Release: 20.06.2026
Genre: Folk Metal
Spieldauer: 52 Minuten, 39 Sekunden
Label: Independent
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Tracklist:
-
- Där Alpsägu
- Där Totutanz
- Där Wolfsritt
- Johanneli Fii
- Där Lämmärgeiär
- D Lindwurmheeli
- Där Nattruflüäch
- Petrichor
- Odem
- Äs het nu afa firchtu…
- Z verloru Tälli

In finster vergangener Zeit erhob sich ein Stamm „folkstümlicher“ Gestalten in den Schweizer Bergen.
Im Gebiet, von den Römern Vallis Poenina genannt, lebten die Tylangier einst abgeschieden, doch nicht unweit von den Helvetiern.
Doch berichten wir heute von der Band Tylangir, welche sich nicht aus Krieg und Konflikt, sondern aus Isolation und Pandemie erhoben hat!
Nicht lange nach der Gründung im Jahr 2018 in den Lockdown geschickt, startete diese Band aus dem Wallis mit ihrer Ur-Chraft aus der Corona-Zeit heraus. In unserem Review dazu gehen wir auch etwas näher auf die Entstehung sowie die Besetzung der Band ein.
Dies ist vor allem deshalb bemerkenswert, da für ein so urtümliches Land wie die Schweiz nur wenig Folk Metal existiert!
So sind auch ihre Aufstellung mit unter anderem Harfe, Bouzuki, Folla und walliser Hackbrett eine Kerbe in jene Richtung, worauf natürlich die klassischen Metal Instrumente noch dazu kommen.
Umso lieber erinnere ich mich an das eine Konzert mit Tylangir und dem Schweizer Urgestein des Genres: Excelsis! Dort möchte ich den Sänger „Münggu“ kurz zitieren, auch wenn der Spagat zwischen Authentizität und Eindeutschung dem berndütschen Original auää bits den Zauber nimmt.
„Wisst ihr, den nächsten Song, den wir spielen, Gwaihir, haben wir 1997 veröffentlicht, und der ist somit einiges älter als einer der Jungs von Tylangir! Uns macht das so ne riesen Freude, dass so junge Burschen und Mädels die gleiche Art Musik machen wie wir schon vor 30 Jahren!“
Seitdem hat sich die Band zu mehr als nur einem Geheimtipp der Szene entwickelt, wovon Streifzüge nach Sachsen zum Festival Bärenstein, dem Dark Troll Festival sowie zu anderen Konzerten zeugen!
In der Götterbrauerei Baar wurde mit Sänger Lukas ein Bier nach alter Sitte gebraut und gleich mit der Band eingeweiht!
Ein Auftritt am Freilichttheater „Rollibock“ sowie ein Sagenhörspiel unterstreichen nochmals die sagenhaft erzählerische Seite der Truppe.
Wobei sie es letztens sogar in einen Bericht des schweizer Staatfernsehen geschafft haben!
Dies lebt sich auch im Design des Booklets aus, welches die Band beim namensgebenden Totentanz zeigt. Im ähnlich schauderhaften Stil, wurde dann auch das Booklet in Schwarz/Weiss liebevoll inszeniert. Nur ein paar Bluttupfer sowie das Bandfoto enthalten Farbe.
Somit bleiben sie ihrer Linie treu, und ihr neuestes Werk wird ebenfalls im Walliser Mundartdialekt veröffentlicht. Dies offiziell mit Unterstützung von Finsterforst am 20.06.2026 in der Met-Bar Lenzburg!
Für unsere deutschen Leser: Wenn ihr denkt, dass Schwyzerdütsch auf der anderen Seite des Bodensees schon unverständlich sei – je weiter ihr Richtung Berge geht, desto urchiger wird es!
Das Wallis liegt dann komplett auf der anderen Seite der Schweiz, ein letzter Alpenposten zwischen der französischen und der italienischen Schweiz.
