Guten Morgen Sonne, halb neun, raus aus dem Zelt. Erstaunlich energiegeladen machten wir uns, nach einem kleinen Frühstück, auf in Richtung Bühnen. Voller Vorfreude auf die Bands des heutigen Tages.
Alien Ant Farm – Main-Stage
Trotz der starken Mittagshitze war es vor der Bühne schon recht voll, als die Alien Ant Farm aus Riverside, Kalifornien, USA, diese betrat und anfing, zu spielen. Nach dem ersten Lied erkundigte sich Sänger Dryden Mitchell nach dem Befinden des Publikums. Nach dem Verlangen eines Circle Pits, der auch prompt entstand, wurde der Song gespielt, der es in Tony Hawks Pro Skater 3 geschafft hatte: Wish.
Während des Songs sprang der Sänger auf die Fototribüne. Den ganzen Auftritt über war er viel unterwegs, auf den Gangways vor den beiden Bildschirmen rechts und links der Bühne, auf ihr selbst und auch ab und zu am Wellenbrecher. Damit hatte er bestimmt einen Gutteil seiner täglichen Schritte abgeleistet. Apropos Gesundheit: Mitchell bedankte sich beim Publikum für die Zeit und Energie. Es schaffe ihm schöne Erinnerungen, die ihm helfen würden, sei er doch schon viereinhalb Jahre drogenfrei, kein Alkohol, kein Kokain.
Dann wurde es Zeit für den letzten Song, das wohl bekannteste Lied von Alien Ant Farm Smooth Criminal. Passend dazu wurde das Publikum gefragt, wer sich noch an die Zeit erinnere, als auf MTV noch Musikvideos liefen. Angekündigt durch Einspielen eines Interviews mit Michael Jackson, in dem er sich äußerst positiv über das Cover aussprach. Doch bevor es richtig losging, wünschte sich der Sänger mehr Crowdsurfer*innen. War bis dahin insgesamt nur einer unterwegs gewesen, so gab es nun bis zum Ende dieses gelungenen Auftritts einiges zu tun für die Grabenschlampen, da sich die Schlagzahl nun deutlich erhöhte.
Trollfest – T-Stage
Sommer, Sonne, Saufen, Sause im Zeichen des Flamingos. Trollfest betrat die Bühne in ihren dazu passenden Kostümen und mit Dance like a pink Flamingo legten sie gleich los. Anfangs noch nicht so gut besucht, sollte sich der Platz vorn dann doch recht schnell füllen und einige Crowdsurfer*innen wurden auf den Weg geschickt, unter anderem auch eine „Flamingoreiterin“.
Nach einer kurzen Vorstellung der Band aus Oslo, Norwegen, erwähnte Sänger Trollmannen, sie seien froh, da zu sein und fragte, wie das Festival bis dato gewesen sei, und wer gegen einen Kater kämpfe. Mit Happy Heroes habe Trollfest ein Lied dagegen. Zu Day Drinking hieß es, die Single-Vinyl gäbe es nur auf dem Summer Breeze.
Vielleicht nicht ganz mit Twenty Miles an Hour schlängelte sich, zu diesem Lied, die erste Polonaise durch die Zuschauer*innen. Das sei schon sehr schön, doch der Sänger wollte mehr Chaos. Dazu sollte sich eine Hälfte des Publikums hinknien und die anderen springen. Auf Kommando sollte gewechselt werden. Das funktionierte sehr gut, wie viel Chaos so ein geordnetes Vorgehen erzeugt, lassen wir mal dahingestellt.
Es sollte noch einen gemütlichen Mitmachteil geben. Zu den Klängen von Piña Colada, wollte Trollfest die größte Polonaise, angeführt von ihrem Bassisten Böesse Basshöl Nybazist, haben. Am Ende hieß es, sie sei unter den Top fünf gewesen. Das Publikum war auch gesanglich voll dabei, sodass es den Rest übernehmen sollte, damit die Band ernsthaft mit dem Trinken anfangen könne. Sie spielten dann die letzten Songs aber doch noch selbst und die rosa-rote Party fand ein Ende.
Mushroomhead – T-Stage
Wir blieben weiterhin an der T-Stage, nun mit Mushroomhead. Nach dem Spongebob-Schwammkopf-Intro, betraten fünf Musiker die Bühne. Was Pilze mit Schwämmen zu tun haben? Nichts, außer dass sie im südlichen Teil Deutschlands und in Österreich auch mal Schwammerl genannt werden. Dass eine Band aus Cleveland, USA, diese sprachliche Verbindung kennt, ist jedoch eher unwahrscheinlich.
