Festivalbericht: Rockharz – Mittwoch, 01.07.2026

Es war wieder Zeit für das Rockharz! Rockharz? Was ist Rockharz?  Jedes Jahr Anfang Juli versammelen sich zehntausende schwarz gekleidete Metal-Fans im Schatten der Teufelsmauer nahe Ballenstedt im Harz, um gemeinsam eine riesige Party zu feiern.

Nach einem heftigen Regenschauer am Mittag war der Boden zwar stellenweise aufgeweicht, von den legendären Schlammmassen anderer Festivals jedoch noch weit entfernt. Pünktlich vor dem Auftakt riss der Himmel auf und strahlender Sonnenschein begleitete die ersten Konzerte des Tages und bot einen perfekten Start in vier  Tage voller Metal.

Gleich neun Bands standen am Mittwoch auf dem Programm und sorgten bereits zum Festivalbeginn für ein beeindruckend abwechslungsreiches Line-up: Vom familienfreundlichen Heavy Metal von Heavysaurus, über die melancholischen Klangwelten von Harakiri for the Sky, den epischen Folk Metal von Ensiferum bis hin zur düsteren Atmosphäre von Paradise Lost, bis hin zum großen Headliner Helloween bot der erste Festivaltag eine musikalische Reise durch verschiedenste Facetten des Metal.

Natürlich waren auch wir von Dark-Art mit Stift und Kamera vor Ort, um dieses außergewöhnliche Festival für euch festzuhalten. Viel Spaß mit unserem ersten Bericht vom diesjährigen Rockharz!

 

Heavysaurus

Eröffnet wurde das Musikprogramm mit einem ganz besonderen Act: Heavysaurus brachten zu Beginn des Tages ihr einzigartiges Konzept aus kindgerechtem Heavy Metal auf die Bühne. Harte Gitarrenriffs und hämmernde Drums trafen dabei auf Texte über Dinosaurier, Freundschaft und Kaugummi.

Damit auch die eigentliche Zielgruppe voll auf ihre Kosten kam, wurde erstmals in der Geschichte des Festivals ein Bereich vor dem Wellenbrecher abgesperrt und ausschließlich für Kinder und Jugendliche freigegeben. Zusätzlich zu den Kindern der Besucher waren hierfür Kinder aus den Schulen und Kindergärten der Umgebung eingeladen. Die Eltern konnten das Geschehen entspannt von außerhalb der Absperrung verfolgen, während die Kleinsten ungestört vor der Bühne abrockten. 

Doch nicht nur die Kinder sorgten für gute Stimmung. In der Nähe der Bühne hatte sich eine Gruppe Besucher*innen in Dinosaurierkostümen versammelt und feierte ausgelassen ihre ganz eigene Party.

Frontmann Mr. Heavysaurus rundete den Auftritt mit viel Charme und Witz ab. Zwischen den Liedern erzählte er humorvolle Anekdoten, lockerte das Publikum mit witzigen Sprüchen auf und animierte Groß und Klein zu den klassischen Heavy-Metal-Gesten. Den krönenden Abschluss bildeten die Klänge des bekannten Jurassic Park-Themas, die das Konzert ausklingen ließen. Heavysaurus sorgten damit für einen ebenso ungewöhnlichen wie unvergesslichen Auftakt des diesjährigen Rockharz.

Soulbound

Die Modern-Metal-Band Soulbound gehörte zu den Wiederholungstätern im diesjährigen Line-Up, denn sie hatte bereits vor zwei Jahren die Dark Stage an einem der Festivaltage eröffnet.

Nachdem die jüngsten Besucher*innen musikalisch auf ihre Kosten gekommen waren, durften sich nun die Erwachsenen den etwas härteren Klängen widmen. Die Zeiten, in denen nur rund 100 Menschen bei den ersten beiden Bands des Tages vor der Bühne standen, waren längst vorbei. Inzwischen versammelten sich bereits zu den ersten Acts mehrere Tausend Besucher*innen. Vor der Rock Stage stand eine beeindruckende Menschenmenge, um Soulbound zu erleben.

