Der Frühling 2027 gehört zwei Bands, die sich seit zwanzig Jahren über den Weg laufen und dieses Mal die Bühne teilen. In Flames und Trivium gehen als Doppel-Headliner durch Europa und Großbritannien, 26 Shows zwischen dem 29. März und dem 7. Mai 2027. Wer oben auf dem Plakat steht, hängt von der Region ab: In Großbritannien und Irland führen Trivium, in Skandinavien In Flames, auf dem europäischen Festland treten beide gleichberechtigt an. Für den deutschsprachigen Raum heißt das: zwei volle Headliner-Sets an einem Abend. Eröffnet wird jede Show von Paleface Swiss aus Zürich und VOLA aus Kopenhagen. Zehn der 26 Termine liegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, alle im April, von Hamburg bis Bamberg, mit Stopps in Bern und Wien.
In Flames
Wer erklären will, was der Göteborg-Sound ist, kommt an In Flames nicht vorbei. Jesper Strömblad gründete die Band 1990, und zusammen mit At the Gates und Dark Tranquillity haben sie eine Spielart des Death Metal etabliert, deren Melodieführung aus der Heavy-Metal-Tradition kommt statt aus dem Underground. The Jester Race (1996) und Whoracle (1997) legten das fest, Colony (1999) und Clayman (2000) machten daraus eine Blaupause, die bis heute kopiert wird.
Ab Reroute to Remain (2002) begann die Band, sich von dieser Blaupause zu entfernen. Melodie rückte nach vorn, die Härte wurde dosierter, und je nachdem, wen man fragt, war das Verrat oder Weiterentwicklung. Über Soundtrack to Your Escape (2004), Come Clarity (2006) und Sounds of a Playground Fading (2011) zog sich diese Debatte durch die Szene, Siren Charms (2014) und Battles (2016) trieben sie auf die Spitze. Mit Foregone (2023) ging die Band dann in eine Richtung zurück, die viele nicht mehr erwartet hatten. Das Album ist schneller und härter als alles seit Clayman, wirft die Songwriting-Erfahrung der Zwischenjahre aber nicht über Bord.
Das fünfzehnte Studioalbum ist inzwischen aufgenommen. Die Sessions liefen ab Februar 2026 in Los Angeles bei Howard Benson, am Pult saß Mike Plotnikoff. Im August 2026 meldete Anders Fridén die Aufnahmen als abgeschlossen, in einer Aufzählung, die von Gelächter über Frustration bis zu grandiosen Entscheidungen alles enthielt und mit der Bemerkung endete, der Gesang sei am Ende nur noch obendrauf gestreut worden. Ein Titel und ein Veröffentlichungstermin sind bislang nicht bekannt.
Live steht In Flames in dieser Besetzung auf der Bühne: Anders Fridén (Gesang, seit 1995), Björn Gelotte (Gitarre, ebenfalls seit 1995 dabei), Chris Broderick (Gitarre, zuvor bei Megadeth und Jag Panzer), Liam Wilson (Bass, zuvor bei The Dillinger Escape Plan) und Jon Rice (Schlagzeug). Wilson kam 2023 als Nachfolger von Bryce Paul dazu und ist seit Mai 2024 festes Mitglied. Rice übernahm im Mai 2025 von Tanner Wayne und wurde im Februar 2026 offiziell bestätigt. Das neue Album ist seine erste Studioarbeit mit der Band.
Trivium
Wenn In Flames auf dieser Tour für die europäische Seite stehen, dann Trivium für die amerikanische. Gegründet 1999 in Orlando, Florida, damals war Matt Heafy dreizehn Jahre alt. Der Durchbruch kam 2005 mit Ascendancy, einem Album, das Thrash-Riffing, Metalcore-Struktur und zweistimmige Gitarrenläufe zusammenbrachte und damit für einen Großteil der Metalcore-Welle der Nullerjahre zum Bezugspunkt wurde. Heafy führt die Band bis heute an, Corey Beaulieu steht seit 2003 an der zweiten Gitarre, Paolo Gregoletto seit 2004 am Bass.
Was danach kam, hat Trivium einen Ruf eingebracht, der ihnen gleichzeitig genützt und geschadet hat: Kaum ein Album klingt wie das vorherige. The Crusade (2006) verlegte sich auf klaren Gesang und Bay-Area-Thrash, Shogun (2008) wurde zum Progressive-Brocken, In Waves (2011) und Vengeance Falls (2013) suchten die größere Bühne, Silence in the Snow (2015) verzichtete komplett auf Screams. Erst The Sin and the Sentence (2017) fand eine Form, in der alles Vorherige Platz hatte. What the Dead Men Say (2020) und In the Court of the Dragon (2021) haben das gefestigt.
