Das Wacken Metal Battle
Noch bevor das Infield seine Tore öffnete, startete am Mittwoch um 11 Uhr das Musikprogramm des Wacken Open Airs. Bis 20 Uhr gehörten die Bullhead‑City‑Bühnen – Headbangers Stage und W:E:T Stage – ganz dem Finale des Wacken Metal Battles. Am Donnerstag setzte sich das Programm fort und lief bis 16 Uhr. Die Shows waren dabei dicht getaktet: Jede Band hatte 20 Minuten Spielzeit, gefolgt von nur fünf Minuten Umbaupause, während im Wechsel auf beiden Bühnen gespielt wurde. Moderiert wurden die Auftritte dabei von Machine und Doctor Mosh, die jede Band ankündigten und durch das Programm führten.
Längst ist das Metal Battle kein „Warm‑up“ mehr, sondern der Moment, in dem der Holy Ground zum ersten Mal unter echter Spannung steht. Bevor die großen Bühnen erwachen, richtet sich die Aufmerksamkeit auf jene Bands, die sich ihren Platz erst erkämpfen müssen. Alle Teilnehmer haben sich zuvor in lokalen Vorentscheiden durchgesetzt und gehören damit zu den vielversprechendsten Nachwuchsbands ihrer jeweiligen Szene – eine Art globales Best‑of des Undergrounds. 2026 traten 31 Formationen aus fünf Kontinenten gegeneinander an: ein Programm, das als größte Metal‑Band‑Competition der Welt gilt. Dabei konnten die Zuschauer direkt vor der Bühne über einen QR-Code abstimmen, aber auch diejenigen, die via Live-Stream zuschauten, konnten voten. Zusätzlich bewertete eine Fachjury die einzelnen Auftritte, um zu bestimmen, wer am Ende Metal Battle Champion 2026 werden sollte.
In diesem Text nehmen wir euch mit zu den Auftritten der ersten Teilnehmer des Wacken Metal Battles, die sich am Mittwoch die Ehre gaben. Der zweite Teil mit den weiteren Bands des Donnerstags, sowie der Siegerehrung am Freitag, wird in den nächsten Tagen erscheinen. Daher werden wir auch hier noch nicht die Platzierungen der Bands vorweg nehmen.
Seers of Light – Ungarn
Den Auftakt der diesjährigen Ausgabe des Metal Battle machte die ungarische Melodic-Progressive-Metal Band Seers Of Light. Geprägt von der Frauenpower der Sängerin, die sowohl mit ihrer Bühnenperformance, als auch mit ihrer Stimme überzeugen konnte, nahm die Band das Publikum mit auf eine harmonisch geprägte Klangreise.
Vor der W:E:T Stage hatten sich zu diesem Auftritt bereits einige Metalheads versammelt, die u.a. mit winkenden Händen den Opener aus Budapest unterstützten. Melodisch unterlegt wurde die starke Bühnen-Performance mit eingängigen Keyboard Melodien, die von den begleitenden Gitarren immer wieder aufgegriffen und verstärkt wurden. Nach diesem gelungenen Auftakt kündigte Machine die zweite Metal Battle Band auf der Headbangers Stage an.
Gannondorf – USA
Nicht nur die Bühne wurde gewechselt, sondern auch der Musikstil. Rauh und kriegerisch präsentierten sich Gannondorf aus den USA. Komplett vermummt, kostümiert und mit venezianischen Masken im Gesicht, betraten sie zu einem melodischen Keyboard Intro die Bühne. Doch der Schein trügte: Tiefe Growls und kratziger Gesang wechselten sich ab und zogen sich durch den ganzen Auftritt der fünf Jungs aus Kalifornien; die raue Stimme des als gehörnten Krieger maskierten Sängers forderte die Zuschauer direkt zur Interaktion. Dazu erzeugten Schlagzeug, Keyboard und schnelle Lichteffekte eine bedrohliche, kriegerische Atmosphäre, die entsprechende Themen der Songtexte aufgriff. Metalhorns wurden in die Höhe gerissen und vor allem die schnelleren Stücke von Gannondorf kamen gut beim Publikum an. Erste Staubwolken wurden von der Action vor der Bühne aufgewirbelt, ein erstes Zeichen, dass es dieses Jahr mal kein Schlamm-Wacken werden sollte. So erwies sich die Vermummung der Bandmitglieder als äußerst praktisch.
