Sonntagabend in Köln, die Stadt pulsiert, am Vormittag fand noch eine Queer-Demo statt, die Kölnmesse baut schon langsam für die gamescom auf, und nur einen Katzensprung davon entfernt, im Gebäude 9 fand ein Konzert statt. Miracle of Sound sind diesen Sommer wieder unterwegs. Das Projekt des irischen Sängers und Multiinstrumentalisten Gavin Dunne steht erst seit dem vergangenen Jahr mit einer kompletten Band auf der Bühne und hat diesen Sommer zwischen ihre Handvoll Festival-Shows zwei exklusive Headlinershows dazwischen gepackt. Die erste davon in Köln ein weiteres Konzert folgt in Salzburg. Aber zurück nach Köln:
Konzertbeginn
Wenn man das Gebäude 9 im Kölner Stadtteil Mülheim mal gefunden hatte, sah man eine Schlange vor der Venue. Die Besucher strömten langsam und entspannt ein und machten sich für das Konzert bereit. Im Saal angekommen, begrüßte einen ein kleiner, kuscheliger Club der in etwa 400–500 Leute fassen konnte und eine hübsche, hohe Bühne. Die Wartezeit wurde mit einigen Gaming Soundtracks wie aus Skyrim oder Witcher und ein paar Rock/Metal Songs unter anderem von Feuerschwanz und Sabaton vertrieben.
Kurz vor 20 Uhr erstrahlte die Bühne rot und Nebel füllte die Bühne. Ein wenig darauf ertönte das Intro, welches rasch vom Stagehand abgebrochen wurde, denn die Band stand noch nicht bereit. Das Publikum reagierte mit Lachen und Zugabe-Rufen und nach wenigen Minuten ging es dann auch tatsächlich los und die Musiker betraten die Bühne.
Party und stickige Luft
Mit Deceiver zu Beginn des Sets setzte man die Stimmungs-Messlatte relativ hoch und die Band konnte langsam warm laufen, im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Gráinne Mhaol, Queen of the Pirates als Zweites ging man sicher, dass auch das Publikum direkt warm wurde, denn dieses sprang direkt zu den ersten Tönen mit los, ohne groß gebeten werden zu müssen. Auch wenn Gavin seinen Einsatz viel zu früh ansetzte, gab es freundlichen Jubel und Lächeln der Mitmusiker auf der Bühne, die die Situation einfach nur zu einem lustigen Patzer machten. Ein Highlight des Songs ist immer die Irish-Dance-Einlage von Keyboarderin Pepa vor dem letzten Refrain. Und auch wenn „Grainne Mhaol“ nun wirklich ein Zungenbrecher ist, sang das Publikum den Song voller Begeisterung mit!
Gavin erzählte anschließend, dass sie dieses Jahr bereits eine Support-Tour gespielt und ein paar Festival-Shows gehabt hatten, doch nichts ist besser, als vor dem eigenen Publikum zu spielen! Weiter ging es mit einem Song für alle Fans von „Daddy Geralt“, der mit Freude begrüßt wurde. Wake The White Wolf gehört aus guten Gründen zum ständigen Live-Repertoire. Diese Hymne ist nicht nur bei der Crowd beliebt, sondern auch unabhängig von der Thematik über das Witcher-Universum und Geralt von Riva, einfach ein wirklich guter Song. Ach ja, habe ich erwähnt, dass Miracle of Sound hauptsächlich Musik über Videospiele macht? In diesem Text bisher nicht? Gut, dann hätten wir auch das geklärt.
Mit Ode to Fury im Anschluss bewegten wir uns auf den Spuren von Kratos aus God of War und auch wenn so mancher sich regelmäßig in Gedanken an die Deutsche Bahn mit diesem und seiner immerwährenden Wut identifizieren kann, ließ das Lied dies ein wenig verstreichen. Das Publikum ließ gemeinschaftlich die Arme in der Luft Wellenbewegungen darstellen, was garantiert von der Bühne aus einen tollen Anblick bot.
Gavin erzählte, dass er bereits seit zweieinhalb Jahren an seinem Album über irische Sagen arbeitete und dies in wenigen Monaten herauskommen dürfte, mit neun neuen Stücken und einer neuen Version eines schon veröffentlichten Liedes. Genauer gesagt sprach er über das Lied Sirona, geschrieben in ihrer Landessprache, irischem Gälisch, das sie auch gleich auf die Bühne brachten. Einige Besucher formten Herzen mit den Händen und füllten das Publikumsbild. Gegen Ende des Songs sprach sich Gavin kurz mit seinen Musikern ab und gab nach dem Song bekannt, dass er für das nachfolgende Stück an seine Live-Band übergebe und es an die Baldurs Gate-Fans rausgehe, ein Lied über Gemeinschaft und Freundschaft.
Schon seit einiger Zeit nutzt Gavin Whatever Comes Our Way, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu erwischen: Er lässt seine Live-Band zeigen, was sie drauf hat. Insbesondere Pepa und Eoghan, die da den Gesang übernehmen, stehen dabei im Mittelpunkt, und Gavin, der jahrelang Studiomusiker war und einfach noch nicht die Energie hat, um lange Live-Shows durchzuspielen, hat mal fünf Minuten Pause. Mit Eoghan und Pepa bekommt Whatever Comes Our Way aber auch eine neue Version, die man so nur live zu hören bekommt und die absolut grandios ist.