Da Tylangir wieder enthusiastisch auf das Erzählen und Näherbringen fast vergessener Geschichten setzen, wofür ich einfach eine Schwäche habe, versuche ich mich trotzdem, „äs bits am Rieme z riesse“.
Heisst: Neben der schriftdeutschen Übersetzung der Stücke will ich die Themen der Kürze willen versuchen, auf externe Links auszulagern.
1. Där Alpsägu
Mystisch beginnt das Album mit Kuhglocken und einer männlichen Stimme, welche das Kommende in beschwörendem Ton mit einem Alpensegen einleitet. Ich erlaube mir, diesen hier zu zitieren. Dabei bringt sogar der Google-KI-Modus eine ordentliche Eindeutschung hin, falls ihr wollt:
In dischum Momänt, im Hiä und im Jetz
Sowahri der bi wani biSo red ich zu ew oh iär heiligu Chräft
Inär Obär-, Mittul und UnnärwältÄrwachät iär heiligu Mächt
Kherät miis GibätDass z Härz iisch immär leitut
Und d Liäbi iisch stets bigleitut
Durch d stockfiischtär Nacht
2. Där Totutanz
Nahtlos aus dem Intro beginnt nun der Totentanz! Dieser war ab dem Mittelalter ein makabres Symbol der Vergänglichkeit des Lebens und zog sich durch die Jahrhunderte, so auch ins Wallis.
So gnadenlos wie die Pest zu damaligen Tagen donnern auch Tylangir ins (Hack-)Brett.
Zwischen den Growls von Sänger Lukas sticht vor allem die Bridge von Julianas Harfe hervor, während der Song mit seinem Rhythmus zum Headbangen … ähm, Tanzen einlädt! Hierbei gelingt ihnen eine Mischung aus harter wie auch „schüderhafter“ Musik.
3. Där Wolfsritt
So erschallt das Geheul in der Nacht, erhört die heidnischen Melodien – der Wolf in uns erwacht!
Der Song baut zwar lange auf, dafür aber extrem klasse. Zeit hat er dafür, denn D(a)er Wolfsritt geht ganze acht Minuten. Dabei hetzt er über die Natur des Landes, zehrt von den Mythen, fällt in die Abgründe der Menschen und prallt auf den Hexenhammer.
Der Track funktioniert sowohl als reiner Metalsong, der von Jodelelementen begleitet und an einer Stelle sogar dominiert wird, als auch als Klage der Natur an den Menschen, wenn man sich näher mit dem Text befasst.
4. Johanneli Fii
Hurra, ein Trinklied! Naja, die Sage über die Wirtin, welche den Wein mit Wasser aufgoss, endet wallisertypisch wieder düster.
Dabei ward dies bereits im Februar 2025 aus dem kalten Wasser gezogen, als erstes Musikvideo der Band. Zusätzlich lässt sich aber auch die Darstellung im Booklet beziehungsweise zu Beginn des Videos echt sehen.
Hier zeigen sich wieder die Stärken der Band, Melodie und Metal zu verknüpfen, wobei die Flöte diesmal den Rhythmus pfeift.
Die Band fügt der Sage dabei noch einen Hauch Kapitalismuskritik hinzu, führt das Johanneli aber auch wieder ins Licht.
5. Där Lämmägeiär
Gypaetus barbatus, Bartgeier oder veraltet der Lämmergeier. Äs geiht zrügg it Natür!
Bei diesem Klagelied werden wir ein paar Federn lassen. Die Geschichte dazu findet ihr im Wiki-Artikel über den Knochenknacker mit 2,9 Metern Spannweite.
Hier zeigt sich sowohl die Natur- , als auch die Gebirgsverbundenheit der Band, welche in einer Pagan-Power-Ballade Niedertracht und Trauer vereint.
Melodiös ein Meisterwerk zwischen traurigem Instrumental und anklagenden Growls, vergehen die 7:45 Minuten fast wie im Fluge.