Speak in Whispers – Zypern
Die Progressive Groove Metal Band Speak in Whispers durfte als dritter Kandidat auftreten. Mit einer großen Varianz im Gesang, einem basslastigen Sound und tonangebenden Gitarrenspuren machte die Band einen guten ersten Eindruck, bei dem kein Song wie der andere klang. Das Publikum machte sich jedoch noch etwas rar zu diesem frühen Zeitpunkt, was vermutlich aber auch dem Auftritt der Wacken Fire Fighters geschuldet war, die parallel auf der Wackinger Stage spielten. Das änderte jedoch nichts daran, dass die Band sich ordentlich ins Zeug legte. Speak in Whispers arbeiteten sich stiltechnisch stark durch ihre beeindruckende musikalische Bandbreite des Progressive Groove Metals, brachten so die Essenz ihres charakteristischen Sounds auf die Bühne und konnten die Besucher ihres Auftritts damit abholen. Ein voller Erfolg.
Born Broken – Kanada
Mit einem sympathischen „Whats up motherf*ckers? Are you ready?“ kam die Band Born Broken auf die Bühne. Die Band aus Montreal spielt Groove Metal und ist in ihrer Heimat fester Bestandteil der Underground-Szene. Auf der Wacken Bühne zeichnete sich definitiv die passende Attitüde ab: energiegeladen, roh und direkt. Die Ansagen am Anfang waren in den meisten Fällen mehr ein Anschreien, wodurch zwar die Energie, nicht immer aber der eigentliche Inhalt rüber kam. Was man verstehen konnte, wirkte aber sympathisch: Sänger Michael Decker forderte zum Beispiel das Publikum auf, um sich herum zu schauen, die Personen neben sich zu betrachten und, wenn man sie nicht kenne, ihnen die Hand zu reichen und neue Freunde zu gewinnen. Der Welt fehle Empathie und das Publikum wisse das. Nach der Ansage folgte noch ein Song, der noch den einen oder anderen Nacken in Bewegung versetzte.
I See Red – Griechenland
Mit I See Red folgte eine Melodic Death Metal Band aus Athen. Die Band ergänzt ihren Sound um Einflüsse aus Hardcore und Black Metal, sodass sich ein charakteristischer Stil ergibt. Zwar bringen sie die typischen warmen Soundnuancen aus ihrer Heimat mit, dennoch klingen sie, im Gegensatz zu so einigen anderen griechischen Extreme Metal Projekten, nicht nach einer Rotting Christ – Tribute Band. Mit recht langen Songs und guten Übergängen wirkte der Auftritt in Wacken wie aus einem Guss. Das Publikum nahm dieses musikalisch spannende Programm sichtlich gut auf: eine Circle Pit und später auch ein Moshpit starteten ganz ohne Aufforderung. Die Besucher hatten jedenfalls Spaß und auch die Band verausgabte sich in den 20 Minuten Bühnenzeit ordentlich.
Human Nebula – Südafrika
Mit Human Nebula aus Pretoria, folgte eine der ersten Deathcore/Death Metal Bands des Metal Battles. Die Band brachte das Publikum direkt dazu, auf Kommando „F*ck Yeah“ zu schreien. Auch, wenn die Musiker bis auf den Sänger relativ statisch auf der Bühne stand, galt das nicht für die Besucher ihres Auftritts, denn diese stürzten sich direkt zu Beginn in einen Moshpit. Musikalisch überzeugte die Band eindeutig, insbesondere mit fast schon progressiven Gitarrenpassagen. Insgesamt kam die Band recht gut an und schaffte es ein wenig Staub aufwirbeln zu lassen.