Die Band spielte einen spannenden Mix aus Industrial Metal und Neuer Deutscher Härte. Griffige Riffs und harte Melodien wurden dabei immer wieder durch Synthesizer ergänzt. Gesanglich erinnerte mich der Stil an andere Vertreter der Neuen Deutschen Härte: kräftiger, sehr aggressiver Klargesang, der stellenweise einen anfeindenden oder befehlenden Unterton hatte.

Soulbound war bereits zuvor auf dem Festival aufgetreten, und schon damals hatte die Band die Besucher*innen für sich gewinnen können. Der große Andrang vor der Bühne zeigte, dass dies auch diesmal wieder gelungen war. Somit konnte Soulbound einen weiteren erfolgreichen Auftritt für sich verbuchen.

Harakiri for the Sky

Mit Harakiri for the Sky hielt schließlich auch ein Vertreter des Post-Black-Metal Einzug auf die Bühne. Dieses Genre, generell auch Black Metal ist generell ein Exot, mit wenigen Vertretern im diesjährigen Line-Up, brachte aber eine erfrischend neue Stimmung auf das Festival.

Die Szenerie des Festivals wirkte beinahe surreal: Unter strahlendem Sonnenschein blickten unzählige Besucher*innen, einige sogar in fantasievollen Kostümen, gebannt zur Bühne und verfolgten die intensive Performance von Sänger JJ. In den ersten Reihen flogen die Haare beim Headbangen, und selbst das Einhorn neben mir nickte bedächtig im Takt der Musik.

Frontmann JJ streifte mehrfach mit dem um seinen Arm geschlungenen Mikrofonkabel über die Bühne. Dabei verkörperte er die unterschiedlichsten Facetten negativer Emotionen, von Wut über tiefe Trauer bis hin zu einer fast greifbaren Ohnmacht gegenüber den eigenen Gefühlen. Es war faszinierend, diese eindringliche Performance unter dem hell leuchtenden Bandlogo zu beobachten. Einer der stärksten Auftritte für mich und das bereits früh am Mittwoch.

The Haunted 

Nach dem schweren, dichten Post-Black-Metal von Harakiri for the Sky wurde es Zeit, die Crowd wieder ordentlich in Bewegung zu bringen und The Haunted waren dafür die ideale Wahl. Die schwedische Band sorgte mit ihrem Thrash Metal, der immer wieder von Elementen des Melodic Death Metal durchzogen wurde, für frischen Schwung auf dem Festivalgelände.

Die bis dahin aggressivste Musik des Tages ließ tausende Fäuste in den Himmel schnellen, und schon nach kurzer Zeit bildete sich ein kleiner, aber äußerst energiegeladener Circle Pit. Es war der erste Circle Pit des Festivals und diese Auszeichnung hatten sich The Haunted mehr als verdient.

Die direkte Sonneneinstrahlung, die ich beim Auftritt von Harakiri for the Sky noch als störend empfunden hatte, passte hier perfekt zur Atmosphäre. Es war ein beeindruckender Anblick, wie die Musiker ihre Instrumente am Bühnenrand spielten, während sie von der Nachmittagssonne angestrahlt wurden. Dadurch entstand eine erhabene und leicht epische Szenerie, die sich für mich visuell ideal in die Klanglandschaft einfügte.

The Haunted erwiesen sich als eine weitere hervorragende Wahl für das diesjährige Rockharz.

Ensiferum 

The Haunted hatten das Feuer der Leidenschaft entfacht, doch Ensiferum schmiedeten aus dieser Glut ein Schwert aus purer Epik!

Die finnischen Musiker benötigten nur wenige Akkorde, um die Crowd in Bewegung zu versetzen und danach gab es kein Innehalten mehr. Von der ersten bis zur letzten Minute herrschte eine packende Energie vor der Bühne .

