupfergold. Okay, genug der Plattitüden, konzentrieren wir uns auf den Auftritt. Wobei Kupfergold ja für ihre humoristischen Auftritte bekannt sind. Und das haben sie auch wieder geliefert, angefangen mit dem Titeltrack ihres letzten Albums, Fasan Alarm, samt seinen „Gurrugurru“-Rufen. Die waren sogar vereinzelt im Publikum zu hören waren, was zeigte, dass durchaus ein paar Fans anwesend waren – denn nur Insider kennen den Ruf des Fasans. Weiter ging es mit ihrem Bandlied, Kupfer und Gold, gefolgt von ihrem bekanntesten Lied Und ’n Tripper. Zwischen den beiden Songs bekam Flint Stone kurze Redezeit, denn für ihn war es ein besonderer Auftritt. Wieso? Nun, er kommt aus Wiesbaden, also spielte er quasi in seinem Wohnzimmer. Er erzählte, dass er vor ein paar Jahren nie gedacht hätte, dass er mal in der Halle vom Schlachthof auftreten würde. Spätestens hier war dann zu merken, dass nicht nur vereinzelt Fans anwesend waren, sondern durchaus einige, da er ausgiebig gefeiert wurde. Es gab auch immer wieder laute „Kupfergold! Kupfergold!“ Rufe aus dem Publikum. Was die Band sichtlich beeindruckte und Eric dazu brachte, anzumerken, dass sie dies so noch nicht erlebt hätten auf der Tour. Doch alsbald kam es dann zum letzten Lied, denn „Versengold will viele Lieder spielen“. Hierzu erzählte Eric noch eine kurze Geschichte. Und zwar hätte Malte von Versengold ihn vor dem Auftritt angerufen und mitgeteilt, dass der Kobold aus seinem Kopf abgehauen sei und dringend nach Ersatz gesucht werde. Praktischerweise hat Kupfergold einen eigenen „Kobold“ im Gepäck, den sie mit seinem Kessel zunächst crowdsurfen schickten, bis er dann in der Mitte der Zuschauer zu Boden gelassen wurde für eine Koboldkeilerei. Dies war dann auch der Abschluss des Auftrittes und unter großem Jubel ging Kupfergold dann von der Bühne.
Setlist Kupfergold: Fasan Alarm // Kupfer und Gold // Und ’n Tripper // Muschelbusen // Der Klügere kippt nach // Lichtermeer // Koboldkeilerei
Versengold bringt das Boot an Land
Aufgrund eines Vorhangs vor Bühne konnte bei der nächsten Band erst mal keiner sehen, was auf der Bühne passiert. Los ging es dann mit einem perfekten Intro Lied, Feuer und Der Tag mag kommen. Hat es schon das Album Eingenordet eröffnet, ist es auch prädestiniert für die Eröffnung von einem Versengold-Konzert: energiegeladen und gleich mal den Weg nach vorn zeigend. Mit Klabauterfrau ging es ähnlich weiter: Die Menge tobte, tanzte und hatte gute Laune. Geht ja auch nicht anders bei dem Lied. Doch dann verließen die Reise erst mal Eingenordet und es ging ein paar Jahre zurück ins Nordlicht und Der Tag an dem die Götter … sich betranken. Und während vorne gespielt wurde, trugen Mitglieder der Crew eine große Weltkugel auf die Bühne und legten sie auf eine Säule ab. Eine Säule, die dann nach vorn geschoben wurde, damit Malte die Welt ins Publikum schlagen konnte, wo diese dann gehörig durchgeschüttelt wurde und immer wieder nach vorn kam, nur, um direkt wieder ins Publikum gefeuert zu werden. Ein großer Spaß, der dann auch noch während Solange jemand die Geige spielt weiter ging. Im Anschluss ging die Reise weiter in Richtung Band-Vergangenheit und es folgte das erste Lied mit etwas Melancholie . Die sollte es an diesem Abend durchaus mehrmals geben, doch war es zu diesem Zeitpunkt schnell mit der Melancholie vorbei: Es kamen zwei weitere Eingenordet Lieder, bevor zum ersten Mal auf Englisch gesungen wurde bei The Devil is a Barmaid. Noch mal ein Lied über Bar, Bier und eine schöne Frau hinter der Theke. Nochmal alles raushauen, bevor es dann richtig nachdenklich wurde. Mitten auf der Bühne wurde ein Lagerfeuer angezündet und selbiges war die letzte Lichtquelle in der Halle, während ein Lied über das Vergängliche und das Zusammensein erklang. Ein absoluter Gänsehautmoment, welcher auch bei den Zuschauern für die eine oder andere Träne gesorgt hat.