1887 isch där letschtusch Bartgeiär, z alt Wiib, ama värgiftutu Fuxkadavär elendlich z Grund gangu. Är het keinär Mänschuseel äswas z Leid gitah doch d Angscht vor där wiltu Natür het z Nooluvolch värbländut.
6. D Lindwurmheeli
Die Lindwurmhöhle, ein erzählerisches Intro zum nächsten Song. Ich habe gerade gelernt, warum eine Ortschaft in der Schweiz diesen Namen trägt.
Klassisch dabei auch die Drachentöter-Darstellung im Booklet wie auch im Video dazu.
PS: Als Faustregel gilt: Schuppiges Getier mit Hinterbeinen und Flügeln ist ein Lindwurm beziehungsweise Wyvern. Vier Beine und Flügel ergeben einen Drachen. Heisst also Game of Thrones und Harry Potter Filme haben keine Drachen.
7. Där Nattruflüäch
Den Hintergrund zum Natternfluch gab es bereits im letzten Abschnitt. Das Lyric-Video dazu erschien schon vor zwei Jahren und war somit die erste Vorschau auf das Album.
Worauf die Sage hinausläuft, das baumelt ja bereits im Geäst des Albumcovers.
Nach meiner Meinung merkt man dem Song allerdings ein wenig das Alter an. Dabei will ich ihn nicht herabwürdigen, sondern vielmehr aufzeigen, was Tylangir seitdem beim Songwriting dazugelernt hat.
Kein schlechter Song, im Vergleich zum restlichen Album aber eher unauffällig.
8. Petrichor
Kennt ihr diesen Geruch, wenn nach langer Trockenheit der Regen einsetzt? Das ist der Petrichor, welcher in diesem Intro wie der Wind eingefangen wird und einem mit Flöte und Harfe die Nackenhaare vor dem Sturm aufstellt.
9. Odem
Der Lebenshauch, das Sein. Sind wir oder auch nur Schein?
Das Kunstwerk im Booklet fängt diese Urfrage der Menschheit ein.
Zentral wird vor allem der Refrain vom Jodelhauch getragen. Lyrisch ist dies der dichteste Song des Albums, gleichzeitig mit 8:15 Minuten auch der längste.
Leider fühlt sich das Gedränge der Themen ein wenig wie ein Miasma an. Die Refrains fallen zwar auf, jedoch fühlt es sich selbst mit dem Booklet/Video schwer an, der Botschaft vollständig zu folgen.
10. Äs het nu afa firchtu…
Eine kleine Sage, vorgetragen von Luciana Brusa. Es hat nun angefangen, sich zu fürchten.
Hörspielwürdig wird nun vom Paradies in das Ende jener Utopie des Tals, wie auch des Albums, eingeleitet.
11. Z verloru Tälli
Das verlorene Tal hinter Zermatt.
Nochmals wird gegen Ende die Vergänglichkeit prophezeit. Die Mischung aus mystischem Jodel und ernsthaftem Untergang passt hier perfekt.
Der Ausklang, wütend wie auch traurig, vergeht im eisigen Knirschen des Gletschers, welcher das Album begräbt.
Där Gletschär spewwut Mänschuchnochä üs, chriiduwiiss wiä där Tod
D armu Seela schwäbunt übär dum Iisch, chlagund übär iruschn Not
Fazit:
Tylangirs Widderschädel tanzt erneut zu makabren Klängen. Die Urchraft dessen, was Folk Metal sein sollte: lokal, heftig, eindrücklich und zugleich eine Lektion über Natur und Tod.
Sowohl als Konzeptalbum wie auch mit seinen einzelnen Tracks wird das Werk eindrücklich in Szene gesetzt. Die Mischung aus urchigen Alpenelementen und hartem Metal deckt viele Facetten ab.
Dafür spielen von mir, 9/10 Totentänzer auf!
Mehr von Tylangir bei Dark-Art findet ihr hier:
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