Nahtlos startete die Show. Hierfür waren auf der rechten und linken Seite der Bühne jeweils zwei durchsichtige, von innen beleuchtete Standtrommeln, auf deren Fellen Wasser stand, aufgebaut. Das hatte beim Draufschlagen einen tollen Effekt. Mit ihrem Mix aus Nu-Metal und Rapcore, konnte die Band das zahlreiche Publikum begeistern. Es konnten immer wieder im Takt wippende Arme gesehen werden. Dies wurde am Vortag bereits geübt.
Es gab wieder viel zu tun für die Besucher*innen. Während sich der Sänger auf eine der großen Boxen setzte, betrat Sängerin Jackie LaPonza die Bühne, nur um bald darauf einen kleinen Stagedive hinzulegen. Wieder auf der Bühne wurde ein Circle Pit gefordert, der so heftig umgesetzt wurde, dass bei den Lichtverhältnissen nicht mehr zu erkennen war, ob Nebel von der Bühne oder der aufgewirbelte Staub die Sicht versperrten. Plötzlich waren dort viel mehr maskierte Gestalten. So als würden Bandmitglieder wie Pilze aus dem Boden schießen.
Im Laufe des Auftritts waren dann immer wieder mal mehr, mal weniger Künstler mit Masken auf der Bühne. Die Sänger versuchten sich ab und zu im Stagediving, kamen aber nicht weit. Die Mikrofonkabel waren zu kurz.
„Now are you guys ready to have some fun with us?“, schallte es aus den Lautsprechern, zwischendurch eine kleine Danksagung und dann noch „Break your fucking necks on this one“. Es folgte 12 Hundred. Die Sängerin lief im Fotograben hin und her und filmte dabei die headbangende Meute.
Noch einmal wurde das Wort an das Publikum gerichtet: Ihm könne nicht genug gedankt werden, das ausdauernde Mitmachen bedeute Mushroomhead sehr viel. Mit Empty Spaces / Born of Desire wurde dann der letzte Song des Auftritts gespielt.
Groza – Tool Rebel Stage
Prasselnder Regen als Intro, den hatte man am Tag vergeblich herbeigesehnt, jetzt wenigstens vom Band. Mit einem kurzen „Summer Breeze“ betrat die Black-Metal-Band Groza aus Mühldorf am Inn die Bühne und ab dem ersten Ton waren Köpfe am bangen.
Nach Asbest wurde das Publikum von Sänger P.G. mit einem knappen „Guten Abend Summer Breeze“ begrüßt und mit Elegance of Irony ging es weiter. Ein bisschen Animation von der Bühne und wieder flogen die Haare in der ersten Reihe.
Ein „Bewegt euch, Summer Breeze“ zeigte wenig Wirkung, also wurde gefragt: „Summer Breeze seid ihr mit uns?“ und ja, ein paar Crowdsurfer fanden den Weg zu ihnen.
Es kam der letzte Song Daffodils, aber nicht bevor erklärt wurde, dass der Song ihrem ehemaligen Bassisten gewidmet sei, der ca. zweieinhalb Jahre zuvor verstorben war. Sie eröffnet den Song mit den Worten „Wir denken jeden Tag an dich“. Dies beflügelte die vorderen Reihen, nochmal alles zu geben und die Nackenmuskulatur zu quälen.
Am Ende verabschiedete sich Groza bzw. P.G. mit: „Vielen Dank Summer Breeze, bis zum nächsten Mal, Prost“
Blackbraid – T-Stage
Zurück an der T‑Stage wurde das spärliche Publikum von einem Intro empfangen, das an Stammesgesänge erinnerte. Nicht verwunderlich, spielte nun ein Musikprojekt eines mexikanischen Native namens Sgah’gahsowáh oder übersetzt Hexenfalke, aus den Adirondack Mountains in den USA. Verwirrt?
Es wird noch besser: Nach dem ruhigen Intro ging das böse Geknüppel los, einem wurden die Blastbeats nur so um die Ohren geballert und vom Sänger waren anfänglich nur geschriehene oder gegrölte Laute zu hören. Das änderte sich, als er auf Englisch wechselte. Dann waren wenigstens Wortfetzen zu verstehen.
Während des Auftritts gab es einen Wackelkontakt im Mikrofon des Sängers. Das daraus resultierende Knacken klang allerdings schon fast wie gewollt. Von jemandem in Hörreichweite der Bühne kam die Frage: „Sind das Blackbraid, die klingen, als würden da Katzen kämpfen?“ und vermutlich hätte sich eine Live-Skalpierung auch nahtlos eingefügt.
Blackbraid zog die Show trotz längerer Pausen zwischen den Liedern ohne große Interaktion mit dem Publikum durch, bis ungefähr nach der Hälfte des Auftritts Sgah’gahsowáh mit der Masse spielte und nach einem Schrei erst die Jubelrufe abwartete und dies mehrmals wiederholte. Einmal animierte das Schlagzeug, durch einen langsameren Takt, zum Klatschen oder „Hey“-Rufen. War vorher bis auf ein paar nickende Köpfe wenig Bewegung auszumachen, entstanden nun immer wieder kleine Circle Pits und Crowdsurfer wurden auf die Reise geschickt.