Ich sah geschwenkte Fäuste, erhobene Teufelshörner, Poolnudeln und aufblasbare Lichtschwerter, die im Takt der Musik durch die Luft wirbelten. Mitten in der Crowd entstand ein Circle Pit, der noch deutlich größer war als zuvor, und die ersten Crowdsurfer des Tages ließen nicht lange auf sich warten. Dabei handelte es sich nicht nur um einzelne Personen, sondern gleich um ganze Gruppen mutiger Besucher*innen, die über den Köpfen der Menge getragen wurden. Elegant wurden sie um den Circle Pit herumgereicht, bevor sie schließlich von den Grabenschlampen sicher aufgefangen wurden. Das von uns hochgeschätzte Team vor der Bühne bewahrte dabei einen kühlen Kopf und fing jede Person routiniert ab, die ihnen entgegengetragen wurde.

Über dieser Szenerie spielte Ensiferum eine epische Hymne nach der anderen. Die neuen Lieder unterschieden sich klanglich deutlich von den älteren Stücken, etwa von In My Sword I Trust, mit dem die Band das Konzert beendete. Die neuen Songs besaßen einen spürbaren Power Metal-Einschlag, was unter anderem an Pekka Montin und seinem Keyboardspiel lag. Zudem übernahm er beim ersten Lied den Leadgesang und überzeugte mit seinem kräftigen Klargesang.

Ich fand diese musikalische Weiterentwicklung spannend, und Ensiferum ließ meine Kriegerseele hell auflodern.

Paradise Lost 

Langsam dämmerte es über dem Gelände des Rockharz, und auf der Bühne standen mit Paradise Lost die nächsten musikalischen Schwergewichte. Die englische Band, deren Wurzeln im frühen Death- und Black Metal lagen und die im Laufe ihrer Karriere zu einem der Wegbereiter des Gothic Metal geworden war, brachte eine ganz besondere Atmosphäre auf das Festival.

Eine Band mit einer derart langen Geschichte verfügte natürlich über eine beeindruckende Diskografie. Zwischen den einzelnen Liedern wechselten Paradise Lost mühelos von schwermütigen, beinahe erdrückenden Kompositionen mit kehligen Screams zu Stücken mit zarten Melodien und hohem, klarem sowie kraftvollem Gesang. Es war beeindruckend, wie viel musikalische Abwechslung die Band in einem einzigen Auftritt präsentierte.

Diese Band erdete die Stimmung nach den energiegeladenen Konzerten zuvor und schuf damit den perfekten Übergang. Gerade diese ruhigere, melancholische Atmosphäre ließ die anschließenden Auftritte der beiden kommenden Bands umso eindrucksvoller wirken.

Black Label Society 

Black Label Society wurde 1998 von Zakk Wylde gegründet, seines Zeichens damals Gitarrist von Ozzy Osbourne. Mit diesen Erfahrungen und Wissen gründete er seine eigene Band, welche seit fast 30 Jahren sich an die Spitze des Metals emporgearbeitet hat.

Der Groove Metal mit Einflüssen von Heavy Metal war für mich eine ganz besondere Erfahrung! Die langen Gitarrensoli von Zakk Wylde waren akustisch ein Genuss. Abgerundet wurde es durch die Bühnendekoration am Mikrofonständer. Das Objekt wurde erhöht auf einen Block gestellt, mit menschlichen Schädeln behangen und durch ein Holzkreuz samt Jesusdarstellung gekrönt. Wenn Zakk mit seiner Gitarre auf dem Block stand und in dieses behangene Mikro sang, bekam ich vor lauter Epik eine Gänsehaut!

Musikalisch war Black Label Society einer der stärksten Auftritte des Tages und vielleicht des gesamten Rockharzes 2026.

Helloween

Dann wurde es Zeit für den Headliner des ersten Tages: die deutsche Power Metal-Legende Helloween! Der Auftritt war in vielerlei Hinsicht eine Superlative – selbst für das Rockharz. Bis dahin hatte keine Band an diesem Tag so viele Besucher*innen auf das Infield gelockt, und keine andere Band hatte eine derart aufwendige und visuell beeindruckende Bühnenshow geboten. In den folgenden Zeilen werde ich euch zeigen, welche Ausmaße dieser Auftritt annahm.

