Festivalbericht: Wacken Metal Battle 2026 – Mittwoch, Teil 2

Aufgrund der Anzahl der Bands und der Länge des Textes, haben wir diesen Artikel in zwei Teile aufgeteilt, den ersten Teil findet ihr hier:

Festivalbericht: Wacken Metal Battle 2026 – Teil 1, Mittwoch – Dark-Art

Ashed Winter – Frankreich

Mit Ashed Winter folgte eine Mischung aus Tribal, Death und Groove Metal. Was bereits auf dem Papier nach einer spannenden Kombination klingt, hörte sich live umso spannender an. Die Musik wechselte zwischen ordentlichem Gedresche mit gutturalem Gesang, melodiösen Parts, klarem weiblichen und männlichen Gesang und einem fast schon impressionistischen Songaufbau. Musikalisch stark treibend, rhythmisch und vor allem zu jedem Zeitpunkt spannend. Das Publikum sah es ähnlich  und ehrte all das von mindestens anerkennendem Headbangen, bis hin zum Moshpit war einiges dabei. Doch Bewegung war nicht nur im Publikum, auch die gesamte Band zeigte sich stark aktiv auf der Bühne und sprang, wechselte Plätze und interagierte – insgesamt gab es hier alles, was ordentlich Spaß macht. 

Sinamort – Litauen

Diese Progressive Doom Metal Band wurde zu einem Ruhepunkt im bunten und lauten Metal Battle. Die Musik von Sinamort baut sich langsam auf, hat ruhige Momente, aber bricht ebendiese immer wieder durch einen Moment der Unruhe, mit schnellen Gitarren und einem donnernden Schlagwerk auf. Auch wenn sie generell verhältnismäßig langsame Musik machen, haben sie einige beeindruckende Alleinstellungsmerkmale. Eines davon ist zum Beispiel die interessante Spielweise der Gitarre, die nicht geschlagen oder gezupft wird, sondern zwischendrin getippt wurde. Der Sänger spielte zwischenzeitlich auch eine weitere Gitarre, während er ordentlich gutturalen Gesang, gepaart mit passablen, klaren Vocals, darbot. Insgesamt eine Spezialisten-Band mit sehr charakteristischem Sound, die für Fans dieser Musik ebenso spannend ist wie für jene, die neue Erfahrungen sammeln wollen.

Blanket Hill – Luxemburg

Weiter ging es mit Kontrastprogramm: Hardcore aus Luxemburg. Die Jungs von Blanked Hill zeigten vom ersten Moment an eine Menge Energie. Sie freuten sich massiv, da zu sein, und dass so viele Personen vor der Bühne standen, um sich die Band reinzuziehen. Das Publikum nahm die Mucke super an, startete direkt einen Moshpit und zog diesen auch bei so gut wie jedem Song durch. Der Sänger nutzte die Songpausen für Statements und Mitteilungen zur Einstellung der Band: „Whole world come together to celebrate underground, Rock, Metal, Core and Punk“,  „Fuck all the Nazis, Homophobes, …“  oder auch „Everything you wanna do, do it, express yourself!“ und  „We need more women on these stages, more POCs!“ Und das Publikum nahm diese Ansagen offen entgegen und belohnte die Band mit einer grandiosen Stimmung. 

Deflag – Italien

Wenn wir von der Vielfalt der Metalszene sprechen, ist es immer auch sehr spannend zu beobachten, was aktuell bei vielen Menschen gut ankommt. Momentan ist Hardcore ganz weit oben auf der Liste, das zeigte sich auch mit Deflag, die am Wacken Mittwoch bereits die dritte Band im Metal Battle sein sollten, die deutlich in diese Richtung geht. Aber nicht ganz, ein wenig Metal an sich war auch drin, das zeigte sich insbesondere auch in langen Gitarren-Soli und melodischen Passagen. Die Band hat unter anderem einen Song über toxische Maskulinität mitgebracht, der gut ankam. Die Band bedankte sich am Ende bei der Backstage-Crew, die tolle Arbeit geleistet hatte. Insgesamt ein solider Auftritt.

Witchlords – Belgien

Was hat noch gefehlt? Speed und Power Metal! Das sollte es mit den Witchlords aus Belgien geben. Die Band, die aus einer Tabletop-Runde und der Liebe zum klassischen Power Metal entstand, hat sich dem klassischen Old-School Power Metal verschrieben: keine Fancy Kostüme, kein Keyboard, rauer Gesang, hoher Gesang an passenden Stellen, treibende Gitarren, kein Schnickschnack. Mit Blood for the Blood God bezogen sie sich auch gleich thematisch auf Warhammer, was recht gut ankam. Zwar brach hier nicht die große Party aus, doch es gab im Publikum einige Leute, bei denen die Musik gut ankam, auch wenn manche Passagen hier und da ein wenig cleaner hätten sein können.