Goodnight Greatness – Schweden
Goodnight Greatness aus Stockholm waren dann die Band für alle, die sich gern auf melodische Art und Weise so richtig schön anschreien lassen. Die Band bewegt sich musikalisch irgendwo zwischen Modern Metal und Metalcore, und Sängerin Astrid hat nicht nur eine gute klare Gesangsstimme, sondern auch einen ordentlichen gutturalen Gesang zu bieten. Stellenweise steuerte auch die Gitarristin Hanna Gesang bei, sowie der Bassist Andreas, dessen Mikrofonspur jedoch kaum hörbar war. Publikumsnähe und Humor gab es hier definitiv, so erklärte Astrid im Laufe des Auftritts: „We do not only come from the land of IKEA, we also come from a land where the sun don’t shine and we stay at home, alone in the dark to write metal-songs. Thats why we need more friends, so if you see us out here on the holy ground after the show please come, say hi, we love to meet you guys! don’t be a stranger“. Mit ordentlich Wumms ging es dann weiter, und auch, wenn es gegen Ende ein wenig melodischer wurde und die Band leichte Evanescence-Vibes ausstrahlte, hatte die Musik noch ordentlich Power dahinter. Mit Sicherheit konnten Goodnight Greatness viele Leute für sich gewinnen!
Dead Memories – Irland
Mit Dead Memories folgte nun Slam/Deathcore aus Dublin. Die Band legte direkt los und brachte das Publikum ohne große Umschweife dazu, Staub vor der Bühne aufzuwirbeln. Mit ihrer Mischung aus Growls und Pig Squealings kam die Musik nochmal rauer rüber als die manch anderer Genrevertreter. Aber, was ist eigentlich noch besser als einmal ordentlicher gutturaler Gesang? Zwei Sänger mit einer ordentlichen Röhre! Beim zweiten Song bekam die Band nochmal Unterstützung von einem befreundeten Sänger. Diese Band zeigte eindeutig, dass nicht nur Gefiedel von der grünen Insel kommen kann.
The Crescent’s Call – Österreich
Aus Österreich kamen The Crescent’s Call. Die Band ordnet sich selbst als Symphonic Folk Metal ein, auch wenn die klaren Death Metal Einflüsse im Gesang der Sängerin Christina nicht zu verleugnen sind. Die Wechsel zwischen gutturalen und klarem Gesang, gemischt mit Folk-Instrumenten und solidem Metal-Sound, ergeben eine spannende Dynamik. Inhaltlich erzählt die Band in ihrer Musik eine eigene, fortlaufende Geschichte über innere Konflikte, die sich in der musikalischen Umsetzung und auch visuell auf der Bühne widerspiegelt. Zwischenzeitlich griff Sängerin Christina auch mal zur Geige, was in diese Dynamik mit hineinspielt. Was ohne den Kontext übermäßig theatralisch erscheinen mag, wirkte hier im Gesamtkontext stimmig. Diese facettenreiche, aber gleichzeitig stimmige Gestaltung ließ die Band bei dem Wettbewerb für mich herausstechen.
Hiernach gab es eine Pause des Metal Battles, in der die Gewinner des Vorjahres spielten: Expellow. Die Schweizer Band konnte im Vorjahr den Wettbewerb für sich entscheiden und durfte sich entsprechend über einen einstündigen Slot auf dem diesjährigen Festival freuen. Über den Auftritt könnt ihr die Tage mehr in unserem ausführlichen Mittwochs-Bericht lesen.
Aufgrund der Anzahl der Bands und der Länge des Textes, haben wir diesen Artikel in zwei Teile aufgeteilt, den zweiten Teil findet ihr hier:
Festivalbericht: Wacken Metal Battle 2026 – Mittwoch, Teil 2 – Dark-Art
Bericht: Roksana & Anne
Bilder: Matthias & Patrick
Mehr zum Wacken Open Air 2026 findet ihr hier:
Frühere Beiträge zum Wacken Open Air findet ihr hier:
- Wacken Open Air 2025 – weitere Bilder zum Freitag
- Wacken Open Air 2025 – weitere Bilder zum Donnerstag
- Wacken Open Air 2025 – der Bericht zum Donnerstag
- Wacken Open Air 2025 – der Bericht zum Donnerstag des Metal Battle
- Wacken Open Air 2025 – weitere Bilder zum Mittwoch
- Wacken Open Air 2025 – der Bericht zum Mittwoch
- Wacken Open Air 2025 – weitere Bilder zum Mittwoch des Metal Battle
- Wacken Open Air 2025 – der Bericht zum Mittwoch des Metal Battle
- Ankündigung: Wacken Open Air 2025
- Wacken Open Air 2024 – Bildbeitrag zum Samstag
Antworten