Die im Laufe der Show angewachsene Menge verabschiedete Blackbraid mit Jubel und Applaus. Der Trip schien zumindest für die eingefleischten Black-Metaler ein Ohrenschmaus gewesen zu sein.
Hindarfjäll – Tool Rebel Stage
Es wurde wieder harmonischer und melodischer, mit Hindarfjäll angereist aus Göteborg in Schweden. Die Band verzichtete auf große Show oder Bühnenbild. Im Mittelpunkt standen die Musiker und ihre teils traditionellen nordischen Instrumente. Einzig die Mikrofonständer waren von Efeu und Farn umrankt.
Jeder Musiker des Quintetts hatte einen vor sich stehen und aus allen Kehlen erklang es. Der so entstandene chorale Gesang, untermalt von den akustischen Instrumenten, lud zum Träumen und Entspannen ein. So sah man wieder, wie auch schon am Vortag, Menschen mit geschlossenen Augen, leicht schwankend wie Baumkronen bei seichtem Wind, im Publikum.
Nach der Vorstellung der Band durch den Sänger wurde das Ganze dann etwas zackiger, aber nicht weniger melodiös. Nun fühlten einige der Zuschauer*innen den Drang, zu tanzen.
Wieder wurde das Wort an die Anwesenden gerichtet: Hindarfjäll freue sich, hier zu sein. Danach war das Publikum Feuer und Flamme. Teils wurde schon ca. fünf Takte, bevor der Frontmann überhaupt die Arme heben konnte, mitgeklatscht, was auch an den eingängigen Melodien lag.
Aber auch dieser Auftritt musste mal zu Ende gehen und das letzte Lied wurde angekündigt und gespielt, aber nicht ohne eine kleine Danksagung und einem „Skal, we love you all“ vorab.
Saor – T-Stage
Es ging zum letzten Act des Festivaltages. Trotz der frühen Morgenstunden lauschten viele Metalheads dem Intro aus einem Zusammenspiel von Wind, Trommeln und Gitarre. Saor betrat die Bühne und das atmosphärische Folk- und Black-Metal Projekt aus Glasgow, Schottland, legte los. Die Musik war im Vergleich zu dem vorher Gehörten wesentlich energiegeladener, aber dennoch melodisch.
Waren erst nur der Gründer Andy Marshall und die Instrumente seiner Live-Band zu hören, kam dann ein weiblicher Gesang dazu. Flötistin Ella Zlotos trat, aus der hinteren Reihe in Erscheinung. Sie zeigte dann mehr Bühnenpräsenz, eine Art Tanz mit Marshall oder einfach mal im vorderen Bereich.
Auch Interaktion mit dem Publikum gab es: Der Sänger brachte die Hände über dem Kopf zusammen und ein guter Teil der Zuschauer*innen klatschte im Takt mit. Generell wurden auch immer wieder einige Köpfe gebangt.
Plötzlich war Saor fertig, der Auftritt fühlte sich auf jeden Fall kürzer an, als er war.
Fazit
Ein weiterer Tag voller Hitze und musikalischem Hin und Her lag hinter uns. Die Hälfte war geschafft und wir erschöpft, aber weitere Highlights lagen noch vor uns, also ab ins Zelt und Energie tanken, so gut es ging, um euch auch am nächsten Festivaltag mit unseren Berichten hoffentlich begeistern zu können.
Weitere Bilder
Neben den Bands, die wir euch bisher in Text und Bilder präsentiert haben, decken unsere Fotografen natürlich jeden Tag noch viel mehr Bands ab, diese Bilder findet ihr nun im Anschluss.
Our Promise – Main Stage
From Fall to Spring – Main Stage
Massive Wagons – T Stage
Broken by the Scream – Tool Rebel Stage
Grand Magus – T Stage
Northlane – Main Stage
Stam1na – Tool Rebel Stage
Deserted Fear – T Stage
Kim Dracula – Main Stage
Rectal Smegma – Tool Rebel Stage
Imminence – Main Stage
Filth – Tool Rebel Stage
Saltatio Mortis – T Stage
Aesthetic Perfection – Campsite Circus Stage
Mittel Alta – Tool Rebel Stage
Fit for an Autopsy – T Stage
Cryptopsy – Tool Rebel Stage
Amorphis – Main Stage
dArtagnan – Main Stage
Bericht: Peter
Bilder: Eric & Roksana
Mehr zum Summer Breeze Open Air 2026 findet ihr hier:
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