Fan-Favoriten und mehr
Mit Gavin zurück auf der Bühne ging es mit einem der Klassiker von Miracle of Sound weiter, dem Sovngarde Song. Das Lied holte ab dem ersten Ton des klimpernden Anfangs das Publikum ab, das später textsicher mitsang und ab dem Moment, in dem der Song nach etwas mehr als zwei Minuten in den Break von einem ruhigen, balladesken Stück zu einer ordentlichen Rock-Nummer machte, stieg die Stimmung abermals spürbar! Und auch wenn der Elder-Scrolls-Epos üblicherweise sanft endet, entschied sich die Band, dies zu überspringen, und hing ein Stück des Divinity Songs Ascension hintendran.
Gavin erzählte, dass sie am Tag zuvor noch in Belgien auf einem Festival morgens gespielt hatten und bis abends da zum Feiern waren und entsprechend auch seine Stimme ein wenig drunter gelitten habe. Wie gut, dass das Publikum beim nachfolgenden Song durchaus im Chorus aushelfen konnte, denn dieser sei denkbar einfach: Skål!
Doch bevor es weitergehen sollte mit dem Song selbst, stellte Gavin fest, dass es Leuten im Publikum nicht gut ging. Er erzählte selbst, dass es zu warm sei und er am liebsten selbst nur unten an der offenen Tür stehen würde, und dass deshalb vorhin auch ein Lied vorgezogen wurde, weil es ihm selbst nicht gut ging. Der Stagehand und der Fotograf öffneten daraufhin erstmal die Tür nach draußen, um etwas frische Luft hineinzulassen, und verteilten Wasser an die Personen. Solange wurde auch der Auftritt unterbrochen, bis sichergestellt wurde, dass es allen soweit gut ging.
Bei Skål gab das Publikum mit neuer Energie wieder alles, im Anschluss fragte Gavin wieder, wer schon das Black Flag Remake gespielt habe, und es fanden sich ein paar Hände in der Höhe. Für diese und alle anderen folgte dann auch Beneath the Black Flag, ein weiteres Stück, das alle wie aus einer Kehle mitsingen konnten und taten!
Na ja, seien wir mal ehrlich, so langsam wurde es auch mal Zeit für das eine Lied, das überall ist. Gavin betonte in der Ansage wie immer, dass er dieses Lied geschrieben hat und dass dieses Lied viel gereist ist, oft gecovert wurde und nun die AI sich dran macht und diesen, wie auch andere seiner Songs nutzt, um daraus selbst Musik zu erzeugen. Daraufhin gab es ein großes und lautes „F*ck AI“ und eine volle Zustimmung in der Crowd.
Was darauf folgte, war wohl das meist gecoverte Lied der letzten fünf Jahre: Valhalla Calling, das damals zu Assassin’s Creed Valhalla geschrieben wurde. Und auch dabei ging das Publikum ordentlich ab, wie es zu erwarten war. Die Band verließ kurz die Bühne, um nach viel Applaus aus dem Publikum kurz darauf wieder zurückzukommen.
Ende?
Doch so langsam am Ende angekommen durfte eines noch nicht fehlen: Gavin sprach davon, dass es schon ein Lied über Gemeinschaft und Freundschaft gab, man aber diese Themen nicht oft genug behandeln kann. Und auch wenn die Zeiten aktuell dunkel sind, dürfe man auch in dunklen Zeiten Kunst genießen. Diese Aussage erntete Zustimmung und das nachfolgende Lied zu Dragon Age All as One einen großen Stimmenchor, der das Stück bis zum Ende begleitete.
Doch ganz am Ende war es dann doch nicht so. Wie schon erwähnt, musste die Band einen Song überspringen, deshalb sollte dieser nun nachgeholt werden. Fortune’s Favour (Song zu Kingdom Come Deliverance 2) ging jedoch ein wenig unter an dieser Stelle nach all den Hits. Das mag zwar generell daran liegen, dass dieser nicht der beliebteste Song der aktuellen Platte ist, aber auch daran, dass es schlichtweg für diese Stelle der Setliste einfach zu wenig Tempo und Wumms hatte.
Danach ging er wieder von der Bühne, allerdings kam Gavin wieder zurück mit seiner weißen E-Gitarre und erzählte, dass er sich selbst eigentlich versprochen hatte, dies nie wieder zu tun, zu spielen und zu singen. Deshalb holte er sich Unterstützung aus dem Publikum: drei Fans, die ihn bei Commander Shepard (Mass Effect) am Mikrofon unterstützen sollten. Das klappte auch recht gut und war wirklich ein erfrischender Schluss der Show, bevor sich die Band und das Publikum recht zügig in die frische Luft begaben.
Setlist: Intro & Deceiver // Gráinne Mhaol, Queen of the Pirates // Wake The White Wolf // Ode to Fury // Sirona // Whatever Comes Our Way // Sovngarde Song & Ascension // Skål // Beneath the Black Flag // Valhalla Calling // All as One // Fortune’s Favour // Commander Shepard (Mit dem Publikum)
Fotostrecke Miracle of Sound:
Fazit:
An dieser Stelle angekommen bleibt nur eines zu sagen: Ja, 70 Minuten Show sind nicht viel. Gute 70 Minuten Show sind jedoch mehr wert, als eine Zwei-Stunden-Show, die sich einfach zieht. Vor allem für eine Show, die als Filler in der Festivalsaison dient, ist dies ordentlich. Dadurch bedingte sich auch das Timing, denn ich glaube, zur gamescom die kurz darauf ist, wäre dieses Konzert nicht nur ausverkauft, sondern auch in eine größere Halle verlegt worden.
Bericht: Roksana
Bilder: Matthias
Mehr von Miracle of Sound bei Dark-Art findet ihr hier:
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