Noiduin – Finnland 

Nachfolgend sollte es etwas weniger metallisch werden. Dass das Metal Battle das Ganze mit dem Genre nicht zu eng sieht, wissen wir seit Jahren, in denen auch Bands aus dem Core Bereichen oder dem Rock-Umfeld im Metal Battle stattfinden. Die Finnen haben sich aber hier eine größere Stilfreiheit erlaubt und mit Noiduin eine Pagan-Folk Band zum Metal Battle geschickt. Die Band legte ein wenig verzögert los, da es wohl technische Probleme gab, was auch daran gelegen haben könnte, dass  sie einen Großteil ihrer Instrumente selbst baut.
Die Musik erinnert an die großen Genrevertreter wie Wadruna und Heilung, mit einem klaren Fokus auf Musik und weniger auf Show. Doch ganz unmetallisch war das Ganze am Ende doch nicht. In Momenten, in denen Sänger und Multiinstrumentalist Henri Virolainen das Mikrofon übernahm, bot er einen soliden gutturalen Gesang dar. Noiduin dürfte nicht nur ein Ruhepunkt im Programm gewesen sein, sondern auch ein klarer Geheimtipp, wenn man mit Pagan/Nordic Folk etwas anfangen kann.

Elchivo – Mexiko

Mit Elchivo aus Monterrey, wurde es wieder rockiger auf der Bühne. Die Stoner Rock Band hat in ihren acht Jahren Bestehen bereits in ihrer Heimat einen ordentlichen Eindruck hinterlassen:  mit ihrem Debüt war sie bereits für „Stoner-Rock-Album des Jahres” und „Neue Band des Jahres” nominiert. Auf dem WOA konnten sie das Publikum am Ball halten, auch, wenn das große Publikum und die Riesenparty ausblieben. Zumindest letzteres hätte aber auch nicht zur Musik gepasst. Mit einer guten Instrumentalbalance, bei der keiner untergeht, und einer markanten Stimme war die Band live generell sehr solide unterwegs. Im Laufe des Sets wurde die Musik auch etwas doomiger und das Publikum begann sich zu bewegen, nochmal später zeigten sich in der Musik sogar Prog-Elemente. Unabhängig vom Ergebnis des Metal Battles, kann man vorhersagen, dass diese Band noch eine gute Zukunft vor sich hat. 

Invasion – Norwegen 

Ein wenig Back to the Roots ging es mit Invasion. Die Hard Rock/Heavy Metal Band verbindet den klassischen 80er Jahre Heavy Metal Stil mit modernen Aspekten, eingängigen Refrains und Melodien, die im Kopf hängen bleiben. Auch Publikumsnähe wird bei der Band großgeschrieben, so kam schon beim ersten Stück Sänger Jørgen Bergersen runter in den Bühnengraben, um direkt vor dem Publikum zu performen. Stimmlich erinnert er dabei ein wenig an den lieben Tobias Sammet, hat jedoch noch weitere große Qualitäten, wie etwa die Fähigkeit, sich in den Ansagen kurz zu fassen. Beim Publikum kam die Band recht gut an. Auch wenn hier nicht direkt die große Party losging, so war die Musik definitiv solide für Fans des Heavy Metals.

Morphide – Lettland

Modern Metal ist zwar aktuell eines der beliebtesten Genres, war dennoch beim Metal Battle aber fast schon unterrepräsentiert. Gerade deshalb brachten Morphide eine frische neue Note ins Metal Battle. Und auch, wenn es nach dem ersten Song ein paar technische Probleme gab, führte die Band professionell durch den Auftritt; so startete Sängerin Eissa in der Zeit besagter Probleme schlicht einen Schreiwettbewerb mit dem Publikum, um davon abzulenken. Generell zeigt sich die Band als ein Garant für gute Stimmung im Publikum und hatte klar Fans mitgebracht. Der Auftritt wirkte kürzer, als er war, ein gutes Zeichen!

Sót – Island

Mit Sót gab es zum Schluss noch einmal musikalisch hart aufs Maul! Die Band kam mit einer wilden Mischung aus Sludge-, Groove-, Stoner- und Doom-Metal daher. Mit zweistimmigem Gesang und auch balladigeren Momenten brachte sie eine gute musikalische Vielfalt auf die Bühne. Die Besucher durften sich zudem über Shirts freuen, die ins Publikum geworfen wurden. Das Publikum war zu dem Zeitpunkt nicht mehr ganz auf der Höhe, das lag jedoch wohl auch an der späten Stunde und der Sonne die gnadenlos herunterschien. 

An dieser Stelle endete das Finale des Metal Battles für den Tag und in der Bullhead City ging es mit dem regulären Programm weiter. Die Fans des Wettbewerb mussten sich dann bis zum nächsten Morgen gedulden, bis die nächste Nachwuchsband um 11 Uhr am Donnerstag das Programm eröffnete. Unsere Eindrücke zum zweiten Teil des Metal Battles findet ihr im nächsten Artikel zum Wacken Open Air auf Dark-Art.

Bericht: Roksana & Anne
Bilder: Matthias & Patrick

 

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