Der Feuergeist bringt Feuerwerk mit
Feuergeist war eine schöne Überleitung zurück in den bewegteren Teil des Abends. Es fing langsam und leise an, wurde dann immer schneller und dann gab es auch Feuerwerk auf der Bühne, das am Anfang von Niemals sang und klanglos in einem Konfettiregen gipfelte. Es folgte die Erklärung, wieso direkt vor der Technik eine kleine Bühne mit Mikros stand: Durch eine Gasse im Publikum machten sich Malte, Daniel und Florian auf den Weg zu dieser „Insel“, in welche sie verliebt wären. Und zu(r) Erde, die Florian dazu brachte, seine Geige gegen ein Keyboard zu tauschen. Alle guten Dinge sind ja drei, daher wurde auch Dans op de Deel noch auf der kleinen Bühne angestimmt, bevor Florian auf einer kleinen Kiste durch die Menge zurück zur Hauptbühne fuhr. Wer dachte, es könne nicht gesteigert werden, lag falsch. Ein „Hai“ kam bei Hey Hanna auf die Bühne und tanzte von Musiker zu Musiker, bis er dann auch wieder verschwand. Gerudert wurde auch, und mit Klopapier geschossen. Klopapier, welches dann von der Decke hing.
Nach dem Thekenmädchen wurde es persönlich. Malte erzählte von der Geschichte zu Haut mir kein Stein. Ein Lied, das nach einem schweren Autounfall entstand, in den er verwickelt war und den er als einziger Insasse im Auto überlebte. Der zweite Gänsehautmoment des Abends, der gleichzeitig richtig berührte und zum Nachdenken brachte. Aber lange gab es dann nicht zu trauern, denn als Nächstes wurde der Kobold im Kopp herausgelassen. Der Song ging, begleitet durch T-Shirt wirbeln der Fans, in Kobold in the head über, begleitet durch viel Pyro, abgerundet mit einem lauten Knall zum Schluss und einer leeren Bühne.
Menschenmeer zur Zugabe
Lange dauerte es aber nicht, bis Versengold zurückkamen, wobei Malte und Eike in der Mitte der Zuschauer auf einer kleinen Miniinsel auftauchten. Es folgte ein ganz weiter Rückblick in die Anfänge der Band – 20 Jahre sind vergangen, seitdem Ich und ein Fass voller Wein das Licht der Welt erblickte. Florian stand zu diesem Lied vorne auf dem Schiff vor Sean und hatte seine Geige gegen eine Mandoline getauscht. Die Fans wurden aufgefordert, zu schunkeln, um das Meer darzustellen. Und auch weiter hinten im Raum aus gesehen sah es bei den vielen stehenden Menschen, welche sich alle im Takt bewegten, wirklich wie ein Meer aus. Malte schien vom Menschenmeer so abgelenkt zu sein, dass er sich prompt zur zweiten Strophe versang, abbrach, kurz meinte „Oh, ich habe mit der falschen Strophe angefangen“, um dann den richtigen Text zu singen. Ein Glück war es ein Lied, welches solch ein versingen sehr verzeiht. Oder war es mit Absicht? Man wird es wohl nie erfahren. Aber eigentlich auch egal, es führte zur Erheiterung und passte einfach rein. Zum Schluss wurde noch mal Klartext gesprochen, oder wie man in Norddeutschland sagt, Butter bei die Fische. Noch mal Tanz und Spaß, bevor dann der A-cappella Abgesang kam und die Fans mit glücklichen Mienen nach Hause schickte. Bis zum nächsten Versengold-Konzert, mit Fröhlichkeit, Freude, Melancholie, der Klarstellung, dass rechtes Gedankengut scheiße ist und einfach einer schönen Zeit in einer Konzerthalle mit den sechs Nordlichtern. Oder einem Besuch der Nacht der Balladen.
Setlist Versengold: Der Tag mag kommen // Klabauterfrau // Der Tag an dem die Götter // Solange jemand Geige spielt // Die halbe Welt // Falscher Leuchtturm // The Devil is a Barmaid // Krug voll Mondenschein // Feuergeist // Niemals sang und klanglos // Verliebt in eine Insel // Erde // Dans op de Deel // Hey Hanna // Eingenordet // Klopapier // Thekenmädchen // Haut mir kein Stein // Kobold im Kopp … Kobold in the head // Ich und ein Fass voller Wein // Butter bei die Fische // Abgesang
Bericht & Bilder: Thomas
Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:
- Konzertbericht: Versengold – Eingenordet, Tempodrom Berlin, 17.04.2026
- Konzertbericht: Versengold – Eingenordet Tour, Stadthalle Fürth, 10.04.2026
- Ankündigung: Versengold – Eingenordet Tour 2026
- Konzertbericht: Eisheilige Nacht in Würzburg, 27.12.2025
- Konzertbericht: Eisheilige Nacht 2025 – Potsdam
- Konzertbericht: Kupfergold – Fasan Alarm Tour, Nachtleben Frankfurt, 27.11.2025
- Konzertbericht: Kupfergold – Fasan Alarm Tour, Cafe Central Weinheim, 14.11.2025
- Festivalbericht: Rockharz, Donnerstag den 03.07.2025
- Bilderbeitrag: Metal Fight Club Part 2 – Finale – Würzburg
- Festivalbericht Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) – Samstag in Speyer
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