Seitdem ist es auf Albumseite still geblieben, für diese Band ungewöhnlich lange. Am 31. Oktober 2025 erschien die EP Struck Dead als Zwischenschritt, vorab lief die Single Bury Me With My Screams. Das elfte Studioalbum ist in Arbeit. Gregoletto beschreibt die Richtung als Rückkehr in den Kopf von Ascendancy, als Gast ist Matt Tuck von Bullet for My Valentine dabei. Einen Titel oder ein Datum gibt es noch nicht.
Am Schlagzeug hat sich etwas geändert. Alex Bent verließ die Band 2025. Seit Oktober 2025 sitzt dort Alex Rüdinger, der zuvor in einer langen Reihe technisch anspruchsvoller Death-Metal- und Progressive-Bands gespielt hat. Die Nordamerika-Tour im Herbst 2026, ebenfalls mit In Flames im Paket, nennt die Band selbst den Auftakt ihrer nächsten Phase. Die Europa-Tour im Frühling 2027 ist deren Fortsetzung.
Paleface Swiss
2017 in Zürich gegründet, damals noch schlicht als Paleface, seit 2023 mit dem Zusatz „Swiss“, weil der ursprüngliche Name schon vergeben war. Musikalisch liegt Deathcore als Fundament darunter, dazu kommen Hardcore-Direktheit, Nu-Metal-Groove und gelegentlich Thrash. Das klingt auf dem Papier nach Baukasten, geht live aber ohne Umwege nach vorn.
Der Weg dahin führte über die EPs Chapter 1: From the Gallows (2018) und Chapter 2: Witch King (2019) zum Debütalbum Chapter 3: The Last Selection (2020). Live gespielt hat die Band erst ab 2022, was die Entwicklung danach umso auffälliger macht. Fear & Dagger (2022) brachte die erste größere Aufmerksamkeit, Cursed (3. Januar 2025) den internationalen Durchbruch samt Auftritten bei Resurrection Fest und Sick New World. Zuletzt erschien am 2. Januar 2026 die EP The Wilted.
Die aktuelle Besetzung: Marc „Zelli“ Zellweger (Gesang), Yannick Lehmann (Gitarre), Tommy Lee (Bass) und Luigi Paraventi (Schlagzeug). Paraventi ist der jüngste Zugang. Cassiano „Cassi“ Toma verließ die Band im März 2026 aus gesundheitlichen Gründen. Der Abschied fiel ausdrücklich einvernehmlich aus. Im Juli 2026 half Paraventi nebenbei bei Gojira aus, als Mario Duplantier wegen Einreiseproblemen für die US-Termine ausfiel.
VOLA
Von den vier Bands auf diesem Plakat sind VOLA die leisesten und auf den ersten Blick die überraschendste Wahl. Die Dänen gründeten sich 2006 in Kopenhagen und spielen Progressive Metal, in den Elektronik, Djent-Rhythmik und Pop-Refrains gleichberechtigt eingebaut sind. Krumme Taktarten und eingängige Melodien schließen sich bei ihnen nicht aus, was die Band von vielen Genrekollegen unterscheidet.
Inmazes (2015) machte den Anfang, Applause of a Distant Crowd (2018) vergrößerte den elektronischen Anteil, Witness (2021) brachte den Durchbruch in der Prog-Szene. Friend of a Phantom erschien am 1. November 2024 über Mascot Records und ist bis heute das aktuelle Album. Die Verbindung zum Headliner läuft direkt darüber: Auf der Single Cannibal singt Anders Fridén mit. Wie die beiden Bands auf ein Plakat kommen, muss man also nicht lange suchen.
Im Dezember 2025 hat es die Band schwer getroffen. Bei einem Brand in einer Kopenhagener Lagerhalle wurde nahezu die gesamte Ausrüstung zerstört, Instrumente, Merchandise und Bühnentechnik inklusive. Über eine Crowdfunding-Kampagne kamen nach Angaben der Band rund 90 Prozent der benötigten Summe zusammen. Die Besetzung ist seit 2017 unverändert: Asger Mygind (Gesang, Gitarre), Martin Werner (Keyboards), Nicolai Mogensen (Bass) und Adam Janzi (Schlagzeug).
Tourdaten (Deutschland, Österreich, Schweiz)

- 09.04.2027 – Hamburg, Sporthalle
- 10.04.2027 – Dresden, Messe Dresden
- 11.04.2027 – Berlin, Velodrom
- 14.04.2027 – Bern, Festhalle (CH)
- 16.04.2027 – Frankfurt, Festhalle
- 17.04.2027 – Düsseldorf, PSD Bank Dome
- 21.04.2027 – Wien, Stadthalle (AT)
- 23.04.2027 – Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle
- 24.04.2027 – München, Zenith
- 25.04.2027 – Bamberg, Brose Arena
Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:
- Wacken Open Air 2023 – Freitag
- Wacken Open Air 2023 – Freitag – Sammelbeitrag
- Konzertbericht: Heaven Shall Burn & Trivium in Frankfurt
- Bericht: Emil Bulls, Nasty uvm. beim Core Fest 2022 in Stuttgart. 17.09.22
- Wacken Open Air 2017 – Freitag
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