Abertausende Besucher*innen standen vom Wellenbrecher bis weit hinter den Technikturm. Zum Glück für die Menschen in den hinteren Reihen waren erstmals an der Rückseite des Turms große Bildschirme installiert worden. So konnten auch sie die Show live verfolgen und mussten nicht lediglich auf winzige Gestalten in der Ferne blicken.

Für den Auftritt war statt einem Backdrop eine riesige Videoleinwand aufgebaut worden, ähnlich wie im Vorjahr bei Powerwolf. Darauf wurden kurze, animierte Sequenzen abgespielt, die die einzelnen Lieder visuell begleiteten. Immer wieder erschien eine große Gestalt mit lilafarbenem Umhang, deren eingespielte Sprachpassagen teilweise die Übergänge zwischen den Songs übernahmen. Gemeinsam mit weiteren Lichteffekten, darunter die leuchtenden Bandlogos am Schlagzeug, entstand so eine beeindruckende visuelle Inszenierung.

Die beiden Sänger Andi Deris und Michael Kiske, der bereits vor den 2000er-Jahren Mitglied der Band gewesen war und seit 2016 wieder zur Besetzung gehörte, sorgten mit ihrer sympathischen Art für beste Unterhaltung. Eine ihrer Aussagen war allerdings nicht ganz korrekt: Sie behaupteten, Helloween würden zum ersten Mal auf dem Rockharz spielen. Tatsächlich war die Band bereits 2014 Teil des Festival-Line-Ups gewesen.

Helloween lieferten eine eindrucksvolle Krönung des ersten Festivaltages und legten die Messlatte für die kommenden Headliner ausgesprochen hoch.

Steve’n’Seagulls

Das Rockharz bietet seit vielen Jahren traditionell noch ein oder zwei Bands nach dem Headliner. Am Mittwoch fiel diese Rolle der finnischen Band Steve’n’Seagulls zu und ihr Auftritt gehörte zu den schrägsten Momenten, die ich in der Geschichte des Rockharz je erleben durfte.

Das Konzept der Band bestand darin, bekannte Songs der 80er- und 90er-Jahre,  unter anderem von Iron Maiden, AC/DC, Nightwish oder Kansas, neu zu interpretieren. Dafür setzten sie auf Akustikinstrumente wie Banjo, Akkordeon, Akustikgitarre, Schlagzeug und Keyboard und verwandelten legendäre Rock-, Hardrock-, Metal- und Popsongs in einzigartige Folk-Versionen.

Die Besucher*innen erwiesen sich als ausgesprochen textsicher und sangen Klassiker wie Thunderstruck, The Number of the Beast oder Carry On Wayward Son lautstark mit. Besonders das Stück von Kansas war für mich das persönliche Highlight des Auftritts.

Steve’n’Seagulls lieferten einen ungewöhnlichen, unterhaltsamen und zugleich beeindruckenden Abschluss des ersten Festivaltages auf dem Rockharz 2026.

Fazit

Damit endete der erste Festivaltag des Rockharz. Trotz der anfänglichen Regenschauer war der Mittwoch ein voller Erfolg. Zahlreiche beeindruckende Auftritte, unter anderem von Black Label Society, Helloween und den von mir besonders gefeierten Steve’n’Seagulls, machten den Tag zu einem gelungenen Auftakt. Gleichzeitig zeigte die Running Order mit ihrer großen stilistischen Bandbreite, dass das Festival für Fans unterschiedlichster Metal- und Rockgenres etwas zu bieten hatte.

 

Bericht: Nori
Bilder: Roksana

Natürlich waren wir auch an den folgenden drei Festivaltagen wieder mit Stift und Kamera vor Ort, um sämtliche Highlights für euch festzuhalten:

Mehr zum diesjährigen Rockahrz findet ihr hier:

 

Frühere Beiträge zum Rockharz findet ihr hier:

 

Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:

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